Sache zu der seinigen machen, aber die Leute sind etwas furchtsamer Natur; ich bin überzeugt, daß sie mich an eine andere Behörde verweisen. Ich erwarte ihre Resolution. ... Der Vorfall ist so einfach und liegt so klar am Tage, daß man mir entweder volle Genugthuung schaffen oder öffentlich erklären muß, das Gesetz sei aufgehoben und eine Gewalt an seine Stelle getreten, gegen die es keine Appellation, als Sturmglocken und Pflastersteine gebe. ....
22.
Weißenburg, den 9. März 1835.
Eben lange ich wohlbehalten hier an. Die Reise ging schnell und bequem vor sich. Ihr könnt, was meine persön- liche Sicherheit anlangt, völlig ruhig sein. Sicheren Nach- richten gemäß bezweifle ich auch nicht, daß mir der Aufenthalt in Straßburg gestattet werden wird. ... Nur die dringendsten Gründe konnten mich zwingen, Vaterland und Vaterhaus in der Art zu verlassen. .. Ich konnte mich unserer politischen Inquisition stellen; von dem Resultat einer Untersuchung hatte ich nichts zu befürchten, aber Alles von der Unter- suchung selbst. .... Ich bin überzeugt, daß nach einem Verlaufe von zwei bis drei Jahren meiner Rückkehr nichts mehr im Wege stehen wird. Diese Zeit hätte ich im Falle des Bleibens in einem Kerker zu Friedberg versessen; körper- lich und geistig zerrüttet wäre ich dann entlassen worden. Dies stand mir so deutlich vor Augen, dessen war ich so gewiß, daß ich das große Uebel einer freiwilligen Verbannung wählte. Jetzt habe ich Hände und Kopf frei. ... Es liegt jetzt Alles in meiner Hand. Ich werde das Studium der medicinisch-philosophischen Wissenschaften mit der größten
Sache zu der ſeinigen machen, aber die Leute ſind etwas furchtſamer Natur; ich bin überzeugt, daß ſie mich an eine andere Behörde verweiſen. Ich erwarte ihre Reſolution. ... Der Vorfall iſt ſo einfach und liegt ſo klar am Tage, daß man mir entweder volle Genugthuung ſchaffen oder öffentlich erklären muß, das Geſetz ſei aufgehoben und eine Gewalt an ſeine Stelle getreten, gegen die es keine Appellation, als Sturmglocken und Pflaſterſteine gebe. ....
22.
Weißenburg, den 9. März 1835.
Eben lange ich wohlbehalten hier an. Die Reiſe ging ſchnell und bequem vor ſich. Ihr könnt, was meine perſön- liche Sicherheit anlangt, völlig ruhig ſein. Sicheren Nach- richten gemäß bezweifle ich auch nicht, daß mir der Aufenthalt in Straßburg geſtattet werden wird. ... Nur die dringendſten Gründe konnten mich zwingen, Vaterland und Vaterhaus in der Art zu verlaſſen. .. Ich konnte mich unſerer politiſchen Inquiſition ſtellen; von dem Reſultat einer Unterſuchung hatte ich nichts zu befürchten, aber Alles von der Unter- ſuchung ſelbſt. .... Ich bin überzeugt, daß nach einem Verlaufe von zwei bis drei Jahren meiner Rückkehr nichts mehr im Wege ſtehen wird. Dieſe Zeit hätte ich im Falle des Bleibens in einem Kerker zu Friedberg verſeſſen; körper- lich und geiſtig zerrüttet wäre ich dann entlaſſen worden. Dies ſtand mir ſo deutlich vor Augen, deſſen war ich ſo gewiß, daß ich das große Uebel einer freiwilligen Verbannung wählte. Jetzt habe ich Hände und Kopf frei. ... Es liegt jetzt Alles in meiner Hand. Ich werde das Studium der mediciniſch-philoſophiſchen Wiſſenſchaften mit der größten
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><p><pbfacs="#f0540"n="344"/>
Sache zu der <hirendition="#g">ſeinigen</hi> machen, aber die Leute ſind etwas<lb/>
furchtſamer Natur; ich bin überzeugt, daß ſie mich an eine<lb/>
andere Behörde verweiſen. Ich erwarte ihre Reſolution. ...<lb/>
Der Vorfall iſt ſo einfach und liegt ſo klar am Tage, daß<lb/>
