Valentini, Michael Bernhard: Museum Museorum [...] Schau-Bühne Aller Materialien und Specereyen. Frankfurt (Main), 1704.gedachten 27. Tausend/ 700. und zwantzig Versen/ nur 27000. und wäre also zu verstehen/ daß ein jeder Vers auch eine absonderliche Zeile hätte. Weil aber auff einem Zoll so viel Verse zu fassen/ der Raum desselben zu gering/ so lasst uns 2. 3. 4. 6. 8. ja 22. Verse/ zu jeder Zeile nehmen/ und also die 192. einem jeden Zoll zukommende Vers/ mit 2. 3. 4. 6. 8. und 12. dividiren; so werden wir aus dem Facit einer jedweden Division, die Anzahl der zeilen/ so viel derer zu jedem Zoll kommen werden/ bald sehen/ wie folget: [Tabelle] §. 7. Noch mehr: Wir wollen die letzte Division umbwenden/ und nicht einem Zoll 16. Zeilen derer eine jede 12. Verse gehalten/ sondern zu einem Zoll 12. Zeilen/ deren eine jedwede/ in die Breite der Haut/ 16. Verse gehalten hätte: würde dennoch nicht heutiges Tages noch/ den besten Schreibe-Meistern die gröste Kunst setzen/ 12. Zeilen Griechischer Schrifft/ unter einander zu setzen/ doch so/ daß die Mensur eines eintzigen Zolles nicht überschritten würde? Wo bleiben die vorhin der gantzen Summae abgenommene 795. Verse? §. Sehet derhalben da/ ihr Herrn Leser/ ob nicht die Autores mehr wegen der so gar-subtilen Schreibens Arth/ als wegen der Länge von 120. Schuhen/ die Byzantinische Drachen-Haut so hochgerühmet? §. 9. Es seye dann aber ein gantz oder zusammen-gestücktes Stück gewesen; so fraget (11.) sichs ferner: Was vor Arth Haut oder Membranen; und ob es ein langer Darm/ oder die inwendige zarte Haut zwischen Fell und Fleisch/ (zum Schreiben hernach bequäm gemacht) gewesen? Welcher letzteren Meinung vorhingedachter Francisci gantz ernstlich ist; Lipsius hingegen (de Biblioth. cap. 3. pag. 16.) aus dem Cedreno und Zonata, wie auch Joh. Neander, Syntagm. de Medic. Laudib. pag. 104.) nennen es ein Intestinum oder Darm. §. 10. Dann/ ists etwa das Beste von der zarten Unterhaut/ unter dem schuppichten Drachen-Balg gewesen/ und zwar in einem Stücke; so fragt sichs wiederum: Wo sind so grosse Drachen? Herr Kirchmayer Disp. Zoolog 5. cap. 1. §. 7. 8. 9.) gedenckt aus dem Diodoro, der Länge von 16. aus eben demselben von 30; und aus dem AEliano, von 70. Cubitis. Ein geometrischer Cubitus aber hält anderthalb Fuß oder zwey Spannen. Wären also 70. Cubiti so viel / als 105. Schuh. Die/ wollen noch nicht zu langen. Doch soll Atticus, ein Römer/ mit einem Drachen von 120. Schuh/ sich in Combatt gegeben/ und denselben erleget habe. Ja der vorige / von zwar 70. cubitis, mit welchem Alexander. M. zu thun gehabt/ sey jedoch noch nicht gantz gesehen worden. Man stellet dieses an seinen Orth. Und zu Florentz wird ein Riemen/ von einem Thier 200 Elen lang und also gantzer 400. Schuh als eine Rarität gewiesen/ wie Christoph Eißlinger in seinem Italiänischen Wegweiser/ (pag. 60.) berichtet: Er setzt aber fein selbst dabey/ daß solcher Riemen aus einer Haut- und also spiraliter geschnitten. §. 