Deutschland.
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[*] Köln, 21. Juli.
Wir haben gesehn: die „allgemeinen Bestimmungen“ des Gesetzentwurfs über die Bürgerwehr
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Edition: [Friedrich Engels: Der Waffenstillstand mit Dänemark. In: MEGA2 I/7. S. 388.]
[**]
Köln, 21. Juli.
Unsere Leser wissen es, wir haben den dänischen Krieg immer mit großer Kaltblütigkeit
betrachtet.
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@facs | 0257 |
[*] Kreuznach, 17. Juli.
Jüngst hat sich hier ein Bürger-Verein gegründet, welcher zum Zweck hatte, Politisches
und Gewerbliches zu besprechen. Die Sache ging gedeihlich, allein die starke Reaktion
wußte den Verein nicht nur zu verdächtigen, son-
[0258]
dern man vertrieb ein
Mitglied aus seiner friedlichen Wohnung, einem andern drohte man mit einer brodlosen
Zukunft und andern bereitete man Ehezwistigkeiten u. s. w. Der Reaktionsgeist wußte sich
selbst in den Verein einzudrängen, um ihn zu sprengen, doch es mißglückte und was thut
er nun? Er hat seit den letzten Tagen einen eigenen Verein gegründet, welcher sich in
der hiesigen Zeitung dahin ausgesprochen hat, daß er zum Zweck habe, die
republikanischen Tendenzen zu vernichten, mögen sie sich offen oder im Geheimen Kund
geben. ‒ Gestern und heute werden von den Gefangenen, welche mit Hecker kämpften, ganze
Transporte hierdurch und weiter abgeführt. Heute Morgen sah man sie auf Leiterwagen
sitzen und eskortirt von Ulanen und Gendarmen weiter transportiren. Die Ketten schleppte
man nach, womit sie Tags zuvor aneinander gekettet waren und in Folge dessen
geschwollene Arme hatten. Die Gefangenen sangen die Marseillaise durch die Stadt und
ließen Hecker hochleben. Heute sitzen 24 Gefangene gleicher Art im Arresthaus. Sie waren
an die Wagengeländer gefesselt, aber lauter Männer von stolzer Haltung.
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@facs | 0258 |
[107] Berlin, 18. Juli.
Aus der trefflichen Rede des Studenten Edmund Monecke vor dem
Ober-Appellationssenat, glaube ich Ihnen einige interessante Auszüge mittheilen zu
müssen: „ Wenn man heute dem preußischen Volke das ruhige klare Auge eines
Geschichtsforschers leihen könnte, das ferne über dem Gewühl der Gegenwart an dem
Siegesglanz des 19. März das Urtheil des Kammergerichts prüfte, wahrhaftig, die Schande
würde der Nation das Blut durch die Adern treiben, daß die alte
Beamtenwillkühr, die Büreaukratie, von dem Moder und
Schlamm der Vergangenheit, von den Schlupfwinkeln verfallener Gesetze aus die junge
Freiheit, das Recht der freien Meinung und der freien Presse anzutasten sich erdreistet!
Eitler, wahnsinniger Stolz einer Nation, der jene Nacht für eine Memnonssäule auf dem
Felde der Geschichte hält, durch die der Donner der Kanonen das brausende Freiheitswort
hinwälzt von Ort zu Ort als die Losung der neuen Welt, Hochmuth, der nicht begreift, daß
diese Säule ein Schandpfahl ist, den die Nation sich selber
errichtete, um die Schritte zu messen, die sie von Freiheit und Glanz in Elend und
Sklaverei thun würde; ihr habt es bewiesen, daß dieses Volk wenig mehr vermag, als sich
eine Trikolore zu erwerben, um sie in den Händen der Fürsten und ihrer Knechte
herabzuwürdigen. Ja, das deutsche Volk gleicht jenem im Dienste Gottes ertrunkenen
Kaiser, dem fabelhaften Barbarossa, dem der Zopf dreimal durch den Tisch gewachsen ist,
der bei jedem Erwachen fragt, ob die Raben noch fliegen und wieder einschläft, statt sie
mit dem Schwerte zu verjagen; das Volk gleicht dem faulen schläfrigen Landmann, der
auftaumelnd einmal gepflügt hat, und schlafend Saat und Erndte dem emporwuchernden
Unkraut überläßt; das deutsche Volk hat es verdient, daß man in seine Freiheitswunden
die Sklavenfesseln legt, weil es die Sklavenzüchter verschont hat, die, wie man von
gewissen Fledermäusen erzählt, die Menschen durch leisen Flügelschlag in den Schlaf
wiegen, um ihnen sodann das Blut auszusaugen! Wohlan denn! im Namen dieses Volkes, das
sich nicht selbst zu schützen weiß, stehe ich hier, um von dem Gewissen dieser Männer
die Rechte zurückzufordern, die das Kammergericht gewissenlos gebrandmarkt hat, im Namen
dieses Volkes klage ich das Kammergericht an, daß es die Ehre der
Nation gekränkt und geschändet hat!
Ich habe es bereuet, daß ich mich herabließ, das Volksbewußtsein jenem Richterkollegium
eindringlich zu machen, das doch statt dessen sein Landrechtsgewissen, sein Mandat und
Votum fertig in der Tasche mitbrachte, ich habe es bereut, daß ich meine Vertheidigung
schrieb, wie um eine Diogeneslampe anzuzünden, mit der ich unter Dienern des alten
Absolutismus, Menschen und Söhne des Volkes suchte, ich habe es endlich bereuet, die
Vernunft vor diesem Absolutismus um die Rechte des Volkes betteln zu heißen, und nur
eins hat mir Beruhigung verschafft, daß das Kammergericht sich so weise und bereitwillig
einer Schilderung des Absolutismus unterzogen hat. Nicht befriedigt ihre Augen durch
eine juristische Verschönerungsbrille an dem § 199 des Landrechts, an dieser Pestbeule
des Absolutismus zu ergötzen, mußten die Richter sich noch baden in dem Sumpfe einer
alten Kabinetsordre, die mir aus Mangel an patriotischer Gesinnung die Rechte eines
Staatsbürgers abspricht, sie wagten es selbst, an meine bürgerliche Ehre zu greifen! Mir
fällt eine Fabel ein, wo Raben einen Schwan mit Koth bewarfen, ich will die Feuerprobe
mit dem hochlöblichen Gericht aushalten, man soll mir beweisen, wann ich je vor dem
Absolutismus tausend Bücklinge schnitt, und das Volk verrieth, und es wird dem
Kammergericht, hoffe ich, nicht schwer fallen, durch seine Archivsakten ein Gleiches zu
beweisen. Aber ich habe Mangel an Patriotismus gezeigt, weil ich die Majestät
beleidigte, und die Kabinetsordre von 1813 bestraft diesen Mangel mit Verlust der
Nationalkokarde! O Scharfsinn dieser liberalen Herren! O Menschenkenntniß! Patriotischer
Verein! Fürwahr das Kammergericht hat sich auf meine innersten Gedanken verstanden, denn
beschämt muß ich gestehen, daß ich den Patriotismus des Richterkollegiums und der
Staatsanwaltschaft nicht im mindesten besitze! Nein, ich bin kein specifischer Preuße,
ich habe keinen Landesherrnpatriotismus von 1813, der sich mit Versprechungen 35 Jahre
hinziehen läßt, ich bin kein Patriot mit Gott für König und Vaterland, ich bin kein
Patriot für die Nationalkokarde, seit man sie schwarz auf weiß den Menschen einätzt, um
sie zu Preußen zu stempeln, seit man die Menschen wie Schaafe scheert, ich bin kein
Patriot für alle verschwägerten Souverainetäten, kein Patriot für die Regierungen, die
den Freiheitsdurst ihrer Völker mit Blut ersticken, aber ich fühle so etwas
Entschlossenheit in mir, wo es sich um die Freiheit und Selbstständigkeit eines Volkes
handelt, Gut und Blut daranzusetzen, und sollten mir 100 Nationalkokarden abgesprochen
werden! Meine Herren, es sitzen in der Nationalversammlung Männer, die an den Barrikaden
gestanden haben, andere, die mit Leib und Seele für dieselben eingenommen sind, es ist
endlich ein ganzes Volk, das die Revolution oder eigentlich die Emeute begrüßte. Ist das
nicht offenbar Majestätsbeleidigung, ja Hochverrath, zeigt das nicht Mangel an
potriotischer Gesinnung nach der Kabinetsordre von 1813? Und doch wählen die Einen, die
Andern vereinbaren. Wo bleibt die Konsequenz? Kann die Amnestie zu Patrioten machen?
