Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 40, Hamburg, 12. September 1721.

Bild:
<< vorherige Seite
letzte Seite

[Spaltenumbruch] ten, wegen falscher Müntzerey geköpfft. Er wol-
te seine Missethat nicht bekennen; allein da er auf
die Pein-Banck gelegt ward, gestund er alles, und
bekannte, daß einer Nahmens Audebert, der sein
Hertzens-Freund gewesen, ihm die Kunst gelernet;
worüber die Richter bestürtzet worden, weil eben
dieser Audebert ihn verrahten, und sandten also-
fort hin ihn auch zu greiffen, allein er hatte sich
schon auf die Seite gemacht. Nachdem nun die-
ser enthauptet, ward der Scharffrichter, ohne zu
wissen warum, alsofort gefangen nach dem Chate-
let geführet. Von dem Finantzien-Werck mey-
net man noch diese Woche den Schluß und End-
schafft zu sehen. Die Diebereyen sind hier er-
schrecklich; neulich ward eine Summe von 15000.
Livres durch 4. Masquirte aus dem Hause des
Empfangers von dem Bourbonesischen gestohlen,
und gestern ertapte man 5. Diebe, die als Bene-
dictiner Mönche gekleidet waren.

Jtaliänische Affairen.

Weil der Hr. Cardi-
nal von Althan von wegen Sr. Käyserl. Majestät
hier über sehr wichtige Sachen zu handeln hat, so
dürffte er noch wohl eine Zeitlang hier verbleiben.
Am 26. des Morgens haben die Cardinäle Pam-
filio, Corsini, Albano nebst andern eine Versamm-
lung gehalten über die Sachen der Staaten von
Parma und Piacenza. Jhro Käyserl. Majestät
sollen lieber wollen, daß die obschwebende Steitig-
keiten der Jtaliänischen Printzen auf der Reichs-
Versammlung zu Regensspurg mögen ausge-
macht werden; allein man zweifelt, daß sie darein
willigen. Man sagt auch, daß die Ministri der
Catholischen Fürsten alhier in Handlung stehen,
um dem Prätendenten einige gewisse Oerter in J-
talien einzuräumen, und ihn darüber Suverain
zu machen, damit er daraus seinen Unterhalt neh-
men könne, und sol der Pabst selbst diese Sache
starck treiben, auf daß er mit Manier von diesem
kostbaren Gast einst befreyet werden möchte; doch
wird diß noch manche Schwierigkeit antreffen, ehe
es zum Stande kommen kan. Die Lehr-Sätze des
Cardinals von Noailles, welche die Bischöffe in
Franckreich billigen, sind vom Pabst der Versamm-
lung vom H. Officio zur Untersuchung übergeben,
aber man glaubt, daß sie solche unterdrücken wer-
den. Weil der Pabst fortfähret, seinen Anver-
wandten aus eigenem Trieb Gutes zu tuhn, so
sagte Pasquin: Jnnocentius der Dreyzehende
tuhe besser als sein Vorfahrer, indem Er die Gön-
ner seines Hauses der Mühe überhebe, in Faveur
[Spaltenumbruch] desselben etwas von ihme zu begehren. Man
sagt, der Prätendent werde, nachdem er seine Sa-
chen allhier in Ordnung gebracht, eine Reise nach
Paris tuhn. Dieses ist gewiß, daß der Cardinal
de Rohan überaus vertraut mit ihme umgehet,
welcher Prälat auch öftere Conferentzen hat mit
dem Cardinal Gualtieri, welches solche Sachen
betreffen sol, daß wenn sie zu Stand kommen, gros-
ses Aufsehen machen werden.

Vom Braunschweigis. Friedens- Congreß.

