Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727.

Bild:
<< vorherige Seite

Wie zierlich und wie klar Figur- und Farben seyn;
So sehn wir leider doch, daß Menschen auf der Erden
Gefunden werden,
Die solchen ungemess'nen Platz,
Die einen solchen Schatz
Von Bildung, Farben, Glanz und Licht
Nicht so viel würdigen, daß sie zu GOttes Ehren
Jhr bloß auf Geld erpicht Gesicht
Auf dieses grosse Wunder kehren.
Hör auf, geliebter Mensch, den Schöpfer zu verachten!
Komm, laß uns, GOtt zum Ruhm, das Firmament betrachten!

Es wird der Himmel nicht so sehr
Mit schönen Farben ausgeschmücket,
Als man an ihm vielmehr
Ein buntes Licht, das allgemein, erblicket.
Man sieht von ungezählten Bildern
Veränderungen ohne Zahl,
Womit sich itzund auf einmal
Die ungemess'nen Tiefen schildern.
Der Wolken meistens halbe Kreise,
Die allzumal ihr glänzend prangen,
Nachdem sie hoch und dick, auf ganz verschied'ne Weise
Vom Licht, das an sie stral't, empfangen,
Zerteilen sich bald hie bald dort,
Wodurch wir Brüche, Tiefen, Höhen
Und Oeffnungen an manchem Ort
Mit Lust und mit Verwund'rung sehen.
Man siehet oft, mit recht vergnüg'ter Selen,
Durch schwarze bald, und bald durch braune, Hölen,
Ein den Sapphir weit übertreffend Blau;
Jndem der Wolken Dunkelheit

Des

Wie zierlich und wie klar Figur- und Farben ſeyn;
So ſehn wir leider doch, daß Menſchen auf der Erden
Gefunden werden,
Die ſolchen ungemeſſ’nen Platz,
Die einen ſolchen Schatz
Von Bildung, Farben, Glanz und Licht
Nicht ſo viel wuͤrdigen, daß ſie zu GOttes Ehren
Jhr bloß auf Geld erpicht Geſicht
Auf dieſes groſſe Wunder kehren.
Hoͤr auf, geliebter Menſch, den Schoͤpfer zu verachten!
Komm, laß uns, GOtt zum Ruhm, das Firmament betrachten!

Es wird der Himmel nicht ſo ſehr
Mit ſchoͤnen Farben ausgeſchmuͤcket,
Als man an ihm vielmehr
Ein buntes Licht, das allgemein, erblicket.
Man ſieht von ungezaͤhlten Bildern
Veraͤnderungen ohne Zahl,
Womit ſich itzund auf einmal
Die ungemeſſ’nen Tiefen ſchildern.
Der Wolken meiſtens halbe Kreiſe,
Die allzumal ihr glaͤnzend prangen,
Nachdem ſie hoch und dick, auf ganz verſchied’ne Weiſe
Vom Licht, das an ſie ſtral’t, empfangen,
Zerteilen ſich bald hie bald dort,
Wodurch wir Bruͤche, Tiefen, Hoͤhen
Und Oeffnungen an manchem Ort
Mit Luſt und mit Verwund’rung ſehen.
Man ſiehet oft, mit recht vergnuͤg’ter Selen,
Durch ſchwarze bald, und bald durch braune, Hoͤlen,
Ein den Sapphir weit uͤbertreffend Blau;
Jndem der Wolken Dunkelheit