11. Mich bedünckt aber/ man gehe den sichersten Weg mit denen/ die es für einen Darm halten; so hat man nicht nöthig/ die Länge des Drachen so abscheulich und insolent zu machen. Denn gleich wie die Erfahrung bezeugt/ daß selten ein Thier zu finden/ dessen Intestina oder Gedärme nicht mercklich länger seyn solten/ als es selbst ist; und benahmentlich bey den Schwanen ich die Därme doppelt/ bey den Schulfern (einer Arth fressigen See-Vögel/ in Stranden unsers Belts/ und in Holland gemein) dreymal; bey Menschen gemeiniglich sechsmal; bey Maulwürffen/ achtmal; und D. Blasius (Obs. Anatom. Select. pag. 1.) bey Küniglein oder Caninigen/ eilfmal so lang/ als die Cörper selbsten sind/ observiert: Also/ aus itztangeführten Proportionibus, nehmlich von Proportione dupla, tripla, sextupla/ octupla, & undecupla, die mittlere derselben nehmlich sextuplam, zu einem vermutlichen Exempel zu nehmen/ erachte ich/ kan wol sein/ daß ein Drache so groß endlich zu finden/ dessen Intestinum 120. Schuh/ Er selbsten jedoch deswegen nicht so lang/ sondern gar viel kürtzer / und etwa 3. oder 3. und ein halbe Manns länge/ benahmendlich 20. Schuh sey. Dann 6. mal 20. wie bekant/ giebt 120. §. 12. (III.) Noch ein einiger zwar nicht eben nötiger/ jedoch zu biß anherigen Sachen gehöriger kleiner Punct restiret Ob nehmlich die Poetischen Gedichte Homeri, die mit göldenen Buchstaben auf Byzantinische Drachen-Haut geschrieben sollen gewesen seyn/ den Homerum vor ihren warhafftigen Autorem erkennen? oder so sie des Homeri eigendlich sind/ ob dessen Bücher Iliados und Odysseae oder Ulyessae, wie Lipsius (de Biblioth. c. 1. p. 10.) schreibet von ihm in eben der jenigen zusammen hengenden Form geschrieben seyn/ als biß anher gelesen werden. Denn gegen beyderley findet sich ein Scrupel: den ich vielmehr nahmhafftig machen will/ als zu entscheiden Ursach habe. §. 13. Den ersten betreffende/ so giebt mir selbigen itzt-erwehnter Lipsius an die Hand/ an angezogenem Orth also schreibend: Naucrates beschuldigt Homerum eines Diebstals/ daß er nehmlich/ als er in Aegypten kommen/ und zu Memphis im gedachten 27. Tausend/ 700. und zwantzig Versen/ nur 27000. und wäre also zu verstehen/ daß ein jeder Vers auch eine absonderliche Zeile hätte. Weil aber auff einem Zoll so viel Verse zu fassen/ der Raum desselben zu gering/ so lasst uns 2. 3. 4. 6. 8. ja 22. Verse/ zu jeder Zeile nehmen/ und also die 192. einem jeden Zoll zukommende Vers/ mit 2. 3. 4. 6. 8. und 12. dividiren; so werden wir aus dem Facit einer jedweden Division, die Anzahl der zeilen/ so viel derer zu jedem Zoll kommen werden/ bald sehen/ wie folget: [Tabelle] §. 7. Noch mehr: Wir wollen die letzte Division umbwenden/ und nicht einem Zoll 16. Zeilen derer eine jede 12. Verse gehalten/ sondern zu einem Zoll 12. Zeilen/ deren eine jedwede/ in die Breite der Haut/ 16. Verse gehalten hätte: würde dennoch nicht heutiges Tages noch/ den besten Schreibe-Meistern die gröste Kunst setzen/ 12. Zeilen Griechischer Schrifft/ unter einander zu setzen/ doch so/ daß die Mensur eines eintzigen Zolles nicht überschritten würde? Wo bleiben die vorhin der gantzen Summae abgenommene 795. Verse? §. Sehet derhalben da/ ihr Herrn Leser/ ob nicht die Autores mehr wegen der so gar-subtilen Schreibens Arth/ als wegen der Länge von 120. Schuhen/ die Byzantinische Drachen-Haut so hochgerühmet? §. 9. Es seye dann aber ein gantz oder zusammen-gestücktes Stück gewesen; so fraget (11.) sichs ferner: Was vor Arth Haut oder Membranen; und ob es ein langer Darm/ oder die inwendige zarte Haut zwischen Fell und Fleisch/ (zum Schreiben hernach bequäm gemacht) gewesen? Welcher letzteren Meinung vorhingedachter Francisci gantz ernstlich ist; Lipsius hingegen (de Biblioth. cap. 3. pag. 16.) aus dem Cedreno und Zonatâ, wie auch Joh. Neander, Syntagm. de Medic. Laudib. pag. 104.) nennen es ein Intestinum oder Darm. §. 