Nein, ich rathe dem Kammergericht, ganz Preußen in ein Gefängniß zu bringen, die
Nationalkokarden allen Bewohnern abzufordern, und den Russen die Bewachung und die
Staatsbürgerrechte anzuvertrauen, das würde die Konsequenz sein, und wer weiß, wie das
Kammergericht diesen Vorschlag aufnimmt.
Und auf welche Anklage bin ich verurtheilt? Wie kläglich holperten die Worte des
Staatsanwalts durcheinander, wie unzugänglich war die Deduction! Er bewies nicht, daß
eine Majestätsbeleidigung in dem Flugblatte wäre, nein, es bewies überhaupt nichts, und
den besten Ausdruck, den er gebrauchte, war: der König ist sacrosanct. Hätte der
Staatsanwalt etwas Geschichte inne, so würde er erkennen, wie müßig und inhaltslos diese
Doctrin ist, und seine lahme Rede nicht durch ein so ungeheures Pathos geschmückt haben,
denn er muß wissen, daß der sacrosancte Karl I. und Ludwig XVI. hingerichtet sind, und
der sacrosancte Loxis Philipp nach der Vossischen Zeitung fortgejagt ist. Der
Staatsanwalt hat sich aber noch öfter versehen, er hat meine Jugend als Minderungsgrund
und die Verbreitung durch die Presse als Schärfungsgrund betrachtet. Dadurch hat er
wieder nichts bewiesen, als erstens, daß ich auf dem Boden der jungen Zeit und er auf
dem Boden des alten Landrechts stehet; zweitens, das er nicht weiß, daß ein Preßvergehen
ein Preßvergehen ist, sondern eigenmächtig die Majestätsbeleidigung mit 2 Jahren, die
freie Presse mit 6 Monaten bestraft haben will. Ich muß gestehen, ich glaubte, der Herr
Staatsanwalt wollte letzthin das Richterkollegium durch seine Anklage persifliren, wo
nicht sich selber, aber ich wurde enttäuscht durch die feierliche Miene des Präsidenten
Nikolovius à la Alba, der Staatsanwalt sprach und das Capitolium war gerettet, wie in
den guten römischen Zeiten.
Man wird aber das Urtheil noch klarer durchschauen, wenn man bedenkt, daß nicht einmal
eine Majestätsbeleidigung im Sinne des alten Systems darin liegt. Denn ich habe es
neulich erklärt, und muß es abermals wiederholen, ich habe nicht im Mindesten Friedrich
Wilhelm IV. erwähnt, sondern ich habe Züge eines ungenannten Königs auf mich übertragen,
und von meinem Standpunkte aus geurtheilt, wie ich in meiner Person, wenn ich so und so
handeln würde, diese Handlungen nemen würde, und was ich ferner thun würde, wollte ich
mir die Lieb des Volkes erwerben.
Denn wenn ich nicht meine Person, sondern den König im Auge gehabt hätte, so würde der
drekte Sinn heißen müssen: Ich Endesunterzeichneter nenne das bisherige Verfahren des
Königs so und so und wünsche, oder gebe ihm den Rath, die Nationalversammlung aufzulösen
und bald abzudanken. Meine Herren! das ist nun ganz und gar nicht meine Ansicht, wollte
der König die Nationalversammlung auflösen, ich wäre der Erste,
der sie mit beschützte, wollte der König abdanken, ich würde es bedauern; denn unter einem anderen Regenten könnte sich das Königthum noch lange
halten. Behauptet nun das Kammergericht trotz dem, daß ich des Königs Weg
schmachvoll genannt habe, so begeht es in Gedanken und in Worten eine
Majestätsbeleidigung, denn es stützt seine Behauptung unfehlbar auf seine Ansicht, daß
in den Prädikaten also auch in dem Worte„schmachvoll“ die Person des Königs nicht zu
verkennen sei. Der Staatsanwalt möge pflichtgemäß dieses Verbrechen verfolgen!
Aber auch darauf muß ich zurückkommen, daß ich nur unter der Bedingung, daß ich König
wäre, diese Worte gesagt habe, daß die Bedingung nicht eintrifft, also der Folgesatz
fällt. Man wird mir das Gesetz entgegenhalten, daß auch die bedingten
Majestätsbeleidigungen Verbrechen sind. Ich antworte, die Herren sind dennoch im
Irrthum, sie würden Recht haben, wenn im Vordersatz und Nachsatz die Person des Königs
Subject wäre, d. h. wenn ich den König beleidigte, unter der Voraussetzung, daß der
König etwas thäte, u. s. w. wenn ich sagte, der Weg des Königs ist schmachvoll, im Fall
er seine Versprechungen nicht erfüllt. Ganz Anders ist es hier, und ich mache die Herren
auf die Consequenz dieses Falles aufmerksam. Denn hätte ich gesagt, wenn ich ein König
wäre, der sein Volk vierzehn Stunden lang in der unseligsten Verblendung beschießen
ließ, so würde ich ein Pistol nehmen und mich erschießen, hätte ich also gesprochen, so
könnte man mich nach derselben Auslegung des Gesetzes wegen gedrohten Königsmordes
bestrafen; der Vergleich liegt auf der Hand.
Während nun die alte Regierung bereits die Unzulänglichkeit des 20. Titels und des §
199 in dem, dem Landtags-Ausschuß vorgelegten Strafgesetz-Entwurf aussprach, während die
Verfassungskommission dasselbe bereits gethan hat, indem sie deshalb ein provisorisches
Preßgesetz vorlegen will, weil selbst für den Augenblick das Strafrecht ein Ausdruck der
Barbarei ist, hält sich das Kammergericht für verpflichtet, allein diese Gesetze noch
aufrecht zu erhalten. Ich ziehe zum Schluß noch die Folge aus diesen Worten: es war eine traurige und voreilige Forderung, als das Volk
Unabsetzbarkeit der Richter verlangte, ohne die Spreu von dem Waizen zu
sondern.
