allesammt vereinigten sie sich, an dem ungerechten Kriege des Königs keinen Theil zu nehmen.
Mit den religiösen Gefühlen erwachte die Erinnerung an die alten politischen Rechte, die ständische Unabhängig- keit. Da König Ferdinand abgeschlagen hatte einen Reichs- tag zu berufen, so schritten die in Prag Versammelten auch ohne ihn dazu. Sie betrachteten sich auch allein als das Reich, und stellten wirklich ein Heer ins Feld, vor allem, um das Eindringen "des fremden unchristlichen hispanischen Volkes" zu verhindern.
Nicht um Johann Friedrich zu stürzen, sondern um sich nur selber gegen ihn zu behaupten, mußte jetzt der König seine Kräfte anstrengen.
Dazu reichten sie nicht aus, daß er selber hätte zu Felde gehn können, aber er vermochte doch dem Herzog Moritz einige Hülfstruppen zu schicken, mit welchen dieser eine feste Stellung zu Chemnitz einnahm.
Von der andern Seite ließ der Kaiser den Markgrafen Albrecht von Culmbach mit 10 Fähnlein und 1200 Reitern anrücken, der sein Hauptquartier in der Stadt Rochlitz auf- schlug, dem Leibgeding der Herzogin Elisabeth, Schwester des Landgrafen. Elisabeth hatte dem Herzog Moritz den Ort nie- mals eröffnen wollen, sogar einmal Geschütz auf ihr Schloß führen lassen, um es im Nothfall zu vertheidigen: dem kai- serlichen Befehlshaber konnte sie das aber nicht versagen.
Die beiden Fürsten faßten nun die Absicht, ihre Heer- haufen am 2ten März zu vereinigen, und mit vereinten Kräf- ten auf Johann Friedrich loszugehn, der sein Lager bei Al- tenburg aufgeschlagen.
alleſammt vereinigten ſie ſich, an dem ungerechten Kriege des Königs keinen Theil zu nehmen.
Mit den religiöſen Gefühlen erwachte die Erinnerung an die alten politiſchen Rechte, die ſtändiſche Unabhängig- keit. Da König Ferdinand abgeſchlagen hatte einen Reichs- tag zu berufen, ſo ſchritten die in Prag Verſammelten auch ohne ihn dazu. Sie betrachteten ſich auch allein als das Reich, und ſtellten wirklich ein Heer ins Feld, vor allem, um das Eindringen „des fremden unchriſtlichen hiſpaniſchen Volkes“ zu verhindern.
Nicht um Johann Friedrich zu ſtürzen, ſondern um ſich nur ſelber gegen ihn zu behaupten, mußte jetzt der König ſeine Kräfte anſtrengen.
Dazu reichten ſie nicht aus, daß er ſelber hätte zu Felde gehn können, aber er vermochte doch dem Herzog Moritz einige Hülfstruppen zu ſchicken, mit welchen dieſer eine feſte Stellung zu Chemnitz einnahm.
Von der andern Seite ließ der Kaiſer den Markgrafen Albrecht von Culmbach mit 10 Fähnlein und 1200 Reitern anrücken, der ſein Hauptquartier in der Stadt Rochlitz auf- ſchlug, dem Leibgeding der Herzogin Eliſabeth, Schweſter des Landgrafen. Eliſabeth hatte dem Herzog Moritz den Ort nie- mals eröffnen wollen, ſogar einmal Geſchütz auf ihr Schloß führen laſſen, um es im Nothfall zu vertheidigen: dem kai- ſerlichen Befehlshaber konnte ſie das aber nicht verſagen.
Die beiden Fürſten faßten nun die Abſicht, ihre Heer- haufen am 2ten März zu vereinigen, und mit vereinten Kräf- ten auf Johann Friedrich loszugehn, der ſein Lager bei Al- tenburg aufgeſchlagen.
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[501/0513]
Stellung Johann Friedrichs 1547.
alleſammt vereinigten ſie ſich, an dem ungerechten Kriege des
Königs keinen Theil zu nehmen.
Mit den religiöſen Gefühlen erwachte die Erinnerung
an die alten politiſchen Rechte, die ſtändiſche Unabhängig-
keit. Da König Ferdinand abgeſchlagen hatte einen Reichs-
tag zu berufen, ſo ſchritten die in Prag Verſammelten auch
ohne ihn dazu. Sie betrachteten ſich auch allein als das
Reich, und ſtellten wirklich ein Heer ins Feld, vor allem,
um das Eindringen „des fremden unchriſtlichen hiſpaniſchen
Volkes“ zu verhindern.
Nicht um Johann Friedrich zu ſtürzen, ſondern um ſich
nur ſelber gegen ihn zu behaupten, mußte jetzt der König
ſeine Kräfte anſtrengen.
Dazu reichten ſie nicht aus, daß er ſelber hätte zu Felde
gehn können, aber er vermochte doch dem Herzog Moritz
einige Hülfstruppen zu ſchicken, mit welchen dieſer eine feſte
Stellung zu Chemnitz einnahm.
Von der andern Seite ließ der Kaiſer den Markgrafen
Albrecht von Culmbach mit 10 Fähnlein und 1200 Reitern
anrücken, der ſein Hauptquartier in der Stadt Rochlitz auf-
ſchlug, dem Leibgeding der Herzogin Eliſabeth, Schweſter des
Landgrafen. Eliſabeth hatte dem Herzog Moritz den Ort nie-
mals eröffnen wollen, ſogar einmal Geſchütz auf ihr Schloß
führen laſſen, um es im Nothfall zu vertheidigen: dem kai-
ſerlichen Befehlshaber konnte ſie das aber nicht verſagen.
Die beiden Fürſten faßten nun die Abſicht, ihre Heer-
haufen am 2ten März zu vereinigen, und mit vereinten Kräf-
ten auf Johann Friedrich loszugehn, der ſein Lager bei Al-
tenburg aufgeſchlagen.
Johann Friedrich, der durch die Gunſt der Einwohner
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Ranke, Leopold von: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. 4. Berlin, 1843, S. 501. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ranke_reformation04_1843/513>, abgerufen am 24.11.2024.
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