Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 4. Berlin, 1960.

Bild:
<< vorherige Seite

Ich konte die Aussicht in die lange Unsichtbarkeit nicht erdulden. Auch
morgen komm' ich auf eine halbe Stunde und halbe Tasse, um diese
Zeit. -- Es treibt mich immer heftiger zu dir her, wenn man mir von
deinem vorigen Abende und überhaupt von dir erzählte. Morgen,
morgen -- wünsche wie ich -- und freue dich wie ich mich, du Getreue5
dem Getreuen! Gute Nacht! Mög' ein Traum dir und mir diese ent-
zogne Stunde wiedergeben.

56. An Karoline Mayer.

Liebes Wesen! Ist der Vater nicht eingeladen, so donnere ich punkt10
71/4 Uhr mit meinem Wagen vor dir vor und hohle dich wie ein
Jupiter ab. Im andern Falle komm' ich dir nach. Sage mir die Ent-
scheidung. Wenigstens in den beiden halben Stunden des Wegs, Liebe,
ersteigen wir den hängenden Garten der Freude, der sich in Gesel-
schaften über uns zu hoch erhebt. --15

R.
[39] 57. An Karoline Mayer.

Seeligen Morgen gleich dem seeligen Abend! Wie ist dir, Herz?
Du bist doch so glühend gegen mich wie ich gegen dich? -- Hast du20
gesund geschlafen? -- Ich mus einige Zeilen von dir haben. Es gehört
doch blos zum gestrigen Rausche -- der weiter keinen Fehler hat als
daß ich den Morgen darauf zum poetischen, d. h. zum wiederholten
nicht gut passe -- daß ich erst -- Sontags wieder kommen solte. O
du Einzige, Herliche, Glühende und Lichte!25

Sende mir den Roman, Klara v. Bandemer zurük.

Heute war es doch bewölkt; und morgen gewis noch mehr nach
meiner Prophez[eiung].

58. An Karoline Mayer.
30

Habe du einen guten und keinen schweren [?] Morgen, Seele! Ich
besorge, daß sich [in deinem] Kopfe Schmerzen zu den Nacht[t]räumen
gatten. -- Schreibe mir, ob über alhaupt alles gut steht. Ach du
krystallenreine Seele, in jeder neuen Lage -- wie gestern eine war --

Ich konte die Ausſicht in die lange Unſichtbarkeit nicht erdulden. Auch
morgen komm’ ich auf eine halbe Stunde und halbe Taſſe, um dieſe
Zeit. — Es treibt mich immer heftiger zu dir her, wenn man mir von
deinem vorigen Abende und überhaupt von dir erzählte. Morgen,
morgen — wünſche wie ich — und freue dich wie ich mich, du Getreue5
dem Getreuen! Gute Nacht! Mög’ ein Traum dir und mir dieſe ent-
zogne Stunde wiedergeben.

56. An Karoline Mayer.

Liebes Weſen! Iſt der Vater nicht eingeladen, ſo donnere ich punkt10
7¼ Uhr mit meinem Wagen vor dir vor und hohle dich wie ein
Jupiter ab. Im andern Falle komm’ ich dir nach. Sage mir die Ent-
ſcheidung. Wenigſtens in den beiden halben Stunden des Wegs, Liebe,
erſteigen wir den hängenden Garten der Freude, der ſich in Geſel-
ſchaften über uns zu hoch erhebt. —15

R.
[39] 57. An Karoline Mayer.

Seeligen Morgen gleich dem ſeeligen Abend! Wie iſt dir, Herz?
Du biſt doch ſo glühend gegen mich wie ich gegen dich? — Haſt du20
geſund geſchlafen? — Ich mus einige Zeilen von dir haben. Es gehört
doch blos zum geſtrigen Rauſche — der weiter keinen Fehler hat als
daß ich den Morgen darauf zum poetiſchen, d. h. zum wiederholten
nicht gut paſſe — daß ich erſt — Sontags wieder kommen ſolte. O
du Einzige, Herliche, Glühende und Lichte!25

Sende mir den Roman, Klara v. Bandemer zurük.

Heute war es doch bewölkt; und morgen gewis noch mehr nach
meiner Prophez[eiung].

58. An Karoline Mayer.
30

Habe du einen guten und keinen ſchweren [?] Morgen, Seele! Ich
beſorge, daß ſich [in deinem] Kopfe Schmerzen zu den Nacht[t]räumen
gatten. — Schreibe mir, ob über al〈haupt〉 alles gut ſteht. Ach du
kryſtallenreine Seele, in jeder neuen Lage — wie geſtern eine war —

