Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956.

Bild:
<< vorherige Seite

leztern her: so verspricht mir dieses Stilschweigen eine günstige
Antwort von Ihnen und von Hartk[noch]; und ich brauche zu diesem
Briefe nichts hinzuzusezen als was ich im vorigen vergessen: daß ich
nämlich das Manuskript noch nicht ganz geschikt und daß ich zweitens
sehr arm bin.5

117. An die Brüder Otto.
[Kopie]

Es komt iezt auf mich an, ob dieser Brief ernsthaft oder scherzhaft
ausfallen sol. Mach' ich ihn ernsthaft, so lautet er leider folgender-
massen und erschrekket Sie ungefähr so: ... Schlagen Sie mir diese Bitte10
nicht ab, weil Sie von ihrer Bewilligung ihre Wiederholung besorgen:
wahrhaftig Sie werden sehen, daß ich nicht öfter als nur 2 mal zu-[185]
dringlich sein können .. Bis ich Sie wieder sehe, verfliegt meine Scham-
röte. Wenigstens hoffe ich, daß ich Ihnen neun rtl. schuldig sein
werde. -- Inzwischen könte ich auch gar wol dieses Schreiben spashaft15
abfassen ..; allein das schlimme Wetter wil es nicht leiden und thut der
Laune noch viel mehr Schaden als der Ernte. Da morgen, wie man al-
gemein versichert, Bet-, Bus- und Fasttag ist: so hab' ich mir vor-
genommen, ein gutes Werk an Ihnen zu thun und für Sie wirklich zu
beten; es dürfte daher nicht zuviel sein, wenn einer von Ihnen aus20
Erkentlichkeit wieder für mich fastete ..... und glauben Sie, daß
niemand mehr wünscht, heute abends bei diesem schlimmen Wetter in
Ihrer Nebenstube unter Ihnen zu sizen als Ihr --

Die Rechtsgelehrten sagen: damnum dat, qui jubet dare; ich sage:
die Sache ist auch noch richtig, wenn man stat damnum beneficium25
sezet.

118. An Aktuar Vogel in Schwarzenbach.
[Kopie]

Was das verrekte Pferd in Rehau anlangt, so wollen wir uns mehr
darüber freuen als grämen, daß es endlich aus diesem Jammerthale30
abgeschieden und von seinen Schmerzen, seiner Magerheit [!] und
seinem Reiter nun erlöset ist. In der That hab' ich es nie ansehen
können, ohne zu bedenken, daß es sein eignes Trauer- und Klagepferd
ist. Nun erwartet es uns in der Ewigkeit, hat da weder Hunger noch
Durst und denkt vernünftig genug. Eben so glüklich als das Pferd ist35

leztern her: ſo verſpricht mir dieſes Stilſchweigen eine günſtige
Antwort von Ihnen und von Hartk[noch]; und ich brauche zu dieſem
Briefe nichts hinzuzuſezen als was ich im vorigen vergeſſen: daß ich
nämlich das Manuſkript noch nicht ganz geſchikt und daß ich zweitens
ſehr arm bin.5

117. An die Brüder Otto.
[Kopie]

Es komt iezt auf mich an, ob dieſer Brief ernſthaft oder ſcherzhaft
ausfallen ſol. Mach’ ich ihn ernſthaft, ſo lautet er leider folgender-
maſſen und erſchrekket Sie ungefähr ſo: … Schlagen Sie mir dieſe Bitte10
nicht ab, weil Sie von ihrer Bewilligung ihre Wiederholung beſorgen:
wahrhaftig Sie werden ſehen, daß ich nicht öfter als nur 2 mal zu-[185]
dringlich ſein können .. Bis ich Sie wieder ſehe, verfliegt meine Scham-
röte. Wenigſtens hoffe ich, daß ich Ihnen neun rtl. ſchuldig ſein
werde. — Inzwiſchen könte ich auch gar wol dieſes Schreiben ſpashaft15
abfaſſen ..; allein das ſchlimme Wetter wil es nicht leiden und thut der
Laune noch viel mehr Schaden als der Ernte. Da morgen, wie man al-
gemein verſichert, Bet-, Bus- und Faſttag iſt: ſo hab’ ich mir vor-
genommen, ein gutes Werk an Ihnen zu thun und für Sie wirklich zu
beten; es dürfte daher nicht zuviel ſein, wenn einer von Ihnen aus20
Erkentlichkeit wieder für mich faſtete ..... und glauben Sie, daß
niemand mehr wünſcht, heute abends bei dieſem ſchlimmen Wetter in
Ihrer Nebenſtube unter Ihnen zu ſizen als Ihr —

Die Rechtsgelehrten ſagen: damnum dat, qui jubet dare; ich ſage:
die Sache iſt auch noch richtig, wenn man ſtat damnum beneficium25
ſezet.

