Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite

beehrten, um den Namenswechsel einiger Tyrannen
zu feiern! Und darum verschleuderte Jupiter in drei
Tagen alle seine Blitze um ein frommer Jurist zu
werden, und Götter und Menschen ferner durch Con¬
ferenzen und Protokolle zu beherrschen! Was ist da
zu machen? Ich will mir einen Haarbeutel anhän¬
gen und mich von dem Fürsten von Sigmaringen zum
Legationsrath ernennen lassen.

Ein deutscher Esel in London hat in einem
englischen Journale von meinen Briefen gesprochen;
ein deutscher Esel in Leipzig hat das im literarischen
Conversationsblatt übersetzt und ein deutscher Esel in
Paris hat mir den Artikel zu lesen gegeben und dar¬
auf geschworen, ein Engländer habe das gemacht.
Ein Engländer soll gesagt haben: "Wir lieben eine
vernünftige Preßfreiheit!" Ein Engländer soll durch
vier Seiten von Jude gesprochen und gesagt haben:
ich sei "eingestandenermaßen" ein Jude! Einge¬
standenermaßen
-- wie gefällt Ihnen das? Ein
Engländer habe gesagt: das Ganze habe eine Sa¬
tyre sein sollen auf das Reden und Treiben der Li¬
beralen! Ein Engländer: ich sei ein kalter Mensch,
ohne allen Enthusiasmus, und man höre es mir an,
daß mir alles gleich wäre, so oder so! Dieses Lum¬
pengesindel ist nur zu Löschpapier zu gebrauchen; aber
sie drucken ihr bestes darauf und nennen es gutes
weißes Druckpapier
. Sie verstehen das nicht,

beehrten, um den Namenswechſel einiger Tyrannen
zu feiern! Und darum verſchleuderte Jupiter in drei
Tagen alle ſeine Blitze um ein frommer Juriſt zu
werden, und Götter und Menſchen ferner durch Con¬
ferenzen und Protokolle zu beherrſchen! Was iſt da
zu machen? Ich will mir einen Haarbeutel anhän¬
gen und mich von dem Fürſten von Sigmaringen zum
Legationsrath ernennen laſſen.