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0040" n="34"/>
Ich konte die Aus&#x017F;icht in die lange Un&#x017F;ichtbarkeit nicht erdulden. Auch<lb/>
morgen komm&#x2019; ich auf eine halbe Stunde und halbe Ta&#x017F;&#x017F;e, um die&#x017F;e<lb/>
Zeit. &#x2014; Es treibt mich immer heftiger zu dir her, wenn man mir von<lb/>
deinem vorigen Abende und überhaupt von dir erzählte. Morgen,<lb/>
morgen &#x2014; wün&#x017F;che wie ich &#x2014; und freue dich wie ich mich, du Getreue<lb n="5"/>
dem Getreuen! Gute Nacht! Mög&#x2019; ein Traum dir und mir die&#x017F;e ent-<lb/>
zogne Stunde wiedergeben.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>56. An <hi rendition="#g">Karoline Mayer.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Berlin, 1800? 1801?]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Liebes We&#x017F;en! I&#x017F;t der Vater nicht eingeladen, &#x017F;o donnere ich punkt<lb n="10"/>
7¼ Uhr mit meinem Wagen vor dir vor und hohle dich wie ein<lb/>
Jupiter ab. Im andern Falle komm&#x2019; ich dir nach. Sage mir die Ent-<lb/>
&#x017F;cheidung. Wenig&#x017F;tens in den beiden halben Stunden des Wegs, Liebe,<lb/>
er&#x017F;teigen wir den hängenden Garten der Freude, der &#x017F;ich in Ge&#x017F;el-<lb/>
&#x017F;chaften über uns zu hoch erhebt. &#x2014;<lb n="15"/>
</p>
        <closer>
          <salute> <hi rendition="#right">R.</hi> </salute>
        </closer>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head><note place="left"><ref target="1922_Bd4_39">[39]</ref></note> 57. An <hi rendition="#g">Karoline Mayer.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Berlin, 1800? 1801?]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Seeligen Morgen gleich dem &#x017F;eeligen Abend! Wie i&#x017F;t dir, Herz?<lb/>
Du bi&#x017F;t doch &#x017F;o glühend gegen mich wie ich gegen dich? &#x2014; Ha&#x017F;t du<lb n="20"/>
ge&#x017F;und ge&#x017F;chlafen? &#x2014; Ich mus einige Zeilen von dir haben. Es gehört<lb/>
doch blos zum ge&#x017F;trigen Rau&#x017F;che &#x2014; der weiter keinen Fehler hat als<lb/>
daß ich den Morgen darauf zum poeti&#x017F;chen, d. h. zum wiederholten<lb/>
nicht gut pa&#x017F;&#x017F;e &#x2014; daß ich er&#x017F;t &#x2014; Sontags wieder kommen &#x017F;olte. O<lb/>
du Einzige, Herliche, Glühende und <hi rendition="#g">Lichte</hi>!<lb n="25"/>
</p>
        <p>Sende mir den Roman, Klara v. Bandemer zurük.</p><lb/>
        <p>Heute war es doch bewölkt; und morgen gewis noch mehr nach<lb/>
meiner Prophez[eiung].</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>58. An <hi rendition="#g">Karoline Mayer.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Berlin, 1800? 1801?]</hi> </dateline>
        <lb n="30"/>
        <p>Habe du einen guten und keinen &#x017F;chweren [?] Morgen, Seele! Ich<lb/>
be&#x017F;orge, daß &#x017F;ich [in deinem] Kopfe Schmerzen zu den Nacht[t]räumen<lb/>
gatten. &#x2014; Schreibe mir, ob über <hi rendition="#g">al</hi>&#x2329;haupt&#x232A; alles gut &#x017F;teht. Ach du<lb/>
kry&#x017F;tallenreine Seele, in jeder neuen Lage &#x2014; wie ge&#x017F;tern eine war &#x2014;<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[34/0040] Ich konte die Ausſicht in die lange Unſichtbarkeit nicht erdulden. Auch morgen komm’ ich auf eine halbe Stunde und halbe Taſſe, um dieſe Zeit. — Es treibt mich immer heftiger zu dir her, wenn man mir von deinem vorigen Abende und überhaupt von dir erzählte. Morgen, morgen — wünſche wie ich — und freue dich wie ich mich, du Getreue 5 dem Getreuen! Gute Nacht! Mög’ ein Traum dir und mir dieſe ent- zogne Stunde wiedergeben. 56. An Karoline Mayer. [Berlin, 1800? 1801?] Liebes Weſen! Iſt der Vater nicht eingeladen, ſo donnere ich punkt 10 7¼ Uhr mit meinem Wagen vor dir vor und hohle dich wie ein Jupiter ab. Im andern Falle komm’ ich dir nach. Sage mir die Ent- ſcheidung. Wenigſtens in den beiden halben Stunden des Wegs, Liebe, erſteigen wir den hängenden Garten der Freude, der ſich in Geſel- ſchaften über uns zu hoch erhebt. — 15 R. 57. An Karoline Mayer. [Berlin, 1800? 1801?] Seeligen Morgen gleich dem ſeeligen Abend! Wie iſt dir, Herz? Du biſt doch ſo glühend gegen mich wie ich gegen dich? — Haſt du 20 geſund geſchlafen? — Ich mus einige Zeilen von dir haben. Es gehört doch blos zum geſtrigen Rauſche — der weiter keinen Fehler hat als daß ich den Morgen darauf zum poetiſchen, d. h. zum wiederholten nicht gut paſſe — daß ich erſt — Sontags wieder kommen ſolte. O du Einzige, Herliche, Glühende und Lichte! 25 Sende mir den Roman, Klara v. Bandemer zurük. Heute war es doch bewölkt; und morgen gewis noch mehr nach meiner Prophez[eiung]. 58. An Karoline Mayer. [Berlin, 1800? 1801?] 30 Habe du einen guten und keinen ſchweren [?] Morgen, Seele! Ich beſorge, daß ſich [in deinem] Kopfe Schmerzen zu den Nacht[t]räumen gatten. — Schreibe mir, ob über al〈haupt〉 alles gut ſteht. Ach du kryſtallenreine Seele, in jeder neuen Lage — wie geſtern eine war —

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:08:29Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:08:29Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe04_1960
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe04_1960/40
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 4. Berlin, 1960, S. 34. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe04_1960/40>, abgerufen am 22.03.2019.