Ich habe nun nicht gesprochen, um die Nationalkokarde wieder zu erlangen, dann die
Herren werden wissen, daß die Verfassungs-Kommission die Abschaffung des bürgerlichen
Todes beantragt, ich spreche auch nicht für meine Freiheit, denn ich bedaure, daß das
Kammergericht nicht um seiner selbst willen auf 4 Jahre erkannt hat, wohl aber wollte
ich beweisen, wie gewissenhaft das Kammergericht die Ehre, die Rechte, die Freiheit
eines Staatsbürgers, dessen Tendenzen ihm mißliebig sind, gegen einige außer Cours
gesetzte Staatspapiere, als da sind Landrechts-Paragraphen und Kabinetsordren,
veräußert. Es scheint, als wollten die Herren noch einmal ein glänzendes Geschäft
abschließen, ehe die neue Verfassung ihrer Firma va banque sagt. ‒“
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@facs | 0258 |
[103] Berlin, 19. Juli.
Das Handelsministerium der That geht auch mit großen Maßregeln schwanger. Die
Elberfelder Fabrikanten drängen zur That, sie umlagern den Handelsminister, ihren
frühern Geschäftsfreund und Gesinnungsgenossen, sie verlangen von ihm
Retorsionsmaßregeln gegen Frankreich, welches die Ausfuhrprämien auf alle
Manufakturwaaren erhöhet hat; sie erinnern ihn an seine früher ausgesprochenen Ideen,
wie Handel und Industrie bis in den Himmel zu erheben seien. Die reichen Fabrikanten,
sie verlangen ja nichts für sich, nur für die armen Arbeiter, denen sie Beschäftigung
schaffen wollen. Aber es sind noch einige Geheimräthe und Direktoren im
Handelsministerium, die Herrn Milde schnurstracks gegenüber treten und für die
Handelsfreiheit schwärmen.
Die gefürchteten Tage vom 15. bis 19. Juli sind nun ruhig und ohne die mindeste Störung
vorübergegangen. Der Kommandant der Stadt Berlin und das interimistische Kommando der
Bürgerwehr hatten alle Anstalten getroffen, um jeder Unordnung kräftig entgegenzutreten.
Diese Maßregeln waren so getroffen, daß äußerlich davon nichts sichtbar war. Aber alle
Truppen in und um Berlin und ein großer Theil der Bürgerwehr, war immerwährend
konsignirt und schlag- und schußfertig. ‒ Als die Beurtheilung des Zeughausprozesses
keinen Ausbruch zu Wege brachte, hoffte die Reaktion viel von dem Einhängen der Gitter
im Schloßportale. Nur von dieser Partei können die Karten ausgegangen sein, die am
Montag den Arbeitern am Landwehrgraben zugeschickt wurden, mittelst welcher man sie
aufforderte, sich am Dienstag „tapfer“ zu halten. Ebenso sprengte die Reaktion, diesmal
die aufwiegelnde Partei, das Gerücht aus, daß viele hundert Polen hier ankommen würden.
Die demokratische Partei durchblickte das ganze abscheuliche Gewebe frühzeitig und
ermahnte stets zur Ruhe. Die Zeit der Thätigkeit wird schon heranrücken.
Unsere Konstabler oder Schutzwachen, wie man sie benennen will,
werden binnen einigen Tagen in's Leben treten. Fünf Hundert sollen bereits eingekleidet
sein. Wir sind begierig, wie sie sich benehmen werden. Sie hatten übrigens gute Lehrer
an der Bürgerwehr.
Der„Krakehler“ eines der hiesigen Witzblätter, äußert sich
folgendermaßen: Das Ministerium thut gut, daß es sich einen Rosenkranz anschafft, denn einen Lorbeerkranz ‒ würde es
doch nie bekommen.
Die Verfassungs-Kommission hat sich, mit kleiner Majorität, für das aufschiebende königliche Veto entschieden.
Der demokratisch gesinnte Postsekretär Hayn, der wegen seiner Reise zum Frankfurter
demokratischen Kongreß in eine Disziplinar-Untersuchung verwickelt wurde, hat heute den
Befehl erhalten, sich binnen 24 Stunden nach Heiligenstadt zu begeben, im
Postsekretariat daselbst einzutreten und dort das Ende seiner Untersuchung abzuwarten.
Es ist hierbei zu bemerken, daß der Postmeister in Heiligenstadt noch einer derjenigen
ist, die mit Gott für König und Vaterland gefochten haben.
Die fliegenden Korps, sehr besorgt um ihre Existenz, haben in ihrer letzten Versammlung
berathen, wie man die Auflösung derselben unmöglich mache und eine Kommission ernannt,
welche die desfallsigen Vorlagen zu machen habe. Die Kommission hat ihren Bericht dahin
abgegeben, daß, wenn man die fliegenden Korps der Handwerker, Studenten, Künstler und
Kaufleute aufheben wolle, man Seitens dieser Korps sich mit einer Einverleibung in die
Bürgerwehr unter der Bedingung, daß auch die Scharfschützen, die Bürgerwehr-Kavallerie
und die Schützengilde als besondere Abtheilungen der Bürgerwehr zu existiren aufhören,
zufrieden geben möge.
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@facs | 0258 |
[18]Berlin, 19. Juli.
Hr. Rektor Müller tritt heute in der Vossischen mit schwerem Geschütz gegen die
außerordentlichen Professoren und Privatdozenten auf, die sich erfrecht haben, gleiches
Stimmrecht mit den ordentlichen Professoren bei den Berathungen in Anspruch zu nehmen.
Solchen Forderungen fehle es an der „tieferen, sittlichen Begründung;“ übrigens könnten
jene Querulanten sich nicht als Vertreter der gesammten außerordentlichen Professoren
und Privatdozenten ansehen, (die Zahl derselben beträgt 113) da in ihrer Versammlung nur
ein Fünftel gegenwärtig gewesen. Ganz so wie das alte Regime; das sagte auch zur
Opposition : Ihr seid nur in der Minderzahl, mein Volk im Ganzen ist gut und brav, es
verabscheut Euer Treiben!
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@facs | 0258 |
[*] Berlin, 18, Juli.
Der Kriegsminister sucht, wie es heißt, auf alle Weise die beiden Garderegimenter
wieder hierherzuziehen; die Gardedragoner und das 2. Garderegiment zu Fuß. Diese haben
am 18. März am ärgsten gewüthet und tragen den meisten Haß des Volks. Bei der
Erbitterung gegen jene Regimenter wäre es unverantwortlich, wollte man so geflissentlich
neue Gewaltscenen herbeiführen.
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@facs | 0258 |
Posen, 17. Juli.
Vor einiger Zeit berichtete die Pos. Deutsche Zeitung, daß sämmtliche politische
Gefangene aus dem letzten Aufstande in Freiheit gesetzt seien. Da diese Nachricht in
mehrere andere Blätter übergegangen ist, so bedarf sie in sofern einer thatsächlichen
Berichtigung, als sie leicht dazu dienen könnte, das Publikum über das Schicksal Ludwig
Mieroslawski′s zu täuschen. Bekanntlich ist derselbe nach
abgeschlossener Konvention von einem Husaren-Kommando in dem Augenblicke verhaftet
worden, als er sich, laut Uebereinkunft, zur Reise nach Frankreich anschickte. Man hielt
es damals allgemein für ein Mißverständniß, da es doch Jedem bekannt war, daß er vom
General v. Pfuel das Versprechen eines freien Abzugs und einen Paß erhalten hatte. Seit
jener Zeit sind nun schon mehr denn zwei Monate verflossen, und Mieroslawski schmachtet
noch immer hinter den Gittern der Festung. Von Natur kränklich, hat er während der
zweijährigen Haft in Berlin so gelitten, daß sein jetziger Gesundheitszustand nach
Aussage des ihn behandelnden Arztes, die größten Besorgnisse erregt, falls er noch
länger in den Festungsmauern festgehalten würde. Ein hier ansässiger Bürger hat daher um
die Erlaubniß nachgesucht, Mieroslawski in seinem Hause pflegen zu können; bis jetzt ist
aber diesem Gesuch nicht nachgegeben worden.
