Schauberg, Joseph: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei, Bd. 1. Schaffhausen, 1861.Namen bezeichneten. Indem aber die Chaldäer von ihren Bergen in die fruchtbaren Thäler des Euphrat und des Tigris herabstiegen und dem Bel zu Babel eine Wohnung erbauten (Babel bedeutet Wohnung des Bel), nahmen sie neben ihrem alten Lichtgotte noch eine Göttin der Erdfruchtbarkeit, der aus dem Wasser zeugenden und gebärenden Naturkraft an, die Mylitta oder Aschera der Phönicier und Syrer, wodurch ein höchst sinnlicher, den semitischen Völkern überhaupt eigenthümlicher Cultus aufkam, welcher den ursprünglichen und höhern Lichtglauben ganz zurückdrängte und überwog. Der religiöse Glaube und Cultus muss daher überall als ein Erzeugniss seines besonderen Landes, seiner Berge, wie z. B. bei den Baktern, Medern und Persern und den ursprünglichen arischen Indern, - des fruchtbaren und warmen Stromgebietes, wie bei den Indern des Gangeslandes, bei den Babyloniern und Aegyptern u. s. w. betrachtet werden, um recht verstanden und recht gewürdigt zu werden. Aehnliche Vorstellungen, wie die Chaldäer und die Araber, hatten auch die Vorfahren der Hebräer von den Abhängen der armenischen Berge und den Steppen zwischen den beiden Strömen Euphrat und Tigris mitgebracht. Auf den Bergen war Jehova angerufen, hier waren ihm Brandopfer dargebracht worden und er pflegte auf die Berge niederzusteigen. Wenn nun Gott und der Himmel nach der allgemeinen Vorstellung der alten Völker das himmlische und irdische Licht ist, lag es nahe, bei der Verehrung Gottes oder gewisser einzelner Lichtgötter, in den ihrer Verehrung und Anbetung geweihten Stätten reine und heilige Feuer oder doch Lichter anzuzünden und zu brennen, um sich dadurch den Gedanken Gottes und gleichsam Gott selbst zu vergegenwärtigen, um sich symbolisch vor Gott und in das himmlische Licht zu versetzen. So sind die brennenden Feuer, die brennenden Lichter zu Begleitern, zu einem wesentlichen Bestandtheile des öffentlichen und Privatgottesdienstes überhaupt oder wenigstens einzelner Götter und Göttinnen, welche eine besondere Beziehung zu dem Lichte hatten, geworden, wie sie noch heute in den buddhistischen Tempeln, in den jüdischen Synagogen, in Namen bezeichneten. Indem aber die Chaldäer von ihren Bergen in die fruchtbaren Thäler des Euphrat und des Tigris herabstiegen und dem Bel zu Babel eine Wohnung erbauten (Babel bedeutet Wohnung des Bel), nahmen sie neben ihrem alten Lichtgotte noch eine Göttin der Erdfruchtbarkeit, der aus dem Wasser zeugenden und gebärenden Naturkraft an, die Mylitta oder Aschera der Phönicier und Syrer, wodurch ein höchst sinnlicher, den semitischen Völkern überhaupt eigenthümlicher Cultus aufkam, welcher den ursprünglichen und höhern Lichtglauben ganz zurückdrängte und überwog. Der religiöse Glaube und Cultus muss daher überall als ein Erzeugniss seines besonderen Landes, seiner Berge, wie z. B. bei den Baktern, Medern und Persern und den ursprünglichen arischen Indern, – des fruchtbaren und warmen Stromgebietes, wie bei den Indern des Gangeslandes, bei den Babyloniern und Aegyptern u. s. w. betrachtet werden, um recht verstanden und recht gewürdigt zu werden. Aehnliche Vorstellungen, wie die Chaldäer und die Araber, hatten auch die Vorfahren der Hebräer von den Abhängen der armenischen Berge und den Steppen zwischen den beiden Strömen Euphrat und Tigris mitgebracht. Auf den Bergen war Jehova angerufen, hier waren ihm Brandopfer dargebracht worden und er pflegte auf die Berge niederzusteigen. Wenn nun Gott und der Himmel nach der allgemeinen Vorstellung der alten Völker das himmlische und irdische Licht ist, lag es nahe, bei der Verehrung Gottes oder gewisser einzelner Lichtgötter, in den ihrer Verehrung und Anbetung geweihten Stätten reine und heilige Feuer oder doch Lichter anzuzünden und zu brennen, um sich dadurch den Gedanken Gottes und gleichsam Gott selbst zu vergegenwärtigen, um sich symbolisch vor Gott und in das himmlische Licht zu versetzen. So sind die brennenden Feuer, die brennenden Lichter zu Begleitern, zu einem wesentlichen Bestandtheile des öffentlichen und Privatgottesdienstes überhaupt oder wenigstens einzelner Götter und Göttinnen, welche eine besondere Beziehung zu dem Lichte hatten, geworden, wie sie noch heute in den buddhistischen Tempeln, in den jüdischen Synagogen, in <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0285" n="269"/> Namen bezeichneten. Indem aber die Chaldäer von ihren Bergen in die fruchtbaren Thäler