Nachdem
so wohl des Moscowitischen Baron von Schlei-
nitz, als auch des Grafen Galoffsky Bagage hier
ankommen, so hört man, daß der Letzte bereits von
Berlin selbst aufgebrochen und ehestens hier her-
kommen wird, alsdann auch Königl. Preussi-
sche Gevollmächtigte ihme folgen sollen. Denn
wie man vernimmt, so sol der Printz Dolhorucki
bey Jhro Königl. Majest. von Pohlen Anhaltung
thun um diesen Congreß zu eröffnen, und weil er
vor dem auf dem Pohlnischen Reichs-Tage zu hin-
dern gewust, daß die Republic keine Gevollmäch-
tigten hieher gesandt; so ists nun desto mehr zu
verwundern, daß er das Werck jetzo selbst treibet,
daher man hoffet, daß es nunmehr bald angehen
werde. Der Hr. Baron von Keller, 2ter Käyserl.
Gevolmächtigter, liegt hier so gefährlich kranck,
daß die Medici an dessen Aufkommen zweifeln.

Neben- Affairen.

Gestern Nach-
mittag um 4. Uhr sind Jhro Königl. Majest. zu
Schiffe aus dem Töplitzer Baade in dem Schlosse
Pillnitz wieder glücklich angelanget; Nicht weni-
ger haben sich auch Jhro Hoheiten der Königl.
Chur-Printz sammt dero Durchl. Frau Gemahlin
und sämtlichen Hof-Staat, vorgestern von dem
Schlosse Lichtenburg und Wermsdorff alhier ein-
gefunden; Nach dero Ankunfft haben Jhro Ho-
heit der Königl. Chur-Printz sich nach dem Schlos-
se Pillnitz erhoben, und dero Königl. Herr Vater
zur gebrauchten Baade-Cur Glück gewünschet
und zugleich Willkommen heissen, wornach sie
des Abends wieder anhero kommen sind. Die-
ser Tage hat ein Laquey einen andern mit einen
Brod-Messer gefährlich gestochen; und der ohn-
längst auf die Haupt-Wache gebrachte Secretair,
wegen gepflogener heimlichen Correspondentz, ist
in das Ampts-Stockhauß gebracht worden. Der
in dem Armen-Hause zu Waldheim gewesene Ver-
walter, ist dieser Tagen auf den Vestungs-Bau ge-
bracht worden.




Schiffbeck bey HAMBURG, Gedruckt und zu bekommen in der Hollischen privilegirten Buchdruckerey;
werden auch verkauft in Kiel auf dem Hoch-Fürstl. Post-Hause. Die Woche 2. Stück.

[Spaltenumbruch] ten, wegen falſcher Muͤntzerey gekoͤpfft. Er wol-
te ſeine Miſſethat nicht bekennen; allein da er auf
die Pein-Banck gelegt ward, geſtund er alles, und
bekannte, daß einer Nahmens Audebert, der ſein
Hertzens-Freund geweſen, ihm die Kunſt gelernet;
woruͤber die Richter beſtuͤrtzet worden, weil eben
dieſer Audebert ihn verrahten, und ſandten alſo-
fort hin ihn auch zu greiffen, allein er hatte ſich
ſchon auf die Seite gemacht. Nachdem nun die-
ſer enthauptet, ward der Scharffrichter, ohne zu
wiſſen warum, alſofort gefangen nach dem Chate-
let gefuͤhret. Von dem Finantzien-Werck mey-
net man noch dieſe Woche den Schluß und End-
ſchafft zu ſehen. Die Diebereyen ſind hier er-
ſchrecklich; neulich ward eine Summe von 15000.
Livres durch 4. Maſquirte aus dem Hauſe des
Empfangers von dem Bourboneſiſchen geſtohlen,
und geſtern ertapte man 5. Diebe, die als Bene-
dictiner Moͤnche gekleidet waren.

Jtaliaͤniſche Affairen.