[(B. Z. H.)]
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@type | jArticle |
@facs | 0258 |
[119] Schrimm (bei Posen), 13. Juli.
Der heutige Tag schien wieder unruhig werden zu wollen. Um 10 Uhr des Morgens hatte
sich das Gerücht verbreitet, am Walde hätten die Sensenmänner en masse ein Lager
aufgeschlagen. Das hiesige Militär rückte muthiger, wie früher, zur Stadt hinaus; es
traf auch wirklich auf den Haufen Sensenmänner. Diese waren aber friedliche Landleute
aus dem nächsten Dorfe und bereits im hitzigen Kampfe mit dem Getreide. Das Militär,
vielleicht durch das Gerücht eines Juden getäuscht, kehrte ganz ruhig nach der Stadt.‒
Die Verhaftungen hören jetzt schon etwas auf. Die Gefangenen, diese großen Verbrecher,
werden entlassen. Der Dechant Rybycki aus Santomysl ist vor acht Tagen in großer
Prozession von seiner polnischen Gemeinde, bei der Rückkehr aus der Gefangenschaft,
eingeholt; nicht weniger feierlich sind die katholischen Geistlichen aus Jezewo und
Moschin von ihren Pfarreien begrüßt worden. Seit der Schlacht bei Xions, 1 1/2 Meilen
von hier, wo sich damals das polnische Lager, vom General v. Willisen auf 600 Mann
vermindert, befand, und welches von 4000 Preußen, trotz der Konvention, angegriffen und
siegreich vernichtet wurde, ist Schrimm zum Lazareth umgewandelt. 130 verwundete Polen
wurden in dem Klostergebäude auf der Altstadt untergebracht. Die 80 Mann, welche
preußischerseits Wunden erhielten, werden im Klostergebäude in der Stadt verpflegt. Aus
dem polnischen Lazareth sind (bis auf 40 noch Kranke, 18 sind gestorben) die meisten
gesund entlassen worden. Die polnischen Damen beweisen sich bei dem Verpflegen der
Kranken sehr thätig; besonders die Gräfin Emilie Szczaniecka ebenfalls die 3 Herren
Aerzte aus Posen: Kunow, Matecki und Brawacki. Vor drei Wochen wurden zwei ziemlich
stark Verwundete, wovon der eine Wladomir Jomicki heißt, aus dem Lazareth nach Posen
eskortirt. Dergleichen Eskorten geschahen hier aus der Umgegend täglich, zuweilen
zweimal des Tags. Es durfte nur ein Jude, oder sonst ein verkappter Polizist eine
Anzeige machen: der oder jener habe Theil genommen, so wurde er alsbald mit Kolbenstößen
nach Posen begleitet. Man wollte davon gar nichts wissen, daß die polnischen Comite′s
legal waren, überall mit Wissen der Ortsbehörde, sich gestalteten, für Ruhe und
Sicherheit der Person und des Eigenthums sorgten: man traktirte den Polen überall mit
dem Namen: polnischer Hund! Statt guten Morgen oder guten Abend zu erwiedern, spie man
dem Polen in 's Gesicht. Als man vor einem Monat den Pfarrer Ostrowski aus Gostyn und
zwei Laienbrüder aus dem Philippiner Kloster bei Gostyn hierher brachte, wurden sie vor
dem Rathhause von den Soldaten und den jüdisch-deutschen Bewohnern der Stadt, in
Gegenwart der Herren Offiziere und der wohllöblichen Ortsbehörde, mit Anspeien begrüßt.
Es war grauenvoll anzusehen. Man konnte es den Geistlichen nicht verzeihen, daß sie bei
Miloslaw den auf dem Kampfplatze sterbenden Soldaten die Sakramente zu ertheilen
anfingen, weshalb sie auch von preußischen Soldaten sehr mißhandelt wurden. In Beck ist
Vikarius Bilski in seiner Wohnung mit drei Kugeln erschossen worden. In Alt-Löbau bei
Lissa hat man den katholischen Geistlichen mitten in der Nacht aus der Wohnung gejagt,
während die Revision nach Waffen stattfand. Die Kirchen und Gräber wurden nicht
verschont, Kruzifixe und Heiligenbilder mit Hohn und Spott behandelt. In Ostrowo sagte
man zu dem Bilde der Jungfrau Maria: rette dich und deine Polen! In Alt-Löbau reichte
man dem Bilde des Johann von Nepomuk Kommißbrodt. In Schrimm hat man im preußischen
Lazareth im Kreuzgange des Klostergebäudes das Kreuz, welches die Leute beim Herausgehen
aus der Kirche küssen, mit grauer Seife bestrichen. Das können bezeugen: die Wächterfrau
Schnurra und die Küsterfrau. Der hiesige (jüngere) Geistliche Slowinski war nahe daran,
ermordet zu werden. Der Tischlermeister Hoffmann hatte schon sein Gewehr geladen, um ihn
beim Vorübergehen zu erschießen. Blos das frühere durch Unvorsichtigkeit herbeigeführte
Losgehen des Gewehres hinderte die Ausführung. Zeugen sind: sein Wirth, Junkrowski und
der Ofenfabrikant Knoblauch. Die polnischen Bürger sahen sich genöthigt, ihren
Geistlichen zu bewachen, um ihn vor feindlichen Angriffen zu schützen. Der nämliche
Geistliche hielt bei dem zu Ehren der in Berlin an den Barrikaden gefallenen
Freiheitskämpfer in der hiesigen Pfarrkirche veranstalteten Gottesdienste eine deutsche
Rede, in der er unter Anderem sagte: Deutschland war es, das bei der schmachvollen
Theilung Polens mitgeholfen; Deutschland ist es jetzt, welches den zerstreuten Polen die
Thore zur Rückkehr in's Vaterland öffnet. Mögen die Namen der Berliner Freiheitskämpfer
mit goldenen Buchstaben der Nachwelt aufbewahrt werden und möge die Scheidewand zwischen
Deutschen und Polen von jetzt ab auf immer in Trümmer sinken.
Als die Soldateska auch hier ihr Spiel auf's höchste trieb, jeden friedlichen Bürger
vor seinem Hause oder beim Vorübergehen mit Kolbenstößen willkommen hieß, dem
Tischlermeister Klacrynski vor dem Fenster des Gerichtsraths Herrn Styrle und vor den
Augen der Herren Offiziere im Hotel de Rome vier Wunden in den Kopf beibrachte; die
Bürger Fligierski, Gruszczynski, Szymanski und noch andere mit Hieben und Prügeln
traktirte, den Bürger Adalbert Stajeski in seiner Wohnung am Tische beim Essen so mit
Schlägen überhäufte, daß seine Tochter in der Verzweiflung den ihr zunächst stehenden
Kessel ergriff und ihn an den Köpfen der drei Mörder ihres Vaters zerschmetterte: da
schien es dem friedlichen polnischen Bürger an Geduld zu fehlen. Die Herren Offiziere
sahen ganz ruhig dem Unwesen zu, keine Klage hat geholfen, die Verzweiflung trieb einen
Polen zu der Sturmglocke, das Volk strömte haufenweise mit Waffen aller Art aus der
Nachbarschaft von allen Seiten zusammen, das Militär, ein Bataillon Füsiliere vom 7.