118. An Aktuar Vogel in Schwarzenbach.
[Kopie]

Was das verrekte Pferd in Rehau anlangt, ſo wollen wir uns mehr
darüber freuen als grämen, daß es endlich aus dieſem Jammerthale30
abgeſchieden und von ſeinen Schmerzen, ſeiner Magerheit [!] und
ſeinem Reiter nun erlöſet iſt. In der That hab’ ich es nie anſehen
können, ohne zu bedenken, daß es ſein eignes Trauer- und Klagepferd
iſt. Nun erwartet es uns in der Ewigkeit, hat da weder Hunger noch
Durſt und denkt vernünftig genug. Eben ſo glüklich als das Pferd iſt35

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0200" n="175"/>
leztern her: &#x017F;o ver&#x017F;pricht mir die&#x017F;es Stil&#x017F;chweigen eine gün&#x017F;tige<lb/>
Antwort von Ihnen und von Hartk<metamark>[</metamark>noch<metamark>]</metamark>; und ich brauche zu die&#x017F;em<lb/>
Briefe nichts hinzuzu&#x017F;ezen als was ich im vorigen verge&#x017F;&#x017F;en: daß ich<lb/>
nämlich das Manu&#x017F;kript noch nicht ganz ge&#x017F;chikt und daß ich zweitens<lb/>
&#x017F;ehr arm bin.<lb n="5"/>
</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>117. An die <hi rendition="#g">Brüder Otto.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Hof, 17. Sept. 1785. Sonnabend<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <p>Es komt iezt auf mich an, ob die&#x017F;er Brief ern&#x017F;thaft oder &#x017F;cherzhaft<lb/>
ausfallen &#x017F;ol. Mach&#x2019; ich ihn ern&#x017F;thaft, &#x017F;o lautet er leider folgender-<lb/>
ma&#x017F;&#x017F;en und er&#x017F;chrekket Sie ungefähr &#x017F;o: &#x2026; Schlagen Sie mir die&#x017F;e Bitte<lb n="10"/>
nicht ab, weil Sie von ihrer Bewilligung ihre Wiederholung be&#x017F;orgen:<lb/>
wahrhaftig Sie werden &#x017F;ehen, daß ich nicht öfter als nur 2 mal zu-<note place="right"><ref target="1922_Bd#_185">[185]</ref></note><lb/>
dringlich &#x017F;ein können .. Bis ich Sie wieder &#x017F;ehe, verfliegt meine Scham-<lb/>
röte. Wenig&#x017F;tens hoffe ich, daß ich Ihnen <hi rendition="#g">neun</hi> rtl. &#x017F;chuldig &#x017F;ein<lb/>
werde. &#x2014; Inzwi&#x017F;chen könte ich auch gar wol die&#x017F;es Schreiben &#x017F;pashaft<lb n="15"/>
abfa&#x017F;&#x017F;en ..; allein das &#x017F;chlimme Wetter wil es nicht leiden und thut der<lb/>
Laune noch viel mehr Schaden als der Ernte. Da morgen, wie man al-<lb/>
gemein ver&#x017F;ichert, Bet-, Bus- und Fa&#x017F;ttag i&#x017F;t: &#x017F;o hab&#x2019; ich mir vor-<lb/>
genommen, ein gutes Werk an Ihnen zu thun und für Sie wirklich zu<lb/>
beten; es dürfte daher nicht zuviel &#x017F;ein, wenn einer von Ihnen aus<lb n="20"/>
Erkentlichkeit wieder für mich fa&#x017F;tete ..... und glauben Sie, daß<lb/>
niemand mehr wün&#x017F;cht, heute abends bei die&#x017F;em &#x017F;chlimmen Wetter in<lb/>
Ihrer Neben&#x017F;tube unter Ihnen zu &#x017F;izen als Ihr &#x2014;</p><lb/>
        <p>Die Rechtsgelehrten &#x017F;agen: <hi rendition="#aq">damnum dat, qui jubet dare;</hi> ich &#x017F;age:<lb/>
die Sache i&#x017F;t auch noch richtig, wenn man &#x017F;tat <hi rendition="#aq">damnum beneficium</hi><lb n="25"/>
&#x017F;ezet.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>118. An <hi rendition="#g">Aktuar Vogel in Schwarzenbach.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Hof, 24. Okt. 1785<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <p>Was das verrekte Pferd in Rehau anlangt, &#x017F;o wollen wir uns mehr<lb/>