10. Dann/ ists etwa das Beste von der zarten Unterhaut/ unter dem schuppichten Drachen-Balg gewesen/ und zwar in einem Stücke; so fragt sichs wiederum: Wo sind so grosse Drachen? Herr Kirchmayer Disp. Zoolog 5. cap. 1. §. 7. 8. 9.) gedenckt aus dem Diodoro, der Länge von 16. aus eben demselben von 30; und aus dem AEliano, von 70. Cubitis. Ein geometrischer Cubitus aber hält anderthalb Fuß oder zwey Spannen. Wären also 70. Cubiti so viel / als 105. Schuh. Die/ wollen noch nicht zu langen. Doch soll Atticus, ein Römer/ mit einem Drachen von 120. Schuh/ sich in Combatt gegeben/ und denselben erleget habë. Ja der vorige / von zwar 70. cubitis, mit welchem Alexander. M. zu thun gehabt/ sey jedoch noch nicht gantz gesehen worden. Man stellet dieses an seinen Orth. Und zu Florentz wird ein Riemen/ von einem Thier 200 Elen lang und also gantzer 400. Schuh als eine Rarität gewiesen/ wie Christoph Eißlinger in seinem Italiänischen Wegweiser/ (pag. 60.) berichtet: Er setzt aber fein selbst dabey/ daß solcher Riemen aus einer Haut- und also spiraliter geschnitten. §. 11. Mich bedünckt aber/ man gehe den sichersten Weg mit denen/ die es für einen Darm halten; so hat man nicht nöthig/ die Länge des Drachen so abscheulich und insolent zu machen. Denn gleich wie die Erfahrung bezeugt/ daß selten ein Thier zu finden/ dessen Intestina oder Gedärme nicht mercklich länger seyn solten/ als es selbst ist; und benahmentlich bey den Schwanen ich die Därme doppelt/ bey den Schulfern (einer Arth fressigen See-Vögel/ in Stranden unsers Belts/ und in Holland gemein) dreymal; bey Menschen gemeiniglich sechsmal; bey Maulwürffen/ achtmal; und D. Blasius (Obs. Anatom. Select. pag. 1.) bey Küniglein oder Caninigen/ eilfmal so lang/ als die Cörper selbsten sind/ observiert: Also/ aus itztangeführten Proportionibus, nehmlich von Proportione duplâ, triplà, sextuplâ/ octupla, & undecuplâ, die mittlere derselben nehmlich sextuplam, zu einem vermutlichen Exempel zu nehmen/ erachte ich/ kan wol sein/ daß ein Drache so groß endlich zu finden/ dessen Intestinum 120. Schuh/ Er selbsten jedoch deswegen nicht so lang/ sondern gar viel kürtzer / uñ etwa 3. oder 3. und ein halbe Manns länge/ benahmendlich 20. Schuh sey. Dann 6. mal 20. wie bekant/ giebt 120. §. 12. (III.) Noch ein einiger zwar nicht eben nötiger/ jedoch zu biß anherigen Sachen gehöriger kleiner Punct restiret Ob nehmlich die Poetischen Gedichte Homeri, die mit göldenen Buchstaben auf Byzantinische Drachen-Haut geschrieben sollen gewesen seyn/ den Homerum vor ihren warhafftigen Autorem erkennen? oder so sie des Homeri eigendlich sind/ ob dessen Bücher Iliados und Odysseae oder Ulyessae, wie Lipsius (de Biblioth. c. 1. p. 10.) schreibet von ihm in eben der jenigen zusammen hengenden Form geschrieben seyn/ als biß anher gelesen werden. Denn gegen beyderley findet sich ein Scrupel: den ich vielmehr nahmhafftig machen will/ als zu entscheiden Ursach habe. §. 13. Den ersten betreffende/ so giebt mir selbigen itzt-erwehnter Lipsius an die Hand/ an angezogenem Orth also schreibend: Naucrates beschuldigt Homerum eines Diebstals/ daß er nehmlich/ als er in Aegypten kommen/ und zu Memphis im <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0630" n="68"/> gedachten 27. Tausend/ 700. und zwantzig Versen/ nur 27000. und wäre also zu verstehen/ daß ein jeder Vers auch eine absonderliche Zeile hätte. Weil aber auff einem Zoll so viel Verse zu fassen/ der Raum desselben zu gering/ so lasst uns 2. 