Regiment, setzte sich jetzt zum Kampfe in Bereitschaft. Der Kampf sollte nun beginnen.
Da nahm der jüngere Geistliche, obgleich bettlägrig, seine letzten Kräfte zusam-
[0259]
men, ging dem Volke entgegen, und es gelang ihm, dasselbe durch Ermahnungen
und Zureden zu beruhigen. Er allein war auch nur im Stande, das auf den Dörfern über die
Soldaten empörte Volk zum Rückzuge zu bewegen. Das Blutbad wäre furchtbar geworden. Man
muß bedenken, daß die hiesige katholische Pfarrei allein über 6000 Seelen zählt und die
Sturmglocke wurde auch in den Nachbarkirchen geläutet. Das Militär mußte die ganze Nacht
bivouaquiren. Zum Arsenal wurden etliche beim Militär befindliche Polen beordert. Diese
fingen in der Nacht an, das polnische Lied: Zu Dir, o Herr! flehen wir u. s. w. zu
singen. Dem Major gefiel das gar nicht; er eilte herbei und sagte: Kerle, singt doch
nicht solche Bettellieder, hier habt ihr einen Thaler auf Schnaps, und singt lieber:
Schier dreißig Jahre bist du alt, hast manchen Sturm erlebt!‒ Man wartet hier mit
Sehnsucht auf günstige Beschlüsse der Nationalversammlung zu Berlin; aber Hoffen und
Harren macht die Polen noch immer zu Narren. Das liebenswürdige (!) Ministerium und die
Rechte der Vereinbarungskammer und die furchtbaren (!) Reden des Abgeordneten Bauer aus
Krotoschin, sowie des Abgeordneten Bußmann aus Gnesen machen freilich den Polen wenig
Hoffnung; aber ein herzlicher Dank sei der Linken und zum Theil dem Centrum von dem
unglücklichen, verrathenen, gemordeten und geprügelten Volke für das letzthin in der
Vereinbarungskammer dargelegte Gerechtigkeitsgefühl hiermit ausgesprochen.
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@facs | 0259 |
Worms, 16. Juli.
Gestern Abend haben hier Unruhen stattgefunden. Es wurde nämlich der vierte Wagen mit
gefesselten gefangenen Freischärlern hierher gebracht, um den anderen Tag weiter
transportirt zu werden. Das Volk, durch den traurigen Anblick der drei früheren Wagen
bereits heftig bewegt, sprach bei Ankunft des vierten davon, die Gefangenen, vor deren
Aufbewahrungsort sich große Massen gesammelt hatten, zu befreien. Der Kreisrath
requirirte nun ein Delachement Soldaten statt Bürgerwehr zur Bewachung des Gefängnisses,
und erregte vollends den Unwillen des Volkes. Es ertönte der Ruf: „Bürgerwehr heraus!“
Ein Theil derselben nebst der Turner-Kompagnie erschien und es wurde nun nochmals
nachdrücklich der Abzug des Militärs von dem der Stadt gehörigen und deshalb nur von
Bürgerwehr zu schützenden Gebäude verlangt, welche auch endlich erfolgte. Die Wache
wurde der Bürgerwehr übergeben. Gegen 12 Uhr verlief sich die Masse; nachdem noch Geld
zur Unterstützung der Freischärler gesammelt worden war.
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@facs | 0259 |
[*] Speyer, 18. Juli.
Das geknechtete Deutschland wurde mit Rothstift, das befreite, souveräne deutsche Volk
wird mit dem Säbel zensirt. Das ist unsere Errungenschaft auf „breitester demokratischer
Grundlage.“ Dieses modernste Censurwesen wird, wo möglich noch einen größern Auffschwung
nehmen, sobald die Vermehrung des stehenden Heeres im „einigen und freien“ Deutschland
durch 2 Proz. von der gesammten Bevölkerung und die Ernährung des hinzukommenden
Ueberschusses durch 100 Millionen Tblr. neuer Steuern zu Stande gebracht ist. Doch
kommen wir auf die neue Censur zurück! Im Schaufenster einer hiesigen Buchhandlung hing
das Bildniß Heckers. Eine Masse Soldaten, klug aufgereizt, und angefeuert, solche
Missethat nicht zu dulden schlugen gestern Abend nicht blos die betreffenden Fenster
ein, sondern hieben auch tapfer auf Civilisten los. Nachdem Einige der letzteren
verwundet wurden und die Aufregung stieg, kamen einige der Herren Offiziere herbei
redeten ihnen zu und bewogen sie nach Hause zu gehen. Das gelang ihnen, so daß um 10 Uhr
die Straßen ziemlich ruhig waren. Ich brauche Ihnen wohl kaum zu bemerken, daß nach der
modernsten Redensart„eine strenge Untersuchung“ eingeleitet werden soll.
Nach den neuesten Berichten italienischer Blätter läßt Se. bombardirende Majestät in
Neapel ganz auf dieselbe Weise die bewaffnete Censur auf schlagende Weise ausüben. Die
blos streichende hat sich überlebt.
Dieses noblen Gewerbes zum Vorschein. Ein neues Beispiel davon liefert die „Fr. O. P.
A. Z.“ in folgendem Artikel:
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@facs | 0259 |
Freiburg, 17. Juli,
Abends 10. Uhr.
So eben haben wir einen kleinen Militärtumult gehabt, indem sich würtembergische
Soldaten vor einem Antiquariatsladen sammelten und Miene machten, denselben zu
zerstören, weil am Fenster ein gegen sie gerichtetes Schmähgedicht ausgesteckt war.
General Baumbach erschien aber bald auf dem Platze, um die Soldaten zu beschwichtigen,
was ihm auch gelang. Indessen vermehrte sich die Zahl der Zuschauer. Nun rief die
Trommel die Soldaten auf die Sammelplätze, wo ihnen abermals ruhiges Verhalten empfohlen
wurde, was jedoch nichts half, indem sie schnell wieder dahin sich begaben, wo man sie
muthwillig zu reizen sich bemüht hatte. Die Läden wurden aufgerissen, die Fenster
zertrümmert und das Schmachgedicht herausgeholt. Den herbeigeeilten Offizieren und dem
Einschreiten der Polizei gelang es endlich die Menge zu zerstreuen. Der Veranlasser des
Tumults, Antiquar Butz, hat sich flüchtig gemacht. Die Würtemberger marschiren morgen
früh um 5 Uhr von hier nach ihrer Heimath.
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@type | jArticle |
@facs | 0259 |
[*] Rendsburg, 16. Juli.
Wie es heißt, hat die provisorische Regierung dem Hauptmann Wobeser, der vom Freikorps
an sie geschickt worden, erklärt, sie werde in eine schmachvolle Auflösung des Korps
nicht willigen; übrigens sei es leicht möglich, daß die Auflösung überhaupt nicht
stattfinde, da der Krieg vielleicht fortgesetzt (?) werde.
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@type | jArticle |
@facs | 0259 |
Rendsburg, 19. Juli.
