Man hat die oben angeführten Umstände, durch welche die natürliche Capacität der Conductoren so be- trächtlich verstärkt wird, bisher gänzlich übersehen, und daher noch keine Vortheile daraus gezogen. Der folgen- de Versuch wird diese Verstärkung der Capacität auf die einfachste Art zeigen.
175. Versuch.
Man nehme die Metallplatte eines Elektrophors, halte sie bey ihrem Handgriffe in der Luft, und elektrisire sie so stark, daß der Zeiger eines damit verbundenen Elek- trometers bis 60° steigt; hierauf lasse man diese Platte nach und nach gegen den Tisch, oder eine andere ebne lei- tende Fläche zu sinken, so wird der Zeiger nach und nach von 60° auf 50°, 40°, 30° u. s. w. fallen. Dennoch bleibt in der Platte immer eben dieselbe Menge von Elek- tricität, sie müßte denn so nahe an den Tisch gebracht wer- den, daß dadurch ein Uebergang der Elektricität aus der Platte in den Tisch veranlasset würde; wenigstens bleibt sie in so fern immer von gleicher Größe, als ihr durch die Feuchtigkeit der Luft u. dgl. nichts entzogen wird. Die Abnahme der Intensität kömmt also bloß von der verstärk- ten Capacität der Platte her, welche nicht mehr völlig iso- lirt, oder abgesondert sondern combinitt, oder eini- germassen mit einem andern Leiter verbunden ist: denn wenn man die Platte nach und nach wieder von dem Tische entfernet, so steigt das Elektrometer wieder auf den vori- gen Grad, nämlich 60°; den Verlust abgerechnet, den sie während des Versuchs durch die Luft a. kann gelitten haben.
Diese Ursache dieser Erscheinung läßt sich leicht aus der Wirkung der elektrischen Atmosphären erklären. Die Atmosphäre der Metallplatte, die ich jezt für positiv elektri- sirt annehmen will, wirkt auf den Tisch, oder sonst auf den Leiter, dem dieselbe genähert wird: so, daß die elek- trische Materie im Tische, in dem sie sich gegen die ent-
Vom Elektrophor.
Man hat die oben angeführten Umſtände, durch welche die natürliche Capacität der Conductoren ſo be- trächtlich verſtärkt wird, bisher gänzlich überſehen, und daher noch keine Vortheile daraus gezogen. Der folgen- de Verſuch wird dieſe Verſtärkung der Capacität auf die einfachſte Art zeigen.
175. Verſuch.
Man nehme die Metallplatte eines Elektrophors, halte ſie bey ihrem Handgriffe in der Luft, und elektriſire ſie ſo ſtark, daß der Zeiger eines damit verbundenen Elek- trometers bis 60° ſteigt; hierauf laſſe man dieſe Platte nach und nach gegen den Tiſch, oder eine andere ebne lei- tende Fläche zu ſinken, ſo wird der Zeiger nach und nach von 60° auf 50°, 40°, 30° u. ſ. w. fallen. Dennoch bleibt in der Platte immer eben dieſelbe Menge von Elek- tricität, ſie müßte denn ſo nahe an den Tiſch gebracht wer- den, daß dadurch ein Uebergang der Elektricität aus der Platte in den Tiſch veranlaſſet würde; wenigſtens bleibt ſie in ſo fern immer von gleicher Größe, als ihr durch die Feuchtigkeit der Luft u. dgl. nichts entzogen wird. Die Abnahme der Intenſität kömmt alſo bloß von der verſtärk- ten Capacität der Platte her, welche nicht mehr völlig iſo- lirt, oder abgeſondert ſondern combinitt, oder eini- germaſſen mit einem andern Leiter verbunden iſt: denn wenn man die Platte nach und nach wieder von dem Tiſche entfernet, ſo ſteigt das Elektrometer wieder auf den vori- gen Grad, nämlich 60°; den Verluſt abgerechnet, den ſie während des Verſuchs durch die Luft a. kann gelitten haben.
Dieſe Urſache dieſer Erſcheinung läßt ſich leicht aus der Wirkung der elektriſchen Atmoſphären erklären. Die Atmoſphäre der Metallplatte, die ich jezt für poſitiv elektri- ſirt annehmen will, wirkt auf den Tiſch, oder ſonſt auf den Leiter, dem dieſelbe genähert wird: ſo, daß die elek- triſche Materie im Tiſche, in dem ſie ſich gegen die ent-
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Vom Elektrophor.
Man hat die oben angeführten Umſtände, durch
welche die natürliche Capacität der Conductoren ſo be-
trächtlich verſtärkt wird, bisher gänzlich überſehen, und
daher noch keine Vortheile daraus gezogen. Der folgen-
de Verſuch wird dieſe Verſtärkung der Capacität auf die
einfachſte Art zeigen.
175. Verſuch.
Man nehme die Metallplatte eines Elektrophors,
halte ſie bey ihrem Handgriffe in der Luft, und elektriſire
ſie ſo ſtark, daß der Zeiger eines damit verbundenen Elek-
trometers bis 60° ſteigt; hierauf laſſe man dieſe Platte
nach und nach gegen den Tiſch, oder eine andere ebne lei-
tende Fläche zu ſinken, ſo wird der Zeiger nach und nach
von 60° auf 50°, 40°, 30° u. ſ. w. fallen. Dennoch
bleibt in der Platte immer eben dieſelbe Menge von Elek-
tricität, ſie müßte denn ſo nahe an den Tiſch gebracht wer-
den, daß dadurch ein Uebergang der Elektricität aus der
Platte in den Tiſch veranlaſſet würde; wenigſtens bleibt
ſie in ſo fern immer von gleicher Größe, als ihr durch die
Feuchtigkeit der Luft u. dgl. nichts entzogen wird. Die
Abnahme der Intenſität kömmt alſo bloß von der verſtärk-
ten Capacität der Platte her, welche nicht mehr völlig iſo-
lirt, oder abgeſondert ſondern combinitt, oder eini-
germaſſen mit einem andern Leiter verbunden iſt: denn
wenn man die Platte nach und nach wieder von dem Tiſche
entfernet, ſo ſteigt das Elektrometer wieder auf den vori-
gen Grad, nämlich 60°; den Verluſt abgerechnet, den ſie
während des Verſuchs durch die Luft a. kann gelitten
haben.
Dieſe Urſache dieſer Erſcheinung läßt ſich leicht aus
der Wirkung der elektriſchen Atmoſphären erklären. Die
Atmoſphäre der Metallplatte, die ich jezt für poſitiv elektri-
ſirt annehmen will, wirkt auf den Tiſch, oder ſonſt auf
den Leiter, dem dieſelbe genähert wird: ſo, daß die elek-
triſche Materie im Tiſche, in dem ſie ſich gegen die ent-
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Elena Kirillova: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2013-06-18T11:17:52Z)
Adams, George: Versuch über die Electricität. Leipzig, 1785, S. 143. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/adams_elektricitaet_1785/163>, abgerufen am 26.02.2025.
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