Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.Laß sie sichs eine Freude sein, Ich bin Gertraut ihr Töchterlein. Heut sind es fürwahr 18 Jahr, Daß ich der Frau Mutter gestohlen war. Und ward getragen übern Rhein In diesem kleinen Badwännelein. Und als sie sprach, da kam der Staar, Und sang die Sach ganz offenbar. Und sang: O weh mein Ohr thut weh, "Ich will keine Kinder stehlen mehr." -- "Ach Goldschmidt lieber Goldschmidt mein, "Nun schmiede mir ein Gitterlein." "Schmied mirs wohl vor das Badwännlein, "Das soll des Staaren Wohnung seyn." Die Entführung. [v. Seckendorfs Musenalmanach auf 1808. S. 16.] Ich bin durch Frauen Willen Geritten in fremde Land, Mich hat ein edler Ritter Zu Boten hergesandt. Der entbeut euch sein viel werthen Gruß, Nun entbiet't ihm was ihr wöllet, Von euch, so hat er Freuden g'nug. Was soll ich ihm entbieten? Redt als das Mägdlein rein, Laß ſie ſichs eine Freude ſein, Ich bin Gertraut ihr Toͤchterlein. Heut ſind es fuͤrwahr 18 Jahr, Daß ich der Frau Mutter geſtohlen war. Und ward getragen uͤbern Rhein In dieſem kleinen Badwaͤnnelein. Und als ſie ſprach, da kam der Staar, Und ſang die Sach ganz offenbar. Und ſang: O weh mein Ohr thut weh, „Ich will keine Kinder ſtehlen mehr.“ — „Ach Goldſchmidt lieber Goldſchmidt mein, „Nun ſchmiede mir ein Gitterlein.“ „Schmied mirs wohl vor das Badwaͤnnlein, „Das ſoll des Staaren Wohnung ſeyn.“ Die Entfuͤhrung. [v. Seckendorfs Muſenalmanach auf 1808. S. 16.] Ich bin durch Frauen Willen Geritten in fremde Land, Mich hat ein edler Ritter Zu Boten hergeſandt. Der entbeut euch ſein viel werthen Gruß, Nun entbiet't ihm was ihr woͤllet, Von euch, ſo hat er Freuden g'nug. Was ſoll ich ihm entbieten? Redt als das Maͤgdlein rein, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <lg type="poem"> <pb n="282" facs="#f0294"/> <lg n="51"> <l>Laß ſie ſichs eine Freude ſein,</l><lb/> <l>Ich bin Gertraut ihr Toͤchterlein.</l> </lg><lb/> <lg n="52"> <l>Heut ſind es fuͤrwahr 18 Jahr,</l><lb/> <l>Daß ich der Frau Mutter geſtohlen war.</l> </lg><lb/> <lg n="53"> <l>Und ward getragen uͤbern Rhein</l><lb/> <l>In dieſem kleinen Badwaͤnnelein.</l> </lg><lb/> <lg n="54"> <l>Und als ſie ſprach, da kam der Staar,</l><lb/> <l>Und ſang die Sach ganz offenbar.</l> </lg><lb/> <lg n="55"> <l>Und ſang: O weh mein Ohr thut weh,</l><lb/> <l>„Ich will keine Kinder ſtehlen mehr.“ —</l> </lg><lb/> <lg n="56"> <l>„Ach Goldſchmidt lieber Goldſchmidt mein,</l><lb/> <l>„Nun ſchmiede mir ein Gitterlein.“</l> </lg><lb/> <lg n="57"> <l>„Schmied mirs wohl vor das Badwaͤnnlein,</l><lb/> <l>„Das ſoll des Staaren Wohnung ſeyn.“</l> </lg> </lg> </div><lb/> <milestone unit="section" rendition="#hr"/> <div n="2"> <head><hi rendition="#g">Die Entfuͤhrung</hi>.</head><lb/> <p rendition="#c">[v. Seckendorfs Muſenalmanach auf 1808. S. 16.]</p><lb/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l><hi rendition="#in">I</hi>ch bin durch Frauen Willen</l><lb/> <l>Geritten in fremde Land,</l><lb/> <l>Mich hat ein edler Ritter</l><lb/> <l>Zu Boten hergeſandt.</l><lb/> <l>Der entbeut euch ſein viel werthen Gruß,</l><lb/> <l>Nun entbiet't ihm was ihr woͤllet,</l><lb/> <l>Von euch, ſo hat er Freuden g'nug.</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l>Was ſoll ich ihm entbieten?</l><lb/> <l>Redt als das Maͤgdlein rein,</l><lb/> </lg> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [282/0294]
Laß ſie ſichs eine Freude ſein,
Ich bin Gertraut ihr Toͤchterlein.
Heut ſind es fuͤrwahr 18 Jahr,
Daß ich der Frau Mutter geſtohlen war.
Und ward getragen uͤbern Rhein
In dieſem kleinen Badwaͤnnelein.
Und als ſie ſprach, da kam der Staar,
Und ſang die Sach ganz offenbar.
Und ſang: O weh mein Ohr thut weh,
„Ich will keine Kinder ſtehlen mehr.“ —
„Ach Goldſchmidt lieber Goldſchmidt mein,
„Nun ſchmiede mir ein Gitterlein.“
„Schmied mirs wohl vor das Badwaͤnnlein,
„Das ſoll des Staaren Wohnung ſeyn.“
Die Entfuͤhrung.
[v. Seckendorfs Muſenalmanach auf 1808. S. 16.]
Ich bin durch Frauen Willen
Geritten in fremde Land,
Mich hat ein edler Ritter
Zu Boten hergeſandt.
Der entbeut euch ſein viel werthen Gruß,
Nun entbiet't ihm was ihr woͤllet,
Von euch, ſo hat er Freuden g'nug.
Was ſoll ich ihm entbieten?
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Zitationshilfe: | Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 282. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/294>, abgerufen am 03.03.2025. |