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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

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ist diese Größe jetzt gleich 0,0168, und sie nimmt mit jedem Jahr-
hundert um 0,000042 ab, aber nur bis zu einer gewissen Gränze,
nämlich bis zu 0,0039, welche Gränze sie aber erst in nahe vier
und zwanzig tausend Jahren erreichen, und dann wieder durch
viele Jahrtausende zunehmen wird. Wir werden weiter unten
den sehr merkwürdigen Einfluß kennen lernen, welche diese Aen-
derung der Excentricität der Erdbahn auf die Bewegung unseres
Mondes bat. Uebrigens ist diese säculäre Abnahme der Excen-
tricität von 0,000042 in Theilen der halben großen Axe der Erdbahn
sehr gering, da sie in einem Jahre noch nicht neun d. Meilen,
also in einem Tage nur 540 Fuß beträgt. Noch viel geringer ist
die Aenderung der Excentricität der Merkursbahn, die in 100
Jahren nur 0,000004 Theile der Halbaxe dieser Planetenbahn, also
in einem Tage nur zwanzig Fuß beträgt. Diese Bewegungen
gehören daher zu den langsamsten, die wir am Himmel bemerken,
und sie bilden einen auffallenden Contrast mit der Geschwindig-
keit des Lichtes, von welcher wir bereits oben gesprochen haben.

§. 151. (Bestimmung der Lage der Absidenlinie.) So wie
wir die Excentricität der Planetenbahnen aus der Beobachtung
der größten Gleichung des Mittelpunktes gefunden haben, welche
Gleichung immer nahe in der Mitte zwischen den beiden Absiden
statt hat, so werden wir nun auch die Lage der großen Axe selbst
aus denjenigen Punkten A und B der Bahn ableiten können, wo
man die größte und die kleinste heliocentrische Geschwindigkeit oder
auch den größten und kleinsten scheinbaren Durchmesser derselben,
wie er von der Sonne gesehen wird, beobachtet. Da aber diese
Beobachtungen keine große Schärfe gewähren, so wird es besser
seyn, unter den Beobachtungen, die man eine ganze Umlaufszeit
durch z. B. an der Erde angestellt hat, diejenigen zwei heraus-
zusuchen, die genau ein halbes Jahr von einander entfernt sind,
und für welche die beiden Längen der Erde um 180 Grade ver-
schieden sind. An der Vereinigung dieser beiden Eigenschaften
erkennt man nämlich, daß die Erde in ihren Absiden gewesen
seyn muß, für jede andere gerade durch die Sonne S gehende
Linie wird nämlich die Differenz der beiden Längen der Erde
in und in ebenfalls 180 Grade betragen, aber die Zeit
durch den Bogen P wird beträchtlich kürzer seyn, als die durch

Nächſte Folgen d. elliptiſchen Bewegung d. Planeten.
iſt dieſe Größe jetzt gleich 0,0168, und ſie nimmt mit jedem Jahr-
hundert um 0,000042 ab, aber nur bis zu einer gewiſſen Gränze,
nämlich bis zu 0,0039, welche Gränze ſie aber erſt in nahe vier
und zwanzig tauſend Jahren erreichen, und dann wieder durch
viele Jahrtauſende zunehmen wird. Wir werden weiter unten
den ſehr merkwürdigen Einfluß kennen lernen, welche dieſe Aen-
derung der Excentricität der Erdbahn auf die Bewegung unſeres
Mondes bat. Uebrigens iſt dieſe ſäculäre Abnahme der Excen-
tricität von 0,000042 in Theilen der halben großen Axe der Erdbahn
ſehr gering, da ſie in einem Jahre noch nicht neun d. Meilen,
alſo in einem Tage nur 540 Fuß beträgt. Noch viel geringer iſt
die Aenderung der Excentricität der Merkursbahn, die in 100
Jahren nur 0,000004 Theile der Halbaxe dieſer Planetenbahn, alſo
in einem Tage nur zwanzig Fuß beträgt. Dieſe Bewegungen
gehören daher zu den langſamſten, die wir am Himmel bemerken,
und ſie bilden einen auffallenden Contraſt mit der Geſchwindig-
keit des Lichtes, von welcher wir bereits oben geſprochen haben.

