ge anzutreffen. Es hat nicht die Güte, die Feinheit und Weisse, wie bey uns: aber es ist viel zarter und glatter, weil sie es mit einer Art von Seife beschmieren, und sichs besser darauf schreiben läßt. -- Alles beschriebene Papier wird für heilig bey den Mohammeda- nern angesehen: und derjenige, der es zerreißt, oder es wohl gar zum schmuzigen Gebrauch anwendet, wird als ein schändlicher Mensch angesehen, der etwas zerrissen oder verbraucht habe, worauf der Name Gottes könnte ge- schrieben seyn. Wollen sie des überflüßigen Papiers los seyn; so werfen sie es in das Was- ser, oder stecken es in eine Mauer. -- Ihre Dinte, ist dicke und klebricht, fast unsrer Dru- ckerschwärze ähnlich. Sie haben blaue, rothe, goldfarbene, und machen zuweilen in ihren Schriften verschiedene Zierrathen auf dem Rande, so wie wir es in den alten Manuscri- pten oft finden. -- Ihre Federn sind unge- mein hart und bestehen aus Schilf, welches längst dem persischen Meerbusen in großer Menge wächst. Sie schneiden sie gewöhnlich mit einer langen Spitze, und sollen zum Schrei- ben sehr bequem seyn.
Weil die Perser der herrlichen und schönen Kunst der Buchdruckerey, theils wegen der gros- sen Dürre der Lust, theils aber auch wegen des Papiers, weil es die Druckerpresse nicht aus- halten und zerreissen würde, entbehren müs-
sen;
ge anzutreffen. Es hat nicht die Guͤte, die Feinheit und Weiſſe, wie bey uns: aber es iſt viel zarter und glatter, weil ſie es mit einer Art von Seife beſchmieren, und ſichs beſſer darauf ſchreiben laͤßt. — Alles beſchriebene Papier wird fuͤr heilig bey den Mohammeda- nern angeſehen: und derjenige, der es zerreißt, oder es wohl gar zum ſchmuzigen Gebrauch anwendet, wird als ein ſchaͤndlicher Menſch angeſehen, der etwas zerriſſen oder verbraucht habe, worauf der Name Gottes koͤnnte ge- ſchrieben ſeyn. Wollen ſie des uͤberfluͤßigen Papiers los ſeyn; ſo werfen ſie es in das Waſ- ſer, oder ſtecken es in eine Mauer. — Ihre Dinte, iſt dicke und klebricht, faſt unſrer Dru- ckerſchwaͤrze aͤhnlich. Sie haben blaue, rothe, goldfarbene, und machen zuweilen in ihren Schriften verſchiedene Zierrathen auf dem Rande, ſo wie wir es in den alten Manuſcri- pten oft finden. — Ihre Federn ſind unge- mein hart und beſtehen aus Schilf, welches laͤngſt dem perſiſchen Meerbuſen in großer Menge waͤchſt. Sie ſchneiden ſie gewoͤhnlich mit einer langen Spitze, und ſollen zum Schrei- ben ſehr bequem ſeyn.
Weil die Perſer der herrlichen und ſchoͤnen Kunſt der Buchdruckerey, theils wegen der groſ- ſen Duͤrre der Luſt, theils aber auch wegen des Papiers, weil es die Druckerpreſſe nicht aus- halten und zerreiſſen wuͤrde, entbehren muͤſ-
ſen;
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ge anzutreffen. Es hat nicht die Guͤte, die
Feinheit und Weiſſe, wie bey uns: aber es iſt
viel zarter und glatter, weil ſie es mit einer
Art von Seife beſchmieren, und ſichs beſſer
darauf ſchreiben laͤßt. — Alles beſchriebene
Papier wird fuͤr heilig bey den Mohammeda-
nern angeſehen: und derjenige, der es zerreißt,
oder es wohl gar zum ſchmuzigen Gebrauch
anwendet, wird als ein ſchaͤndlicher Menſch
angeſehen, der etwas zerriſſen oder verbraucht
habe, worauf der Name Gottes koͤnnte ge-
ſchrieben ſeyn. Wollen ſie des uͤberfluͤßigen
Papiers los ſeyn; ſo werfen ſie es in das Waſ-
ſer, oder ſtecken es in eine Mauer. — Ihre
Dinte, iſt dicke und klebricht, faſt unſrer Dru-
ckerſchwaͤrze aͤhnlich. Sie haben blaue, rothe,
goldfarbene, und machen zuweilen in ihren
Schriften verſchiedene Zierrathen auf dem
Rande, ſo wie wir es in den alten Manuſcri-
pten oft finden. — Ihre Federn ſind unge-
mein hart und beſtehen aus Schilf, welches
laͤngſt dem perſiſchen Meerbuſen in großer
Menge waͤchſt. Sie ſchneiden ſie gewoͤhnlich
mit einer langen Spitze, und ſollen zum Schrei-
ben ſehr bequem ſeyn.
Weil die Perſer der herrlichen und ſchoͤnen
Kunſt der Buchdruckerey, theils wegen der groſ-
ſen Duͤrre der Luſt, theils aber auch wegen des
Papiers, weil es die Druckerpreſſe nicht aus-
halten und zerreiſſen wuͤrde, entbehren muͤſ-
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[Poppe, Johann Friedrich]: Characteristik der merkwürdigsten Asiatischen Nationen. Bd. 1. Breslau, 1776, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/poppe_charakteristik01_1776/106>, abgerufen am 24.11.2024.
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