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Humboldt, Alexander von: Vergleichung der höchsten Gebirgsgipfel des alten und neuen Continents. In: Allgemeine Zeitung. Nr. 307, Beilage vom 2[.] November 1848 (1849), S. 4841.

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Beilage zu Nr. 307 der Allgemeinen Zeitung vom 2 November 1848.
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Vergleichung der höchsten Gebirgsgipfel des alten und
neuen Continents.

* Die höchsten Gebirgsgipfel von Jndien sind 70 bis 80 Jahre spä-
ter gemessen worden als die der amerikanischen Cordilleren. Erst in den Jah-
ren 1819 bis 1825 wurde durch die vereinten rühmlichen Arbeiten engli-
scher Reisenden: Hodgson, Webb, Herbert, William Lloyd und der Ge-
brüder Gerard ergründet daß in dem Theile der Himalaja-Kette welcher
von Osten gegen Westen streicht, als zwei Culminationspunkte der Dha-
walagiri
(weiße Berg) und der Jawahir (Djawahir) gelten müßten.
Dem ersten wurden 26,345 Pariser, oder 28,077 englische Fuß, dem zwei-
ten 24,160 Pariser oder 25,749 englische Fuß zugeschrieben. Die Mes-
sung des Dhawalagiri war ungewisser, und von dem berühmten Colebrooke
ganz bezweifelt worden. Aus Briefen die vor wenigen Wochen der kennt-
nißvolle Botaniker der letzten Südpolexpedition, Dr. Joseph Hooker, aus
Dorjuling im Himalaja (25 Jul. 1848) an Alexander v. Humboldt ge-
richtet hat, geht hervor daß im Meridian von Sikhim zwischen dem Dhawa-
lagiri und Chamalari (Schamalari), zwischen Butan und Nepal, soeben
ein Berg, der Kinchinjinga, genau trigonometrisch gemessen worden
ist, ein Berg, dessen Gipfel die ungeheure Höhe von 26,438 Pariser oder
28,178 englische Fuß über der Meeresfläche erreicht. Da es nun auch in
demselben Briefe heißt, "eine ebenfalls neue Messung des Dhawalagiri
lasse diesem den ersten Rang unter allen Schneebergen des Himalaja",
so muß der Dhawalagiri nothwendig eine größere Höhe haben als die 4391
Toisen oder 26,345 Pariser Fuß welche man ihm bisher mit einiger Un-
gewißheit zuschrieb.

Für die zwei culminirenden höchsten Punkte der Cordilleren des
neuen Continents
sind achtzehn Jahre lang, von 1830 bis 1848, ge-
halten worden: der Nevado de Sorata, der südliche Pik des Schneeber-
ges (südliche Breite 15° 52'), etwas südlich von dem Dorfe Sorata oder
Esquibel, in der östlichen Kette von Bolivia, hoch 3948 Toisen, oder
23,688 Pariser Fuß; der Nevado de Jllimani, westlich von der Mission
Drupana (südliche Breite 16° 38'), 3753 Toisen oder 22,518 Pariser
Fuß, ebenfalls in der östlichen Kette von Bolivia. Diese hypsometri-
schen Bestimmungen hat der kenntnißreiche Geologe Pentland, welcher
lange politischer Agent des englischen Gouvernements in dem Freistaat
Bolivia war, im Jahr 1827 gemacht und sie Hrn. Arago dem Vater (dem
Freunde von Alexander v. Humboldt) mitgetheilt, um sie in dem "Annuaire
du Bureau des Longitudes pour
1830 (p. 323) zu veröffentlichen. Sie
sind seitdem durch alle Schriften die von Berghöhen handeln, wie in vie-
len hypsometrischen Gebirgsprofilen verbreitet worden. Seit dem Er-
scheinen der großen und schönen Karte von dem Becken der Laguna de
Titicaca
, die Hr. Pentland im Junius dieses Jahres zu London her-
ausgegeben, haben wir aber gelernt daß die obigen Angaben der Höhen
des Sorata und Jllimani um 3716 und 2675 Pariser Fuß zu groß sind.
Die Karte gibt dem Sorata 21,286, dem Jllimani 21,149 englische Fuß,
d. i. nur 19,972 und 19,843 Pariser Fuß (3328 und 3307 Toisen). Eine
genaue Berechnung der trigonometrischen Operationen von 1838, bei ei-
nem zweiten Aufenthalte in Bolivia, hat Hrn. Pentland diese neuen Re-
sultate gewährt.

Der Chimborazo (nach Humboldts trigonometrischer Messung
21,424 englische oder 20,100 Pariser Fuß hoch) bleibt also wiederum für
jetzt der höchste gemessene Berg des neuen Continents. Er übertrifft den
Montblanc an Höhe um 5340 Pariser Fuß, steht aber dem in diesem Som-
mer zuerst gemessenen Kinchinjinga im Himalaja von Sikhim um 6338
Pariser Fuß nach. Die dritte sehr vermehrte und gänzlich umgearbeitete
Ausgabe von Humboldts Ansichten der Natur, welche in wenigen Wo-
chen in der Cotta'schen Buchhandlung erscheinen soll, wird die erste Kunde
von den hier berührten Verhältnissen der höchsten Gebirgsgipfel der An-
des- und Himalaja-Kette darbieten.



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Beilage zu Nr. 307 der Allgemeinen Zeitung vom 2 November 1848.
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Vergleichung der höchſten Gebirgsgipfel des alten und
neuen Continents.