3. 4. 6. 8. ja 22. Verse/ zu jeder Zeile nehmen/ und also die 192. einem jeden Zoll zukommende Vers/ mit 2. 3. 4. 6. 8. und 12. dividiren; so werden wir aus dem Facit einer jedweden Division, die Anzahl der zeilen/ so viel derer zu jedem Zoll kommen werden/ bald sehen/ wie folget:</p> <table> <row> <cell/> </row> </table> <p>§. 7. Noch mehr: Wir wollen die letzte Division umbwenden/ und nicht einem Zoll 16. Zeilen derer eine jede 12. Verse gehalten/ sondern zu einem Zoll 12. Zeilen/ deren eine jedwede/ in die Breite der Haut/ 16. Verse gehalten hätte: würde dennoch nicht heutiges Tages noch/ den besten Schreibe-Meistern die gröste Kunst setzen/ 12. Zeilen Griechischer Schrifft/ unter einander zu setzen/ doch so/ daß die Mensur eines eintzigen Zolles nicht überschritten würde? Wo bleiben die vorhin der gantzen Summae abgenommene 795. Verse?</p> <p>§. Sehet derhalben da/ ihr Herrn Leser/ ob nicht die Autores mehr wegen der so gar-subtilen Schreibens Arth/ als wegen der Länge von 120. Schuhen/ die Byzantinische Drachen-Haut so hochgerühmet?</p> <p>§. 9. Es seye dann aber ein gantz oder zusammen-gestücktes Stück gewesen; so fraget (11.) sichs ferner: Was vor Arth Haut oder Membranen; und ob es ein langer Darm/ oder die inwendige zarte Haut zwischen Fell und Fleisch/ (zum Schreiben hernach bequäm gemacht) gewesen? Welcher letzteren Meinung vorhingedachter Francisci gantz ernstlich ist; Lipsius hingegen (de Biblioth. cap. 3. pag. 16.) aus dem Cedreno und Zonatâ, wie auch Joh. Neander, Syntagm. de Medic. Laudib. pag. 104.) nennen es ein Intestinum oder Darm.</p> <p>§. 10. Dann/ ists etwa das Beste von der zarten Unterhaut/ unter dem schuppichten Drachen-Balg gewesen/ und zwar in einem Stücke; so fragt sichs wiederum: Wo sind so grosse Drachen? Herr Kirchmayer Disp. Zoolog 5. cap. 1. §. 7. 8. 9.) gedenckt aus dem Diodoro, der Länge von 16. aus eben demselben von 30; und aus dem AEliano, von 70. Cubitis. Ein geometrischer Cubitus aber hält anderthalb Fuß oder zwey Spannen. Wären also 70. Cubiti so viel / als 105. Schuh. Die/ wollen noch nicht zu langen. Doch soll Atticus, ein Römer/ mit einem Drachen von 120. Schuh/ sich in Combatt gegeben/ und denselben erleget habë. Ja der vorige / von zwar 70. cubitis, mit welchem Alexander. M. zu thun gehabt/ sey jedoch noch nicht gantz gesehen worden. Man stellet dieses an seinen Orth. Und zu Florentz wird ein Riemen/ von einem Thier 200 Elen lang und also gantzer 400. Schuh als eine Rarität gewiesen/ wie Christoph Eißlinger in seinem Italiänischen Wegweiser/ (pag. 60.) berichtet: Er setzt aber fein selbst dabey/ daß solcher Riemen aus einer Haut- und also spiraliter geschnitten.</p> <p>§. 11. Mich bedünckt aber/ man gehe den sichersten Weg mit denen/ die es für einen Darm halten; so hat man nicht nöthig/ die Länge des Drachen so abscheulich und insolent zu machen. Denn gleich wie die Erfahrung bezeugt/ daß selten ein Thier zu finden/ dessen Intestina oder Gedärme nicht mercklich länger seyn solten/ als es selbst ist; und benahmentlich bey den Schwanen ich die Därme doppelt/ bey den Schulfern (einer Arth fressigen See-Vögel/ in Stranden unsers Belts/ und in Holland gemein) dreymal; bey Menschen gemeiniglich sechsmal; bey