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Schweiger-Lerchenfeld, Amand von: Im Reiche der Cyklopen: eine populäre Darstellung der Stahl- und Eisentechnik. Wien u. a., 1900.

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Formgebungsarbeiten.
formen gleich den Sandformen einen Ueberzug, doch reicht in dieſem Falle Kohlen-
ſtaub nicht aus und muß an deſſen Stelle ein Anſtrich von Thon- und Graphit-
mehl in Waſſer treten. ... Was ſchließlich die Lehmformen anbetrifft, muß das
hierzu verwendete Material ſcharf ausgetrocknet und ſchwach gebrannt werden. Um
das »Schwinden« nach Thunlichkeit zu paralyſiren, mengt man genügend Sand
bei. Außerdem wird durch Beimengung von faſerigen organiſchen Subſtanzen (Kuh-
haaren, Pferdemiſt u. ſ. w.) die Bildung von klaffenden Sprüngen beim Trocknen
verhindert. In gebrannten Formen kühlt ſich das Eiſen am langſamſten ab und
es bleibt ſeine Oberfläche für nachträgliche Bearbeitung weich.

Zur Erzeugung einfacher Gegenſtände genügt der Abdruck des Modells in
den auf dem Boden der Formhalle — dem Herde — liegenden Sand. Es iſt dies
der ſogenannte »Herdguß«, im Gegenſatze zum »Kaſtenguß«, der bei Gegenſtänden
von complicirterer Geſtalt in Anwendung kommt und mit Hilfe von geſchloſſenen
Formen in eiſernen Rahmen — Formkäſten, Gießflaſchen — bewerkſtelligt wird.
Sie werden durch Splinte, Keile, Schrauben genau zuſammengepaßt, mit ausge-
ſchnittenen Querleiſten zum Halten des Sandes, ferner mit Handhaben und Dreh-
achſenanſätzen zum Aufheben, Umkehren u. ſ. w. verſehen. Große Formkäſten müſſen
hierbei mittelſt eines Krahnes gehandhabt werden.

Der Vorgang beim Guſſe iſt der folgende: Das betreffende Modell wird auf
ein Brett gebracht, der Rahmen darübergeſtürzt und der Raum mit Formſand aus-
geſtampft. Hierauf wendet man das Ganze um, ſetzt einen genau auf den erſten
Rahmen paſſenden zweiten Rahmen auf und ſtampft ihn ebenfalls aus. Auf dieſe
Weiſe iſt das ganze Modell von Formſand dicht umſchloſſen. Schließlich wird der
Oberkaſten vom Unterkaſten abgehoben, das Modell entfernt und der Hohlraum
durch einen im Formſand freigelaſſenen Eingußtrichter ausgegoſſen. Nicht jedes
Modell läßt ſich ohne weiters ausheben und müſſen ſolche, welche eine complicirte
Geſtalt haben, in mehrere Theile zerlegt und dieſe einzeln ausgehoben werden.
Auch die Formkäſten ſind mitunter mehrtheilig.

Das Formen iſt eine ſehr umſtändliche Arbeit und erfordert geſchickte Leute,
die entſprechend hoch entlohnt werden müſſen. Durch Erfindung mechaniſcher Vor-
richtungen — Formmaſchinen — welche die jeweils erforderlichen Formen in
tadelloſer Ausführung zuwege bringen, iſt die Handformerei ganz in den Hinter-
grund gedrängt worden. Dazu kommt, daß ſelbſt der geſchickteſte Former beim
Ausheben des Modells (z. B. durch leiſes Schwanken der Hand) die Form be-
ſchädigen kann, was bei den Maſchinen nicht vorkommt. Nach Entfernung des
Modells wird die Form feſtgeſtampft, doch übernehmen manche Formmaſchinen
auch dieſe Arbeit, indem ſie den Sand zuſammendrücken.

Bei den Formmaſchinen liegt die weſentlichſte Verbeſſerung darin, daß die
meiſt aus Eiſen gearbeiteten Modelle in entſprechende Ausſchnitte der Formplatte
eintreten und durch eine Zahnſtange, eine Kurbel oder einen Excenter in Leitſchienen
nach unten herausgezogen werden. Selbſtverſtändlich wird dasſelbe erreicht, wenn

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Zitationshilfe: Schweiger-Lerchenfeld, Amand von: Im Reiche der Cyklopen: eine populäre Darstellung der Stahl- und Eisentechnik. Wien u. a., 1900, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schweiger_cyklopen_1900/107>, abgerufen am 26.02.2025.