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Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

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Die Kraft.
stiget, und sie mit Geschwindigkeiten, welche der An-
zahl der Ringe proportional, oder in umgekehrter Ver-
hältniß der Massen sind, gegen einander beweget,
die Ringe ebenfalls gleich werden zusammen gedrückt
werden. Der Ruhepunct wird gleichfalls zwischen
f und g seyn, und nach der größten Zusammendrü-
ckung werden die Massen mit eben den Geschwindig-
keiten von einander gestoßen werden, mit welchen sie
gegen einander beweget worden. Eben dieses hat
auch statt, wenn gleich die Anzahl der Ringe nach
Belieben vertheilet wird. Denn so bald bey dem
Anstoßen die Ringe einander berühren, so ist es eben
so viel, und das Zusammendrücken erfolget, als wenn
sie an einander befestiget wären. Der Ruhepunct
wird immer zwischen f und g fallen. Man sieht hier-
aus leicht, daß man statt der elastischen Ringe die
Körper selbst elastisch setzen, und sie unmittelbar an
einander stoßen lassen kann. Jst die Geschwindigkeit
umgekehret, wie die Massen, so gehen sie nach dem
Stoße jeder mit seiner Geschwindigkeit von einander
weg. Nun läßt sich jeder andere Fall auf diesen re-
duciren, weil man bey dem Stoße eigentlich nur auf
die relative Geschwindigkeit zu sehen hat, mit wel-
cher sich beyde Körper einander nähern. Diese muß
nach dem Verhältnisse der Massen vertheilet werden,
und sie wird vor und nach dem Stoße eben so ver-
theilet bleiben. Man kann beyden Massen vor und
nach dem Stoße eine gemeinsame Geschwindigkeit
zugeben oder benehmen, ohne daß dadurch der Wir-
kung des Stoßes etwas benommen werde. Es ist
übrigens für sich klar, daß hiebey die Elasticität
absolute und vollkommen angenommen wird. Denn
widrigenfalls kömmt dabey, die bereits oben (§. 96.)
gemachte Anmerkung vor, welche den Beweis ent-

kräften
C 2

Die Kraft.
ſtiget, und ſie mit Geſchwindigkeiten, welche der An-
zahl der Ringe proportional, oder in umgekehrter Ver-
haͤltniß der Maſſen ſind, gegen einander beweget,
die Ringe ebenfalls gleich werden zuſammen gedruͤckt
werden. Der Ruhepunct wird gleichfalls zwiſchen
f und g ſeyn, und nach der groͤßten Zuſammendruͤ-
ckung werden die Maſſen mit eben den Geſchwindig-
keiten von einander geſtoßen werden, mit welchen ſie
gegen einander beweget worden. Eben dieſes hat
auch ſtatt, wenn gleich die Anzahl der Ringe nach
Belieben vertheilet wird. Denn ſo bald bey dem
Anſtoßen die Ringe einander beruͤhren, ſo iſt es eben
ſo viel, und das Zuſammendruͤcken erfolget, als wenn
ſie an einander befeſtiget waͤren. Der Ruhepunct
wird immer zwiſchen f und g fallen. Man ſieht hier-
aus leicht, daß man ſtatt der elaſtiſchen Ringe die
Koͤrper ſelbſt elaſtiſch ſetzen, und ſie unmittelbar an
einander ſtoßen laſſen kann. Jſt die Geſchwindigkeit
umgekehret, wie die Maſſen, ſo gehen ſie nach dem
Stoße jeder mit ſeiner Geſchwindigkeit von einander
weg. Nun laͤßt ſich jeder andere Fall auf dieſen re-
duciren, weil man bey dem Stoße eigentlich nur auf
die relative Geſchwindigkeit zu ſehen hat, mit wel-
cher ſich beyde Koͤrper einander naͤhern. Dieſe muß
nach dem Verhaͤltniſſe der Maſſen vertheilet werden,
und ſie wird vor und nach dem Stoße eben ſo ver-
theilet bleiben. Man kann beyden Maſſen vor und
nach dem Stoße eine gemeinſame Geſchwindigkeit
zugeben oder benehmen, ohne daß dadurch der Wir-
kung des Stoßes etwas benommen werde. Es iſt
uͤbrigens fuͤr ſich klar, daß hiebey die Elaſticitaͤt
abſolute und vollkommen angenommen wird. Denn
widrigenfalls koͤmmt dabey, die bereits oben (§. 96.)
gemachte Anmerkung vor, welche den Beweis ent-

kraͤften
C 2
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[35/0043] Die Kraft. ſtiget, und ſie mit Geſchwindigkeiten, welche der An- zahl der Ringe proportional, oder in umgekehrter Ver- haͤltniß der Maſſen ſind, gegen einander beweget, die Ringe ebenfalls gleich werden zuſammen gedruͤckt werden. Der Ruhepunct wird gleichfalls zwiſchen f und g ſeyn, und nach der groͤßten Zuſammendruͤ- ckung werden die Maſſen mit eben den Geſchwindig- keiten von einander geſtoßen werden, mit welchen ſie gegen einander beweget worden. Eben dieſes hat auch ſtatt, wenn gleich die Anzahl der Ringe nach Belieben vertheilet wird. Denn ſo bald bey dem Anſtoßen die Ringe einander beruͤhren, ſo iſt es eben ſo viel, und das Zuſammendruͤcken erfolget, als wenn ſie an einander befeſtiget waͤren. Der Ruhepunct wird immer zwiſchen f und g fallen. Man ſieht hier- aus leicht, daß man ſtatt der elaſtiſchen Ringe die Koͤrper ſelbſt elaſtiſch ſetzen, und ſie unmittelbar an einander ſtoßen laſſen kann. Jſt die Geſchwindigkeit umgekehret, wie die Maſſen, ſo gehen ſie nach dem Stoße jeder mit ſeiner Geſchwindigkeit von einander weg. Nun laͤßt ſich jeder andere Fall auf dieſen re- duciren, weil man bey dem Stoße eigentlich nur auf die relative Geſchwindigkeit zu ſehen hat, mit wel- cher ſich beyde Koͤrper einander naͤhern. Dieſe muß nach dem Verhaͤltniſſe der Maſſen vertheilet werden, und ſie wird vor und nach dem Stoße eben ſo ver- theilet bleiben. Man kann beyden Maſſen vor und nach dem Stoße eine gemeinſame Geſchwindigkeit zugeben oder benehmen, ohne daß dadurch der Wir- kung des Stoßes etwas benommen werde. Es iſt uͤbrigens fuͤr ſich klar, daß hiebey die Elaſticitaͤt abſolute und vollkommen angenommen wird. Denn widrigenfalls koͤmmt dabey, die bereits oben (§. 96.) gemachte Anmerkung vor, welche den Beweis ent- kraͤften C 2

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/43>, abgerufen am 21.09.2019.