Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 4. Berlin, 1960.

Bild:
<< vorherige Seite
44. An Emilie von Berlepsch in Redwin. [31]
[Kopie]

Alle Menschen werden Ihnen [?] menschlicher erscheinen -- Der
Unendliche lies Ihre [?] Adler Flügel nicht in den kalten Wolken er-
frieren. Sie werden beide die Vorzüge und Extreme gegeneinander5
theilen und dadurch nur jene verdoppelt übrig behalten. -- Zwei
Löwen wohnen nicht gern in Einem Wald; Sie konten wohl in der
Liebe aber nicht in der Ehe durch ein Ebenbild glüklich werden --
den Antheil mit Antheil bezeugen. Ihr innerer Mensch ist keine
wächserne Figur, die jeder Finger ändert, sondern eine organische,10
die ihm weich folgt und doch ihre Form bewahrt. Das wunde Herz
ruhe sanft am warmen!

44a. In ein Stammbuch.

Die Menschen ziehen wie die Raupen, ihren Ariadnensfaden erst
hinter sich auf ihren Weg, anstat ihn voraus zu haben; und sind15
daher über nichts weiser als über das, was nicht mehr ist. --

Mit der Erinnerung an frohe Stunden und
mit dem Wunsche, daß auch in das Lebens-
buch der lieben Besizerin wie in dieses Büch-
lein nie andere als liebende Menschen kommen,20
schreibt sich auch Jean Paul Richter herein.

45. An Josephine von Sydow in Klein Rambin.
[Kopie]

Zerstreuungen, die meine Arbeit zugleich unterbrechen und ver-25
mehren. Ich finde in den verschlungnen Gängen des Lebens, daß eine
höhere Hand uns darauf zu einem Bovlinggreen, zu einem Monumente
leiten wil. Möge der Engel des Glaubens zu dir kommen, wenn der
Engel der Freude auf Minuten entfliegt.

46. An Karoline Mayer.30

Guten Morgen! Du hast mir gestern mit dem Matin auf eine eigne
Weise Guten Abend gesagt, obwohl auf eine zu hübsche. Ich danke

44. An Emilie von Berlepſch in Redwin. [31]
[Kopie]

Alle Menſchen werden Ihnen [?] menſchlicher erſcheinen — Der
Unendliche lies Ihre [?] Adler Flügel nicht in den kalten Wolken er-
frieren. Sie werden beide die Vorzüge und Extreme gegeneinander5
theilen und dadurch nur jene verdoppelt übrig behalten. — Zwei
Löwen wohnen nicht gern in Einem Wald; Sie konten wohl in der
Liebe aber nicht in der Ehe durch ein Ebenbild glüklich werden —
den Antheil mit Antheil bezeugen. Ihr innerer Menſch iſt keine
wächſerne Figur, die jeder Finger ändert, ſondern eine organiſche,10
die ihm weich folgt und doch ihre Form bewahrt. Das wunde Herz
ruhe ſanft am warmen!

44a. In ein Stammbuch.

Die Menſchen ziehen wie die Raupen, ihren Ariadnensfaden erſt
hinter ſich auf ihren Weg, anſtat ihn voraus zu haben; und ſind15
daher über nichts weiſer als über das, was nicht mehr iſt. —

Mit der Erinnerung an frohe Stunden und
mit dem Wunſche, daß auch in das Lebens-
buch der lieben Beſizerin wie in dieſes Büch-
lein nie andere als liebende Menſchen kommen,20
ſchreibt ſich auch Jean Paul Richter herein.

45. An Joſephine von Sydow in Klein Rambin.
[Kopie]

Zerſtreuungen, die meine Arbeit zugleich unterbrechen und ver-25
mehren. Ich finde in den verſchlungnen Gängen des Lebens, daß eine
höhere Hand uns darauf zu einem Bovlinggreen, zu einem Monumente
leiten wil. Möge der Engel des Glaubens zu dir kommen, wenn der
Engel der Freude auf Minuten entfliegt.

46. An Karoline Mayer.30

Guten Morgen! Du haſt mir geſtern mit dem Matin auf eine eigne
Weiſe Guten Abend geſagt, obwohl auf eine zu hübſche. Ich danke

