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Liliencron, Detlev von: Adjutantenritte und andere Gedichte. Leipzig, [1883].

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Wie schätz' ich Platen, seine Prachtsonette,
Wie dank' ich Geibel, daß sein schönstes Lied
Ihn feiert: wundervoll sind die Terzette,
Durch die sein roter Zornesfaden zieht.
Platens Balladen sind zwar sehr honette,
Doch ohne Funkelfeuer, Kolorit.
Bei Bürger, Strachwitz, Uhland, Dahn, Fontane,
Wie scheint und schimmert die Balladenfahne.
Die Worte: Busen, duften, kosen, wallen,
Sind alte deutsche Worte, schön, verstehlich.
Der Dichter bringt sie gern in ganzen Ballen,
Aus unsrer Sprache sind sie unverwehlich.
Wie kommt es, daß sie nimmer mir gefallen,
Ich finde scheuslich sie, ganz unausstehlich.
Um meinen Busen kosen Moiken's Locken,
Und wallen, duftend, dann ihr auf die Socken.
Wall"e"t das Haar auch, duftend, auf die Socken,
Nicht kos"e"t mehr ihr Busen an dem meinen.
Im Gegenteil, ihr Busen wallt erschrocken,
Und ach, die süßesten der Augen weinen.
Ihr Herzchen wallt, doch nicht wie Abendglocken,
Es wallt wie Sturm das Herzchen meiner Kleinen.
In ihres Busens tief geheimster Bucht
Verankerte sich grimme Eifersucht.
Mein gutes Mädchen, sei mir nicht mehr böse,
Daß ich dich, wie du meinst, geärgert habe.
Näh' freundlich wieder Knöpfe mir und Öse,
Durchkrame wieder meine ganze Habe.
Du weißt, ich bin zuweilen sehr nervöse,
Sei wieder gut, sonst schelt' ich noch im Grabe
Acht Tage sind es her, das fort die Truppe,
Und ausgelöscht die letzte Lampenschnuppe.

Wie ſchätz’ ich Platen, ſeine Prachtſonette,
Wie dank’ ich Geibel, daß ſein ſchönſtes Lied
Ihn feiert: wundervoll ſind die Terzette,
Durch die ſein roter Zornesfaden zieht.
Platens Balladen ſind zwar ſehr honette,
Doch ohne Funkelfeuer, Kolorit.
Bei Bürger, Strachwitz, Uhland, Dahn, Fontane,
Wie ſcheint und ſchimmert die Balladenfahne.
Die Worte: Buſen, duften, koſen, wallen,
Sind alte deutſche Worte, ſchön, verſtehlich.
Der Dichter bringt ſie gern in ganzen Ballen,
Aus unſrer Sprache ſind ſie unverwehlich.
Wie kommt es, daß ſie nimmer mir gefallen,
Ich finde ſcheuslich ſie, ganz unausſtehlich.
Um meinen Buſen koſen Moiken’s Locken,
Und wallen, duftend, dann ihr auf die Socken.
Wall„e“t das Haar auch, duftend, auf die Socken,
Nicht koſ„e“t mehr ihr Buſen an dem meinen.
Im Gegenteil, ihr Buſen wallt erſchrocken,
Und ach, die ſüßeſten der Augen weinen.
Ihr Herzchen wallt, doch nicht wie Abendglocken,
Es wallt wie Sturm das Herzchen meiner Kleinen.
In ihres Buſens tief geheimſter Bucht
Verankerte ſich grimme Eiferſucht.
Mein gutes Mädchen, ſei mir nicht mehr böſe,
Daß ich dich, wie du meinſt, geärgert habe.
Näh’ freundlich wieder Knöpfe mir und Öſe,
Durchkrame wieder meine ganze Habe.
Du weißt, ich bin zuweilen ſehr nervöſe,
Sei wieder gut, ſonſt ſchelt’ ich noch im Grabe
Acht Tage ſind es her, das fort die Truppe,
Und ausgelöſcht die letzte Lampenſchnuppe.

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[122/0130] Wie ſchätz’ ich Platen, ſeine Prachtſonette, Wie dank’ ich Geibel, daß ſein ſchönſtes Lied Ihn feiert: wundervoll ſind die Terzette, Durch die ſein roter Zornesfaden zieht. Platens Balladen ſind zwar ſehr honette, Doch ohne Funkelfeuer, Kolorit. Bei Bürger, Strachwitz, Uhland, Dahn, Fontane, Wie ſcheint und ſchimmert die Balladenfahne. Die Worte: Buſen, duften, koſen, wallen, Sind alte deutſche Worte, ſchön, verſtehlich. Der Dichter bringt ſie gern in ganzen Ballen, Aus unſrer Sprache ſind ſie unverwehlich. Wie kommt es, daß ſie nimmer mir gefallen, Ich finde ſcheuslich ſie, ganz unausſtehlich. Um meinen Buſen koſen Moiken’s Locken, Und wallen, duftend, dann ihr auf die Socken. Wall„e“t das Haar auch, duftend, auf die Socken, Nicht koſ„e“t mehr ihr Buſen an dem meinen. Im Gegenteil, ihr Buſen wallt erſchrocken, Und ach, die ſüßeſten der Augen weinen. Ihr Herzchen wallt, doch nicht wie Abendglocken, Es wallt wie Sturm das Herzchen meiner Kleinen. In ihres Buſens tief geheimſter Bucht Verankerte ſich grimme Eiferſucht. Mein gutes Mädchen, ſei mir nicht mehr böſe, Daß ich dich, wie du meinſt, geärgert habe. Näh’ freundlich wieder Knöpfe mir und Öſe, Durchkrame wieder meine ganze Habe. Du weißt, ich bin zuweilen ſehr nervöſe, Sei wieder gut, ſonſt ſchelt’ ich noch im Grabe Acht Tage ſind es her, das fort die Truppe, Und ausgelöſcht die letzte Lampenſchnuppe.

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Zitationshilfe: Liliencron, Detlev von: Adjutantenritte und andere Gedichte. Leipzig, [1883], S. 122. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/liliencron_adjutantenritte_1883/130>, abgerufen am 19.11.2019.