In der gestrigen Sitzung der schleswig-holsteinischen Stände-Versammlung kam die
Angelegenheit wegen des Waffenstillstandes zur Sprache, Der Kommissar erklärte dabei
unter Anderem: Aus vertraulichen Mittheilungen weiß die provisorische Regierung, daß
zwei Punkte in den Waffenstillstands-Bedingungen zur Frage stehen. Der erste betrifft
das Fortbestehen oder Abtreten der provisorischen Regierung, und
über diesen Punkt habe ich mich bereits dahin ausgesprochen, daß die provisorische
Regierung, so lange sie sich des Vertrauens des schleswig-holsteinischen Volkes
versichert halten darf, nur im Einverständniß mit der Centralgewalt, oder auf
Aufforderung des Reichsverwesers abtreten wird. Der zweite Punkt betrifft die Stellung und das Verhältniß der schleswig-holsteinischen
Truppen, und in Bezug auf diesen Punkt wird die provisorische nie einwilligen, daß dieselben während des Waffenstillstandes ganz oder theilweise
aufgelöst werden, vielmehr erkennt sie es als nothwendig an, daß sie zur
Disposition der Landesregierung gestellt bleiben, welche über ihre Uebungen,
Cantonnements u. dgl. zu bestimmen haben muß. Brackel: Ich
glaube, daß die frühere Erklärung der provisorischen Regierung wegen ihres
Nichtabtretens sowohl in dieser Versammlung, wie im ganzen Lande, die freudigste
Zustimmung gefunden hat. Dieselbe Ueberzeugung hege ich von der eben vernommenen
Erklärung derselben in Betreff der Stellung und des Verhältnisses der
schleswig-holsteinischen Truppen. Ich erlaube mir daher den Antrag zu stellen, daß die
Versammlung durch Aufstehen der provisorischen Regierung ihren Dank für beide
Erklärungen votiren möge. Blome ist dagegen; es wäre
patriotischer von der provisorischen Regierung, wenn sie freiwillig abtrete. (Ungeheurer
Unwillen im Saale wie auf den Tribünen macht sich Luft.) Der Präsident ermahnt zur Ruhe
unter der Drohung, die Sitzung widrigenfalls schließen zu müssen, und bringt dann den
Antrag Brackel's zur Abstimmung, welcher mit 53 Stimmen gegen 13 angenommen wird.
[(Schl. Holst. Z.)]
Französische Republik.
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@type | jArticle |
@facs | 0259 |
[16] Paris, 19. Juli.
Sechs und vierzig Unterpräfekten auf einmal hat der Minister des Innern entsetzt, und
drei; Präfekten; freilich Ledrü-Rollin hatte sie ernannt. Und wie scharfäugig die
Trabanten des Thiers („dessen Geist gleich einer Fackel“: Constitutionnel) sind. Dem
abgesetzten Präfekten Düfraisse vom Indredepartment haben sie nachgeforscht, daß er vor
zwölf Jahren einen Brief an Blanqui's Freund Gay geschrieben und den Guillotinentod des
greisen Morey, der in das Fieschi'sche Attentat auf Louis Philippe verwickelt war, einen
Märtyrertod genannt. Den Präfekten des Aisnedepartements fordert das Thiersjournal
dieser Provinz folgendermaßen heraus: „Er hat öffentlich gesagt, wenn die Arbeiterklasse
jetzt noch ein Mal besiegt wird, so ist es das letzte Mal, und dann kommt die Reihe an
die Bourgeoisklasse; ja, das unerhörte Wort hat er gesagt, er träumt wohl das
provisorische Gouvernement bestehe noch? aber er soll bald seinen Anachronismus bereuen,
und um ihm dahin zu verhelfen denunciren wir ihn bis er uns
denuncirt; die honnetten Bürger dieses Departments haben gelobt, nicht zu ruhen
bis der gefährliche Beamte gestürzt ist, und schicken sofort die mit Unterschriften
beglaubigte Anzeige nach Paris an die Untersuchungs-Kommission der
National-Versammlung.“ Mehrere Souspräfekten im Süden hatten Klubs geleitet, worin über
Theismus und Atheismus diskutirt und votirt ward; obschon der erstere eine (sehr
schmale) Majorität vereinigte, ist der Staatsbeamte kassirt worden. „Wenn wir diesmal
die Arme unterschlagen, ruft L'Avenir National, so ist das wahre
Frankreich verloren; nur dadurch können wir den, ach so theuer! errungenen Sieg
festhalten, daß wir an Energie die frevelhafte (impie) Partei
des Provisoriums übertreffen.“ Dazu wird allerdings nicht viel gehören.‒ Jetzt geht das
Verhaften an die Frauen; mehrere Marketenderinnen sind gestern nachträglich arretirt;
auch Mätressen von Duvriers, die in Mannskleidern Barrikaden bauten und die Sturmglocken
zogen. In der Rue Laharpe arretirte gestern die honnette
Gerechtigkeit ein Weib, welches in den Schlachttagen Kugeln gegossen; die Denunzianten
hatten drei volle Wochen gebraucht. Täglich verpackt und versendet man unhonnette Duvriers in ihre Heimath; nach Paris wird keiner
zugelassen, Viertausend schaffte man nach Bordeaux, worüber das dortige Bourgeoisblatt
Zeter anstimmt und zu „energischem Empfange dieser Herumtreiber“ auffordert, „zumal mindestens zweitausend ganz ohne pecuniäre Unterstützung wären.“
Dasselbe Gironde-Journal predigt wieder Föderalismus, Abschaffung der Zölle (von wegen
der Girondeweine) und schließt mit einem mühseligen historischen Sermon über die Misere
republikanischer Centralisation; nur Henri V. wolle „den Provinzen neues Leben
einhauchen,“ und der Graf von Paris werde „gewiß“ nicht abgeneigt sein in diesem Systeme
des kinderlosen Fürsten dermaleinst fortzufahren. Also Allianz der
Karlisten mit den Philippisten, klar ausgesprochen bei Gelegenheit des
Bordeaurweins.‒ Der Verkehr auf dem Pariser Pflaster ist wieder unbehindert; alle Parks
sind wieder offen; die Räuber, die in dem nämlichen Tunnel der Tuilerien durch den Louis
Philippe entfloh, zusammengestaucht lagen, sind längst „kasematirt,“ und die Bourgeois
promeniren ungestört am Bassin der Goldfischlein. Wohin mit der gefangenen Armee? Diese
Frage wird vom „Avenir National“ in recht nationaler Weise mit dem Vorschlage
beantwortet, diese „Brigands“ vermöge Geldvergütung den Engländern zur Deportation
abzutreten; was Herr Thiers für annoch unnütz erklärt, „da Frankreich die üppig
grünenden Fluren am Oyapok und das paradisische Tropenland Cayenne glücklicherweise
besitze.“ So sprach er sich in den Bureaux aus. Sehr bezeichnend ist, daß seit Juni
keine der in den Bureau-Kommissionen gehaltenen Reden mehr in voller
Ausdehnung gedruckt werden darf; Lamartine hatte die seinige publicirt und mußte
dafür publike Abbitte leisten. ‒ Der Enthusiasmus der französischen Bourgeois für „das
biedere, gesetzmäßig strebende“ Deutschland wächst rührend seit der Wahl des
Reichsverwesers; im traulichen Zirkel der Rue Poitiers ist bereits eine Spezial-Adresse
an „den würdigen Greis“ angeregt worden, „dessen Avenement mit dem brillanten Junisiege
merveilleuser Weise zusammentreffe.“ Diese Machiavellisten der Rue Poitiers, lauter
glatzhäuptige wackelige Messieurs „in dem besten Mannesalter,“ nennen sich in vollem
Ernst „die jungen Politiker.“ Thiers hatte bekanntlich im März geäußert, ihn ekele
Europa an und er wolle nach Amerika wandern; da besuchte ihn Barrot (trotzdem daß dessen
Frau gesagt: ich sähe meinen Mann lieber mit einer Straßendirne als mit Herrn Thiers,)
und beschwor ihn das Vaterland zu retten. Endlich rief der kleine Held: „ja, die
Jakobiner haben uns die Regentschaft [#], wir können ihnen noch einmal ihre Republik
konfisziren, „ und sie setzen sich rüstig ans noble Werk.