man mir entweder volle Genugthuung ſchaffen oder öffentlich<lb/>
erklären muß, das Geſetz ſei aufgehoben und eine Gewalt<lb/>
an ſeine Stelle getreten, gegen die es keine Appellation, als<lb/>
Sturmglocken und Pflaſterſteine gebe. ....</p></div><lb/><divn="3"><head><hirendition="#c">22.</hi></head><lb/><dateline><hirendition="#g">Weißenburg</hi>, den 9. März 1835.</dateline><lb/><p>Eben lange ich wohlbehalten hier an. Die Reiſe ging<lb/>ſchnell und bequem vor ſich. Ihr könnt, was meine perſön-<lb/>
liche Sicherheit anlangt, völlig ruhig ſein. Sicheren Nach-<lb/>
richten gemäß bezweifle ich auch nicht, daß mir der Aufenthalt<lb/>
in Straßburg geſtattet werden wird. ... Nur die dringendſten<lb/>
Gründe konnten mich zwingen, Vaterland und Vaterhaus in<lb/>
der Art zu verlaſſen. .. Ich konnte mich unſerer politiſchen<lb/>
Inquiſition ſtellen; von dem Reſultat einer Unterſuchung<lb/>
hatte ich nichts zu befürchten, aber Alles von der Unter-<lb/>ſuchung ſelbſt. .... Ich bin überzeugt, daß nach einem<lb/>
Verlaufe von zwei bis drei Jahren meiner Rückkehr nichts<lb/>
mehr im Wege ſtehen wird. Dieſe Zeit hätte ich im Falle<lb/>
des Bleibens in einem Kerker zu Friedberg verſeſſen; körper-<lb/>
lich und geiſtig zerrüttet wäre ich dann entlaſſen worden.<lb/>
Dies ſtand mir ſo deutlich vor Augen, deſſen war ich ſo<lb/>
gewiß, daß ich das große Uebel einer freiwilligen Verbannung<lb/>
wählte. Jetzt habe ich Hände und Kopf frei. ... Es liegt<lb/>
jetzt Alles in meiner Hand. Ich werde das Studium der<lb/>
mediciniſch-philoſophiſchen Wiſſenſchaften mit der größten<lb/></p></div></div></div></body></text></TEI>
[344/0540]
Sache zu der ſeinigen machen, aber die Leute ſind etwas
furchtſamer Natur; ich bin überzeugt, daß ſie mich an eine
andere Behörde verweiſen. Ich erwarte ihre Reſolution. ...
Der Vorfall iſt ſo einfach und liegt ſo klar am Tage, daß
man mir entweder volle Genugthuung ſchaffen oder öffentlich
erklären muß, das Geſetz ſei aufgehoben und eine Gewalt
an ſeine Stelle getreten, gegen die es keine Appellation, als
Sturmglocken und Pflaſterſteine gebe. ....
22.
Weißenburg, den 9. März 1835.
Eben lange ich wohlbehalten hier an. Die Reiſe ging
ſchnell und bequem vor ſich. Ihr könnt, was meine perſön-
liche Sicherheit anlangt, völlig ruhig ſein. Sicheren Nach-
richten gemäß bezweifle ich auch nicht, daß mir der Aufenthalt
in Straßburg geſtattet werden wird. ... Nur die dringendſten
Gründe konnten mich zwingen, Vaterland und Vaterhaus in
der Art zu verlaſſen. .. Ich konnte mich unſerer politiſchen
Inquiſition ſtellen; von dem Reſultat einer Unterſuchung
hatte ich nichts zu befürchten, aber Alles von der Unter-
ſuchung ſelbſt. .... Ich bin überzeugt, daß nach einem
Verlaufe von zwei bis drei Jahren meiner Rückkehr nichts
mehr im Wege ſtehen wird. Dieſe Zeit hätte ich im Falle
des Bleibens in einem Kerker zu Friedberg verſeſſen; körper-
lich und geiſtig zerrüttet wäre ich dann entlaſſen worden.
Dies ſtand mir ſo deutlich vor Augen, deſſen war ich ſo
gewiß, daß ich das große Uebel einer freiwilligen Verbannung
wählte. Jetzt habe ich Hände und Kopf frei. ... Es liegt
jetzt Alles in meiner Hand. Ich werde das Studium der
mediciniſch-philoſophiſchen Wiſſenſchaften mit der größten
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Büchner, Georg: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Frankfurt (Main), 1879, S. 344. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879/540>, abgerufen am 21.11.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.