Hölderlin, Friedrich: Gedichte. Stuttgart u. a., 1826.Ach! und nichtig und leer, wie Gefängnißwände, der Himmel, Eine beugende Last, über dem Haupte mir hängt! 6. Sonst mir anders bekannt! o Jugend! und bringen Gebete, Dich nicht wieder, Dich nie? führet kein Pfad mich zurück? Soll es werden auch mir, wie den Götterlosen, die vormals Glänzenden Auges doch auch saßen am seligen Tisch, Aber übersättiget bald, die schwärmenden Gäste, Nun verstummet, und nun, unter der Lüste Ge- sang, Unter blühender Erd' entschlafen sind, bis dereinst sie Eines Wunders Gewalt, sie, die Versunkenen, zwingt, Wiederzukehren und neu auf grünendem Boden zu wandeln. -- Heiliger Odem durchströmt göttlich die lichte Gestalt, Wenn das Fest sich beseelt, und Fluten der Liebe sich regen, Und vom Himmel getränkt, rauscht der lebendige Strom, Ach! und nichtig und leer, wie Gefaͤngnißwaͤnde, der Himmel, Eine beugende Laſt, uͤber dem Haupte mir haͤngt! 6. Sonſt mir anders bekannt! o Jugend! und bringen Gebete, Dich nicht wieder, Dich nie? fuͤhret kein Pfad mich zuruͤck? Soll es werden auch mir, wie den Goͤtterloſen, die vormals Glaͤnzenden Auges doch auch ſaßen am ſeligen Tiſch, Aber uͤberſaͤttiget bald, die ſchwaͤrmenden Gaͤſte, Nun verſtummet, und nun, unter der Luͤſte Ge- ſang, Unter bluͤhender Erd' entſchlafen ſind, bis dereinſt ſie Eines Wunders Gewalt, ſie, die Verſunkenen, zwingt, Wiederzukehren und neu auf gruͤnendem Boden zu wandeln. — Heiliger Odem durchſtroͤmt goͤttlich die lichte Geſtalt, Wenn das Feſt ſich beſeelt, und Fluten der Liebe ſich regen, Und vom Himmel getraͤnkt, rauſcht der lebendige Strom, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <lg type="poem"> <pb facs="#f0140" n="132"/> <l>Ach! und nichtig und leer, wie Gefaͤngnißwaͤnde,</l><lb/> <l>der Himmel,</l><lb/> <l>Eine beugende Laſt, uͤber dem Haupte mir haͤngt!</l> </lg> </div><lb/> <div n="2"> <head>6.</head><lb/> <lg type="poem"> <l>Sonſt mir anders bekannt! o Jugend! und bringen</l><lb/> <l>Gebete,</l><lb/> <l>Dich nicht wieder, Dich nie? fuͤhret kein Pfad</l><lb/> <l>mich zuruͤck?</l><lb/> <l>Soll es werden auch mir, wie den Goͤtterloſen,</l><lb/> <l>die vormals</l><lb/> <l>Glaͤnzenden Auges doch auch ſaßen am ſeligen</l><lb/> <l>Tiſch,</l><lb/> <l>Aber uͤberſaͤttiget bald, die ſchwaͤrmenden Gaͤſte,</l><lb/> <l>Nun verſtummet, und nun, unter der Luͤſte Ge-</l><lb/> <l>ſang,</l><lb/> <l>Unter bluͤhender Erd' entſchlafen ſind, bis dereinſt</l><lb/> <l>ſie</l><lb/> <l>Eines Wunders Gewalt, ſie, die Verſunkenen,</l><lb/> <l>zwingt,</l><lb/> <l>Wiederzukehren und neu auf gruͤnendem Boden</l><lb/> <l>zu wandeln. —</l><lb/> <l>Heiliger Odem durchſtroͤmt goͤttlich die lichte</l><lb/> <l>Geſtalt,</l><lb/> <l>Wenn das Feſt ſich beſeelt, und Fluten der Liebe</l><lb/> <l>ſich regen,</l><lb/> <l>Und vom Himmel getraͤnkt, rauſcht der lebendige</l><lb/> <l>Strom,</l><lb/> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [132/0140]
Ach! und nichtig und leer, wie Gefaͤngnißwaͤnde,
der Himmel,
Eine beugende Laſt, uͤber dem Haupte mir haͤngt!
6.
Sonſt mir anders bekannt! o Jugend! und bringen
Gebete,
Dich nicht wieder, Dich nie? fuͤhret kein Pfad
mich zuruͤck?
Soll es werden auch mir, wie den Goͤtterloſen,
die vormals
Glaͤnzenden Auges doch auch ſaßen am ſeligen
Tiſch,
Aber uͤberſaͤttiget bald, die ſchwaͤrmenden Gaͤſte,
Nun verſtummet, und nun, unter der Luͤſte Ge-
ſang,
Unter bluͤhender Erd' entſchlafen ſind, bis dereinſt
ſie
Eines Wunders Gewalt, ſie, die Verſunkenen,
zwingt,
Wiederzukehren und neu auf gruͤnendem Boden
zu wandeln. —
Heiliger Odem durchſtroͤmt goͤttlich die lichte
Geſtalt,
Wenn das Feſt ſich beſeelt, und Fluten der Liebe
ſich regen,
Und vom Himmel getraͤnkt, rauſcht der lebendige
Strom,
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Zitationshilfe: | Hölderlin, Friedrich: Gedichte. Stuttgart u. a., 1826, S. 132. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoelderlin_gedichte_1826/140>, abgerufen am 23.02.2025. |