Maulwürffen/ achtmal; und D. Blasius (Obs. Anatom. Select. pag. 1.) bey Küniglein oder Caninigen/ eilfmal so lang/ als die Cörper selbsten sind/ observiert: Also/ aus itztangeführten Proportionibus, nehmlich von Proportione duplâ, triplà, sextuplâ/ octupla, &amp; undecuplâ, die mittlere derselben nehmlich sextuplam, zu einem vermutlichen Exempel zu nehmen/ erachte ich/ kan wol sein/ daß ein Drache so groß endlich zu finden/ dessen Intestinum 120. Schuh/ Er selbsten jedoch deswegen nicht so lang/ sondern gar viel kürtzer / uñ etwa 3. oder 3. und ein halbe Manns länge/ benahmendlich 20. Schuh sey. Dann 6. mal 20. wie bekant/ giebt 120.</p> <p>§. 12. (III.) Noch ein einiger zwar nicht eben nötiger/ jedoch zu biß anherigen Sachen gehöriger kleiner Punct restiret Ob nehmlich die Poetischen Gedichte Homeri, die mit göldenen Buchstaben auf Byzantinische Drachen-Haut geschrieben sollen gewesen seyn/ den Homerum vor ihren warhafftigen Autorem erkennen? oder so sie des Homeri eigendlich sind/ ob dessen Bücher Iliados und Odysseae oder Ulyessae, wie Lipsius (de Biblioth. c. 1. p. 10.) schreibet von ihm in eben der jenigen zusammen hengenden Form geschrieben seyn/ als biß anher gelesen werden. Denn gegen beyderley findet sich ein Scrupel: den ich vielmehr nahmhafftig machen will/ als zu entscheiden Ursach habe.</p> <p>§. 13. Den ersten betreffende/ so giebt mir selbigen itzt-erwehnter Lipsius an die Hand/ an angezogenem Orth also schreibend: Naucrates beschuldigt Homerum eines Diebstals/ daß er nehmlich/ als er in Aegypten kommen/ und zu Memphis im </p> </div> </body> </text> </TEI> [68/0630]
gedachten 27. Tausend/ 700. und zwantzig Versen/ nur 27000. und wäre also zu verstehen/ daß ein jeder Vers auch eine absonderliche Zeile hätte. Weil aber auff einem Zoll so viel Verse zu fassen/ der Raum desselben zu gering/ so lasst uns 2. 3. 4. 6. 8. ja 22. Verse/ zu jeder Zeile nehmen/ und also die 192. einem jeden Zoll zukommende Vers/ mit 2. 3. 4. 6. 8. und 12. dividiren; so werden wir aus dem Facit einer jedweden Division, die Anzahl der zeilen/ so viel derer zu jedem Zoll kommen werden/ bald sehen/ wie folget:
§. 7. Noch mehr: Wir wollen die letzte Division umbwenden/ und nicht einem Zoll 16. Zeilen derer eine jede 12. Verse gehalten/ sondern zu einem Zoll 12. Zeilen/ deren eine jedwede/ in die Breite der Haut/ 16. Verse gehalten hätte: würde dennoch nicht heutiges Tages noch/ den besten Schreibe-Meistern die gröste Kunst setzen/ 12. Zeilen Griechischer Schrifft/ unter einander zu setzen/ doch so/ daß die Mensur eines eintzigen Zolles nicht überschritten würde? Wo bleiben die vorhin der gantzen Summae abgenommene 795. Verse?
§. Sehet derhalben da/ ihr Herrn Leser/ ob nicht die Autores mehr wegen der so gar-subtilen Schreibens Arth/ als wegen der Länge von 120. Schuhen/ die Byzantinische Drachen-Haut so hochgerühmet?
§. 9. Es seye dann aber ein gantz oder zusammen-gestücktes Stück gewesen; so fraget (11.) sichs ferner: Was vor Arth Haut oder Membranen; und ob es ein langer Darm/ oder die inwendige zarte Haut zwischen Fell und Fleisch/ (zum Schreiben hernach bequäm gemacht) gewesen? Welcher letzteren Meinung vorhingedachter Francisci gantz ernstlich ist; Lipsius hingegen (de Biblioth. cap. 3. pag. 16.) aus dem Cedreno und Zonatâ, wie auch Joh. Neander, Syntagm. de Medic. Laudib. pag. 104.) nennen es ein Intestinum oder Darm.