Weil der Hr. Cardi-
nal von Althan von wegen Sr. Kaͤyſerl. Majeſtaͤt
hier uͤber ſehr wichtige Sachen zu handeln hat, ſo
duͤrffte er noch wohl eine Zeitlang hier verbleiben.
Am 26. des Morgens haben die Cardinaͤle Pam-
filio, Corſini, Albano nebſt andern eine Verſamm-
lung gehalten uͤber die Sachen der Staaten von
Parma und Piacenza. Jhro Kaͤyſerl. Majeſtaͤt
ſollen lieber wollen, daß die obſchwebende Steitig-
keiten der Jtaliaͤniſchen Printzen auf der Reichs-
Verſammlung zu Regensſpurg moͤgen ausge-
macht werden; allein man zweifelt, daß ſie darein
willigen. Man ſagt auch, daß die Miniſtri der
Catholiſchen Fuͤrſten alhier in Handlung ſtehen,
um dem Praͤtendenten einige gewiſſe Oerter in J-
talien einzuraͤumen, und ihn daruͤber Suverain
zu machen, damit er daraus ſeinen Unterhalt neh-
men koͤnne, und ſol der Pabſt ſelbſt dieſe Sache
ſtarck treiben, auf daß er mit Manier von dieſem
koſtbaren Gaſt einſt befreyet werden moͤchte; doch
wird diß noch manche Schwierigkeit antreffen, ehe
es zum Stande kommen kan. Die Lehr-Saͤtze des
Cardinals von Noailles, welche die Biſchoͤffe in
Franckreich billigen, ſind vom Pabſt der Verſamm-
lung vom H. Officio zur Unterſuchung uͤbergeben,
aber man glaubt, daß ſie ſolche unterdruͤcken wer-
den. Weil der Pabſt fortfaͤhret, ſeinen Anver-
wandten aus eigenem Trieb Gutes zu tuhn, ſo
ſagte Paſquin: Jnnocentius der Dreyzehende
tuhe beſſer als ſein Vorfahrer, indem Er die Goͤn-
ner ſeines Hauſes der Muͤhe uͤberhebe, in Faveur
[Spaltenumbruch] deſſelben etwas von ihme zu begehren. Man
ſagt, der Praͤtendent werde, nachdem er ſeine Sa-
chen allhier in Ordnung gebracht, eine Reiſe nach
Paris tuhn. Dieſes iſt gewiß, daß der Cardinal
de Rohan uͤberaus vertraut mit ihme umgehet,
welcher Praͤlat auch oͤftere Conferentzen hat mit
dem Cardinal Gualtieri, welches ſolche Sachen
betreffen ſol, daß wenn ſie zu Stand kommen, groſ-
ſes Aufſehen machen werden.

Vom Braunſchweigiſ. Friedens- Congreß.

Nachdem
ſo wohl des Moſcowitiſchen Baron von Schlei-
nitz, als auch des Grafen Galoffsky Bagage hier
ankommen, ſo hoͤrt man, daß der Letzte bereits von
Berlin ſelbſt aufgebrochen und eheſtens hier her-
kommen wird, alsdann auch Koͤnigl. Preusſi-
ſche Gevollmaͤchtigte ihme folgen ſollen. Denn
wie man vernimmt, ſo ſol der Printz Dolhorucki
bey Jhro Koͤnigl. Majeſt. von Pohlen Anhaltung
thun um dieſen Congreß zu eroͤffnen, und weil er
vor dem auf dem Pohlniſchen Reichs-Tage zu hin-
dern gewuſt, daß die Republic keine Gevollmaͤch-
tigten hieher geſandt; ſo iſts nun deſto mehr zu
verwundern, daß er das Werck jetzo ſelbſt treibet,
daher man hoffet, daß es nunmehr bald angehen
werde. Der Hr. Baron von Keller, 2ter Kaͤyſerl.
Gevolmaͤchtigter, liegt hier ſo gefaͤhrlich kranck,
daß die Medici an deſſen Aufkommen zweifeln.

Neben- Affairen.

Geſtern Nach-
mittag um 4. Uhr ſind Jhro Koͤnigl. Majeſt. zu
Schiffe aus dem Toͤplitzer Baade in dem Schloſſe
Pillnitz wieder gluͤcklich angelanget; Nicht weni-
ger haben ſich auch Jhro Hoheiten der Koͤnigl.
Chur-Printz ſammt dero Durchl. Frau Gemahlin
und ſaͤmtlichen Hof-Staat, vorgeſtern von dem
Schloſſe Lichtenburg und Wermsdorff alhier ein-
gefunden; Nach dero Ankunfft haben Jhro Ho-
heit der Koͤnigl. Chur-Printz ſich nach dem Schloſ-
ſe Pillnitz erhoben, und dero Koͤnigl. Herr Vater
zur gebrauchten Baade-Cur Gluͤck gewuͤnſchet
und zugleich Willkommen heiſſen, wornach ſie
des Abends wieder anhero kommen ſind. Die-
ſer Tage hat ein Laquey einen andern mit einen
Brod-Meſſer gefaͤhrlich geſtochen; und der ohn-
laͤngſt auf die Haupt-Wache gebrachte Secretair,
wegen gepflogener heimlichen Correſpondentz, iſt
in das Ampts-Stockhauß gebracht worden. Der
in dem Armen-Hauſe zu Waldheim geweſene Ver-
walter, iſt dieſer Tagen auf den Veſtungs-Bau ge-
bracht worden.




