gehen zu lassen. In England sahen wir sogar einmal eine Dame ihren vollständig gesattelten Hunter als Vorderpferd im Tandem- zuge zum Meet fahren (Fig. 85).
Wer aber das Tandemfahren nicht nur gelegentlich mit den ihm gerade zur Verfügung stehenden Pferden üben will, sondern die Absicht hat, sich diesem Sport in durchaus fach- männischer Weise zu widmen, wird die Ausgabe für ein paar wirkliche Tandempferde nicht scheuen dürfen. Was nun die Eigenschaften anbelangt, die wir von solchen fordern müssen, so ist zunächst zu bemerken, dass stattliche Grösse nicht zu denselben gehört. Grosse Pferde pflegen nämlich selten die für den Tandemdienst absolut unentbehrliche Gewandtheit und Schnelligkeit zu besitzen, wozu sich noch der Übelstand gesellt, dass sie durch ihre beträchtliche Länge der ganzen Anspannung etwas Unförmliches verleihen. Wir sind der Ansicht, dass das Mass von 158 cm nicht überschritten werden sollte, Doppel- Ponies in der Höhe von 148 cm aber im Tandem am ange- nehmsten zu fahren sind. Mit Bezug auf das zweckmässigste Grössenverhältnis zwischen dem Vorder- und dem Gabelpferde herrscht eigentümlicherweise unter den Praktikern keine rechte Einigkeit. Die einen wollen das Spitzenpferd grösser, die anderen ebenso gross, oder auch um ein geringes kleiner wie das in der Gabel gehende Pferd haben. Wir halten es mit den zuerst Genannten, und zwar aus dem Grunde, weil wir die Er- fahrung gemacht haben, dass der Kopf des Gabelpferdes von den Leitseilen des Vorderpferdes heruntergezogen wird, wenn letzteres das kleinste von den beiden ist.
Diese Fragen sind indessen nicht von ausschlaggebender Wichtigkeit. Blut, Schnitt und bravuröses Gangwerk zählen dagegen zu denjenigen Eigenschaften, die dem Pferde unter keiner Bedingung fehlen dürfen, wenn es Verwendung im Tan- dem finden soll. Da lässt sich nichts abhandeln; mehr oder weniger ordinäre "Leisetreter" passen zum Tandem wie der Kutscher eines Leichenwagens zum Jockey.
Das Tandem.
gehen zu lassen. In England sahen wir sogar einmal eine Dame ihren vollständig gesattelten Hunter als Vorderpferd im Tandem- zuge zum Meet fahren (Fig. 85).
Wer aber das Tandemfahren nicht nur gelegentlich mit den ihm gerade zur Verfügung stehenden Pferden üben will, sondern die Absicht hat, sich diesem Sport in durchaus fach- männischer Weise zu widmen, wird die Ausgabe für ein paar wirkliche Tandempferde nicht scheuen dürfen. Was nun die Eigenschaften anbelangt, die wir von solchen fordern müssen, so ist zunächst zu bemerken, dass stattliche Grösse nicht zu denselben gehört. Grosse Pferde pflegen nämlich selten die für den Tandemdienst absolut unentbehrliche Gewandtheit und Schnelligkeit zu besitzen, wozu sich noch der Übelstand gesellt, dass sie durch ihre beträchtliche Länge der ganzen Anspannung etwas Unförmliches verleihen. Wir sind der Ansicht, dass das Mass von 158 cm nicht überschritten werden sollte, Doppel- Ponies in der Höhe von 148 cm aber im Tandem am ange- nehmsten zu fahren sind. Mit Bezug auf das zweckmässigste Grössenverhältnis zwischen dem Vorder- und dem Gabelpferde herrscht eigentümlicherweise unter den Praktikern keine rechte Einigkeit. Die einen wollen das Spitzenpferd grösser, die anderen ebenso gross, oder auch um ein geringes kleiner wie das in der Gabel gehende Pferd haben. Wir halten es mit den zuerst Genannten, und zwar aus dem Grunde, weil wir die Er- fahrung gemacht haben, dass der Kopf des Gabelpferdes von den Leitseilen des Vorderpferdes heruntergezogen wird, wenn letzteres das kleinste von den beiden ist.
Diese Fragen sind indessen nicht von ausschlaggebender Wichtigkeit. Blut, Schnitt und bravuröses Gangwerk zählen dagegen zu denjenigen Eigenschaften, die dem Pferde unter keiner Bedingung fehlen dürfen, wenn es Verwendung im Tan- dem finden soll. Da lässt sich nichts abhandeln; mehr oder weniger ordinäre „Leisetreter“ passen zum Tandem wie der Kutscher eines Leichenwagens zum Jockey.
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Das Tandem.
gehen zu lassen. In England sahen wir sogar einmal eine Dame
ihren vollständig gesattelten Hunter als Vorderpferd im Tandem-
zuge zum Meet fahren (Fig. 85).
Wer aber das Tandemfahren nicht nur gelegentlich mit
den ihm gerade zur Verfügung stehenden Pferden üben will,
sondern die Absicht hat, sich diesem Sport in durchaus fach-
männischer Weise zu widmen, wird die Ausgabe für ein paar
wirkliche Tandempferde nicht scheuen dürfen. Was nun die
Eigenschaften anbelangt, die wir von solchen fordern müssen,
so ist zunächst zu bemerken, dass stattliche Grösse nicht zu
denselben gehört. Grosse Pferde pflegen nämlich selten die für
den Tandemdienst absolut unentbehrliche Gewandtheit und
Schnelligkeit zu besitzen, wozu sich noch der Übelstand gesellt,
dass sie durch ihre beträchtliche Länge der ganzen Anspannung
etwas Unförmliches verleihen. Wir sind der Ansicht, dass das
Mass von 158 cm nicht überschritten werden sollte, Doppel-
Ponies in der Höhe von 148 cm aber im Tandem am ange-
nehmsten zu fahren sind. Mit Bezug auf das zweckmässigste
Grössenverhältnis zwischen dem Vorder- und dem Gabelpferde
herrscht eigentümlicherweise unter den Praktikern keine rechte
Einigkeit. Die einen wollen das Spitzenpferd grösser, die
anderen ebenso gross, oder auch um ein geringes kleiner wie
das in der Gabel gehende Pferd haben. Wir halten es mit den
zuerst Genannten, und zwar aus dem Grunde, weil wir die Er-
fahrung gemacht haben, dass der Kopf des Gabelpferdes von
den Leitseilen des Vorderpferdes heruntergezogen wird, wenn
letzteres das kleinste von den beiden ist.
Diese Fragen sind indessen nicht von ausschlaggebender
Wichtigkeit. Blut, Schnitt und bravuröses Gangwerk zählen
dagegen zu denjenigen Eigenschaften, die dem Pferde unter
keiner Bedingung fehlen dürfen, wenn es Verwendung im Tan-
dem finden soll. Da lässt sich nichts abhandeln; mehr oder
weniger ordinäre „Leisetreter“ passen zum Tandem wie der
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Wrangel, Carl Gustav: Das Luxus-Fuhrwerk. Stuttgart, 1898, S. 120. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wrangel_luxusfuhrwerk_1898/134>, abgerufen am 16.02.2025.
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