sehr abgenommen habe, und daß es noch jetzo an deren Zahl abnehme, und daß dieses nicht so wohl von der Pest, als von vielen andern Ursachen her- rühre, die von ihm angeführet werden, daher denn statt der 20. Millionen Einwohner, anjetzo kaum 4 darinn sind.
Mein Schluß ist daher also, daß die Pest nicht nur entsetzlichen Schaden anrichte, wie an Preussen zu sehen, sondern daß sie auch nicht oft kommen dürf- fe, wenn ein Land nicht soll von Einwohnern gantz entblösset werden. Ich will setzen, daß sie niemahls mehr als 1/3 soll wegnehmen. Es ist von einigen Provincien bewiesen worden, (§. 4.) daß sie in 30. Jahren um 1/3 an Einwohnern sich vermehren, folg- lich gehören weit mehr als 30. Jahre dazu, ehe die übrig gebliebene 2/3 den Abgang des 1/3 ersetzen können. Wenn nun in 100. Jahren die Pest mehr als einmahl kommen solte, so würden 100. Jahr gar leicht ausfallen, daß sich darinn die Men- schen nicht vermehrten. In London war die Pest in 100. Jahren 5 mahl, jedes mahl starb 1/5 , folglich in 5 mahl , oder ein gantzes. Wenn nun die Pest auf dem Lande eben so gehauset, und wenn in Engelland sich die Menschen, so wie bey uns in 100. Jahren verdoppelten: so wäre die Zahl dersel- ben Ao. 1682. nicht grösser gewesen, als Ao. 1582.
§. 11.
Der Krieg ist die zweyte grosse Hinderniß des Wachsthums derer Menschen. Der Schade, so da- durch gestiftet wird, ist gedoppelt. Erstlich und vor- nemlich leidet dadurch das Männliche Geschlecht, welches sowohl durch Bataillen, als durch Stra-
pazen
Von denen Hinderniſſen der Vermehrung
ſehr abgenommen habe, und daß es noch jetzo an deren Zahl abnehme, und daß dieſes nicht ſo wohl von der Peſt, als von vielen andern Urſachen her- ruͤhre, die von ihm angefuͤhret werden, daher denn ſtatt der 20. Millionen Einwohner, anjetzo kaum 4 darinn ſind.
Mein Schluß iſt daher alſo, daß die Peſt nicht nur entſetzlichen Schaden anrichte, wie an Preuſſen zu ſehen, ſondern daß ſie auch nicht oft kommen duͤrf- fe, wenn ein Land nicht ſoll von Einwohnern gantz entbloͤſſet werden. Ich will ſetzen, daß ſie niemahls mehr als ⅓ ſoll wegnehmen. Es iſt von einigen Provincien bewieſen worden, (§. 4.) daß ſie in 30. Jahren um ⅓ an Einwohnern ſich vermehren, folg- lich gehoͤren weit mehr als 30. Jahre dazu, ehe die uͤbrig gebliebene ⅔ den Abgang des ⅓ erſetzen koͤnnen. Wenn nun in 100. Jahren die Peſt mehr als einmahl kommen ſolte, ſo wuͤrden 100. Jahr gar leicht ausfallen, daß ſich darinn die Men- ſchen nicht vermehrten. In London war die Peſt in 100. Jahren 5 mahl, jedes mahl ſtarb ⅕, folglich in 5 mahl , oder ein gantzes. Wenn nun die Peſt auf dem Lande eben ſo gehauſet, und wenn in Engelland ſich die Menſchen, ſo wie bey uns in 100. Jahren verdoppelten: ſo waͤre die Zahl derſel- ben Ao. 1682. nicht groͤſſer geweſen, als Ao. 1582.
§. 11.
Der Krieg iſt die zweyte groſſe Hinderniß des Wachsthums derer Menſchen. Der Schade, ſo da- durch geſtiftet wird, iſt gedoppelt. Erſtlich und vor- nemlich leidet dadurch das Maͤnnliche Geſchlecht, welches ſowohl durch Bataillen, als durch Stra-
pazen
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Von denen Hinderniſſen der Vermehrung
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deren Zahl abnehme, und daß dieſes nicht ſo wohl
von der Peſt, als von vielen andern Urſachen her-
ruͤhre, die von ihm angefuͤhret werden, daher denn
ſtatt der 20. Millionen Einwohner, anjetzo kaum 4
darinn ſind.
Mein Schluß iſt daher alſo, daß die Peſt nicht
nur entſetzlichen Schaden anrichte, wie an Preuſſen
zu ſehen, ſondern daß ſie auch nicht oft kommen duͤrf-
fe, wenn ein Land nicht ſoll von Einwohnern gantz
entbloͤſſet werden. Ich will ſetzen, daß ſie niemahls
mehr als ⅓ ſoll wegnehmen. Es iſt von einigen
Provincien bewieſen worden, (§. 4.) daß ſie in 30.
Jahren um ⅓ an Einwohnern ſich vermehren, folg-
lich gehoͤren weit mehr als 30. Jahre dazu, ehe
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koͤnnen. Wenn nun in 100. Jahren die Peſt mehr
als einmahl kommen ſolte, ſo wuͤrden 100. Jahr
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100. Jahren verdoppelten: ſo waͤre die Zahl derſel-
ben Ao. 1682. nicht groͤſſer geweſen, als Ao. 1582.
§. 11.
Der Krieg iſt die zweyte groſſe Hinderniß des
Wachsthums derer Menſchen. Der Schade, ſo da-
durch geſtiftet wird, iſt gedoppelt. Erſtlich und vor-
nemlich leidet dadurch das Maͤnnliche Geſchlecht,
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Süssmilch, Johann Peter: Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts aus der Geburt, Tod und Fortpflanzung desselben. Berlin, 1741, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/suessmilch_ordnung_1741/76>, abgerufen am 29.11.2024.
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