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Dannhauer, Johann Conrad: Catechismus-Milch. Bd. 6. Straßburg, 1657.

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viel und mancherley Bedeutungen/ welche alle namhafft zu machen und
zu erzehlen unnöthig; dißmal sind allein die jenigen Stellen und Zeug-
nüssen fleissig zu beobachten/ in welchem Fleisch so viel heist als die böse/
sündliche/ unartige/ verdamte Natur des Menschen nach
dem Fall/
bey deren wir drey Stück nach Beschreibung des heiligen
Geistes zu bedencken haben/ Phusin, exin, kr[fremdsprachliches Material - 1 Zeichen fehlt]sin, das ist/ Die Natur und
Vnart des Fleisches
selbst/ deroselben Wärung/ und die darauff
folgende göttliche Zorn-Straffe.

Jst demnach das Fleisch/ davon allhier Christus redet/ oder die
fleischliche Natur des Menschen/ der alte fleischliche Adam/ davon der
Gen. 6, 3.Herr klagt: Die Menschen/ spricht Er: wollen sich meinen
Geist nicht mehr straffen lassen/ dann sie sind Fleisch.
1. Ein
todes/ ohnmächtiges/ krafftloses Fleisch; dann was ist Fleisch ohne Seel?
Ein toder Leichnam/ ein Toden-Aaß/ das ist auch Fleisch ohne Geist. Ein
schwaches Fleisch/ ein kein-nützes Fleisch in göttlichen Sachen/ conse-
quenter
staarblind/ lahm/ taub/ stumm und bresthafftig/ dem das gött-
Rom. 3, 23.liche Ebenbild/ der Ruhm in Gott mangelt/ denn wir sind allzu-
mal Sünder/ und mangeln des Ruhms/ den wir an GOTT

2. Cor. 3, 18.haben sollen/ dort aber schauen wir alle die Klarheit des HEr-
ren/ wie in einem Spiegel/ mit auffgedecktem Angesichte/ und
wir werden verkläret in dasselbige Bilde/ von einer Klarheit
zu der andern/ als vom HErren/ der der Geist ist. Wie wir

1. Cor. 15,
49.
getragen haben das Bilde des irdischen Menschen; Also wer-
1. Cor. 2,
14.
den wir auch tragen das Bilde des himmlischen. Da ist kein
Erkäntnüs der Göttlichen Geheimnüssen/ kein Beyfall/ keine natürliche
Luc. 18, 34.Fähigkeit/ keine glaubige/ zuversichtliche Benamsung des Herrn Jesu/
1. Cor. 12. 3.denn niemand kan Jesum einen HErren heissen/ ohn durch
den heiligen Geist.
Jam ignoti nulla cupido, wo es an der Erkänt-
nüs eines Dinges mangelt/ da ist kein Sehnen noch Begierd/ wo kein
Matt. 7, 16.
17. 18. &
20.
guter Baum ist/ da sind auch keine guten Früchte: Kan man auch
Trauben lesen von den Dornen/ oder Feigen von den Disteln?
Ein ieglicher guter Baum bringet gute Früchte/ aber ein fau-
ler Baum bringet arge Fruchte; ein guter Baum kan nicht
arge Früchte bringen/ und ein fauler Baum kan nicht gute

Früchte

Eingangs-
viel und mancherley Bedeutungen/ welche alle namhafft zu machen und
zu erzehlen unnoͤthig; dißmal ſind allein die jenigen Stellen und Zeug-
nuͤſſen fleiſſig zu beobachten/ in welchem Fleiſch ſo viel heiſt als die böſe/
ſuͤndliche/ unartige/ verdamte Natur des Menſchen nach
dem Fall/
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Geiſtes zu bedencken haben/ Φύσιν, ἕξιν, κρ[fremdsprachliches Material – 1 Zeichen fehlt]σιν, das iſt/ Die Natur und
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ſelbſt/ deroſelben Waͤrung/ und die darauff
folgende goͤttliche Zorn-Straffe.

