Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

Bild:
<< vorherige Seite

geschiedenen durch den Gärtner dagelassen. Der Teufel hole jeden,
den er zu bald holet! Ich hoffte noch so viel mit Ihnen zu thun
und zu sprechen. Doch vorbei ist vorbei! Gehen Sie künftig nur
nicht früher vorbei als hindurch! Mit Ihnen ist nichts anzufangen
als -- was der Tod und Gott weiß -- das Ende. Meinen herz-5
lichen Gruß an Eva!

Richter
68. An Emanuel.

Ich sende Ihnen sogleich diesen guten Morgen für Otto und Sie10
-- nach seinem Verlangen --, da man Ihnen fremde Freude nicht
schnell genug geben kann.

69. An Otto.

Lieber Otto! Mache dir nur nicht so viel aus meinen Spaß-15
Monitorien. Du kannst mir sie ja gerecht zurück geben. Napoleon
schicke ich dir doch wieder, da ich ihn nicht immer haben kann wie
meine Sachen.

70. An Hofrat Creuzer in Heidelberg.
[Kopie]20

Wenn einem[?] etwas seitwärts des Äquators plötzlich der
Nord- oder Polstern aufginge: dieser Mann[?] hätte meine [?]
Empfindung der Freude über dieses Gestirn aus Norden. -- Bei
Ihrem Wunsche, daß ich Herders Werke rezensieren möchte,
hatten Sie wahrscheinlich keinen -- Spiegel! Sie mit Ihrem25
reichen großen historischen Sinn und Können und Kennen müßten
diese Bitte an Niemand thun als an H. Hofrath -- Creuzer in
Heidelberg. -- Gerade das historische Auge ist Herders Polyphem
Auge. Ich habe Schmetterlings Augen. -- "Gott segne Ihre
Studien", sagte man sonst zu Abiturienten. Nun Ihre Studien30
segnen uns selber und Sie gewiß auch mit.

geſchiedenen durch den Gärtner dagelaſſen. Der Teufel hole jeden,
den er zu bald holet! Ich hoffte noch ſo viel mit Ihnen zu thun
und zu ſprechen. Doch vorbei iſt vorbei! Gehen Sie künftig nur
nicht früher vorbei als hindurch! Mit Ihnen iſt nichts anzufangen
als — was der Tod und Gott weiß — das Ende. Meinen herz-5
lichen Gruß an Eva!

Richter
68. An Emanuel.

Ich ſende Ihnen ſogleich dieſen guten Morgen für Otto und Sie10
— nach ſeinem Verlangen —, da man Ihnen fremde Freude nicht
ſchnell genug geben kann.

69. An Otto.

Lieber Otto! Mache dir nur nicht ſo viel aus meinen Spaß-15
Monitorien. Du kannſt mir ſie ja gerecht zurück geben. Napoléon
ſchicke ich dir doch wieder, da ich ihn nicht immer haben kann wie
meine Sachen.

