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Allgemeine Zeitung. Nr. 169. Augsburg, 17. Juni 1840.

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Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Mittwoch
Nr. 169.
17 Juni 1840.
Spanien.

Ueber die nähere oder entferntere Abreise der Königin ist noch nichts entschieden, obgleich man sich in gewissen Cirkeln sagt, daß die Königin schon am Sonnabend oder Sonntag abreisen werde. Allgemein heißt es, daß im Fall der Abreise die Cortes auf 3 bis 4 Monate vertagt werden würden. - Das Gesetz der Ayuntamientos ist votirt. Die Deputirtenkammer hat in der heutigen Sitzung mit einer Majorität von 83 gegen 11 Stimmen das von den Journalen so heftig bekämpfte Gesetz votirt. - Die Kammer hat auch geglaubt, in einer der vorhergegangenen Sitzungen die strenge Maaßregel des Ministeriums gegen das Journal Revolution durch eine Indemnitätsbill sanctioniren zu müssen. Dieß geschah mit der großen Majorität von 92 gegen 9.

Ueber Balmaseda's Zug gehen nur unsichere Gerüchte. So heißt es, sein Hauptquartier sey in den letzten Tagen in den Bergen von Burgos und Soria gewesen, von wo er die Madrider Straße durch zahlreiche Streifzüge unsicher mache. Noch wird behauptet, er habe einen sichern Punkt im Gebirge, unweit Aranzo de Miel zu befestigen angefangen, und eine große Zahl Bauern sey zu den Arbeiten verwendet. Man erzählt wieder allerlei von niedergebrannten Dörfern, von verübten Grausamkeiten und Ermordungen u. s. w., alles Dinge, die obschon sehr möglich, gleichwohl der Bestätigung bedürfen. Die Bewegung des Vicekönigs von Navarra auf Logronno soll mit dem Anmarsche Zeubenos in Verbindung stehen, der nach Einigen mit 6000 Mann aus Aragonien aufgebrochen war. Bis zum 6 d. hatte noch nichts von einem vorgefallenen Treffen verlautet. Die Madrider Post, die zu Bayonne seit mehreren Tagen vergebens erwartet wurde, langte endlich am 9 wieder an. Am 4 hatte der Hof die Hauptstadt noch nicht verlassen, selbst der Tag der Abreise schien noch nicht festgesetzt. Alle Mitglieder des Ayuntamiento hatten ihre Entlassung eingereicht. Die Fonds waren bedeutend gesunken, mehrere Bankerotte wurden befürchtet.

(Moniteur.) Nachrichten aus Bayonne vom 8 Jun. bestätigen die Mittheilungen früherer telegraphischen Depeschen. Balmaseda hat sich mit 3000 Fußgängern und 400 Reitern in das Gebirg von Soria geworfen. General Ribera ist mit seiner Division von Pamplona ausgerückt. Die Truppen durchziehen in zwei Colonnen die Ufer des Ebro in der Richtung nach Miranda. Ein am 2 von Madrid abgegangener Cabinetscourier ist am 7 in Bayonne angekommen und hat gemeldet, daß die Factiosen die Heerstraße nicht mehr besetzt hielten. Die Umgebungen von Aranda werden von Banden durchzogen, die Alles, was ihnen in den Weg kommt, plündern und verheeren. Man nennt drei Dörfer, die sie verbrannt haben. Man erwartete am 5 zu Aranda den Brigadier Zurbano, der 5000 Mann unter seinen Befehlen haben soll.

Großbritannien.

