auf, Berg ein und krum herum passiren muß, wo ehedem die via Appia fast schnurgerade und wasserpaß lief.*)
§. 225.
Ganz anders sind die Veränderungen des Erdbodens die durch Sündfluthen und Ue- berschwemmungen verursacht werden. Die wilden Wasser reissen alles durch einander und mit sich fort, weichen den Boden auf, und so wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten durch einander geschwemmten modernden Theile von Thieren und Pflanzen, wie man das an den jährlichen Ueberschwemmungen des Nils, des Oronocko, oder des Amazonen Flusses, und im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten Wiese etc. sehen kann. Und doch war eine Zeit, da man die Petrefacten von der Sündfluth herlei- tete! Ehe könnten vielleicht manche Steinarten z. B. Bänder Jaspis, der zuweilen wie blos verhärteter Schlamm aussieht, aber wol nie eine Spur von einer Versteinerung enthalten wird, Urkunden der Sündfluth abgeben.
§. 226.
Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie- big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge-
*)fr. mar. pratillidella via Appia. tab 1.
auf, Berg ein und krum herum passiren muß, wo ehedem die via Appia fast schnurgerade und wasserpaß lief.*)
§. 225.
Ganz anders sind die Veränderungen des Erdbodens die durch Sündfluthen und Ue- berschwemmungen verursacht werden. Die wilden Wasser reissen alles durch einander und mit sich fort, weichen den Boden auf, und so wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten durch einander geschwemmten modernden Theile von Thieren und Pflanzen, wie man das an den jährlichen Ueberschwemmungen des Nils, des Oronocko, oder des Amazonen Flusses, und im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten Wiese ꝛc. sehen kann. Und doch war eine Zeit, da man die Petrefacten von der Sündfluth herlei- tete! Ehe könnten vielleicht manche Steinarten z. B. Bänder Jaspis, der zuweilen wie blos verhärteter Schlamm aussieht, aber wol nie eine Spur von einer Versteinerung enthalten wird, Urkunden der Sündfluth abgeben.
§. 226.
Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie- big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge-
*)fr. mar. pratillidella via Appia. tab 1.
<TEI><textxml:id="blume_hbnatur_000022"><body><divn="1"><divn="2"><p><pbn="477"facs="#f0033"xml:id="pb477_0001"/>
auf, Berg ein und krum herum passiren muß,<lb/>
wo ehedem die <hirendition="#aq">via Appia</hi> fast schnurgerade und<lb/>
wasserpaß lief.<noteplace="foot"anchored="true"n="*)"><p><hirendition="#g"><hirendition="#k"><hirendition="#aq">fr. mar. pratilli</hi></hi></hi><hirendition="#i"><hirendition="#aq">della via Appia</hi></hi>. <hirendition="#aq">tab</hi> 1.</p></note></p></div><divn="2"><headrendition="#c">§. 225.</head><lb/><p>Ganz anders sind die Veränderungen des<lb/>
Erdbodens die durch Sündfluthen und Ue-<lb/>
berschwemmungen verursacht werden. Die<lb/>
wilden Wasser reissen alles durch einander und<lb/>
mit sich fort, weichen den Boden auf, und so<lb/>
wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt<lb/>
sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten<lb/>
durch einander geschwemmten modernden Theile<lb/>
von Thieren und Pflanzen, wie man das an den<lb/>
jährlichen Ueberschwemmungen des Nils, des<lb/>
Oronocko, oder des Amazonen Flusses, und<lb/>
im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten Wiese<lb/>ꝛc. sehen kann. Und doch war eine Zeit, da<lb/>
man die Petrefacten von der Sündfluth herlei-<lb/>
tete! Ehe könnten vielleicht manche Steinarten<lb/>
z. B. Bänder Jaspis, der zuweilen wie blos<lb/>
verhärteter Schlamm aussieht, aber wol nie<lb/>
eine Spur von einer Versteinerung enthalten<lb/>
wird, Urkunden der Sündfluth abgeben.</p></div><divn="2"><headrendition="#c">§. 226.</head><lb/><p>Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie-<lb/>
big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge-<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[477/0033]
auf, Berg ein und krum herum passiren muß,
wo ehedem die via Appia fast schnurgerade und
wasserpaß lief. *)
§. 225.
Ganz anders sind die Veränderungen des
Erdbodens die durch Sündfluthen und Ue-
berschwemmungen verursacht werden. Die
wilden Wasser reissen alles durch einander und
mit sich fort, weichen den Boden auf, und so
wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt
sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten
durch einander geschwemmten modernden Theile
von Thieren und Pflanzen, wie man das an den
jährlichen Ueberschwemmungen des Nils, des
Oronocko, oder des Amazonen Flusses, und
im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten Wiese
ꝛc. sehen kann. Und doch war eine Zeit, da
man die Petrefacten von der Sündfluth herlei-
tete! Ehe könnten vielleicht manche Steinarten
z. B. Bänder Jaspis, der zuweilen wie blos
verhärteter Schlamm aussieht, aber wol nie
eine Spur von einer Versteinerung enthalten
wird, Urkunden der Sündfluth abgeben.
§. 226.
Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie-
big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge-
*) fr. mar. pratilli della via Appia. tab 1.
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 2. Göttingen, 1780, S. 477. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1780/33>, abgerufen am 03.03.2025.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2025 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
(Kontakt).
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2025. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.