Schiffbeck bey HAMBURG, Gedruckt und zu bekom̃en in der Holliſchen privilegirten Buchdruckerey;
werden auch verkauft in Kiel auf dem Hoch-Fuͤrſtl. Poſt-Hauſe. Die Woche 2. Stuͤck.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <floatingText>
          <body>
            <div type="jPoliticalNews">
              <div type="jPoliticalNews">
                <div type="jArticle">
                  <p><pb facs="#f0006" n="[6]"/><cb/>
ten, wegen fal&#x017F;cher Mu&#x0364;ntzerey geko&#x0364;pfft. Er                         wol-<lb/>
te &#x017F;eine Mi&#x017F;&#x017F;ethat nicht bekennen; allein da                         er auf<lb/>
die Pein-Banck gelegt ward, ge&#x017F;tund er alles,                         und<lb/>
bekannte, daß einer Nahmens Audebert, der                         &#x017F;ein<lb/>
Hertzens-Freund gewe&#x017F;en, ihm die Kun&#x017F;t                         gelernet;<lb/>
woru&#x0364;ber die Richter be&#x017F;tu&#x0364;rtzet worden,                         weil eben<lb/>
die&#x017F;er Audebert ihn verrahten, und &#x017F;andten                         al&#x017F;o-<lb/>
fort hin ihn auch zu greiffen, allein er hatte                         &#x017F;ich<lb/>
&#x017F;chon auf die Seite gemacht. Nachdem nun                         die-<lb/>
&#x017F;er enthauptet, ward der Scharffrichter, ohne                         zu<lb/>
wi&#x017F;&#x017F;en warum, al&#x017F;ofort gefangen nach dem                         Chate-<lb/>
let gefu&#x0364;hret. Von dem Finantzien-Werck mey-<lb/>
net man                         noch die&#x017F;e Woche den Schluß und End-<lb/>
&#x017F;chafft zu                         &#x017F;ehen. Die Diebereyen &#x017F;ind hier er-<lb/>
&#x017F;chrecklich;                         neulich ward eine Summe von 15000.<lb/>
Livres durch 4. Ma&#x017F;quirte aus                         dem Hau&#x017F;e des<lb/>
Empfangers von dem Bourbone&#x017F;i&#x017F;chen                         ge&#x017F;tohlen,<lb/>
und ge&#x017F;tern ertapte man 5. Diebe, die als                         Bene-<lb/>
dictiner Mo&#x0364;nche gekleidet waren.</p>
                </div>
              </div><lb/>
              <div type="jPoliticalNews">
                <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Jtalia&#x0364;ni&#x017F;che</hi> <hi rendition="#aq">Affairen.</hi> </hi> </head><lb/>
                <div type="jArticle">
                  <dateline><hi rendition="#fr">Rom/</hi> den 20. Augu&#x017F;t.</dateline>
                  <p> Weil der Hr.                         Cardi-<lb/>
nal von Althan von wegen Sr. Ka&#x0364;y&#x017F;erl.                         Maje&#x017F;ta&#x0364;t<lb/>
hier u&#x0364;ber &#x017F;ehr wichtige Sachen zu                         handeln hat, &#x017F;o<lb/>
du&#x0364;rffte er noch wohl eine Zeitlang hier                         verbleiben.<lb/>
Am 26. des Morgens haben die Cardina&#x0364;le                         Pam-<lb/>
filio, Cor&#x017F;ini, Albano neb&#x017F;t andern eine                         Ver&#x017F;amm-<lb/>
lung gehalten u&#x0364;ber die Sachen der Staaten                         von<lb/>
Parma und Piacenza. Jhro Ka&#x0364;y&#x017F;erl.                         Maje&#x017F;ta&#x0364;t<lb/>
&#x017F;ollen lieber wollen, daß die                         ob&#x017F;chwebende Steitig-<lb/>
keiten der Jtalia&#x0364;ni&#x017F;chen                         Printzen auf der Reichs-<lb/>
