Auf feur'gem Rosse kommt Bachus daher, Den Becher hoch in der Hand, Sein Rößlein wird wild, sein Kopf ist ihm schwer, Er verschüttet den Wein auf das Land.
Den Dichter erbarmet der Rebensaft, In den Bügel er kühn sich stellt Und trinkt mit dem Gotte Brüderschaft -- Nun geht's erst, als ging's aus der Welt!
Ei sieh da, so einsam Herr Komponist! Steig' auf mit, 's ist Schad' um die Schuh, Du löst erst die Schwinge -- und wo keine ist, Da mach' uns die Flügel dazu!
Und was sie ersonnen nun, singen die Drei'. "O weh!" ruft ein Sänger herauf, "Ihr schreit ja die köstlichsten Noten entzwei!" Und schwingt zu den Dreien sich auf.
Nun setzt der Tonkünstler, skandirt der Poet, Der Sänger giebt himmlischen Schall, Es lächelt Herr Bachus: "wahrhaftig das geht, Und's Trinken verstehen sie all'."
Und wie sie nun alle beisammen sind, Hebt's sachte die seeligen Leut', Es wachsen dem Rosse zwei Schwingen geschwind, Und überfliegen die Zeit.
13 *
V. Die Heymonskinder.
Auf feur'gem Roſſe kommt Bachus daher, Den Becher hoch in der Hand, Sein Roͤßlein wird wild, ſein Kopf iſt ihm ſchwer, Er verſchuͤttet den Wein auf das Land.
Den Dichter erbarmet der Rebenſaft, In den Buͤgel er kuͤhn ſich ſtellt Und trinkt mit dem Gotte Bruͤderſchaft — Nun geht's erſt, als ging's aus der Welt!
Ei ſieh da, ſo einſam Herr Komponiſt! Steig' auf mit, 's iſt Schad' um die Schuh, Du loͤſt erſt die Schwinge — und wo keine iſt, Da mach' uns die Fluͤgel dazu!
Und was ſie erſonnen nun, ſingen die Drei'. „O weh!“ ruft ein Saͤnger herauf, „Ihr ſchreit ja die koͤſtlichſten Noten entzwei!“ Und ſchwingt zu den Dreien ſich auf.
Nun ſetzt der Tonkuͤnſtler, ſkandirt der Poet, Der Saͤnger giebt himmliſchen Schall, Es laͤchelt Herr Bachus: „wahrhaftig das geht, Und's Trinken verſtehen ſie all'.“
Und wie ſie nun alle beiſammen ſind, Hebt's ſachte die ſeeligen Leut', Es wachſen dem Roſſe zwei Schwingen geſchwind, Und uͤberfliegen die Zeit.
13 *
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V.
Die Heymonskinder.
Auf feur'gem Roſſe kommt Bachus daher,
Den Becher hoch in der Hand,
Sein Roͤßlein wird wild, ſein Kopf iſt ihm ſchwer,
Er verſchuͤttet den Wein auf das Land.
Den Dichter erbarmet der Rebenſaft,
In den Buͤgel er kuͤhn ſich ſtellt
Und trinkt mit dem Gotte Bruͤderſchaft —
Nun geht's erſt, als ging's aus der Welt!
Ei ſieh da, ſo einſam Herr Komponiſt!
Steig' auf mit, 's iſt Schad' um die Schuh,
Du loͤſt erſt die Schwinge — und wo keine iſt,
Da mach' uns die Fluͤgel dazu!
Und was ſie erſonnen nun, ſingen die Drei'.
„O weh!“ ruft ein Saͤnger herauf,
„Ihr ſchreit ja die koͤſtlichſten Noten entzwei!“
Und ſchwingt zu den Dreien ſich auf.
Nun ſetzt der Tonkuͤnſtler, ſkandirt der Poet,
Der Saͤnger giebt himmliſchen Schall,
Es laͤchelt Herr Bachus: „wahrhaftig das geht,
Und's Trinken verſtehen ſie all'.“
Und wie ſie nun alle beiſammen ſind,
Hebt's ſachte die ſeeligen Leut',
Es wachſen dem Roſſe zwei Schwingen geſchwind,
Und uͤberfliegen die Zeit.
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Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. 195. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/213>, abgerufen am 26.02.2025.
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