Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956.

Bild:
<< vorherige Seite
249. An Buchhändler Beckmann in Gera.
[Kopie]

Wir lesen iezt alle als wären wir in England und schon unter dem
Galgen und wolten uns davon loslesen. -- wir lassen diesen Brief
vorausreiten... Ich wil Sie im Postskript wieder daran erinnern.5
Postskript: ich bitte Sie nochmals um die Adresse.

[272]250. An A. G. von Spangenberg in Venzka.
[Kopie]

Dieser Titel (schäzbarster Freund) wäre [mir?] lieber als Ihr
adelicher. -- den Roman von Venzka nach Töpen schikken: ich werde10
die entgegengesezte Reise machen, wenn Sie mir werden geschrieben
haben, ob Ihre societes harmoniques das Herz haben, den Bus-,
Bet- und Fasttag zu einem Freuden-, Spiel- und Musiktag zu machen.

251. An Christian Otto.
[Kopie]15

Ich sas gestern 2 Stunden auf der Marterbank und zu den 2 Graden
der Tortur kam noch der 3te, daß der Bote nichts mit hatte. Gieng es
dir eben so?

252. An Pfarrer Vogel in Arzberg.
20
Theuerster Herr Pfarrer,

Ich lege meinen Schul- und Theaterßepter weg und laufe wieder in
die Koulisse meiner Studirstube. Oerthel bittet mich daher, die Bücher
die ich verliehen, wieder in seine Bibliothek zusammenzurufen. Sie
werden daher die Güte haben, dem Boten die örthelischen zu geben.25

Jezt können Sie in täglicher Furcht leben, daß ich mich wie ein
Gespenst in Arzberg sehen lassen werde, besonders im dasigen Pfar-
hause. Diesem Gespenst werden Sie Ihre Seele verschreiben sollen;
und da Sie ein schlechter Exorzist sind: so werden Sie's wol eine Nacht
im Hause behalten müssen.30

Sie haben doch meinen neulichen und den Bekmannischen Brief
erhalten?

249. An Buchhändler Beckmann in Gera.
[Kopie]

Wir leſen iezt alle als wären wir in England und ſchon unter dem
Galgen und wolten uns davon losleſen. — wir laſſen dieſen Brief
vorausreiten... Ich wil Sie im Poſtſkript wieder daran erinnern.5
Poſtſkript: ich bitte Sie nochmals um die Adreſſe.

[272]250. An A. G. von Spangenberg in Venzka.
[Kopie]

Dieſer Titel (ſchäzbarſter Freund) wäre [mir?] lieber als Ihr
adelicher. — den Roman von Venzka nach Töpen ſchikken: ich werde10
die entgegengeſezte Reiſe machen, wenn Sie mir werden geſchrieben
haben, ob Ihre societés harmoniques das Herz haben, den Bus-,
Bet- und Faſttag zu einem Freuden-, Spiel- und Muſiktag zu machen.

251. An Chriſtian Otto.
[Kopie]15

Ich ſas geſtern 2 Stunden auf der Marterbank und zu den 2 Graden
der Tortur kam noch der 3te, daß der Bote nichts mit hatte. Gieng es
dir eben ſo?

252. An Pfarrer Vogel in Arzberg.
20
Theuerſter Herr Pfarrer,

Ich lege meinen Schul- und Theaterſzepter weg und laufe wieder in
die Kouliſſe meiner Studirſtube. Oerthel bittet mich daher, die Bücher
die ich verliehen, wieder in ſeine Bibliothek zuſammenzurufen. Sie
werden daher die Güte haben, dem Boten die örtheliſchen zu geben.25

Jezt können Sie in täglicher Furcht leben, daß ich mich wie ein
Geſpenſt in Arzberg ſehen laſſen werde, beſonders im daſigen Pfar-
hauſe. Dieſem Geſpenſt werden Sie Ihre Seele verſchreiben ſollen;
und da Sie ein ſchlechter Exorziſt ſind: ſo werden Sie’s wol eine Nacht
im Hauſe behalten müſſen.30

Sie haben doch meinen neulichen und den Bekmanniſchen Brief
erhalten?