Ver&#x017F;ammlung zu Regens&#x017F;purg                         mo&#x0364;gen ausge-<lb/>
macht werden; allein man zweifelt, daß &#x017F;ie                         darein<lb/>
willigen. Man &#x017F;agt auch, daß die Mini&#x017F;tri                         der<lb/>
Catholi&#x017F;chen Fu&#x0364;r&#x017F;ten alhier in Handlung                         &#x017F;tehen,<lb/>
um dem Pra&#x0364;tendenten einige gewi&#x017F;&#x017F;e                         Oerter in J-<lb/>
talien einzura&#x0364;umen, und ihn daru&#x0364;ber                         Suverain<lb/>
zu machen, damit er daraus &#x017F;einen Unterhalt neh-<lb/>
men                         ko&#x0364;nne, und &#x017F;ol der Pab&#x017F;t &#x017F;elb&#x017F;t                         die&#x017F;e Sache<lb/>
&#x017F;tarck treiben, auf daß er mit Manier von                         die&#x017F;em<lb/>
ko&#x017F;tbaren Ga&#x017F;t ein&#x017F;t befreyet werden                         mo&#x0364;chte; doch<lb/>
wird diß noch manche Schwierigkeit antreffen,                         ehe<lb/>
es zum Stande kommen kan. Die Lehr-Sa&#x0364;tze des<lb/>
Cardinals                         von Noailles, welche die Bi&#x017F;cho&#x0364;ffe in<lb/>
Franckreich                         billigen, &#x017F;ind vom Pab&#x017F;t der Ver&#x017F;amm-<lb/>
lung vom H.                         Officio zur Unter&#x017F;uchung u&#x0364;bergeben,<lb/>
aber man glaubt, daß                         &#x017F;ie &#x017F;olche unterdru&#x0364;cken wer-<lb/>
den. Weil der                         Pab&#x017F;t fortfa&#x0364;hret, &#x017F;einen Anver-<lb/>
wandten aus                         eigenem Trieb Gutes zu tuhn, &#x017F;o<lb/>
&#x017F;agte Pa&#x017F;quin:                         Jnnocentius der Dreyzehende<lb/>
tuhe be&#x017F;&#x017F;er als &#x017F;ein                         Vorfahrer, indem Er die Go&#x0364;n-<lb/>
ner &#x017F;eines Hau&#x017F;es der                         Mu&#x0364;he u&#x0364;berhebe, in Faveur<lb/><cb/>
de&#x017F;&#x017F;elben                         etwas von ihme zu begehren. Man<lb/>
&#x017F;agt, der Pra&#x0364;tendent                         werde, nachdem er &#x017F;eine Sa-<lb/>
chen allhier in Ordnung gebracht,                         eine Rei&#x017F;e nach<lb/>
Paris tuhn. Die&#x017F;es i&#x017F;t gewiß, daß                         der Cardinal<lb/>
de Rohan u&#x0364;beraus vertraut mit ihme                         umgehet,<lb/>
welcher Pra&#x0364;lat auch o&#x0364;ftere Conferentzen hat                         mit<lb/>
dem Cardinal Gualtieri, welches &#x017F;olche Sachen<lb/>
betreffen                         &#x017F;ol, daß wenn &#x017F;ie zu Stand kommen, gro&#x017F;-<lb/>
&#x017F;es                         Auf&#x017F;ehen machen werden.</p>
                </div>
              </div><lb/>
              <div type="jPoliticalNews">
                <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Vom Braun&#x017F;chweigi&#x017F;. Friedens-</hi> <hi rendition="#aq">Congreß.</hi> </hi> </head><lb/>
                <div type="jArticle">
                  <dateline><hi rendition="#fr">Braun&#x017F;chweig/</hi> den 7. Septembr.</dateline>
                  <p>                         Nachdem<lb/>
&#x017F;o wohl des Mo&#x017F;cowiti&#x017F;chen Baron von                         Schlei-<lb/>
