mancherley Verwirrungen veranlasset; da es nicht nur die von allen übrigen eigenmächtigen Vorstellungen, sondern auch die sind, die von den äußerlichen Empfindungen der Seele gewirket werden: §. 97. 98. vergl. §. 351. und man hat also schlecht bewiesen, daß die Verrichtungen die- ser oder jener Muskeln, des Herzens, der Gedärme, u. s. w. nicht von der Seele herrühren könnten, weil der Wille keine Gewalt über sie hat; indem äußere Empfindungen, Einbildungen, Triebe und Leidenschaften ihre Bewegung gleichwohl verändern und vermehren oder schwächen, ob es gleich die Seele nicht willkührlich thut.
Anmerkung. Der Herr v. Haller scheint der Mey- nung zu seyn, daß keine andern als die willkührlichen Bewegungen von der Seele gewirket werden. ("Aeter- "na lege separatur voluntatis imperium ab irritabilita- "tis provincia." Elem. Physiol. T. 4. pag. 528.) Er erkennet gleichwohl die Wirkung der Empfindungen, Einbildungen, Triebe und Leidenschaften in den Körper, und beweiset selbst überflüssig, daß dieß keine willkühr- lichen Bewegungen sind. (Ebendas. pag. 525.) Es bleibt also nichts übrig, als daß er diese sinnlichen Vor- stellungen, Begierden, Triebe etc. von der Seele aus- schließen, und sie für körperlich halten muß, wie aus H. P. §. 564. und andern Stellen seiner Schriften zu erhellen scheint: allein kein gründlicher Seelenlehrer kann eine solche Verwirrung der Begriffe zugeben, und wir werden dieß unten umständlicher zeigen. S. §. 579. N. 3.
§. 163.
Jede Verrichtung, die die Bewegung der Muskeln in der thierischen Oeconomie bewerkstelliget, ist also thie- risch, in so fern sie durch den in ihnen sich vertheilenden Nerven, vermöge irgend eines sinnlichen Eindrucks in den- selben gewirket wird, kann aber nur dann eine Seelenwir- kung genennet werden, wann der sinnliche Eindruck dem
Nerven
I Th. Th. Seel. 3 Kap. Jhr Einfl. in den Mechan.
mancherley Verwirrungen veranlaſſet; da es nicht nur die von allen uͤbrigen eigenmaͤchtigen Vorſtellungen, ſondern auch die ſind, die von den aͤußerlichen Empfindungen der Seele gewirket werden: §. 97. 98. vergl. §. 351. und man hat alſo ſchlecht bewieſen, daß die Verrichtungen die- ſer oder jener Muskeln, des Herzens, der Gedaͤrme, u. ſ. w. nicht von der Seele herruͤhren koͤnnten, weil der Wille keine Gewalt uͤber ſie hat; indem aͤußere Empfindungen, Einbildungen, Triebe und Leidenſchaften ihre Bewegung gleichwohl veraͤndern und vermehren oder ſchwaͤchen, ob es gleich die Seele nicht willkuͤhrlich thut.
Anmerkung. Der Herr v. Haller ſcheint der Mey- nung zu ſeyn, daß keine andern als die willkuͤhrlichen Bewegungen von der Seele gewirket werden. („Aeter- „na lege ſeparatur voluntatis imperium ab irritabilita- „tis provincia.“ Elem. Phyſiol. T. 4. pag. 528.) Er erkennet gleichwohl die Wirkung der Empfindungen, Einbildungen, Triebe und Leidenſchaften in den Koͤrper, und beweiſet ſelbſt uͤberfluͤſſig, daß dieß keine willkuͤhr- lichen Bewegungen ſind. (Ebendaſ. pag. 525.) Es bleibt alſo nichts uͤbrig, als daß er dieſe ſinnlichen Vor- ſtellungen, Begierden, Triebe ꝛc. von der Seele aus- ſchließen, und ſie fuͤr koͤrperlich halten muß, wie aus H. P. §. 564. und andern Stellen ſeiner Schriften zu erhellen ſcheint: allein kein gruͤndlicher Seelenlehrer kann eine ſolche Verwirrung der Begriffe zugeben, und wir werden dieß unten umſtaͤndlicher zeigen. S. §. 579. N. 3.
§. 163.
Jede Verrichtung, die die Bewegung der Muskeln in der thieriſchen Oeconomie bewerkſtelliget, iſt alſo thie- riſch, in ſo fern ſie durch den in ihnen ſich vertheilenden Nerven, vermoͤge irgend eines ſinnlichen Eindrucks in den- ſelben gewirket wird, kann aber nur dann eine Seelenwir- kung genennet werden, wann der ſinnliche Eindruck dem
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I Th. Th. Seel. 3 Kap. Jhr Einfl. in den Mechan.
mancherley Verwirrungen veranlaſſet; da es nicht nur die
von allen uͤbrigen eigenmaͤchtigen Vorſtellungen, ſondern
auch die ſind, die von den aͤußerlichen Empfindungen der
Seele gewirket werden: §. 97. 98. vergl. §. 351. und
man hat alſo ſchlecht bewieſen, daß die Verrichtungen die-
ſer oder jener Muskeln, des Herzens, der Gedaͤrme, u. ſ.
w. nicht von der Seele herruͤhren koͤnnten, weil der Wille
keine Gewalt uͤber ſie hat; indem aͤußere Empfindungen,
Einbildungen, Triebe und Leidenſchaften ihre Bewegung
gleichwohl veraͤndern und vermehren oder ſchwaͤchen, ob es
gleich die Seele nicht willkuͤhrlich thut.
Anmerkung. Der Herr v. Haller ſcheint der Mey-
nung zu ſeyn, daß keine andern als die willkuͤhrlichen
Bewegungen von der Seele gewirket werden. („Aeter-
„na lege ſeparatur voluntatis imperium ab irritabilita-
„tis provincia.“ Elem. Phyſiol. T. 4. pag. 528.) Er
erkennet gleichwohl die Wirkung der Empfindungen,
Einbildungen, Triebe und Leidenſchaften in den Koͤrper,
und beweiſet ſelbſt uͤberfluͤſſig, daß dieß keine willkuͤhr-
lichen Bewegungen ſind. (Ebendaſ. pag. 525.) Es
bleibt alſo nichts uͤbrig, als daß er dieſe ſinnlichen Vor-
ſtellungen, Begierden, Triebe ꝛc. von der Seele aus-
ſchließen, und ſie fuͤr koͤrperlich halten muß, wie aus
H. P. §. 564. und andern Stellen ſeiner Schriften zu
erhellen ſcheint: allein kein gruͤndlicher Seelenlehrer
kann eine ſolche Verwirrung der Begriffe zugeben, und
wir werden dieß unten umſtaͤndlicher zeigen. S. §. 579.
N. 3.
§. 163.
Jede Verrichtung, die die Bewegung der Muskeln
in der thieriſchen Oeconomie bewerkſtelliget, iſt alſo thie-
riſch, in ſo fern ſie durch den in ihnen ſich vertheilenden
Nerven, vermoͤge irgend eines ſinnlichen Eindrucks in den-
ſelben gewirket wird, kann aber nur dann eine Seelenwir-
kung genennet werden, wann der ſinnliche Eindruck dem
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Unzer, Johann August: Erste Gründe einer Physiologie der eigentlichen thierischen Natur thierischer Körper. Leipzig, 1771, S. 160. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/unzer_erstegruende_1771/184>, abgerufen am 21.11.2024.
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