Ein schreckliches, seit längerer Zeit in England unerhörtes Ereigniß hat sich so eben - 6 Uhr Nachmittags - hier zugetragen: ein Mordversuch auf die Königin und den Prinzen Albert. Beide, Ihre Maj. und Se. k. Hoh., machten diesen Nachmittag ihre gewöhnliche Spazierfahrt nach Constitution-Hill, als ein männliches Individuum an den Wagen springend zwei Pistolen rasch hintereinander auf sie abfeuerte. Die Schüsse fehlten, und der Thäter ward sogleich ergriffen. Prinz Albert befahl dem Kutscher weiterzufahren, als ob nichts vorgefallen wäre. Alle nähern Umstände des Ereignisses sind noch unbekannt, doch schreibt man die That allgemein einem jener unglücklichen Verrückten zu, die den Palast der Königin seit ihrer Thronbesteigung beständig belagert haben; an einen politischen Beweggrund denkt Niemand. Das einzig Bedenkliche bei der Sache wäre also der nachtheilige Einfluß, den der Schrecken auf die jetzige Lage der Königin gehabt haben könnte. - Das Haus der Gemeinen hat sich nach den kurzen Pfingstferien heute zum erstenmal wieder versammelt: doch enthielten die vor Abgang der Post gepflogenen Verhandlungen nichts Bedeutendes.

Haus der Gemeinen. Sitzung vom 10 Jun. Auf eine Frage Hrn. Mackinnon's, ob die in dem neuen Handelsvertrag mit Frankreich beabsichtigte Herabsetzung des Zolls auf französische Weine auch eine ähnliche Zollherabsetzung für andere eingeführte Weine, namentlich spanische, portugiesische und Capweine zur Folge haben würde, antwortet Hr. Labouchere, daß er, wie bekannt, bei einer noch schwebenden Verhandlung


Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Mittwoch
Nr. 169.
17 Juni 1840.
Spanien.

Ueber die nähere oder entferntere Abreise der Königin ist noch nichts entschieden, obgleich man sich in gewissen Cirkeln sagt, daß die Königin schon am Sonnabend oder Sonntag abreisen werde. Allgemein heißt es, daß im Fall der Abreise die Cortes auf 3 bis 4 Monate vertagt werden würden. – Das Gesetz der Ayuntamientos ist votirt. Die Deputirtenkammer hat in der heutigen Sitzung mit einer Majorität von 83 gegen 11 Stimmen das von den Journalen so heftig bekämpfte Gesetz votirt. – Die Kammer hat auch geglaubt, in einer der vorhergegangenen Sitzungen die strenge Maaßregel des Ministeriums gegen das Journal Revolution durch eine Indemnitätsbill sanctioniren zu müssen. Dieß geschah mit der großen Majorität von 92 gegen 9.

Ueber Balmaseda's Zug gehen nur unsichere Gerüchte. So heißt es, sein Hauptquartier sey in den letzten Tagen in den Bergen von Burgos und Soria gewesen, von wo er die Madrider Straße durch zahlreiche Streifzüge unsicher mache. Noch wird behauptet, er habe einen sichern Punkt im Gebirge, unweit Aranzo de Miel zu befestigen angefangen, und eine große Zahl Bauern sey zu den Arbeiten verwendet. Man erzählt wieder allerlei von niedergebrannten Dörfern, von verübten Grausamkeiten und Ermordungen u. s. w., alles Dinge, die obschon sehr möglich, gleichwohl der Bestätigung bedürfen. Die Bewegung des Vicekönigs von Navarra auf Logroño soll mit dem Anmarsche Zeubenos in Verbindung stehen, der nach Einigen mit 6000 Mann aus Aragonien aufgebrochen war. Bis zum 6 d. hatte noch nichts von einem vorgefallenen Treffen verlautet. Die Madrider Post, die zu Bayonne seit mehreren Tagen vergebens erwartet wurde, langte endlich am 9 wieder an. Am 4 hatte der Hof die Hauptstadt noch nicht verlassen, selbst der Tag der Abreise schien noch nicht festgesetzt. Alle Mitglieder des Ayuntamiento hatten ihre Entlassung eingereicht. Die Fonds waren bedeutend gesunken, mehrere Bankerotte wurden befürchtet.