nitz, als auch des Grafen Galoffsky Bagage hier<lb/>
ankommen,                         &#x017F;o ho&#x0364;rt man, daß der Letzte bereits von<lb/>
Berlin                         &#x017F;elb&#x017F;t aufgebrochen und ehe&#x017F;tens hier her-<lb/>
kommen                         wird, alsdann auch Ko&#x0364;nigl. Preus&#x017F;i-<lb/>
&#x017F;che                         Gevollma&#x0364;chtigte ihme folgen &#x017F;ollen. Denn<lb/>
wie man                         vernimmt, &#x017F;o &#x017F;ol der Printz Dolhorucki<lb/>
bey Jhro                         Ko&#x0364;nigl. Maje&#x017F;t. von Pohlen Anhaltung<lb/>
thun um                         die&#x017F;en Congreß zu ero&#x0364;ffnen, und weil er<lb/>
vor dem auf dem                         Pohlni&#x017F;chen Reichs-Tage zu hin-<lb/>
dern gewu&#x017F;t, daß die                         Republic keine Gevollma&#x0364;ch-<lb/>
tigten hieher ge&#x017F;andt;                         &#x017F;o i&#x017F;ts nun de&#x017F;to mehr zu<lb/>
verwundern, daß er das                         Werck jetzo &#x017F;elb&#x017F;t treibet,<lb/>
daher man hoffet, daß es                         nunmehr bald angehen<lb/>
werde. Der Hr. Baron von Keller, 2ter                         Ka&#x0364;y&#x017F;erl.<lb/>
Gevolma&#x0364;chtigter, liegt hier &#x017F;o                         gefa&#x0364;hrlich kranck,<lb/>
daß die Medici an de&#x017F;&#x017F;en                         Aufkommen zweifeln.</p>
                </div>
              </div><lb/>
              <div type="jPoliticalNews">
                <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Neben-</hi> <hi rendition="#aq">Affairen.</hi> </hi> </head><lb/>
                <div type="jArticle">
                  <dateline><hi rendition="#fr">Dreßden/</hi> den 5. Septembr.</dateline>
                  <p> Ge&#x017F;tern                         Nach-<lb/>
mittag um 4. Uhr &#x017F;ind Jhro Ko&#x0364;nigl. Maje&#x017F;t.                         zu<lb/>
Schiffe aus dem To&#x0364;plitzer Baade in dem                         Schlo&#x017F;&#x017F;e<lb/>
Pillnitz wieder glu&#x0364;cklich angelanget;                         Nicht weni-<lb/>
ger haben &#x017F;ich auch Jhro Hoheiten der                         Ko&#x0364;nigl.<lb/>
Chur-Printz &#x017F;ammt dero Durchl. Frau                         Gemahlin<lb/>
und &#x017F;a&#x0364;mtlichen Hof-Staat, vorge&#x017F;tern von                         dem<lb/>
Schlo&#x017F;&#x017F;e Lichtenburg und Wermsdorff alhier                         ein-<lb/>
gefunden; Nach dero Ankunfft haben Jhro Ho-<lb/>
heit der                         Ko&#x0364;nigl. Chur-Printz &#x017F;ich nach dem                         Schlo&#x017F;-<lb/>
&#x017F;e Pillnitz erhoben, und dero Ko&#x0364;nigl. Herr                         Vater<lb/>
zur gebrauchten Baade-Cur Glu&#x0364;ck                         gewu&#x0364;n&#x017F;chet<lb/>
und zugleich Willkommen hei&#x017F;&#x017F;en,                         wornach &#x017F;ie<lb/>
des Abends wieder anhero kommen &#x017F;ind.                         Die-<lb/>
&#x017F;er Tage hat ein Laquey einen andern mit                         einen<lb/>
Brod-Me&#x017F;&#x017F;er gefa&#x0364;hrlich ge&#x017F;tochen; und                         der ohn-<lb/>
la&#x0364;ng&#x017F;t auf die Haupt-Wache gebrachte                         Secretair,<lb/>
wegen gepflogener heimlichen Corre&#x017F;pondentz,                         i&#x017F;t<lb/>