‒ Der Schluß der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung war außerordentlich
stürmisch. Der Sturz des Kriegsministers, Lamoricière, hing an Einem Haare. An der
Tagesordnung war bekanntlich der kostenfreie Besuch in den
Polytechnischen- und Militärschulen, den die sogenannten Moderirten, mit ihren
Feldwebeln Baraguey d'Hilliers, L'Espinasse etc. an der Spitze, durchaus nicht zugeben
wollten, weil dadurch alle Welt Zutritt erhielte und ein solcher Zulauf zu sehr
demokratisire. Die alte Exekutivgewalt hatte den Plan gefaßt, Jedermann den Zutritt
gratis zu gestatten; Lamoricière hatte diesen Plan zu dem seinigen gemacht und der
Kriegsausschuß verlangte durch sein Organ Tredern zunächst die Summe von 214,550
Franken, um am 1. Okt. 1848 in die Schulen Ecole polytechnique und Ecole de St. Cyr eine
größere Zahl aufzunehmen. Der Antrag auf vollständige Kostenfreiheit wurde daher von
allen Anhängern des alten Regime benutzt, um die Republik in der Person Lamoricières zu
bekämpfen. Lamoricière hielt indessen am Antrage fest und machte Miene, diese scheinbare
Kleinigkeit zur Kabinetsfrage zu erheben. Er sagte, es käme ihm nicht auf sofortige Zulassung aller Befähigten an und man könne sie
seinetwegen bis zum Neujahr 1850 verschieben; allein er halte am Prinzipe fest und
protestire gegen jede Vertagung, die einer Niederlage gleichsehe. Man schritt zur
Abstimmung. Zweifelhaftes Resultat. Das Votum per Devision wird verlangt. Zum Unglück
liegen aber keine Stimmzettel auf den Bänken und man muß zum geheimen Skrutinium
zurückgehen. Das geheime Skrutinium geschieht bekanntlich durch Kugeln, wobei sich
Niemand kompromittirt, während das Votum zur Division die Namen auf jedem Zettel trägt.
Der Lärm und das Geschrei werden entsetzlich. Alle Welt ist dem Ersticken nahe. Unter
diesem Lärmen und Gestikuliren verkündete Vicepräsident Portalis um 71/4 Uhr endlich das
Resultat der Abstimmung.
[0260]
[Spaltenumbruch]
Für Lamoriciêre's Antrag stimmten 306, gegen denselben 135. Viele Glieder hatten sich
aus dem Tumult geflüchtet. Man war erstaunt, daß eine so kleine Veranlassung einen
solchen Skandal hervorzurufen im Stande sei.
‒ Nationalversammlung. Sitzung vom 19. Juli. Vicepräsident
Portalis eröffnet dieselbe um 2 1/2 Uhr.
Pean, Pariser Stadtrath und einer der Sekretäre, ergänzt das
vorgelesene Protokoll durch die Erklärung, daß man sich im gestrigen Tumult mit Unrecht
über eine angebliche Verletzung des §. 41 des Reglements (Betreffs der Abstimmung per
Division) wonach jeder Stimmzettel den Namen des Stimmenden tragen soll, beschwert
habe.
Zahlreiche Stimmen: Machen Sie doch Ihren Vorschlag in
gehöriger Ordnung! Deponiren Sie eine Proposition!
Berard: Die Interpretationen, die man sich gestern Abend
erlaubt habe, seien vollkommen begründet gewesen. Gerade, indem man irgend eine andere
befolgt, sei man in die Irrthümer gefallen, wovon sich der Herr Sekretär bei Zählung der
Stimmzettel am besten überzeugen könnte. (Genug, genug.)
Nach diesem Vorpostengefecht schritt die Versammlung zur Präsidentenwahl, einem Akt,
der sich öfter zu erneuern scheint, obgleich ihn das Reglement nur auf bestimmte Zeit
festsetzt.
Während die zeitraubende Operation der Stimmzettelsonderung vertheilten der Huissiers
den Pougeaud'schen Vorschlag auf Ersetzung der 45 Centimen Steuer durch eine
Nationalanleihe von 200 Millionen. Ferner erfuhren wir, daß der Ausschuß des Innern die
ministeriellen Preßgesetzentwürfe mit 10 gegen 5 Stimmen
genehmigt habe. Die Kaution ist gebilligt, ebenso der lange Strafkoder, der den zweiten
Theil des liebenswürdigen Entwurfs bildet. Um 3 3/4 Uhr verkündete der Vicepräsident
folgendes Resultat. Zahl der Stimmenden: 781; absolute Majorität: 391; Es erhielten
Marrast 386, Lacrosse 341, Bac 37 Stimmen. Da die erforderliche Majorität nicht erreicht
wurde; so mußte das Skrutin wiederholt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Marrast
die Bac'schen 37 Stimmen erhält, und die Rue de Poitiers besiegt wird.
‒ Die Nationalversammlung schreitet heute zur Wahl eines neuen Präsidenten.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß Marrast den Sieg davon trägt. Der Institut - und
Palais Erroyalklub stimmen wie Ein Mann für ihn. Er dünkt den Demokraten immer noch
besser, als die Kandidaten der Rue de Poiciers, unter denen Lacrosse, Sohn des
Viceadmirals gleiches Namens und ein Doktrinär aus dem wailand Centre Gauche,
obenansteht. Lacrosse war bisher Vicepräsident der Versammlung.
@type | jAnnouncements |
@facs | 0260 |
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 21. Juli 1848.
Angekommen: Joh. Acker und Joh. Kiefer von Mainz.
Abgefahren: Joh. Budberg nach Duisburg.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. Jak. Schaaff; nach
Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr A. Meyer; nach Andernach und Neuwied A. Boecking, D.
Wiebel; nach Koblenz und der Mosel und Saar M. Schlägel; nach der Mosel, nach Trier und
der Saar N. Bayer; nach Mainz Bal. Pfaff; nach dem Niedermain Fr. Gerling; nach dem
Mittel- und Obermain C. Hegewein; nach Heilbronn Fr. Schmidt; nach Kannstadt und
Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim W. C. Müller.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. v. Emster, Köln Nr. 26. Ferner:
Nach Amsterdam Kapt. Kaefs, Köln Nr. 2.