des Euphrat und des Tigris herabstiegen und dem Bel zu Babel eine Wohnung erbauten (Babel bedeutet Wohnung des Bel), nahmen sie neben ihrem alten Lichtgotte noch eine Göttin der Erdfruchtbarkeit, der aus dem Wasser zeugenden und gebärenden Naturkraft an, die Mylitta oder Aschera der Phönicier und Syrer, wodurch ein höchst sinnlicher, den semitischen Völkern überhaupt eigenthümlicher Cultus aufkam, welcher den ursprünglichen und höhern Lichtglauben ganz zurückdrängte und überwog. Der religiöse Glaube und Cultus muss daher überall als ein Erzeugniss seines besonderen Landes, seiner Berge, wie z. B. bei den Baktern, Medern und Persern und den ursprünglichen arischen Indern, – des fruchtbaren und warmen Stromgebietes, wie bei den Indern des Gangeslandes, bei den Babyloniern und Aegyptern u. s. w. betrachtet werden, um recht verstanden und recht gewürdigt zu werden. Aehnliche Vorstellungen, wie die Chaldäer und die Araber, hatten auch die Vorfahren der Hebräer von den Abhängen der armenischen Berge und den Steppen zwischen den beiden Strömen Euphrat und Tigris mitgebracht. Auf den Bergen war Jehova angerufen, hier waren ihm Brandopfer dargebracht worden und er pflegte auf die Berge niederzusteigen.</p> <p> Wenn nun Gott und der Himmel nach der allgemeinen Vorstellung der alten Völker das himmlische und irdische Licht ist, lag es nahe, bei der Verehrung Gottes oder gewisser einzelner Lichtgötter, in den ihrer Verehrung und Anbetung geweihten Stätten reine und heilige Feuer oder doch Lichter anzuzünden und zu brennen, um sich dadurch den Gedanken Gottes und gleichsam Gott selbst zu vergegenwärtigen, um sich symbolisch vor Gott und in das himmlische Licht zu versetzen. So sind die brennenden Feuer, die brennenden Lichter zu Begleitern, zu einem wesentlichen Bestandtheile des öffentlichen und Privatgottesdienstes überhaupt oder wenigstens einzelner Götter und Göttinnen, welche eine besondere Beziehung zu dem Lichte hatten, geworden, wie sie noch heute in den buddhistischen Tempeln, in den jüdischen Synagogen, in </p> </div> </body> </text> </TEI> [269/0285]
Namen bezeichneten. Indem aber die Chaldäer von ihren Bergen in die fruchtbaren Thäler des Euphrat und des Tigris herabstiegen und dem Bel zu Babel eine Wohnung erbauten (Babel bedeutet Wohnung des Bel), nahmen sie neben ihrem alten Lichtgotte noch eine Göttin der Erdfruchtbarkeit, der aus dem Wasser zeugenden und gebärenden Naturkraft an, die Mylitta oder Aschera der Phönicier und Syrer, wodurch ein höchst sinnlicher, den semitischen Völkern überhaupt eigenthümlicher Cultus aufkam, welcher den ursprünglichen und höhern Lichtglauben ganz zurückdrängte und überwog. Der religiöse Glaube und Cultus muss daher überall als ein Erzeugniss seines besonderen Landes, seiner Berge, wie z. B. bei den Baktern, Medern und Persern und den ursprünglichen arischen Indern, – des fruchtbaren und warmen Stromgebietes, wie bei den Indern des Gangeslandes, bei den Babyloniern und Aegyptern u. s. w. betrachtet werden, um recht verstanden und recht gewürdigt zu werden. Aehnliche Vorstellungen, wie die Chaldäer und die Araber, hatten auch die Vorfahren der Hebräer von den Abhängen der armenischen Berge und den Steppen zwischen den beiden Strömen Euphrat und Tigris mitgebracht. Auf den Bergen war Jehova angerufen, hier waren ihm Brandopfer dargebracht worden und er pflegte auf die Berge niederzusteigen.
Wenn nun Gott und der Himmel nach der allgemeinen Vorstellung der alten Völker das himmlische und irdische Licht ist, lag es nahe, bei der Verehrung Gottes oder gewisser einzelner Lichtgötter, in den ihrer Verehrung und Anbetung geweihten Stätten reine und heilige Feuer oder doch Lichter anzuzünden und zu brennen, um sich dadurch den Gedanken Gottes und gleichsam Gott selbst zu vergegenwärtigen, um sich symbolisch vor Gott und in das himmlische Licht zu versetzen. So sind die brennenden Feuer, die brennenden Lichter zu Begleitern, zu einem wesentlichen Bestandtheile des öffentlichen und Privatgottesdienstes überhaupt oder wenigstens einzelner Götter und Göttinnen, welche eine besondere Beziehung zu dem Lichte hatten, geworden, wie sie noch heute in den buddhistischen Tempeln, in den jüdischen Synagogen, in
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Zitationshilfe: | Schauberg, Joseph: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei, Bd. 1. Schaffhausen, 1861, S. 269. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schauberg_freimaurerei01_1861/285>, abgerufen am 16.02.2025. |