70. An Hofrat Creuzer in Heidelberg.
[Kopie]20

Wenn einem[?] etwas ſeitwärts des Äquators plötzlich der
Nord- oder Polſtern aufginge: dieſer Mann[?] hätte meine [?]
Empfindung der Freude über dieſes Geſtirn aus Norden. — Bei
Ihrem Wunſche, daß ich Herders Werke rezenſieren möchte,
hatten Sie wahrſcheinlich keinen — Spiegel! Sie mit Ihrem25
reichen großen hiſtoriſchen Sinn und Können und Kennen müßten
dieſe Bitte an Niemand thun als an H. Hofrath — Creuzer in
Heidelberg. — Gerade das hiſtoriſche Auge iſt Herders Polyphem
Auge. Ich habe Schmetterlings Augen. — „Gott ſegne Ihre
Studien“, ſagte man ſonſt zu Abiturienten. Nun Ihre Studien30
ſegnen uns ſelber und Sie gewiß auch mit.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0032" n="23"/>
ge&#x017F;chiedenen durch den Gärtner dagela&#x017F;&#x017F;en. Der Teufel hole jeden,<lb/>
den er zu bald holet! Ich hoffte noch &#x017F;o viel mit Ihnen zu thun<lb/>
und zu &#x017F;prechen. Doch vorbei i&#x017F;t vorbei! Gehen Sie künftig nur<lb/>
nicht früher vorbei als hindurch! Mit Ihnen i&#x017F;t nichts anzufangen<lb/>
als &#x2014; was der Tod und Gott weiß &#x2014; das Ende. Meinen herz-<lb n="5"/>
lichen Gruß an Eva!</p><lb/>
        <closer>
          <salute> <hi rendition="#right">Richter</hi> </salute>
        </closer>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>68. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 6. April 1809]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Ich &#x017F;ende Ihnen &#x017F;ogleich die&#x017F;en guten Morgen für <hi rendition="#aq">Otto</hi> und Sie<lb n="10"/>
&#x2014; nach &#x017F;einem Verlangen &#x2014;, da man Ihnen fremde Freude nicht<lb/>
&#x017F;chnell genug geben kann.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>69. An <hi rendition="#g">Otto.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 6.(?) April 1809]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Lieber Otto! Mache dir nur nicht &#x017F;o viel aus meinen Spaß-<lb n="15"/>
Monitorien. Du kann&#x017F;t mir &#x017F;ie ja gerecht zurück geben. <hi rendition="#aq">Napoléon</hi><lb/>
&#x017F;chicke ich dir doch wieder, da ich ihn nicht immer haben kann wie<lb/>
meine Sachen.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>70. An <hi rendition="#g">Hofrat Creuzer in Heidelberg.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial">[Kopie]</note>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 7. April 1809]</hi> </dateline>
        <lb n="20"/>
        <p>Wenn einem[?] etwas &#x017F;eitwärts des Äquators plötzlich der<lb/>
Nord- oder Pol&#x017F;tern aufginge: die&#x017F;er Mann[?] hätte meine [?]<lb/>
Empfindung der Freude über die&#x017F;es Ge&#x017F;tirn aus Norden. &#x2014; Bei<lb/>
Ihrem Wun&#x017F;che, daß ich <hi rendition="#aq">Herders</hi> Werke rezen&#x017F;ieren möchte,<lb/>
hatten Sie wahr&#x017F;cheinlich keinen &#x2014; Spiegel! Sie mit Ihrem<lb n="25"/>
reichen großen hi&#x017F;tori&#x017F;chen Sinn und Können und Kennen müßten<lb/>
die&#x017F;e Bitte an Niemand thun als an H. Hofrath &#x2014; <hi rendition="#aq">Creuzer</hi> in<lb/><hi rendition="#aq">Heidelberg.</hi> &#x2014; Gerade das hi&#x017F;tori&#x017F;che Auge i&#x017F;t <hi rendition="#aq">Herders</hi> Polyphem<lb/>
Auge. Ich habe Schmetterlings Augen. &#x2014; &#x201E;Gott &#x017F;egne Ihre<lb/><hi rendition="#g">Studien</hi>&#x201C;, &#x017F;agte man &#x017F;on&#x017F;t zu Abiturienten. Nun Ihre Studien<lb n="30"/>
&#x017F;egnen uns &#x017F;elber und Sie gewiß auch mit.</p>
      </div><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[23/0032] geſchiedenen durch den Gärtner dagelaſſen. Der Teufel hole jeden, den er zu bald holet! Ich hoffte noch ſo viel mit Ihnen zu thun und zu ſprechen. Doch vorbei iſt vorbei! Gehen Sie künftig nur nicht früher vorbei als hindurch! Mit Ihnen iſt nichts anzufangen als — was der Tod und Gott weiß — das Ende. Meinen herz- 5 lichen Gruß an Eva! Richter 68. An Emanuel. [Bayreuth, 6. April 1809] Ich ſende Ihnen ſogleich dieſen guten Morgen für Otto und Sie 10 — nach ſeinem Verlangen —, da man Ihnen fremde Freude nicht ſchnell genug geben kann. 69. An Otto. [Bayreuth, 6.(?) April 1809] Lieber Otto! Mache dir nur nicht ſo viel aus meinen Spaß- 15 Monitorien. Du kannſt mir ſie ja gerecht zurück geben. Napoléon ſchicke ich dir doch wieder, da ich ihn nicht immer haben kann wie meine Sachen. 70. An Hofrat Creuzer in Heidelberg. [Bayreuth, 7. April 1809] 20 Wenn einem[?] etwas ſeitwärts des Äquators plötzlich der Nord- oder Polſtern aufginge: dieſer Mann[?] hätte meine [?] Empfindung der Freude über dieſes Geſtirn aus Norden. — Bei Ihrem Wunſche, daß ich Herders Werke rezenſieren möchte, hatten Sie wahrſcheinlich keinen — Spiegel! Sie mit Ihrem 25 reichen großen hiſtoriſchen Sinn und Können und Kennen müßten dieſe Bitte an Niemand thun als an H. Hofrath — Creuzer in Heidelberg. — Gerade das hiſtoriſche Auge iſt Herders Polyphem Auge. Ich habe Schmetterlings Augen. — „Gott ſegne Ihre Studien“, ſagte man ſonſt zu Abiturienten. Nun Ihre Studien 30 ſegnen uns ſelber und Sie gewiß auch mit.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/32
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 23. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/32>, abgerufen am 21.08.2019.