in das Ampts-Stockhauß gebracht worden. Der<lb/>
in dem                         Armen-Hau&#x017F;e zu Waldheim gewe&#x017F;ene Ver-<lb/>
walter, i&#x017F;t                         die&#x017F;er Tagen auf den Ve&#x017F;tungs-Bau ge-<lb/>
bracht worden.</p>
                </div>
              </div>
            </div><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
            <div type="imprint">
              <p> <hi rendition="#c"><hi rendition="#fr">Schiffbeck</hi> bey <hi rendition="#aq">HAMBURG,</hi> Gedruckt und zu bekom&#x0303;en in der <hi rendition="#aq">Holli</hi>&#x017F;chen <hi rendition="#aq">privilegirt</hi>en Buchdruckerey;<lb/>
werden auch verkauft in <hi rendition="#fr">Kiel</hi> auf dem Hoch-Fu&#x0364;r&#x017F;tl.                         Po&#x017F;t-Hau&#x017F;e. Die Woche 2. Stu&#x0364;ck.</hi> </p>
            </div>
          </body>
        </floatingText>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[6]/0006] ten, wegen falſcher Muͤntzerey gekoͤpfft. Er wol- te ſeine Miſſethat nicht bekennen; allein da er auf die Pein-Banck gelegt ward, geſtund er alles, und bekannte, daß einer Nahmens Audebert, der ſein Hertzens-Freund geweſen, ihm die Kunſt gelernet; woruͤber die Richter beſtuͤrtzet worden, weil eben dieſer Audebert ihn verrahten, und ſandten alſo- fort hin ihn auch zu greiffen, allein er hatte ſich ſchon auf die Seite gemacht. Nachdem nun die- ſer enthauptet, ward der Scharffrichter, ohne zu wiſſen warum, alſofort gefangen nach dem Chate- let gefuͤhret. Von dem Finantzien-Werck mey- net man noch dieſe Woche den Schluß und End- ſchafft zu ſehen. Die Diebereyen ſind hier er- ſchrecklich; neulich ward eine Summe von 15000. Livres durch 4. Maſquirte aus dem Hauſe des Empfangers von dem Bourboneſiſchen geſtohlen, und geſtern ertapte man 5. Diebe, die als Bene- dictiner Moͤnche gekleidet waren. Jtaliaͤniſche Affairen. Rom/ den 20. Auguſt. Weil der Hr. Cardi- nal von Althan von wegen Sr. Kaͤyſerl. Majeſtaͤt hier uͤber ſehr wichtige Sachen zu handeln hat, ſo duͤrffte er noch wohl eine Zeitlang hier verbleiben. Am 26. des Morgens haben die Cardinaͤle Pam- filio, Corſini, Albano nebſt andern eine Verſamm- lung gehalten uͤber die Sachen der Staaten von Parma und Piacenza. Jhro Kaͤyſerl. Majeſtaͤt ſollen lieber wollen, daß die obſchwebende Steitig- keiten der Jtaliaͤniſchen Printzen auf der Reichs- Verſammlung zu Regensſpurg moͤgen ausge- macht werden; allein man zweifelt, daß ſie darein willigen. Man ſagt auch, daß die Miniſtri der Catholiſchen Fuͤrſten alhier in Handlung ſtehen, um dem Praͤtendenten einige gewiſſe Oerter in J- talien einzuraͤumen, und ihn daruͤber Suverain zu machen, damit er daraus ſeinen Unterhalt neh- men koͤnne, und ſol der Pabſt ſelbſt dieſe Sache ſtarck treiben, auf daß er mit Manier von dieſem koſtbaren Gaſt einſt befreyet werden moͤchte; doch wird diß noch manche Schwierigkeit antreffen, ehe es zum Stande kommen kan. Die Lehr-Saͤtze des Cardinals von Noailles, welche die Biſchoͤffe in Franckreich billigen, ſind vom Pabſt der Verſamm- lung vom H. Officio zur Unterſuchung uͤbergeben, aber man glaubt, daß ſie ſolche unterdruͤcken wer- den. Weil der Pabſt fortfaͤhret, ſeinen Anver- wandten aus eigenem Trieb Gutes zu tuhn, ſo ſagte Paſquin: Jnnocentius der Dreyzehende tuhe beſſer als ſein