durch die Vernunft genöthiget. Die Vernunft bil- det diesen Schluß. Ein Wirth soll geschickte Mit- tel anwenden, eine gute Absicht auszuführen. Dieß ist eine Anwendung der Weisheit. Diese ist ohne Klugheit unfruchtbar. Und darum ist es, eine Ab- sicht auszuführen, nicht genug, daß man geschickte Mittel anwendet, man muß auch die Hindernisse entkräften, welche stark genug sind, die angewende- ten Mittel wider die Absicht zu lenken. Wir wollen dieß auf den Akkerbau anwenden. Sollen die Erd- Gewächse vollkommen wachsen, so muß die Erde mit den wesentlichen Dingen der Natur wohl vermischt, und sie muß lukker gemacht werden, daß die Luft hin- eindringen, die Bewegung in der Erde unterhalten, und die wachsenden Kräfte vermehren könne. (§. 38). Jn diesen Stand ist der Akker von uns alsdenn ge- setzt worden, wenn wir ihn wohl bearbeitet haben. Sind nun hier keine Hinderniße möglich, die diese an- gewendeten Mittel wider unsere Absicht lenken kön- nen? Kann nicht das aufgehende Unkraut unsern Erd-Gewächsen die Nahrung entziehen? und können nicht allerhand Umstände die Fläche des wohlbearbei- teten Feldes wiederum veste machen, daß der Zufluß der Luft alsdenn verhindert wird, wenn das Erd- Gewächse diesen zum Wachsthum nöthig hat.
§. 188.
Aus diesem schlüße ich: Die Fürsorge eines ver- nünftigen Wirthes wird alsdenn nicht aufhören, wenn er den Akker bestellet hat. Er muß auf Mittel den- ken:
Einmahl, das aufgehende Unkraut zu vertil- gen.
Fürs andere, die bey der Bestellung lukker ge- machte Erde in diesem Zustande zu erhalten.
§. 189.
Der Land-Wirthſchaft 2 Abſchnitt
durch die Vernunft genoͤthiget. Die Vernunft bil- det dieſen Schluß. Ein Wirth ſoll geſchickte Mit- tel anwenden, eine gute Abſicht auszufuͤhren. Dieß iſt eine Anwendung der Weisheit. Dieſe iſt ohne Klugheit unfruchtbar. Und darum iſt es, eine Ab- ſicht auszufuͤhren, nicht genug, daß man geſchickte Mittel anwendet, man muß auch die Hinderniſſe entkraͤften, welche ſtark genug ſind, die angewende- ten Mittel wider die Abſicht zu lenken. Wir wollen dieß auf den Akkerbau anwenden. Sollen die Erd- Gewaͤchſe vollkommen wachſen, ſo muß die Erde mit den weſentlichen Dingen der Natur wohl vermiſcht, und ſie muß lukker gemacht werden, daß die Luft hin- eindringen, die Bewegung in der Erde unterhalten, und die wachſenden Kraͤfte vermehren koͤnne. (§. 38). Jn dieſen Stand iſt der Akker von uns alsdenn ge- ſetzt worden, wenn wir ihn wohl bearbeitet haben. Sind nun hier keine Hinderniße moͤglich, die dieſe an- gewendeten Mittel wider unſere Abſicht lenken koͤn- nen? Kann nicht das aufgehende Unkraut unſern Erd-Gewaͤchſen die Nahrung entziehen? und koͤnnen nicht allerhand Umſtaͤnde die Flaͤche des wohlbearbei- teten Feldes wiederum veſte machen, daß der Zufluß der Luft alsdenn verhindert wird, wenn das Erd- Gewaͤchſe dieſen zum Wachsthum noͤthig hat.
§. 188.
Aus dieſem ſchluͤße ich: Die Fuͤrſorge eines ver- nuͤnftigen Wirthes wird alsdenn nicht aufhoͤren, wenn er den Akker beſtellet hat. Er muß auf Mittel den- ken:
Einmahl, das aufgehende Unkraut zu vertil- gen.
Fuͤrs andere, die bey der Beſtellung lukker ge- machte Erde in dieſem Zuſtande zu erhalten.
§. 189.
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Der Land-Wirthſchaft 2 Abſchnitt
durch die Vernunft genoͤthiget. Die Vernunft bil-
det dieſen Schluß. Ein Wirth ſoll geſchickte Mit-
tel anwenden, eine gute Abſicht auszufuͤhren. Dieß
iſt eine Anwendung der Weisheit. Dieſe iſt ohne
Klugheit unfruchtbar. Und darum iſt es, eine Ab-
ſicht auszufuͤhren, nicht genug, daß man geſchickte
Mittel anwendet, man muß auch die Hinderniſſe
entkraͤften, welche ſtark genug ſind, die angewende-
ten Mittel wider die Abſicht zu lenken. Wir wollen
dieß auf den Akkerbau anwenden. Sollen die Erd-
Gewaͤchſe vollkommen wachſen, ſo muß die Erde mit
den weſentlichen Dingen der Natur wohl vermiſcht,
und ſie muß lukker gemacht werden, daß die Luft hin-
eindringen, die Bewegung in der Erde unterhalten,
und die wachſenden Kraͤfte vermehren koͤnne. (§. 38).
Jn dieſen Stand iſt der Akker von uns alsdenn ge-
ſetzt worden, wenn wir ihn wohl bearbeitet haben.
Sind nun hier keine Hinderniße moͤglich, die dieſe an-
gewendeten Mittel wider unſere Abſicht lenken koͤn-
nen? Kann nicht das aufgehende Unkraut unſern
Erd-Gewaͤchſen die Nahrung entziehen? und koͤnnen
nicht allerhand Umſtaͤnde die Flaͤche des wohlbearbei-
teten Feldes wiederum veſte machen, daß der Zufluß
der Luft alsdenn verhindert wird, wenn das Erd-
Gewaͤchſe dieſen zum Wachsthum noͤthig hat.
§. 188.
Aus dieſem ſchluͤße ich: Die Fuͤrſorge eines ver-
nuͤnftigen Wirthes wird alsdenn nicht aufhoͤren, wenn
er den Akker beſtellet hat. Er muß auf Mittel den-
ken:
Einmahl, das aufgehende Unkraut zu vertil-
gen.
Fuͤrs andere, die bey der Beſtellung lukker ge-
machte Erde in dieſem Zuſtande zu erhalten.
§. 189.
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Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/160>, abgerufen am 06.01.2025.
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