Des
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg n="16">
            <l><pb facs="#f0040" n="4"/>
Wie zierlich und wie klar Figur- und Farben &#x017F;eyn;</l><lb/>
            <l>So &#x017F;ehn wir leider doch, daß Men&#x017F;chen auf der Erden</l><lb/>
            <l>Gefunden werden,</l><lb/>
            <l>Die &#x017F;olchen ungeme&#x017F;&#x017F;&#x2019;nen Platz,</l><lb/>
            <l>Die einen &#x017F;olchen Schatz</l><lb/>
            <l>Von Bildung, Farben, Glanz und Licht</l><lb/>
            <l>Nicht &#x017F;o viel wu&#x0364;rdigen, daß &#x017F;ie zu GOttes Ehren</l><lb/>
            <l>Jhr bloß auf Geld erpicht Ge&#x017F;icht</l><lb/>
            <l>Auf die&#x017F;es gro&#x017F;&#x017F;e Wunder kehren.</l><lb/>
            <l>Ho&#x0364;r auf, geliebter Men&#x017F;ch, den Scho&#x0364;pfer zu verachten!</l><lb/>
            <l>Komm, laß uns, GOtt zum Ruhm, das Firmament betrachten!</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="1">
            <l>Es wird der Himmel nicht &#x017F;o &#x017F;ehr</l><lb/>
            <l>Mit &#x017F;cho&#x0364;nen Farben ausge&#x017F;chmu&#x0364;cket,</l><lb/>
            <l>Als man an ihm vielmehr</l><lb/>
            <l>Ein buntes Licht, das allgemein, erblicket.</l><lb/>
            <l>Man &#x017F;ieht von ungeza&#x0364;hlten Bildern</l><lb/>
            <l>Vera&#x0364;nderungen ohne Zahl,</l><lb/>
            <l>Womit &#x017F;ich itzund auf einmal</l><lb/>
            <l>Die ungeme&#x017F;&#x017F;&#x2019;nen Tiefen &#x017F;childern.</l><lb/>
            <l>Der Wolken mei&#x017F;tens halbe Krei&#x017F;e,</l><lb/>
            <l>Die allzumal ihr gla&#x0364;nzend prangen,</l><lb/>
            <l>Nachdem &#x017F;ie hoch und dick, auf ganz ver&#x017F;chied&#x2019;ne Wei&#x017F;e</l><lb/>
            <l>Vom Licht, das an &#x017F;ie &#x017F;tral&#x2019;t, empfangen,</l><lb/>
            <l>Zerteilen &#x017F;ich bald hie bald dort,</l><lb/>
            <l>Wodurch wir Bru&#x0364;che, Tiefen, Ho&#x0364;hen</l><lb/>
            <l>Und Oeffnungen an manchem Ort</l><lb/>
            <l>Mit Lu&#x017F;t und mit Verwund&#x2019;rung &#x017F;ehen.</l><lb/>
            <l>Man &#x017F;iehet oft, mit recht vergnu&#x0364;g&#x2019;ter Selen,</l><lb/>
            <l>Durch &#x017F;chwarze bald, und bald durch braune, Ho&#x0364;len,</l><lb/>
            <l>Ein den Sapphir weit u&#x0364;bertreffend Blau;</l><lb/>
            <l>Jndem der Wolken Dunkelheit</l><lb/>
            <l>
              <fw place="bottom" type="catch">Des</fw><lb/>
            </l>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[4/0040] Wie zierlich und wie klar Figur- und Farben ſeyn; So ſehn wir leider doch, daß Menſchen auf der Erden Gefunden werden, Die ſolchen ungemeſſ’nen Platz, Die einen ſolchen Schatz Von Bildung, Farben, Glanz und Licht Nicht ſo viel wuͤrdigen, daß ſie zu GOttes Ehren Jhr bloß auf Geld erpicht Geſicht Auf dieſes groſſe Wunder kehren. Hoͤr auf, geliebter Menſch, den Schoͤpfer zu verachten! Komm, laß uns, GOtt zum Ruhm, das Firmament betrachten! Es wird der Himmel nicht ſo ſehr Mit ſchoͤnen Farben ausgeſchmuͤcket, Als man an ihm vielmehr Ein buntes Licht, das allgemein, erblicket. Man ſieht von ungezaͤhlten Bildern Veraͤnderungen ohne Zahl, Womit ſich itzund auf einmal Die ungemeſſ’nen Tiefen ſchildern. Der Wolken meiſtens halbe Kreiſe, Die allzumal ihr glaͤnzend prangen, Nachdem ſie hoch und dick, auf ganz verſchied’ne Weiſe Vom Licht, das an ſie ſtral’t, empfangen, Zerteilen ſich bald hie bald dort, Wodurch wir Bruͤche, Tiefen, Hoͤhen Und Oeffnungen an manchem Ort Mit Luſt und mit Verwund’rung ſehen. Man ſiehet oft, mit recht vergnuͤg’ter Selen, Durch ſchwarze bald, und bald durch braune, Hoͤlen, Ein den Sapphir weit uͤbertreffend Blau; Jndem der Wolken Dunkelheit Des

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/40
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/40>, abgerufen am 23.10.2019.