Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.IV. Im Hirn spukt mir ein Mährchen wunderfein, Und in dem Mährchen klingt ein feines Lied, Und in dem Liede lebt und webt und blüht Ein wunderschönes, zartes Mägdelein. Und in dem Mägdlein wohnt ein Herzchen klein, Doch in dem Herzchen keine Liebe glüht; In dieses lieblos frostige Gemüth Kam Hochmuth nur und Uebermuth hinein. Hörst du wie mir im Kopf' das Mährchen klinget? Und wie das Liedchen summet ernst und schaurig? Und wie das Mägdlein kichert leise, leise? Ich fürchte nur, daß mir der Kopf zerspringet: Und, ach! da wär's doch gar entsetzlich traurig, Käm' der Verstand mir aus dem alten Gleise. IV. Im Hirn ſpukt mir ein Mährchen wunderfein, Und in dem Mährchen klingt ein feines Lied, Und in dem Liede lebt und webt und blüht Ein wunderſchönes, zartes Mägdelein. Und in dem Mägdlein wohnt ein Herzchen klein, Doch in dem Herzchen keine Liebe glüht; In dieſes lieblos froſtige Gemüth Kam Hochmuth nur und Uebermuth hinein. Hörſt du wie mir im Kopf' das Mährchen klinget? Und wie das Liedchen ſummet ernſt und ſchaurig? Und wie das Mägdlein kichert leiſe, leiſe? Ich fürchte nur, daß mir der Kopf zerſpringet: Und, ach! da wär's doch gar entſetzlich traurig, Käm' der Verſtand mir aus dem alten Gleiſe. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <div n="4"> <pb facs="#f0106" n="98"/> </div> <div n="4"> <head> <hi rendition="#aq">IV.</hi><lb/> </head> <lg type="poem"> <l>Im Hirn ſpukt mir ein Mährchen wunderfein,</l><lb/> <l>Und in dem Mährchen klingt ein feines Lied,</l><lb/> <l>Und in dem Liede lebt und webt und blüht</l><lb/> <l>Ein wunderſchönes, zartes Mägdelein.</l><lb/> <l>Und in dem Mägdlein wohnt ein Herzchen klein,</l><lb/> <l>Doch in dem Herzchen keine Liebe glüht;</l><lb/> <l>In dieſes lieblos froſtige Gemüth</l><lb/> <l>Kam Hochmuth nur und Uebermuth hinein.</l><lb/> <l>Hörſt du wie mir im Kopf' das Mährchen klinget?</l><lb/> <l>Und wie das Liedchen ſummet ernſt und ſchaurig?</l><lb/> <l>Und wie das Mägdlein kichert leiſe, leiſe?</l><lb/> <l>Ich fürchte nur, daß mir der Kopf zerſpringet:</l><lb/> <l>Und, ach! da wär's doch gar entſetzlich traurig,</l><lb/> <l>Käm' der Verſtand mir aus dem alten Gleiſe.</l><lb/> </lg> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [98/0106]
IV.
Im Hirn ſpukt mir ein Mährchen wunderfein,
Und in dem Mährchen klingt ein feines Lied,
Und in dem Liede lebt und webt und blüht
Ein wunderſchönes, zartes Mägdelein.
Und in dem Mägdlein wohnt ein Herzchen klein,
Doch in dem Herzchen keine Liebe glüht;
In dieſes lieblos froſtige Gemüth
Kam Hochmuth nur und Uebermuth hinein.
Hörſt du wie mir im Kopf' das Mährchen klinget?
Und wie das Liedchen ſummet ernſt und ſchaurig?
Und wie das Mägdlein kichert leiſe, leiſe?
Ich fürchte nur, daß mir der Kopf zerſpringet:
Und, ach! da wär's doch gar entſetzlich traurig,
Käm' der Verſtand mir aus dem alten Gleiſe.
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Zitationshilfe: | Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827, S. 98. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/heine_lieder_1827/106>, abgerufen am 22.02.2025. |