Wasserstand
Köln, am 21. Juli. Rheinhöhe 10′ 2″
Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
17. Juli. Jakob, S. v. Kaspar Haas, Faßbinder, Follerstraße. ‒ Apol., T. v. Joh.
Zündorf, Maurer, kl. Griechenmarkt. ‒ Engelb. Jos. Hub., S. v. Philipp Heinel,
Holzhändler, Severinstraße. ‒ Joh. Pet Wilh., S. v. Joh. Wilh. Zistig, Spezereihändler,
Komödienstr. ‒ Anna Kath. Huberta, T. v. Heinrich Dahlen, Wirth, Rheinfeldergasse. ‒
Marie, T. v. Kasp. Lützenkirchen, Buchbinder, Perlenpfuhl. ‒ Joh., S. v. Ludwig Bauduin,
Anstreicher, Glockengasse. ‒ Karl, S. v. Wilh. Wagner, Maurer, Biberstraße. ‒ Wilh.
Hub., S. v. Peter Roland, Speisewirth, Severinstraße. ‒ Jos., S. v. Ferdinand Dietz,
Schreinermeister, Kämmergasse
18. Juli. Friedr. Arnold, S. v. Karl Friedr. Alb. Labs, Bäcker, Nächelsgasse. ‒ Anna
Kath., T. v. Joh. Loebenstein, Kutscher, Dominikanern. ‒ Klara Hubertine Kolumba, T. v.
Joh. Herm. Jos. Meinerzhagen, Bleidosenfabrikant, Pützgasse. ‒ Ther. Fried. Charl.
Karol., T. v. Alb. Herm. Leop. Wilh. Senff, Kfm., Marzellenstraße. ‒ Christian, S. v.
Bert. Bosgard, Schlossergeselle, gr. Griechenmarkt. ‒ Ernestine, T. v. Joh. Phil. Jakob
Schnitzler, Dampfbootheizer, Weißbüttgasse. ‒ Sophie, T. v. Joh. Wünsch, Fuhrmann,
Gereonswall. ‒ Joh., S. v. Adam Schneider, Maurer, alte Mauer am Bach ‒ Laura, T. v.
Joh. Jos. Klütsch, Eisenbahnfaktor, Plankgasse. ‒ Joh., S. v. Joh. Schrein, Handelsmann,
Maximinstraße. ‒ Ein unehelicher Knabe.
Sterbefälle.
17. Juli. Peter Jos. Claren, Rentner, 64 J. alt, verh. Marsilstein. ‒ Wilh. Hülshof, 1
Jahr 8 M. alt, kl. Spitzengasse. ‒ Apollonia Zündorf, 13 Stunden alt, klein. Griechenm.
‒ Heinr. Schötter, 1 Jahr alt, kl. Griechenmarkt.
18. Juli. Hub. Franck, bald 7 M. alt, kl. Griechenmarkt. ‒ Elis. Koßmann, 1 1/2 J. alt,
Mauritiuswall. ‒ Ein unehel. Knabe.
Inserat.
Bei der heutigen feierlichen Empfangnahme der Domfenstern am Rheine, vermißten wir das
Musikchor unter der Leitung des Hrn. Peters. Auf unser Befragen, warum dieses fehlte,
erhielten wir zur Antwort, daß Hr. P. für die Begleitung Thlr. 15 verlangt und hiervon
nicht habe abgehen wollen, während das Musikchor des Hrn. Herr, wie immer, gegen eine
geringe Vergütung für diejenigen Leute des Chors, deren Verdienst die Musik ist, viel
bescheidener war.
Es ist überhaupt aufgefallen, daß Hr. P., der sich über seine Kollegen erhaben wähnt,
so wenig Sinn für eine Gemeinsache hat und sich jedesmal, z. B. bei Begleitung einer
Kompagnie Bürgerwehrleute, honorisch bezahlen läßt und doch sind die meisten Leute
seines Musikchors Dilettanten.
Die Bürgerwehr versieht ihren Dienst mit Aufopferung mancher Interessen, weshalb soll
dann nicht auch die Kunst zuweilen ihre Zeit opfern, besonders hätte sie heute ihre
finanziellen Interessen opfern sollen, da es sich um eine Ehrensache handelte.
Köln, den 21. Juli.
10 gut erfahrne Stuckatur-Gehülfen werden gesucht. Näheres
Schildergasse Nr. 49.
„Neue Rheinische Zeitung.“
Die 3. Einzahlung von 10 pCt. per Aktie, wird bis zum Mittwoch, den 26. d. M. gegen
Interims-Quittung eingezogen werden.
Köln, den 21. Juli 1848.
H Korff,
Gerant der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
Offener Brief an unsern Mitbürger Schlechter Dichter, dermalen in
Berlin!
An Entschiedenheit und Vaterlandsliebe fehlt es Euch nicht, um aber die längst ersehnte
Freiheit Deutschlands zu begründen, fehlt es Euch an Kraft!
Ich fühle mich deshalb berufen, Euch öffentlich zu erklären, daß ich Eure schönen
Gesinnungen, das Vaterland zu retten, anerkenne, und bereit bin mit meinen
diplomatischen Kenntnissen mit Euch Hand in Hand zu gehen, Euer Vorhaben in Bezug auf
die Feststellung der Reichsverfassung, so wie auf das Wohl der arbeitenden Klasse zum
Ziele zu führen.
Mit Hintenansetzung aller Privat-Interessen und selbst mit Aufopferung meiner theuren
Zeit will ich Euch zur Seite stehen, um mit vereinten Kräften die Wünsche des deutschen
Volkes unverrücktbar festzusetzen. Und so wollen wir dann, wenn es sein muß, als
Märtyrer an die Spitze der Bewegung treten. Zu der Vollbringung unserer Aufgabe wird der
Himmel seinen Segen nicht versagen. Amen!
Deutscher Kleidermacher,Gottf. Effertz,
im Eckhaerlein Pützgasse Nr. 1. an der Post.
NB. Bis dahin empfehle ich mich noch mit diplomatischen Anzügen, deutschen
Einheitshosen und leidenschaftslosen Liebesfräcken, so wie unwiderstehlichen Westen aufs
Beste.
An die keusche Kölnerin!
Ruhe sanft, Du edle Seele, „in dem Schatten eines unerschütterlichen Thrones!“
M. Goldschmidt,
Obenmarspforten Nr. 28
vis-ä-vis Hof-Konditor Mosler
erhielt eine neue Auswahl in Reise-Necessaire für Damen und Herren,
Arbeitskästchen, Thee- und Tabakkasten, empfiehlt sich damit zu den billigsten
Preisen.
Nicht zu übersehen.
Einem verehrten Handelsstande mache ich die ergebene Anzeige, daß ich an der Frohngasse
mit meinem Schiffe „Friedrich Wilhelm“ nach Mannheim und Ludwigshafen in Ladung liege,
und die Baumwoll-, Oel-, Thran und flüssigen Waaren, in Fässer und Kisten zu 20 Kr.,
alle anderen Waaren zu 19 Kr., jedoch Blei und Eisen zu 18 Kreuzer per 50 Kilogramm,
exklusive Oktroi annehme; die Güter, welche nicht an die Frohngasse gebracht werden
können, nehme ich im neuen Hafen an der Reugasse in Empfang.
F. J. Adams.
Ein grauer glatthäriger Jagdhund, braun behangen, langer Ruthe, auf dem Rücken die
Haare etwas abgestoßen, ist entlaufen; wer dessen Aufenthalt anzeigt, erhält eine gute
Belohnung, Buttermarkt Nr. 44.
Das Haus auf dem Altenmarkte 40 ist aus freier Hand zu
verkaufen. Bescheid große Sandkaul Nro. 26.