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Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834.

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alles besser. Aber wenn man einen Deutschen in's
Gefängniß führt ist er im Stande und zieht Schuhe
an, um recht flink zu gehorchen.

Adieu. Ich gehe auf die Börse um Neuigkei¬
ten zu erfahren. Das thue ich jetzt oft. Man hat
gestern einen jungen Mann arretirt, der den Schuß
nach dem König gethan haben soll. Er hat dadurch
sich verdächtig gemacht, daß er seine großen Backen¬
bärte abschneiden ließ. Was man vorsichtig sein
muß! Gerade heute wollte mir der Barbier auch
meine Backenbärte stutzen; aber aus Furcht die Po¬
lizei könnte denken, ich wollte mich unkenntlich machen,
ließ ich es nicht geschehen. Ich warte damit bis der
Mörder eingestanden, dann bin ich sicher.

-- Ich danke es den unbekannten Freunden
sehr, daß sie mir die Polizeihunde angeben, die nach
Paris geschickt werden. Zwar bringt mir selbst die
Warnung keinen Nutzen, da ich nichts zu vertrauen
habe und auch keinem trauen würde als dem Teufel
selbst, der eigentlich ein ehrlicher Mann, weil er sich
für nichts anders ausgiebt als was er ist. Aber es
giebt Andere hier, die etwas zu verschweigen haben
und welche von der schwarzen Magie der heiligen
Allianz nicht viel wissen. Diese werde ich warnen.
Uebrigens so oft ein Liberaler als ein Judas aus¬
gegeben wird, muß man das ohne Untersuchung nicht
annehmen. Es ist eine von den Künsten der Polizei,

alles beſſer. Aber wenn man einen Deutſchen in's
Gefängniß führt iſt er im Stande und zieht Schuhe
an, um recht flink zu gehorchen.

Adieu. Ich gehe auf die Börſe um Neuigkei¬
ten zu erfahren. Das thue ich jetzt oft. Man hat
geſtern einen jungen Mann arretirt, der den Schuß
nach dem König gethan haben ſoll. Er hat dadurch
ſich verdächtig gemacht, daß er ſeine großen Backen¬
bärte abſchneiden ließ. Was man vorſichtig ſein
muß! Gerade heute wollte mir der Barbier auch
meine Backenbärte ſtutzen; aber aus Furcht die Po¬
lizei könnte denken, ich wollte mich unkenntlich machen,
ließ ich es nicht geſchehen. Ich warte damit bis der
Mörder eingeſtanden, dann bin ich ſicher.

— Ich danke es den unbekannten Freunden
ſehr, daß ſie mir die Polizeihunde angeben, die nach
Paris geſchickt werden. Zwar bringt mir ſelbſt die
Warnung keinen Nutzen, da ich nichts zu vertrauen
habe und auch keinem trauen würde als dem Teufel
ſelbſt, der eigentlich ein ehrlicher Mann, weil er ſich
für nichts anders ausgiebt als was er iſt. Aber es
giebt Andere hier, die etwas zu verſchweigen haben
und welche von der ſchwarzen Magie der heiligen
Allianz nicht viel wiſſen. Dieſe werde ich warnen.
Uebrigens ſo oft ein Liberaler als ein Judas aus¬
gegeben wird, muß man das ohne Unterſuchung nicht
annehmen. Es iſt eine von den Künſten der Polizei,

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[28/0040] alles beſſer. Aber wenn man einen Deutſchen in's Gefängniß führt iſt er im Stande und zieht Schuhe an, um recht flink zu gehorchen. Adieu. Ich gehe auf die Börſe um Neuigkei¬ ten zu erfahren. Das thue ich jetzt oft. Man hat geſtern einen jungen Mann arretirt, der den Schuß nach dem König gethan haben ſoll. Er hat dadurch ſich verdächtig gemacht, daß er ſeine großen Backen¬ bärte abſchneiden ließ. Was man vorſichtig ſein muß! Gerade heute wollte mir der Barbier auch meine Backenbärte ſtutzen; aber aus Furcht die Po¬ lizei könnte denken, ich wollte mich unkenntlich machen, ließ ich es nicht geſchehen. Ich warte damit bis der Mörder eingeſtanden, dann bin ich ſicher. — Ich danke es den unbekannten Freunden ſehr, daß ſie mir die Polizeihunde angeben, die nach Paris geſchickt werden. Zwar bringt mir ſelbſt die Warnung keinen Nutzen, da ich nichts zu vertrauen habe und auch keinem trauen würde als dem Teufel ſelbſt, der eigentlich ein ehrlicher Mann, weil er ſich für nichts anders ausgiebt als was er iſt. Aber es giebt Andere hier, die etwas zu verſchweigen haben und welche von der ſchwarzen Magie der heiligen Allianz nicht viel wiſſen. Dieſe werde ich warnen. Uebrigens ſo oft ein Liberaler als ein Judas aus¬ gegeben wird, muß man das ohne Unterſuchung nicht annehmen. Es iſt eine von den Künſten der Polizei,

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Zitationshilfe: Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/40>, abgerufen am 16.06.2019.