darüber freuen als grämen, daß es endlich aus die&#x017F;em Jammerthale<lb n="30"/>
abge&#x017F;chieden und von &#x017F;einen Schmerzen, &#x017F;einer Magerheit <metamark>[</metamark>!<metamark>]</metamark> und<lb/>
&#x017F;einem Reiter nun erlö&#x017F;et i&#x017F;t. In der That hab&#x2019; ich es nie an&#x017F;ehen<lb/>
können, ohne zu bedenken, daß es &#x017F;ein eignes Trauer- und Klagepferd<lb/>
i&#x017F;t. Nun erwartet es uns in der Ewigkeit, hat da weder Hunger noch<lb/>
Dur&#x017F;t und denkt vernünftig genug. Eben &#x017F;o glüklich als das Pferd i&#x017F;t<lb n="35"/><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[175/0200] leztern her: ſo verſpricht mir dieſes Stilſchweigen eine günſtige Antwort von Ihnen und von Hartk[noch]; und ich brauche zu dieſem Briefe nichts hinzuzuſezen als was ich im vorigen vergeſſen: daß ich nämlich das Manuſkript noch nicht ganz geſchikt und daß ich zweitens ſehr arm bin. 5 117. An die Brüder Otto. [Hof, 17. Sept. 1785. Sonnabend] Es komt iezt auf mich an, ob dieſer Brief ernſthaft oder ſcherzhaft ausfallen ſol. Mach’ ich ihn ernſthaft, ſo lautet er leider folgender- maſſen und erſchrekket Sie ungefähr ſo: … Schlagen Sie mir dieſe Bitte 10 nicht ab, weil Sie von ihrer Bewilligung ihre Wiederholung beſorgen: wahrhaftig Sie werden ſehen, daß ich nicht öfter als nur 2 mal zu- dringlich ſein können .. Bis ich Sie wieder ſehe, verfliegt meine Scham- röte. Wenigſtens hoffe ich, daß ich Ihnen neun rtl. ſchuldig ſein werde. — Inzwiſchen könte ich auch gar wol dieſes Schreiben ſpashaft 15 abfaſſen ..; allein das ſchlimme Wetter wil es nicht leiden und thut der Laune noch viel mehr Schaden als der Ernte. Da morgen, wie man al- gemein verſichert, Bet-, Bus- und Faſttag iſt: ſo hab’ ich mir vor- genommen, ein gutes Werk an Ihnen zu thun und für Sie wirklich zu beten; es dürfte daher nicht zuviel ſein, wenn einer von Ihnen aus 20 Erkentlichkeit wieder für mich faſtete ..... und glauben Sie, daß niemand mehr wünſcht, heute abends bei dieſem ſchlimmen Wetter in Ihrer Nebenſtube unter Ihnen zu ſizen als Ihr — [185] Die Rechtsgelehrten ſagen: damnum dat, qui jubet dare; ich ſage: die Sache iſt auch noch richtig, wenn man ſtat damnum beneficium 25 ſezet. 118. An Aktuar Vogel in Schwarzenbach. [Hof, 24. Okt. 1785] Was das verrekte Pferd in Rehau anlangt, ſo wollen wir uns mehr darüber freuen als grämen, daß es endlich aus dieſem Jammerthale 30 abgeſchieden und von ſeinen Schmerzen, ſeiner Magerheit [!] und ſeinem Reiter nun erlöſet iſt. In der That hab’ ich es nie anſehen können, ohne zu bedenken, daß es ſein eignes Trauer- und Klagepferd iſt. Nun erwartet es uns in der Ewigkeit, hat da weder Hunger noch Durſt und denkt vernünftig genug. Eben ſo glüklich als das Pferd iſt 35

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T14:52:17Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T14:52:17Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/200
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956, S. 175. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/200>, abgerufen am 17.01.2020.