(Moniteur.) Nachrichten aus Bayonne vom 8 Jun. bestätigen die Mittheilungen früherer telegraphischen Depeschen. Balmaseda hat sich mit 3000 Fußgängern und 400 Reitern in das Gebirg von Soria geworfen. General Ribera ist mit seiner Division von Pamplona ausgerückt. Die Truppen durchziehen in zwei Colonnen die Ufer des Ebro in der Richtung nach Miranda. Ein am 2 von Madrid abgegangener Cabinetscourier ist am 7 in Bayonne angekommen und hat gemeldet, daß die Factiosen die Heerstraße nicht mehr besetzt hielten. Die Umgebungen von Aranda werden von Banden durchzogen, die Alles, was ihnen in den Weg kommt, plündern und verheeren. Man nennt drei Dörfer, die sie verbrannt haben. Man erwartete am 5 zu Aranda den Brigadier Zurbano, der 5000 Mann unter seinen Befehlen haben soll.

Großbritannien.

Ein schreckliches, seit längerer Zeit in England unerhörtes Ereigniß hat sich so eben – 6 Uhr Nachmittags – hier zugetragen: ein Mordversuch auf die Königin und den Prinzen Albert. Beide, Ihre Maj. und Se. k. Hoh., machten diesen Nachmittag ihre gewöhnliche Spazierfahrt nach Constitution-Hill, als ein männliches Individuum an den Wagen springend zwei Pistolen rasch hintereinander auf sie abfeuerte. Die Schüsse fehlten, und der Thäter ward sogleich ergriffen. Prinz Albert befahl dem Kutscher weiterzufahren, als ob nichts vorgefallen wäre. Alle nähern Umstände des Ereignisses sind noch unbekannt, doch schreibt man die That allgemein einem jener unglücklichen Verrückten zu, die den Palast der Königin seit ihrer Thronbesteigung beständig belagert haben; an einen politischen Beweggrund denkt Niemand. Das einzig Bedenkliche bei der Sache wäre also der nachtheilige Einfluß, den der Schrecken auf die jetzige Lage der Königin gehabt haben könnte. – Das Haus der Gemeinen hat sich nach den kurzen Pfingstferien heute zum erstenmal wieder versammelt: doch enthielten die vor Abgang der Post gepflogenen Verhandlungen nichts Bedeutendes.

Haus der Gemeinen. Sitzung vom 10 Jun. Auf eine Frage Hrn. Mackinnon's, ob die in dem neuen Handelsvertrag mit Frankreich beabsichtigte Herabsetzung des Zolls auf französische Weine auch eine ähnliche Zollherabsetzung für andere eingeführte Weine, namentlich spanische, portugiesische und Capweine zur Folge haben würde, antwortet Hr. Labouchere, daß er, wie bekannt, bei einer noch schwebenden Verhandlung