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0283" n="258"/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>249. An <hi rendition="#g">Buchhändler Beckmann in Gera.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Töpen, 25. März 1789<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <p>Wir le&#x017F;en iezt alle als wären wir in England und &#x017F;chon unter dem<lb/>
Galgen und wolten uns davon losle&#x017F;en. &#x2014; wir la&#x017F;&#x017F;en die&#x017F;en Brief<lb/>
vorausreiten... Ich wil Sie im Po&#x017F;t&#x017F;kript wieder daran erinnern.<lb n="5"/>
Po&#x017F;t&#x017F;kript: ich bitte Sie nochmals um die Adre&#x017F;&#x017F;e.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head><note place="left"><ref target="1922_Bd#_272">[272]</ref></note>250. An A. G. <hi rendition="#g">von Spangenberg in Venzka.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Töpen, 25. März 1789<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <p>Die&#x017F;er Titel (&#x017F;chäzbar&#x017F;ter Freund) wäre <metamark>[</metamark>mir?<metamark>]</metamark> lieber als Ihr<lb/>
adelicher. &#x2014; den Roman von Venzka nach Töpen &#x017F;chikken: ich werde<lb n="10"/>
die entgegenge&#x017F;ezte Rei&#x017F;e machen, wenn Sie mir werden ge&#x017F;chrieben<lb/>
haben, ob Ihre <hi rendition="#aq">societés harmoniques</hi> das Herz haben, den Bus-,<lb/>
Bet- und Fa&#x017F;ttag zu einem Freuden-, Spiel- und Mu&#x017F;iktag zu machen.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>251. An <hi rendition="#g">Chri&#x017F;tian Otto.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Töpen, 2. April 1789<metamark>]</metamark></hi> </dateline>
        <lb n="15"/>
        <p>Ich &#x017F;as ge&#x017F;tern 2 Stunden auf der Marterbank und zu den 2 Graden<lb/>
der Tortur kam noch der 3<hi rendition="#sup">te</hi>, daß der Bote nichts mit hatte. Gieng es<lb/>
dir eben &#x017F;o?</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>252. An <hi rendition="#g">Pfarrer Vogel in Arzberg.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">Töpen den 2 Apr. 89.</hi> </dateline>
        <lb n="20"/>
        <opener>
          <salute> <hi rendition="#et">Theuer&#x017F;ter Herr Pfarrer,</hi> </salute>
        </opener><lb/>
        <p>Ich lege meinen Schul- und Theater&#x017F;zepter weg und laufe wieder in<lb/>
die Kouli&#x017F;&#x017F;e meiner Studir&#x017F;tube. Oerthel bittet mich daher, die Bücher<lb/>
die ich verliehen, wieder in &#x017F;eine Bibliothek zu&#x017F;ammenzurufen. Sie<lb/>
werden daher die Güte haben, dem Boten die örtheli&#x017F;chen zu geben.<lb n="25"/>
</p>
        <p>Jezt können Sie in täglicher Furcht leben, daß ich mich wie ein<lb/>
Ge&#x017F;pen&#x017F;t in Arzberg &#x017F;ehen la&#x017F;&#x017F;en werde, be&#x017F;onders im da&#x017F;igen Pfar-<lb/>
hau&#x017F;e. Die&#x017F;em Ge&#x017F;pen&#x017F;t werden Sie Ihre Seele ver&#x017F;chreiben &#x017F;ollen;<lb/>
und da Sie ein &#x017F;chlechter Exorzi&#x017F;t &#x017F;ind: &#x017F;o werden Sie&#x2019;s wol eine Nacht<lb/>
im Hau&#x017F;e behalten mü&#x017F;&#x017F;en.<lb n="30"/>
</p>
        <p>Sie haben doch meinen neulichen und den Bekmanni&#x017F;chen Brief<lb/>
erhalten?</p><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[258/0283] 249. An Buchhändler Beckmann in Gera. [Töpen, 25. März 1789] Wir leſen iezt alle als wären wir in England und ſchon unter dem Galgen und wolten uns davon losleſen. — wir laſſen dieſen Brief vorausreiten... Ich wil Sie im Poſtſkript wieder daran erinnern. 5 Poſtſkript: ich bitte Sie nochmals um die Adreſſe. 250. An A. G. von Spangenberg in Venzka. [Töpen, 25. März 1789] Dieſer Titel (ſchäzbarſter Freund) wäre [mir?] lieber als Ihr adelicher. — den Roman von Venzka nach Töpen ſchikken: ich werde 10 die entgegengeſezte Reiſe machen, wenn Sie mir werden geſchrieben haben, ob Ihre societés harmoniques das Herz haben, den Bus-, Bet- und Faſttag zu einem Freuden-, Spiel- und Muſiktag zu machen. 251. An Chriſtian Otto. [Töpen, 2. April 1789] 15 Ich ſas geſtern 2 Stunden auf der Marterbank und zu den 2 Graden der Tortur kam noch der 3te, daß der Bote nichts mit hatte. Gieng es dir eben ſo? 252. An Pfarrer Vogel in Arzberg. Töpen den 2 Apr. 89. 20 Theuerſter Herr Pfarrer, Ich lege meinen Schul- und Theaterſzepter weg und laufe wieder in die Kouliſſe meiner Studirſtube. Oerthel bittet mich daher, die Bücher die ich verliehen, wieder in ſeine Bibliothek zuſammenzurufen. Sie werden daher die Güte haben, dem Boten die örtheliſchen zu geben. 25 Jezt können Sie in täglicher Furcht leben, daß ich mich wie ein Geſpenſt in Arzberg ſehen laſſen werde, beſonders im daſigen Pfar- hauſe. Dieſem Geſpenſt werden Sie Ihre Seele verſchreiben ſollen; und da Sie ein ſchlechter Exorziſt ſind: ſo werden Sie’s wol eine Nacht im Hauſe behalten müſſen. 30 Sie haben doch meinen neulichen und den Bekmanniſchen Brief erhalten?

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T14:52:17Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T14:52:17Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/283
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956, S. 258. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/283>, abgerufen am 19.09.2020.