Unten endlos nichts als Wasser, Droben Himmel still und weit, Nur das Götterland, das blasse, Lag in Meereseinsamkeit, Wo auf farbenlosen Matten Gipfel wie in Träumen steh'n, Und Gestalten ohne Schatten Ewig lautlos sich ergeh'n.
Zwischen grauen Wolken-Schweifen, Die verschlafen Berg und Flut Mit den langen Schleiern streifen, Hoch der Göttervater ruht. Heut zu fischen ihn gelüstet, Und vom zack'gen Felsenhang In des Meeres grüne Wüste Senket er die Schnur zum Fang.
Sinnend sitzt er, und es flattern Bart und Haar im Sturme weit, Und die Zeit wird ihm so lange In der stillen Ewigkeit. Da fühlt er die Angel zucken: "Ei, das ist ein schwerer Fisch!" Freudig fängt er an zu rucken, Stemmt sich, zieht und windet frisch.
26 *
Der Goͤtter Irrfahrt.
Nach einer Volksſage der Tonga-Inſeln.
I.
Unten endlos nichts als Waſſer, Droben Himmel ſtill und weit, Nur das Goͤtterland, das blaſſe, Lag in Meereseinſamkeit, Wo auf farbenloſen Matten Gipfel wie in Traͤumen ſteh'n, Und Geſtalten ohne Schatten Ewig lautlos ſich ergeh'n.
Zwiſchen grauen Wolken-Schweifen, Die verſchlafen Berg und Flut Mit den langen Schleiern ſtreifen, Hoch der Goͤttervater ruht. Heut zu fiſchen ihn geluͤſtet, Und vom zack'gen Felſenhang In des Meeres gruͤne Wuͤſte Senket er die Schnur zum Fang.
Sinnend ſitzt er, und es flattern Bart und Haar im Sturme weit, Und die Zeit wird ihm ſo lange In der ſtillen Ewigkeit. Da fuͤhlt er die Angel zucken: „Ei, das iſt ein ſchwerer Fiſch!“ Freudig faͤngt er an zu rucken, Stemmt ſich, zieht und windet friſch.
26 *
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[403/0421]
Der Goͤtter Irrfahrt.
Nach einer Volksſage der Tonga-Inſeln.
I.
Unten endlos nichts als Waſſer,
Droben Himmel ſtill und weit,
Nur das Goͤtterland, das blaſſe,
Lag in Meereseinſamkeit,
Wo auf farbenloſen Matten
Gipfel wie in Traͤumen ſteh'n,
Und Geſtalten ohne Schatten
Ewig lautlos ſich ergeh'n.
Zwiſchen grauen Wolken-Schweifen,
Die verſchlafen Berg und Flut
Mit den langen Schleiern ſtreifen,
Hoch der Goͤttervater ruht.
Heut zu fiſchen ihn geluͤſtet,
Und vom zack'gen Felſenhang
In des Meeres gruͤne Wuͤſte
Senket er die Schnur zum Fang.
Sinnend ſitzt er, und es flattern
Bart und Haar im Sturme weit,
Und die Zeit wird ihm ſo lange
In der ſtillen Ewigkeit.
Da fuͤhlt er die Angel zucken:
„Ei, das iſt ein ſchwerer Fiſch!“
Freudig faͤngt er an zu rucken,
Stemmt ſich, zieht und windet friſch.
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Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. 403. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/421>, abgerufen am 26.02.2025.
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