Ein deutſcher Eſel in London hat in einem
engliſchen Journale von meinen Briefen geſprochen;
ein deutſcher Eſel in Leipzig hat das im literariſchen
Converſationsblatt überſetzt und ein deutſcher Eſel in
Paris hat mir den Artikel zu leſen gegeben und dar¬
auf geſchworen, ein Engländer habe das gemacht.
Ein Engländer ſoll geſagt haben: „Wir lieben eine
vernünftige Preßfreiheit!“ Ein Engländer ſoll durch
vier Seiten von Jude geſprochen und geſagt haben:
ich ſei „eingeſtandenermaßen“ ein Jude! Einge¬
ſtandenermaßen
— wie gefällt Ihnen das? Ein
Engländer habe geſagt: das Ganze habe eine Sa¬
tyre ſein ſollen auf das Reden und Treiben der Li¬
beralen! Ein Engländer: ich ſei ein kalter Menſch,
ohne allen Enthuſiasmus, und man höre es mir an,
daß mir alles gleich wäre, ſo oder ſo! Dieſes Lum¬
pengeſindel iſt nur zu Löſchpapier zu gebrauchen; aber
ſie drucken ihr beſtes darauf und nennen es gutes
weißes Druckpapier
. Sie verſtehen das nicht,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0166" n="154"/>
beehrten, um den Namenswech&#x017F;el einiger Tyrannen<lb/>
zu feiern! Und darum ver&#x017F;chleuderte Jupiter in drei<lb/>
Tagen alle &#x017F;eine Blitze um ein frommer Juri&#x017F;t zu<lb/>
werden, und Götter und Men&#x017F;chen ferner durch Con¬<lb/>
ferenzen und Protokolle zu beherr&#x017F;chen! Was i&#x017F;t da<lb/>
zu machen? Ich will mir einen Haarbeutel anhän¬<lb/>
gen und mich von dem Für&#x017F;ten von Sigmaringen zum<lb/>
Legationsrath ernennen la&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
          <p>Ein deut&#x017F;cher E&#x017F;el in London hat in einem<lb/>
engli&#x017F;chen Journale von meinen Briefen ge&#x017F;prochen;<lb/>
ein deut&#x017F;cher E&#x017F;el in Leipzig hat das im literari&#x017F;chen<lb/>
Conver&#x017F;ationsblatt über&#x017F;etzt und ein deut&#x017F;cher E&#x017F;el in<lb/>
Paris hat mir den Artikel zu le&#x017F;en gegeben und dar¬<lb/>
auf ge&#x017F;chworen, ein Engländer habe das gemacht.<lb/>
Ein Engländer &#x017F;oll ge&#x017F;agt haben: &#x201E;Wir lieben eine<lb/>
vernünftige Preßfreiheit!&#x201C; Ein Engländer &#x017F;oll durch<lb/>
vier Seiten von Jude ge&#x017F;prochen und ge&#x017F;agt haben:<lb/>
ich &#x017F;ei &#x201E;einge&#x017F;tandenermaßen&#x201C; ein Jude! <hi rendition="#g">Einge¬<lb/>
&#x017F;tandenermaßen</hi> &#x2014; wie gefällt Ihnen das? Ein<lb/>
Engländer habe ge&#x017F;agt: das Ganze habe eine Sa¬<lb/>
tyre &#x017F;ein &#x017F;ollen auf das Reden und Treiben der Li¬<lb/>
beralen! Ein Engländer: ich &#x017F;ei ein kalter Men&#x017F;ch,<lb/>
ohne allen Enthu&#x017F;iasmus, und man höre es mir an,<lb/>
daß mir alles gleich wäre, &#x017F;o oder &#x017F;o! Die&#x017F;es Lum¬<lb/>
penge&#x017F;indel i&#x017F;t nur zu Lö&#x017F;chpapier zu gebrauchen; aber<lb/>
&#x017F;ie drucken ihr be&#x017F;tes darauf und nennen es <hi rendition="#g">gutes<lb/>
weißes Druckpapier</hi>. Sie ver&#x017F;tehen das nicht,<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[154/0166] beehrten, um den Namenswechſel einiger Tyrannen zu feiern! Und darum verſchleuderte Jupiter in drei Tagen alle ſeine Blitze um ein frommer Juriſt zu werden, und Götter und Menſchen ferner durch Con¬ ferenzen und Protokolle zu beherrſchen! Was iſt da zu machen? Ich will mir einen Haarbeutel anhän¬ gen und mich von dem Fürſten von Sigmaringen zum Legationsrath ernennen laſſen. Ein deutſcher Eſel in London hat in einem engliſchen Journale von meinen Briefen geſprochen; ein deutſcher Eſel in Leipzig hat das im literariſchen Converſationsblatt überſetzt und ein deutſcher Eſel in Paris hat mir den Artikel zu leſen gegeben und dar¬ auf geſchworen, ein Engländer habe das gemacht. Ein Engländer ſoll geſagt haben: „Wir lieben eine vernünftige Preßfreiheit!“ Ein Engländer ſoll durch vier Seiten von Jude geſprochen und geſagt haben: ich ſei „eingeſtandenermaßen“ ein Jude! Einge¬ ſtandenermaßen — wie gefällt Ihnen das? Ein Engländer habe geſagt: das Ganze habe eine Sa¬ tyre ſein ſollen auf das Reden und Treiben der Li¬ beralen! Ein Engländer: ich ſei ein kalter Menſch, ohne allen Enthuſiasmus, und man höre es mir an, daß mir alles gleich wäre, ſo oder ſo! Dieſes Lum¬ pengeſindel iſt nur zu Löſchpapier zu gebrauchen; aber ſie drucken ihr beſtes darauf und nennen es gutes weißes Druckpapier. Sie verſtehen das nicht,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/166
Zitationshilfe: Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834, S. 154. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/166>, abgerufen am 25.04.2019.