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0033" n="27"/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>44. An <hi rendition="#g">Emilie von Berlep&#x017F;ch in Redwin.</hi> <note place="right"><ref target="1922_Bd4_31">[31]</ref></note></head><lb/>
        <note type="editorial">[Kopie]</note>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Berlin, 10. Dez. 1800]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Alle Men&#x017F;chen werden Ihnen [?] men&#x017F;chlicher er&#x017F;cheinen &#x2014; Der<lb/>
Unendliche lies Ihre [?] Adler Flügel nicht in den kalten Wolken er-<lb/>
frieren. Sie werden beide die Vorzüge und Extreme gegeneinander<lb n="5"/>
theilen und dadurch nur jene verdoppelt übrig behalten. &#x2014; Zwei<lb/>
Löwen wohnen nicht gern in Einem Wald; Sie konten wohl in der<lb/>
Liebe aber nicht in der Ehe durch ein Ebenbild glüklich werden &#x2014;<lb/>
den Antheil mit Antheil bezeugen. Ihr innerer Men&#x017F;ch i&#x017F;t keine<lb/>
wäch&#x017F;erne Figur, die jeder Finger ändert, &#x017F;ondern eine organi&#x017F;che,<lb n="10"/>
die ihm weich folgt und doch ihre Form bewahrt. Das wunde Herz<lb/>
ruhe &#x017F;anft am warmen!</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>44<hi rendition="#aq">a.</hi> <hi rendition="#g">In ein Stammbuch.</hi></head><lb/>
        <p>Die Men&#x017F;chen ziehen wie die Raupen, ihren Ariadnensfaden er&#x017F;t<lb/>
hinter &#x017F;ich auf ihren Weg, an&#x017F;tat ihn voraus zu haben; und &#x017F;ind<lb n="15"/>
daher über nichts wei&#x017F;er als über das, was nicht mehr i&#x017F;t. &#x2014;</p><lb/>
        <p> <hi rendition="#et">Mit der Erinnerung an frohe Stunden und<lb/>
mit dem Wun&#x017F;che, daß auch in das Lebens-<lb/>
buch der lieben Be&#x017F;izerin wie in die&#x017F;es Büch-<lb/>
lein nie andere als liebende Men&#x017F;chen kommen,<lb n="20"/>
&#x017F;chreibt &#x017F;ich auch Jean Paul Richter herein.</hi> </p><lb/>
        <div n="2">
          <dateline><hi rendition="#aq">Berlin. d. 10 Dec.</hi> 1800.</dateline>
        </div>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>45. An <hi rendition="#g">Jo&#x017F;ephine von Sydow in Klein Rambin.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial">[Kopie]</note>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Berlin, 17. Dez. 1800]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Zer&#x017F;treuungen, die meine Arbeit zugleich unterbrechen und ver-<lb n="25"/>
mehren. Ich finde in den ver&#x017F;chlungnen Gängen des Lebens, daß eine<lb/>
höhere Hand uns darauf zu einem Bovlinggreen, zu einem Monumente<lb/>
leiten wil. Möge der Engel des Glaubens zu dir kommen, wenn der<lb/>
Engel der Freude auf Minuten entfliegt.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>46. An <hi rendition="#g">Karoline Mayer.</hi><lb n="30"/>
</head>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Berlin, Weihnachten 1800]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Guten Morgen! Du ha&#x017F;t mir ge&#x017F;tern mit dem <hi rendition="#aq">Matin</hi> auf eine eigne<lb/>
Wei&#x017F;e Guten Abend ge&#x017F;agt, obwohl auf eine zu hüb&#x017F;che. Ich danke<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[27/0033] 44. An Emilie von Berlepſch in Redwin. [Berlin, 10. Dez. 1800] Alle Menſchen werden Ihnen [?] menſchlicher erſcheinen — Der Unendliche lies Ihre [?] Adler Flügel nicht in den kalten Wolken er- frieren. Sie werden beide die Vorzüge und Extreme gegeneinander 5 theilen und dadurch nur jene verdoppelt übrig behalten. — Zwei Löwen wohnen nicht gern in Einem Wald; Sie konten wohl in der Liebe aber nicht in der Ehe durch ein Ebenbild glüklich werden — den Antheil mit Antheil bezeugen. Ihr innerer Menſch iſt keine wächſerne Figur, die jeder Finger ändert, ſondern eine organiſche, 10 die ihm weich folgt und doch ihre Form bewahrt. Das wunde Herz ruhe ſanft am warmen! 44a. In ein Stammbuch. Die Menſchen ziehen wie die Raupen, ihren Ariadnensfaden erſt hinter ſich auf ihren Weg, anſtat ihn voraus zu haben; und ſind 15 daher über nichts weiſer als über das, was nicht mehr iſt. — Mit der Erinnerung an frohe Stunden und mit dem Wunſche, daß auch in das Lebens- buch der lieben Beſizerin wie in dieſes Büch- lein nie andere als liebende Menſchen kommen, 20 ſchreibt ſich auch Jean Paul Richter herein. Berlin. d. 10 Dec. 1800. 45. An Joſephine von Sydow in Klein Rambin. [Berlin, 17. Dez. 1800] Zerſtreuungen, die meine Arbeit zugleich unterbrechen und ver- 25 mehren. Ich finde in den verſchlungnen Gängen des Lebens, daß eine höhere Hand uns darauf zu einem Bovlinggreen, zu einem Monumente leiten wil. Möge der Engel des Glaubens zu dir kommen, wenn der Engel der Freude auf Minuten entfliegt. 46. An Karoline Mayer. 30 [Berlin, Weihnachten 1800] Guten Morgen! Du haſt mir geſtern mit dem Matin auf eine eigne Weiſe Guten Abend geſagt, obwohl auf eine zu hübſche. Ich danke

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:08:29Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:08:29Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe04_1960
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe04_1960/33
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 4. Berlin, 1960, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe04_1960/33>, abgerufen am 26.03.2019.