Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837.Aufgebot. Waldhorn bringt Kund' getragen, Es hab' nun aufgeschlagen Auf Berg und Thal und Feld Der Lenz seine bunte Zelt'! In's Grün zieh'n Sänger, Reiter, Ein jeglich Herz wird weiter, Möcht' jauchzend über's Grün Mit den Lerchen in's Blaue zieh'n. Was stehst du so alleine, Pilgrim, im grünen Scheine? Lockt dicht der Wunderlaut Nicht auch zur fernen Braut? "Ach! diese tausendfachen Heilig verschlung'nen Sprachen So lockend Lust wie Schmerz Zerreißen mir das Herz." "Ein Wort will mir's verkünden,
Oft ist's, als müßt' ich's finden, Und wieder ist's nicht so, Und ewig frag' ich: Wo?" -- Aufgebot. Waldhorn bringt Kund' getragen, Es hab' nun aufgeſchlagen Auf Berg und Thal und Feld Der Lenz ſeine bunte Zelt'! In's Gruͤn zieh'n Saͤnger, Reiter, Ein jeglich Herz wird weiter, Moͤcht' jauchzend uͤber's Gruͤn Mit den Lerchen in's Blaue zieh'n. Was ſtehſt du ſo alleine, Pilgrim, im gruͤnen Scheine? Lockt dicht der Wunderlaut Nicht auch zur fernen Braut? „Ach! dieſe tauſendfachen Heilig verſchlung'nen Sprachen So lockend Luſt wie Schmerz Zerreißen mir das Herz.“ „Ein Wort will mir's verkuͤnden,
Oft iſt's, als muͤßt' ich's finden, Und wieder iſt's nicht ſo, Und ewig frag' ich: Wo?“ — <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0108" n="90"/> </div> <div n="2"> <head> <hi rendition="#b #g">Aufgebot</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/> </head> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l><hi rendition="#in">W</hi>aldhorn bringt Kund' getragen,</l><lb/> <l>Es hab' nun aufgeſchlagen</l><lb/> <l>Auf Berg und Thal und Feld</l><lb/> <l>Der Lenz ſeine bunte Zelt'!</l><lb/> </lg> <lg n="2"> <l>In's Gruͤn zieh'n Saͤnger, Reiter,</l><lb/> <l>Ein jeglich Herz wird weiter,</l><lb/> <l>Moͤcht' jauchzend uͤber's Gruͤn</l><lb/> <l>Mit den Lerchen in's Blaue zieh'n.</l><lb/> </lg> <lg n="3"> <l>Was ſtehſt du ſo alleine,</l><lb/> <l>Pilgrim, im gruͤnen Scheine?</l><lb/> <l>Lockt dicht der Wunderlaut</l><lb/> <l>Nicht auch zur fernen Braut?</l><lb/> </lg> <lg n="4"> <l>„Ach! dieſe tauſendfachen</l><lb/> <l>Heilig verſchlung'nen Sprachen</l><lb/> <l>So lockend Luſt wie Schmerz</l><lb/> <l>Zerreißen mir das Herz.“</l><lb/> </lg> <lg n="5"> <l>„Ein Wort will mir's verkuͤnden,</l><lb/> <l>Oft iſt's, als muͤßt' ich's finden,</l><lb/> <l>Und wieder iſt's nicht ſo,</l><lb/> <l>Und ewig frag' ich: Wo?“ —</l><lb/> </lg> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [90/0108]
Aufgebot.
Waldhorn bringt Kund' getragen,
Es hab' nun aufgeſchlagen
Auf Berg und Thal und Feld
Der Lenz ſeine bunte Zelt'!
In's Gruͤn zieh'n Saͤnger, Reiter,
Ein jeglich Herz wird weiter,
Moͤcht' jauchzend uͤber's Gruͤn
Mit den Lerchen in's Blaue zieh'n.
Was ſtehſt du ſo alleine,
Pilgrim, im gruͤnen Scheine?
Lockt dicht der Wunderlaut
Nicht auch zur fernen Braut?
„Ach! dieſe tauſendfachen
Heilig verſchlung'nen Sprachen
So lockend Luſt wie Schmerz
Zerreißen mir das Herz.“
„Ein Wort will mir's verkuͤnden,
Oft iſt's, als muͤßt' ich's finden,
Und wieder iſt's nicht ſo,
Und ewig frag' ich: Wo?“ —
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Zitationshilfe: | Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Berlin, 1837, S. 90. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eichendorff_gedichte_1837/108>, abgerufen am 26.02.2025. |