bloßen Wechsels wegen, Früchte bauen, die durch ihr Preisverhältniß unvortheilhaft für diese Gegend sind. Hier findet also die sogenannte freie Wirthschaft -- die in der Fruchtfolge keiner Vorausbestimmung unterworfen ist -- ihren Platz.
Der Dungankauf aus der Stadt ist am vortheilhaf- testen für den Theil des Kreises, der der Stadt am näch- sten liegt. Mit jeder Viertelmeile größerer Entfernung nimmt dieser Vortheil rasch ab, indem dadurch nicht al- lein die Anfuhr des Düngers, sondern auch das Verfah- ren der erbaueten Produkte vertheuert wird. Bei zuneh- mender Entfernung von der Stadt kommen wir bald in eine Gegend, wo es schon zweifelhaft wird, ob man noch mit Vortheil Dung aus der Stadt holen kann, und wir müssen dann bald die Gegend treffen, wo es entschieden vortheilhafter ist, den Dung selbst zu produziren, als ihn zu kaufen -- und hier ist dann die Gränze des ersten, und der Anfang des zweiten Kreises.
§. 4. Bestimmung des Getreidepreises in den verschiedenen Gegenden des isolirten Staats.
Ehe wir nun zur Betrachtung der Wirthschaft des zweiten und der folgenden Kreise übergehen können, müs- sen wir vorher zu bestimmen suchen, wie der Preis des Getreides sich mit der Entfernung von der Stadt ändert.
Wir haben angenommen:
1) daß die Zentralstadt der einzige Marktplatz für das Getreide sey;
2) daß in dem ganzen Staat kein schiffbarer Kanal sey, und alles Getreide zu Wagen nach der Stadt gebracht werden müsse.
Unter diesen Umständen normirt der Getreidepreis in der Stadt für das ganze Land. Auf dem Lande kann
bloßen Wechſels wegen, Fruͤchte bauen, die durch ihr Preisverhaͤltniß unvortheilhaft fuͤr dieſe Gegend ſind. Hier findet alſo die ſogenannte freie Wirthſchaft — die in der Fruchtfolge keiner Vorausbeſtimmung unterworfen iſt — ihren Platz.
Der Dungankauf aus der Stadt iſt am vortheilhaf- teſten fuͤr den Theil des Kreiſes, der der Stadt am naͤch- ſten liegt. Mit jeder Viertelmeile groͤßerer Entfernung nimmt dieſer Vortheil raſch ab, indem dadurch nicht al- lein die Anfuhr des Duͤngers, ſondern auch das Verfah- ren der erbaueten Produkte vertheuert wird. Bei zuneh- mender Entfernung von der Stadt kommen wir bald in eine Gegend, wo es ſchon zweifelhaft wird, ob man noch mit Vortheil Dung aus der Stadt holen kann, und wir muͤſſen dann bald die Gegend treffen, wo es entſchieden vortheilhafter iſt, den Dung ſelbſt zu produziren, als ihn zu kaufen — und hier iſt dann die Graͤnze des erſten, und der Anfang des zweiten Kreiſes.
§. 4. Beſtimmung des Getreidepreiſes in den verſchiedenen Gegenden des iſolirten Staats.
Ehe wir nun zur Betrachtung der Wirthſchaft des zweiten und der folgenden Kreiſe uͤbergehen koͤnnen, muͤſ- ſen wir vorher zu beſtimmen ſuchen, wie der Preis des Getreides ſich mit der Entfernung von der Stadt aͤndert.
Wir haben angenommen:
1) daß die Zentralſtadt der einzige Marktplatz fuͤr das Getreide ſey;
2) daß in dem ganzen Staat kein ſchiffbarer Kanal ſey, und alles Getreide zu Wagen nach der Stadt gebracht werden muͤſſe.
Unter dieſen Umſtaͤnden normirt der Getreidepreis in der Stadt fuͤr das ganze Land. Auf dem Lande kann
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bloßen Wechſels wegen, Fruͤchte bauen, die durch ihr
Preisverhaͤltniß unvortheilhaft fuͤr dieſe Gegend ſind. Hier
findet alſo die ſogenannte freie Wirthſchaft — die in der
Fruchtfolge keiner Vorausbeſtimmung unterworfen iſt —
ihren Platz.
Der Dungankauf aus der Stadt iſt am vortheilhaf-
teſten fuͤr den Theil des Kreiſes, der der Stadt am naͤch-
ſten liegt. Mit jeder Viertelmeile groͤßerer Entfernung
nimmt dieſer Vortheil raſch ab, indem dadurch nicht al-
lein die Anfuhr des Duͤngers, ſondern auch das Verfah-
ren der erbaueten Produkte vertheuert wird. Bei zuneh-
mender Entfernung von der Stadt kommen wir bald in
eine Gegend, wo es ſchon zweifelhaft wird, ob man noch
mit Vortheil Dung aus der Stadt holen kann, und wir
muͤſſen dann bald die Gegend treffen, wo es entſchieden
vortheilhafter iſt, den Dung ſelbſt zu produziren, als ihn
zu kaufen — und hier iſt dann die Graͤnze des erſten,
und der Anfang des zweiten Kreiſes.
§. 4.
Beſtimmung des Getreidepreiſes in den verſchiedenen Gegenden
des iſolirten Staats.
Ehe wir nun zur Betrachtung der Wirthſchaft des
zweiten und der folgenden Kreiſe uͤbergehen koͤnnen, muͤſ-
ſen wir vorher zu beſtimmen ſuchen, wie der Preis des
Getreides ſich mit der Entfernung von der Stadt aͤndert.
Wir haben angenommen:
1) daß die Zentralſtadt der einzige Marktplatz fuͤr
das Getreide ſey;
2) daß in dem ganzen Staat kein ſchiffbarer Kanal
ſey, und alles Getreide zu Wagen nach der Stadt
gebracht werden muͤſſe.
Unter dieſen Umſtaͤnden normirt der Getreidepreis
in der Stadt fuͤr das ganze Land. Auf dem Lande kann
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Thünen, Johann Heinrich von: Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie. Hamburg, 1826, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thuenen_staat_1826/19>, abgerufen am 03.03.2025.
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