Vorfahrer, indem Er die Goͤn- ner ſeines Hauſes der Muͤhe uͤberhebe, in Faveur deſſelben etwas von ihme zu begehren. Man ſagt, der Praͤtendent werde, nachdem er ſeine Sa- chen allhier in Ordnung gebracht, eine Reiſe nach Paris tuhn. Dieſes iſt gewiß, daß der Cardinal de Rohan uͤberaus vertraut mit ihme umgehet, welcher Praͤlat auch oͤftere Conferentzen hat mit dem Cardinal Gualtieri, welches ſolche Sachen betreffen ſol, daß wenn ſie zu Stand kommen, groſ- ſes Aufſehen machen werden. Vom Braunſchweigiſ. Friedens- Congreß. Braunſchweig/ den 7. Septembr. Nachdem ſo wohl des Moſcowitiſchen Baron von Schlei- nitz, als auch des Grafen Galoffsky Bagage hier ankommen, ſo hoͤrt man, daß der Letzte bereits von Berlin ſelbſt aufgebrochen und eheſtens hier her- kommen wird, alsdann auch Koͤnigl. Preusſi- ſche Gevollmaͤchtigte ihme folgen ſollen. Denn wie man vernimmt, ſo ſol der Printz Dolhorucki bey Jhro Koͤnigl. Majeſt. von Pohlen Anhaltung thun um dieſen Congreß zu eroͤffnen, und weil er vor dem auf dem Pohlniſchen Reichs-Tage zu hin- dern gewuſt, daß die Republic keine Gevollmaͤch- tigten hieher geſandt; ſo iſts nun deſto mehr zu verwundern, daß er das Werck jetzo ſelbſt treibet, daher man hoffet, daß es nunmehr bald angehen werde. Der Hr. Baron von Keller, 2ter Kaͤyſerl. Gevolmaͤchtigter, liegt hier ſo gefaͤhrlich kranck, daß die Medici an deſſen Aufkommen zweifeln. Neben- Affairen. Dreßden/ den 5. Septembr. Geſtern Nach- mittag um 4. Uhr ſind Jhro Koͤnigl. Majeſt. zu Schiffe aus dem Toͤplitzer Baade in dem Schloſſe Pillnitz wieder gluͤcklich angelanget; Nicht weni- ger haben ſich auch Jhro Hoheiten der Koͤnigl. Chur-Printz ſammt dero Durchl. Frau Gemahlin und ſaͤmtlichen Hof-Staat, vorgeſtern von dem Schloſſe Lichtenburg und Wermsdorff alhier ein- gefunden; Nach dero Ankunfft haben Jhro Ho- heit der Koͤnigl. Chur-Printz ſich nach dem Schloſ- ſe Pillnitz erhoben, und dero Koͤnigl. Herr Vater zur gebrauchten Baade-Cur Gluͤck gewuͤnſchet und zugleich Willkommen heiſſen, wornach ſie des Abends wieder anhero kommen ſind. Die- ſer Tage hat ein Laquey einen andern mit einen Brod-Meſſer gefaͤhrlich geſtochen; und der ohn- laͤngſt auf die Haupt-Wache gebrachte Secretair, wegen gepflogener heimlichen Correſpondentz, iſt in das Ampts-Stockhauß gebracht worden. Der in dem Armen-Hauſe zu Waldheim geweſene Ver- walter, iſt dieſer Tagen auf den Veſtungs-Bau ge- bracht worden. Schiffbeck bey HAMBURG, Gedruckt und zu bekom̃en in der Holliſchen privilegirten Buchdruckerey; werden auch verkauft in Kiel auf dem Hoch-Fuͤrſtl. Poſt-Hauſe. Die Woche 2. Stuͤck.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Britt-Marie Schuster: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Manuel Wille: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Arnika Lutz: Bereitstellung der Texttranskription. (2014-07-01T14:43:40Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.

Weitere Informationen:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (doppelt erfasst).




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/hc_401209_1721
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/hc_401209_1721/6
Zitationshilfe: Staats/ und Gelehrte Zeitung des Hollsteinischen Correspondenten. Nr. 40, Hamburg, 12. September 1721, S. [6]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hc_401209_1721/6>, abgerufen am 10.12.2019.