§. 10. Dann/ ists etwa das Beste von der zarten Unterhaut/ unter dem schuppichten Drachen-Balg gewesen/ und zwar in einem Stücke; so fragt sichs wiederum: Wo sind so grosse Drachen? Herr Kirchmayer Disp. Zoolog 5. cap. 1. §. 7. 8. 9.) gedenckt aus dem Diodoro, der Länge von 16. aus eben demselben von 30; und aus dem AEliano, von 70. Cubitis. Ein geometrischer Cubitus aber hält anderthalb Fuß oder zwey Spannen. Wären also 70. Cubiti so viel / als 105. Schuh. Die/ wollen noch nicht zu langen. Doch soll Atticus, ein Römer/ mit einem Drachen von 120. Schuh/ sich in Combatt gegeben/ und denselben erleget habë. Ja der vorige / von zwar 70. cubitis, mit welchem Alexander. M. zu thun gehabt/ sey jedoch noch nicht gantz gesehen worden. Man stellet dieses an seinen Orth. Und zu Florentz wird ein Riemen/ von einem Thier 200 Elen lang und also gantzer 400. Schuh als eine Rarität gewiesen/ wie Christoph Eißlinger in seinem Italiänischen Wegweiser/ (pag. 60.) berichtet: Er setzt aber fein selbst dabey/ daß solcher Riemen aus einer Haut- und also spiraliter geschnitten.
§. 11. Mich bedünckt aber/ man gehe den sichersten Weg mit denen/ die es für einen Darm halten; so hat man nicht nöthig/ die Länge des Drachen so abscheulich und insolent zu machen. Denn gleich wie die Erfahrung bezeugt/ daß selten ein Thier zu finden/ dessen Intestina oder Gedärme nicht mercklich länger seyn solten/ als es selbst ist; und benahmentlich bey den Schwanen ich die Därme doppelt/ bey den Schulfern (einer Arth fressigen See-Vögel/ in Stranden unsers Belts/ und in Holland gemein) dreymal; bey Menschen gemeiniglich sechsmal; bey Maulwürffen/ achtmal; und D. Blasius (Obs. Anatom. Select. pag. 1.) bey Küniglein oder Caninigen/ eilfmal so lang/ als die Cörper selbsten sind/ observiert: Also/ aus itztangeführten Proportionibus, nehmlich von Proportione duplâ, triplà, sextuplâ/ octupla, & undecuplâ, die mittlere derselben nehmlich sextuplam, zu einem vermutlichen Exempel zu nehmen/ erachte ich/ kan wol sein/ daß ein Drache so groß endlich zu finden/ dessen Intestinum 120. Schuh/ Er selbsten jedoch deswegen nicht so lang/ sondern gar viel kürtzer / uñ etwa 3. oder 3. und ein halbe Manns länge/ benahmendlich 20. Schuh sey. Dann 6. mal 20. wie bekant/ giebt 120.
§. 12. (III.) Noch ein einiger zwar nicht eben nötiger/ jedoch zu biß anherigen Sachen gehöriger kleiner Punct restiret Ob nehmlich die Poetischen Gedichte Homeri, die mit göldenen Buchstaben auf Byzantinische Drachen-Haut geschrieben sollen gewesen seyn/ den Homerum vor ihren warhafftigen Autorem erkennen? oder so sie des Homeri eigendlich sind/ ob dessen Bücher Iliados und Odysseae oder Ulyessae, wie Lipsius (de Biblioth. c. 1. p. 10.) schreibet von ihm in eben der jenigen zusammen hengenden Form geschrieben seyn/ als biß anher gelesen werden. Denn gegen beyderley findet sich ein Scrupel: den ich vielmehr nahmhafftig machen will/ als zu entscheiden Ursach habe.
§. 13. Den ersten betreffende/ so giebt mir selbigen itzt-erwehnter Lipsius an die Hand/ an angezogenem Orth also schreibend: Naucrates beschuldigt Homerum eines Diebstals/ daß er nehmlich/ als er in Aegypten kommen/ und zu Memphis im
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen … Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in XML/TEI.
(2013-11-26T12:54:31Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2013-11-26T12:54:31Z)
Arne Binder: Konvertierung nach XML gemäß DTA-Basisformat, Tagging der Titelblätter, Korrekturen der Transkription.
(2013-11-26T12:54:31Z)
Weitere Informationen:Anmerkungen zur Transkription:
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |