Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837.An der Gränze. Die treuen Berg' steh'n auf der Wacht: "Wer streicht bei stiller Morgenzeit Da aus der Fremde durch die Haid'?" -- Ich aber mir die Berg' betracht' Und lach' in mich vor großer Lust, Und rufe recht aus frischer Brust Parol und Feldgeschrei sogleich: Vivat Oestreich! Da kennt mich erst die ganze Rund, Nun grüßen Bach und Vöglein zart Und Wälder rings nach Landesart, Die Donau blitzt aus tiefem Grund, Der Stephansthurm auch ganz von fern Guckt über'n Berg und säh' mich gern, Und ist er's nicht, so kommt er doch gleich, Vivat Oestreich! An der Graͤnze. Die treuen Berg' ſteh'n auf der Wacht: „Wer ſtreicht bei ſtiller Morgenzeit Da aus der Fremde durch die Haid'?“ — Ich aber mir die Berg' betracht' Und lach' in mich vor großer Luſt, Und rufe recht aus friſcher Bruſt Parol und Feldgeſchrei ſogleich: Vivat Oeſtreich! Da kennt mich erſt die ganze Rund, Nun gruͤßen Bach und Voͤglein zart Und Waͤlder rings nach Landesart, Die Donau blitzt aus tiefem Grund, Der Stephansthurm auch ganz von fern Guckt uͤber'n Berg und ſaͤh' mich gern, Und iſt er's nicht, ſo kommt er doch gleich, Vivat Oeſtreich! <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0071" n="53"/> </div> <div n="2"> <head> <hi rendition="#b #g">An der Graͤnze</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/> </head> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l><hi rendition="#in">D</hi>ie treuen Berg' ſteh'n auf der Wacht:</l><lb/> <l>„Wer ſtreicht bei ſtiller Morgenzeit</l><lb/> <l>Da aus der Fremde durch die Haid'?“ —</l><lb/> <l>Ich aber mir die Berg' betracht'</l><lb/> <l>Und lach' in mich vor großer Luſt,</l><lb/> <l>Und rufe recht aus friſcher Bruſt</l><lb/> <l>Parol und Feldgeſchrei ſogleich:</l><lb/> <l>Vivat Oeſtreich!</l><lb/> </lg> <lg n="2"> <l>Da kennt mich erſt die ganze Rund,</l><lb/> <l>Nun gruͤßen Bach und Voͤglein zart</l><lb/> <l>Und Waͤlder rings nach Landesart,</l><lb/> <l>Die Donau blitzt aus tiefem Grund,</l><lb/> <l>Der Stephansthurm auch ganz von fern</l><lb/> <l>Guckt uͤber'n Berg und ſaͤh' mich gern,</l><lb/> <l>Und iſt er's nicht, ſo kommt er doch gleich,</l><lb/> <l>Vivat Oeſtreich!</l><lb/> </lg> </lg> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [53/0071]
An der Graͤnze.
Die treuen Berg' ſteh'n auf der Wacht:
„Wer ſtreicht bei ſtiller Morgenzeit
Da aus der Fremde durch die Haid'?“ —
Ich aber mir die Berg' betracht'
Und lach' in mich vor großer Luſt,
Und rufe recht aus friſcher Bruſt
Parol und Feldgeſchrei ſogleich:
Vivat Oeſtreich!
Da kennt mich erſt die ganze Rund,
Nun gruͤßen Bach und Voͤglein zart
Und Waͤlder rings nach Landesart,
Die Donau blitzt aus tiefem Grund,
Der Stephansthurm auch ganz von fern
Guckt uͤber'n Berg und ſaͤh' mich gern,
Und iſt er's nicht, ſo kommt er doch gleich,
Vivat Oeſtreich!
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Zitationshilfe: | Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. 53. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/71>, abgerufen am 26.02.2025. |