Jſt demnach das Fleiſch/ davon allhier Chriſtus redet/ oder die
fleiſchliche Natur des Menſchen/ der alte fleiſchliche Adam/ davon der
Gen. 6, 3.Herr klagt: Die Menſchen/ ſpricht Er: wollen ſich meinen
Geiſt nicht mehr ſtraffen laſſen/ dann ſie ſind Fleiſch.
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Rom. 3, 23.liche Ebenbild/ der Ruhm in Gott mangelt/ denn wir ſind allzu-
mal Suͤnder/ und mangeln des Ruhms/ den wir an GOTT

2. Cor. 3, 18.haben ſollen/ dort aber ſchauen wir alle die Klarheit des HEr-
ren/ wie in einem Spiegel/ mit auffgedecktem Angeſichte/ und
wir werden verkläret in daſſelbige Bilde/ von einer Klarheit
zu der andern/ als vom HErren/ der der Geiſt iſt. Wie wir

1. Cor. 15,
49.
getragen haben das Bilde des irdiſchen Menſchen; Alſo wer-
1. Cor. 2,
14.
den wir auch tragen das Bilde des himmliſchen. Da iſt kein
Erkaͤntnuͤs der Goͤttlichen Geheimnuͤſſen/ kein Beyfall/ keine natuͤrliche
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Jam ignoti nulla cupido, wo es an der Erkaͤnt-
nuͤs eines Dinges mangelt/ da iſt kein Sehnen noch Begierd/ wo kein
Matt. 7, 16.
17. 18. &
20.
guter Baum iſt/ da ſind auch keine guten Fruͤchte: Kan man auch
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[4/0036] Eingangs- viel und mancherley Bedeutungen/ welche alle namhafft zu machen und zu erzehlen unnoͤthig; dißmal ſind allein die jenigen Stellen und Zeug- nuͤſſen fleiſſig zu beobachten/ in welchem Fleiſch ſo viel heiſt als die böſe/ ſuͤndliche/ unartige/ verdamte Natur des Menſchen nach dem Fall/ bey deren wir drey Stuͤck nach Beſchreibung des heiligen Geiſtes zu bedencken haben/ Φύσιν, ἕξιν, κρ_σιν, das iſt/ Die Natur und Vnart des Fleiſches ſelbſt/ deroſelben Waͤrung/ und die darauff folgende goͤttliche Zorn-Straffe. Jſt demnach das Fleiſch/ davon allhier Chriſtus redet/ oder die fleiſchliche Natur des Menſchen/ der alte fleiſchliche Adam/ davon der Herr klagt: Die Menſchen/ ſpricht Er: wollen ſich meinen Geiſt nicht mehr ſtraffen laſſen/ dann ſie ſind Fleiſch. 1. Ein todes/ ohnmaͤchtiges/ krafftloſes Fleiſch; dann was iſt Fleiſch ohne Seel? Ein toder Leichnam/ ein Toden-Aaß/ das iſt auch Fleiſch ohne Geiſt. Ein ſchwaches Fleiſch/ ein kein-nuͤtzes Fleiſch in goͤttlichen Sachen/ conſe- quenter ſtaarblind/ lahm/ taub/ ſtumm und breſthafftig/ dem das goͤtt- liche Ebenbild/ der Ruhm in Gott mangelt/ denn wir ſind allzu- mal Suͤnder/ und mangeln des Ruhms/ den wir an GOTT haben ſollen/ dort aber ſchauen wir alle die Klarheit des HEr- ren/ wie in einem Spiegel/ mit auffgedecktem Angeſichte/ und wir werden verkläret in daſſelbige Bilde/ von einer Klarheit zu der andern/ als vom HErren/ der der Geiſt iſt. Wie wir getragen haben das Bilde des irdiſchen Menſchen; Alſo wer- den wir auch tragen das Bilde des himmliſchen. Da iſt kein Erkaͤntnuͤs der Goͤttlichen Geheimnuͤſſen/ kein Beyfall/ keine natuͤrliche Faͤhigkeit/ keine glaubige/ zuverſichtliche Benamſung des Herrn Jeſu/ denn niemand kan Jeſum einen HErren heiſſen/ ohn durch den heiligen Geiſt. Jam ignoti nulla cupido, wo es an der Erkaͤnt- nuͤs eines Dinges mangelt/ da iſt kein Sehnen noch Begierd/ wo kein guter Baum iſt/ da ſind auch keine guten Fruͤchte: Kan man auch Trauben leſen von den Dornen/ oder Feigen von den Diſteln? Ein ieglicher guter Baum bringet gute Fruͤchte/ aber ein fau- ler Baum bringet arge Frůchte; ein guter Baum kan nicht arge Fruͤchte bringen/ und ein fauler Baum kan nicht gute Fruͤchte Gen. 6, 3. Rom. 3, 23. 2. Cor. 3, 18. 1. Cor. 15, 49. 1. Cor. 2, 14. Luc. 18, 34. 1. Cor. 12. 3. Matt. 7, 16. 17. 18. & 20.

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Zitationshilfe: Dannhauer, Johann Conrad: Catechismus-Milch. Bd. 6. Straßburg, 1657, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus06_1657/36>, abgerufen am 15.08.2020.