* Die höchſten Gebirgsgipfel von Jndien ſind 70 bis 80 Jahre ſpä-
ter gemeſſen worden als die der amerikaniſchen Cordilleren. Erſt in den Jah-
ren 1819 bis 1825 wurde durch die vereinten rühmlichen Arbeiten engli-
ſcher Reiſenden: Hodgſon, Webb, Herbert, William Lloyd und der Ge-
brüder Gerard ergründet daß in dem Theile der Himâlaja-Kette welcher
von Oſten gegen Weſten ſtreicht, als zwei Culminationspunkte der Dha-
walagiri
(weiße Berg) und der Jawahir (Djawahir) gelten müßten.
Dem erſten wurden 26,345 Pariſer, oder 28,077 engliſche Fuß, dem zwei-
ten 24,160 Pariſer oder 25,749 engliſche Fuß zugeſchrieben. Die Meſ-
ſung des Dhawalagiri war ungewiſſer, und von dem berühmten Colebrooke
ganz bezweifelt worden. Aus Briefen die vor wenigen Wochen der kennt-
nißvolle Botaniker der letzten Südpolexpedition, Dr. Joſeph Hooker, aus
Dorjuling im Himâlaja (25 Jul. 1848) an Alexander v. Humboldt ge-
richtet hat, geht hervor daß im Meridian von Sikhim zwiſchen dem Dhawa-
lagiri und Chamalari (Schamalari), zwiſchen Butan und Nepal, ſoeben
ein Berg, der Kinchinjinga, genau trigonometriſch gemeſſen worden
iſt, ein Berg, deſſen Gipfel die ungeheure Höhe von 26,438 Pariſer oder
28,178 engliſche Fuß über der Meeresfläche erreicht. Da es nun auch in
demſelben Briefe heißt, „eine ebenfalls neue Meſſung des Dhawalagiri
laſſe dieſem den erſten Rang unter allen Schneebergen des Himâlaja“,
ſo muß der Dhawalagiri nothwendig eine größere Höhe haben als die 4391
Toiſen oder 26,345 Pariſer Fuß welche man ihm bisher mit einiger Un-
gewißheit zuſchrieb.

Für die zwei culminirenden höchſten Punkte der Cordilleren des
neuen Continents
ſind achtzehn Jahre lang, von 1830 bis 1848, ge-
halten worden: der Nevado de Sorata, der ſüdliche Pik des Schneeber-
ges (ſüdliche Breite 15° 52′), etwas ſüdlich von dem Dorfe Sorata oder
Esquibel, in der öſtlichen Kette von Bolivia, hoch 3948 Toiſen, oder
23,688 Pariſer Fuß; der Nevado de Jllimani, weſtlich von der Miſſion
Drupana (ſüdliche Breite 16° 38′), 3753 Toiſen oder 22,518 Pariſer
Fuß, ebenfalls in der öſtlichen Kette von Bolivia. Dieſe hypſometri-
ſchen Beſtimmungen hat der kenntnißreiche Geologe Pentland, welcher
lange politiſcher Agent des engliſchen Gouvernements in dem Freiſtaat
Bolivia war, im Jahr 1827 gemacht und ſie Hrn. Arago dem Vater (dem
Freunde von Alexander v. Humboldt) mitgetheilt, um ſie in dem »Annuaire
du Bureau des Longitudes pour
1830 (p. 323) zu veröffentlichen. Sie
ſind ſeitdem durch alle Schriften die von Berghöhen handeln, wie in vie-
len hypſometriſchen Gebirgsprofilen verbreitet worden. Seit dem Er-
ſcheinen der großen und ſchönen Karte von dem Becken der Laguna de
Titicaca
, die Hr. Pentland im Junius dieſes Jahres zu London her-
ausgegeben, haben wir aber gelernt daß die obigen Angaben der Höhen
des Sorata und Jllimani um 3716 und 2675 Pariſer Fuß zu groß ſind.
Die Karte gibt dem Sorata 21,286, dem Jllimani 21,149 engliſche Fuß,
d. i. nur 19,972 und 19,843 Pariſer Fuß (3328 und 3307 Toiſen). Eine
genaue Berechnung der trigonometriſchen Operationen von 1838, bei ei-
nem zweiten Aufenthalte in Bolivia, hat Hrn. Pentland dieſe neuen Re-
ſultate gewährt.

Der Chimborazo (nach Humboldts trigonometriſcher Meſſung
21,424 engliſche oder 20,100 Pariſer Fuß hoch) bleibt alſo wiederum für
jetzt der höchſte gemeſſene Berg des neuen Continents. Er übertrifft den
Montblanc an Höhe um 5340 Pariſer Fuß, ſteht aber dem in dieſem Som-
mer zuerſt gemeſſenen Kinchinjinga im Himâlaja von Sikhim um 6338
Pariſer Fuß nach. Die dritte ſehr vermehrte und gänzlich umgearbeitete
Ausgabe von Humboldts Anſichten der Natur, welche in wenigen Wo-
chen in der Cotta'ſchen Buchhandlung erſcheinen ſoll, wird die erſte Kunde
von den hier berührten Verhältniſſen der höchſten Gebirgsgipfel der An-
des- und Himalâja-Kette darbieten.



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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Vergleichung der höchsten Gebirgsgipfel des alten und neuen Continents. In: Allgemeine Zeitung. Nr. 307, Beilage vom 2[.] November 1848 (1849), S. 4841, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_vergleichung_1848/2>, abgerufen am 25.06.2019.