Um Gotteswillen ist es wahr, ist es wirklich, was ich eben im Hause der Fürstin vernommen -- Ludovico hat den Valerius erschossen? O ich beschwöre Dich, fertige den Boten sogleich wieder ab, damit ich heut' noch Nachricht habe. Ich stehe zwischen lauter Grä¬ bern und will doch wissen, in welches ich springen soll. O Gott, meine Gute, ich kann nicht schreiben, weil ich nicht sehen kann vor dem Thränenstrome. Nein, nein, Gott wird seinen Liebling doch nicht von einem heißblü¬ tigen Tölpel ermorden lassen, dessen einzig Verdienst das heiße Blut ist. Armes Mädchen, was magst Du leiden. Ach es ist Unsinn! Der Mann, der noch so viel in der Welt zu thun hat, kann nicht erschossen sein von einem nutzlosen Menschen. Ist dieser Narr doch gar verrückt genug, mich hier auszukundschaften und meine Hand zu verlangen, während er mir auf die nächste Frage eingestehen muß, daß er Valerius niedergeschossen, und nicht wisse, ob er noch lebe. Und jenes Herz sollte still stehen -- o wozu klappern die tausend unnützen
26. Camilla an Alberta.
Um Gotteswillen iſt es wahr, iſt es wirklich, was ich eben im Hauſe der Fürſtin vernommen — Ludovico hat den Valerius erſchoſſen? O ich beſchwöre Dich, fertige den Boten ſogleich wieder ab, damit ich heut' noch Nachricht habe. Ich ſtehe zwiſchen lauter Grä¬ bern und will doch wiſſen, in welches ich ſpringen ſoll. O Gott, meine Gute, ich kann nicht ſchreiben, weil ich nicht ſehen kann vor dem Thränenſtrome. Nein, nein, Gott wird ſeinen Liebling doch nicht von einem heißblü¬ tigen Tölpel ermorden laſſen, deſſen einzig Verdienſt das heiße Blut iſt. Armes Mädchen, was magſt Du leiden. Ach es iſt Unſinn! Der Mann, der noch ſo viel in der Welt zu thun hat, kann nicht erſchoſſen ſein von einem nutzloſen Menſchen. Iſt dieſer Narr doch gar verrückt genug, mich hier auszukundſchaften und meine Hand zu verlangen, während er mir auf die nächſte Frage eingeſtehen muß, daß er Valerius niedergeſchoſſen, und nicht wiſſe, ob er noch lebe. Und jenes Herz ſollte ſtill ſtehen — o wozu klappern die tauſend unnützen
<TEI><text><body><divn="1"><pbfacs="#f0093"n="81"/></div><divn="1"><head>26.<lb/><hirendition="#b #g">Camilla an Alberta.</hi><lb/></head><p>Um Gotteswillen iſt es wahr, iſt es wirklich, was<lb/>
ich eben im Hauſe der Fürſtin vernommen — Ludovico<lb/>
hat den Valerius erſchoſſen? O ich beſchwöre Dich,<lb/>
fertige den Boten ſogleich wieder ab, damit ich heut'<lb/>
noch Nachricht habe. Ich ſtehe zwiſchen lauter Grä¬<lb/>
bern und will doch wiſſen, in welches ich ſpringen ſoll.<lb/>
O Gott, meine Gute, ich kann nicht ſchreiben, weil ich<lb/>
nicht ſehen kann vor dem Thränenſtrome. Nein, nein,<lb/>
Gott wird ſeinen Liebling doch nicht von einem heißblü¬<lb/>
tigen Tölpel ermorden laſſen, deſſen einzig Verdienſt<lb/>
das heiße Blut iſt. Armes Mädchen, was magſt Du<lb/>
leiden. Ach es iſt Unſinn! Der Mann, der noch ſo<lb/>
viel in der Welt zu thun hat, kann nicht erſchoſſen ſein<lb/>
von einem nutzloſen Menſchen. Iſt dieſer Narr doch<lb/>
gar verrückt genug, mich hier auszukundſchaften und meine<lb/>
Hand zu verlangen, während er mir auf die nächſte<lb/>
Frage eingeſtehen muß, daß er Valerius niedergeſchoſſen,<lb/>
und nicht wiſſe, ob er noch lebe. Und jenes Herz ſollte<lb/>ſtill ſtehen — o wozu klappern die tauſend unnützen<lb/></p></div></body></text></TEI>
[81/0093]
26.
Camilla an Alberta.
Um Gotteswillen iſt es wahr, iſt es wirklich, was
ich eben im Hauſe der Fürſtin vernommen — Ludovico
hat den Valerius erſchoſſen? O ich beſchwöre Dich,
fertige den Boten ſogleich wieder ab, damit ich heut'
noch Nachricht habe. Ich ſtehe zwiſchen lauter Grä¬
bern und will doch wiſſen, in welches ich ſpringen ſoll.
O Gott, meine Gute, ich kann nicht ſchreiben, weil ich
nicht ſehen kann vor dem Thränenſtrome. Nein, nein,
Gott wird ſeinen Liebling doch nicht von einem heißblü¬
tigen Tölpel ermorden laſſen, deſſen einzig Verdienſt
das heiße Blut iſt. Armes Mädchen, was magſt Du
leiden. Ach es iſt Unſinn! Der Mann, der noch ſo
viel in der Welt zu thun hat, kann nicht erſchoſſen ſein
von einem nutzloſen Menſchen. Iſt dieſer Narr doch
gar verrückt genug, mich hier auszukundſchaften und meine
Hand zu verlangen, während er mir auf die nächſte
Frage eingeſtehen muß, daß er Valerius niedergeſchoſſen,
und nicht wiſſe, ob er noch lebe. Und jenes Herz ſollte
ſtill ſtehen — o wozu klappern die tauſend unnützen
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Laube, Heinrich: Das junge Europa. Bd. 1, 2. Leipzig, 1833, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laube_europa0102_1833/93>, abgerufen am 26.02.2025.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2025 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
(Kontakt).
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2025. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.