§. 151. (Beſtimmung der Lage der Abſidenlinie.) So wie
wir die Excentricität der Planetenbahnen aus der Beobachtung
der größten Gleichung des Mittelpunktes gefunden haben, welche
Gleichung immer nahe in der Mitte zwiſchen den beiden Abſiden
ſtatt hat, ſo werden wir nun auch die Lage der großen Axe ſelbſt
aus denjenigen Punkten A und B der Bahn ableiten können, wo
man die größte und die kleinſte heliocentriſche Geſchwindigkeit oder
auch den größten und kleinſten ſcheinbaren Durchmeſſer derſelben,
wie er von der Sonne geſehen wird, beobachtet. Da aber dieſe
Beobachtungen keine große Schärfe gewähren, ſo wird es beſſer
ſeyn, unter den Beobachtungen, die man eine ganze Umlaufszeit
durch z. B. an der Erde angeſtellt hat, diejenigen zwei heraus-
zuſuchen, die genau ein halbes Jahr von einander entfernt ſind,
und für welche die beiden Längen der Erde um 180 Grade ver-
ſchieden ſind. An der Vereinigung dieſer beiden Eigenſchaften
erkennt man nämlich, daß die Erde in ihren Abſiden geweſen
ſeyn muß, für jede andere gerade durch die Sonne S gehende
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[300/0312] Nächſte Folgen d. elliptiſchen Bewegung d. Planeten. iſt dieſe Größe jetzt gleich 0,0168, und ſie nimmt mit jedem Jahr- hundert um 0,000042 ab, aber nur bis zu einer gewiſſen Gränze, nämlich bis zu 0,0039, welche Gränze ſie aber erſt in nahe vier und zwanzig tauſend Jahren erreichen, und dann wieder durch viele Jahrtauſende zunehmen wird. Wir werden weiter unten den ſehr merkwürdigen Einfluß kennen lernen, welche dieſe Aen- derung der Excentricität der Erdbahn auf die Bewegung unſeres Mondes bat. Uebrigens iſt dieſe ſäculäre Abnahme der Excen- tricität von 0,000042 in Theilen der halben großen Axe der Erdbahn ſehr gering, da ſie in einem Jahre noch nicht neun d. Meilen, alſo in einem Tage nur 540 Fuß beträgt. Noch viel geringer iſt die Aenderung der Excentricität der Merkursbahn, die in 100 Jahren nur 0,000004 Theile der Halbaxe dieſer Planetenbahn, alſo in einem Tage nur zwanzig Fuß beträgt. Dieſe Bewegungen gehören daher zu den langſamſten, die wir am Himmel bemerken, und ſie bilden einen auffallenden Contraſt mit der Geſchwindig- keit des Lichtes, von welcher wir bereits oben geſprochen haben. §. 151. (Beſtimmung der Lage der Abſidenlinie.) So wie wir die Excentricität der Planetenbahnen aus der Beobachtung der größten Gleichung des Mittelpunktes gefunden haben, welche Gleichung immer nahe in der Mitte zwiſchen den beiden Abſiden ſtatt hat, ſo werden wir nun auch die Lage der großen Axe ſelbſt aus denjenigen Punkten A und B der Bahn ableiten können, wo man die größte und die kleinſte heliocentriſche Geſchwindigkeit oder auch den größten und kleinſten ſcheinbaren Durchmeſſer derſelben, wie er von der Sonne geſehen wird, beobachtet. Da aber dieſe Beobachtungen keine große Schärfe gewähren, ſo wird es beſſer ſeyn, unter den Beobachtungen, die man eine ganze Umlaufszeit durch z. B. an der Erde angeſtellt hat, diejenigen zwei heraus- zuſuchen, die genau ein halbes Jahr von einander entfernt ſind, und für welche die beiden Längen der Erde um 180 Grade ver- ſchieden ſind. An der Vereinigung dieſer beiden Eigenſchaften erkennt man nämlich, daß die Erde in ihren Abſiden geweſen ſeyn muß, für jede andere gerade durch die Sonne S gehende Linie ☊☋ wird nämlich die Differenz der beiden Längen der Erde in ☊ und in ☋ ebenfalls 180 Grade betragen, aber die Zeit durch den Bogen ☊P☋ wird beträchtlich kürzer ſeyn, als die durch

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. 300. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/312>, abgerufen am 24.07.2019.