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[1345/0001] Augsburger Allgemeine Zeitung. Mit allerhöchsten Privilegien. Mittwoch Nr. 169. 17 Juni 1840. Spanien. _ Madrid, 4 Jun. Ueber die nähere oder entferntere Abreise der Königin ist noch nichts entschieden, obgleich man sich in gewissen Cirkeln sagt, daß die Königin schon am Sonnabend oder Sonntag abreisen werde. Allgemein heißt es, daß im Fall der Abreise die Cortes auf 3 bis 4 Monate vertagt werden würden. – Das Gesetz der Ayuntamientos ist votirt. Die Deputirtenkammer hat in der heutigen Sitzung mit einer Majorität von 83 gegen 11 Stimmen das von den Journalen so heftig bekämpfte Gesetz votirt. – Die Kammer hat auch geglaubt, in einer der vorhergegangenen Sitzungen die strenge Maaßregel des Ministeriums gegen das Journal Revolution durch eine Indemnitätsbill sanctioniren zu müssen. Dieß geschah mit der großen Majorität von 92 gegen 9. _ Bordeaux, 10 Jun. Ueber Balmaseda's Zug gehen nur unsichere Gerüchte. So heißt es, sein Hauptquartier sey in den letzten Tagen in den Bergen von Burgos und Soria gewesen, von wo er die Madrider Straße durch zahlreiche Streifzüge unsicher mache. Noch wird behauptet, er habe einen sichern Punkt im Gebirge, unweit Aranzo de Miel zu befestigen angefangen, und eine große Zahl Bauern sey zu den Arbeiten verwendet. Man erzählt wieder allerlei von niedergebrannten Dörfern, von verübten Grausamkeiten und Ermordungen u. s. w., alles Dinge, die obschon sehr möglich, gleichwohl der Bestätigung bedürfen. Die Bewegung des Vicekönigs von Navarra auf Logroño soll mit dem Anmarsche Zeubenos in Verbindung stehen, der nach Einigen mit 6000 Mann aus Aragonien aufgebrochen war. Bis zum 6 d. hatte noch nichts von einem vorgefallenen Treffen verlautet. Die Madrider Post, die zu Bayonne seit mehreren Tagen vergebens erwartet wurde, langte endlich am 9 wieder an. Am 4 hatte der Hof die Hauptstadt noch nicht verlassen, selbst der Tag der Abreise schien noch nicht festgesetzt. Alle Mitglieder des Ayuntamiento hatten ihre Entlassung eingereicht. Die Fonds waren bedeutend gesunken, mehrere Bankerotte wurden befürchtet. (Moniteur.) Nachrichten aus Bayonne vom 8 Jun. bestätigen die Mittheilungen früherer telegraphischen Depeschen. Balmaseda hat sich mit 3000 Fußgängern und 400 Reitern in das Gebirg von Soria geworfen. General Ribera ist mit seiner Division von Pamplona ausgerückt. Die Truppen durchziehen in zwei Colonnen die Ufer des Ebro in der Richtung nach Miranda. Ein am 2 von Madrid abgegangener Cabinetscourier ist am 7 in Bayonne angekommen und hat gemeldet, daß die Factiosen die Heerstraße nicht mehr besetzt hielten. Die Umgebungen von Aranda werden von Banden durchzogen, die Alles, was ihnen in den Weg kommt, plündern und verheeren. Man nennt drei Dörfer, die sie verbrannt haben. Man erwartete am 5 zu Aranda den Brigadier Zurbano, der 5000 Mann unter seinen Befehlen haben soll. Großbritannien. _ London, 10 Jun. Ein schreckliches, seit längerer Zeit in England unerhörtes Ereigniß hat sich so eben – 6 Uhr Nachmittags – hier zugetragen: ein Mordversuch auf die Königin und den Prinzen Albert. Beide, Ihre Maj. und Se. k. Hoh., machten diesen Nachmittag ihre gewöhnliche Spazierfahrt nach Constitution-Hill, als ein männliches Individuum an den Wagen springend zwei Pistolen rasch hintereinander auf sie abfeuerte. Die Schüsse fehlten, und der Thäter ward sogleich ergriffen. Prinz Albert befahl dem Kutscher weiterzufahren, als ob nichts vorgefallen wäre. Alle nähern Umstände des Ereignisses sind noch unbekannt, doch schreibt man die That allgemein einem jener unglücklichen Verrückten zu, die den Palast der Königin seit ihrer Thronbesteigung beständig belagert haben; an einen politischen Beweggrund denkt Niemand. Das einzig Bedenkliche bei der Sache wäre also der nachtheilige Einfluß, den der Schrecken auf die jetzige Lage der Königin gehabt haben könnte. – Das Haus der Gemeinen hat sich nach den kurzen Pfingstferien heute zum erstenmal wieder versammelt: doch enthielten die vor Abgang der Post gepflogenen Verhandlungen nichts Bedeutendes. Haus der Gemeinen. Sitzung vom 10 Jun. Auf eine Frage Hrn. Mackinnon's, ob die in dem neuen Handelsvertrag mit Frankreich beabsichtigte Herabsetzung des Zolls auf französische Weine auch eine ähnliche Zollherabsetzung für andere eingeführte Weine, namentlich spanische, portugiesische und Capweine zur Folge haben würde, antwortet Hr. Labouchere, daß er, wie bekannt, bei einer noch schwebenden Verhandlung

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 169. Augsburg, 17. Juni 1840, S. 1345. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_169_18400617/1>, abgerufen am 20.09.2020.