Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. XVI, 8. Woche, Erfurt (Thüringen), 21. Februar 1744.geschicht, nicht geneigt zu seyn. Sie lassen einen jeden, der etwas Die streitige Dictatur Sache ruhet jetzo gäntzlich, und man Dermahlen machen es Jhro Königl. Maj. von Preussen we- geschicht, nicht geneigt zu seyn. Sie lassen einen jeden, der etwas Die streitige Dictatur Sache ruhet jetzo gäntzlich, und man Dermahlen machen es Jhro Königl. Maj. von Preussen we- <TEI> <text> <body> <div type="jPoliticalNews"> <div type="jArticle"> <p><pb facs="#f0005" n="125"/> geschicht, nicht geneigt zu seyn. Sie lassen einen jeden, der etwas<lb/> mündlich oder schrifftlich vorzubringen hat, vor sich kommen, und<lb/> gewinnen dadurch eine allgemeine Liebe. Man hat bemerckt, daß<lb/> dieser Printz, als nach erfolgter Wahl die Capitularen kamen, und<lb/> ihm nach Gewohnheit kniend die Hand küsseten, von dem Lehn-<lb/> Stuhl, worauf er neben dem hohen Altar saß, tief nieder langte,<lb/> und einem jeden liebreich umarmete. Das Compliment seines<lb/> nechsten Mitwerbers, als er sich großmüthig entschloß abzustehen,<lb/> ist gleichfalls merckwürdig und wohlgesetzt, er sagte: <hi rendition="#fr">Gnädigster<lb/> Herr! indem wir jetzo Ew. Durchl. aufwarten, bringen<lb/> wir Jhnen zugleich 22. Stimmen mit; wir hätten zwar<lb/> Dero Erwählung obstatt halten können, allein die Liebe<lb/> zum Vaterland, und die Sorge, daß dessen uns so werthe<lb/> Ruhe durch Spaltungen gestöhret werden möchte, fürnem-<lb/> lich aber Ew. Durchl. hohe Tugenden haben uns schlüßig<lb/> gemacht diese Beweg Ursachen allen andern Betrachtun-<lb/> gen vorzuziehen. Es ist uns auch mehr als zu wohl be-<lb/> wußt, gnädigster Herr, daß solche Tugenden Dero Durchl.<lb/> Hause angestammet sind, daher wir hoffen dörffen, daß es<lb/> mit uns, so wie mit denen Arbeitern im Weinberg, davon<lb/> die Schrifft redet, ergehen werde, als welche, ob sie schon<lb/> zuletzt kamen, nichts destoweniger gleich den zuerst gekom-<lb/> menen wohl empfangen wurden.</hi> </p><lb/> <p>Die streitige <hi rendition="#aq">Dictatur</hi> Sache ruhet jetzo gäntzlich, und man<lb/> hoffet, es werde noch alles gut ausschlagen, wenn das <hi rendition="#aq">Speravimus</hi><lb/> nicht abermahls betrügt. Jndessen wird von Mayntz berichtet,<lb/> daß Jhro Churfürstl. Gnaden, als unser gnädigster Landes-Herr,<lb/> an Dero Tafel, dem Kayserl. Gesandten, Grafen von Bünau, <hi rendition="#fr">die<lb/> Gesundheit auf baldige Aussöhnung des Kaysers mit der<lb/> Königin von Ungarn</hi> ausgebracht hätten; Jhro Churfürstl. Gna-<lb/> den soll auch zu dem Ende gewisse Vorschläge zum Vergleich ge-<lb/> than haben.</p><lb/> <p>Dermahlen machen es Jhro Königl. Maj. von Preussen we-<lb/> der denen Evangelischen noch Catholischen Geistlichen recht. Denn<lb/> da Höchst-Dieselben den <hi rendition="#aq">Canonicum</hi>, Hrn. Graf von Schaffgotsch,<lb/> zum <hi rendition="#aq">Coadjutor</hi> des Breßlauischen Bischoffs, Cardinals von Sin-<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [125/0005]
geschicht, nicht geneigt zu seyn. Sie lassen einen jeden, der etwas
mündlich oder schrifftlich vorzubringen hat, vor sich kommen, und
gewinnen dadurch eine allgemeine Liebe. Man hat bemerckt, daß
dieser Printz, als nach erfolgter Wahl die Capitularen kamen, und
ihm nach Gewohnheit kniend die Hand küsseten, von dem Lehn-
Stuhl, worauf er neben dem hohen Altar saß, tief nieder langte,
und einem jeden liebreich umarmete. Das Compliment seines
nechsten Mitwerbers, als er sich großmüthig entschloß abzustehen,
ist gleichfalls merckwürdig und wohlgesetzt, er sagte: Gnädigster
Herr! indem wir jetzo Ew. Durchl. aufwarten, bringen
wir Jhnen zugleich 22. Stimmen mit; wir hätten zwar
Dero Erwählung obstatt halten können, allein die Liebe
zum Vaterland, und die Sorge, daß dessen uns so werthe
Ruhe durch Spaltungen gestöhret werden möchte, fürnem-
lich aber Ew. Durchl. hohe Tugenden haben uns schlüßig
gemacht diese Beweg Ursachen allen andern Betrachtun-
gen vorzuziehen. Es ist uns auch mehr als zu wohl be-
wußt, gnädigster Herr, daß solche Tugenden Dero Durchl.
Hause angestammet sind, daher wir hoffen dörffen, daß es
mit uns, so wie mit denen Arbeitern im Weinberg, davon
die Schrifft redet, ergehen werde, als welche, ob sie schon
zuletzt kamen, nichts destoweniger gleich den zuerst gekom-
menen wohl empfangen wurden.
Die streitige Dictatur Sache ruhet jetzo gäntzlich, und man
hoffet, es werde noch alles gut ausschlagen, wenn das Speravimus
nicht abermahls betrügt. Jndessen wird von Mayntz berichtet,
daß Jhro Churfürstl. Gnaden, als unser gnädigster Landes-Herr,
an Dero Tafel, dem Kayserl. Gesandten, Grafen von Bünau, die
Gesundheit auf baldige Aussöhnung des Kaysers mit der
Königin von Ungarn ausgebracht hätten; Jhro Churfürstl. Gna-
den soll auch zu dem Ende gewisse Vorschläge zum Vergleich ge-
than haben.
Dermahlen machen es Jhro Königl. Maj. von Preussen we-
der denen Evangelischen noch Catholischen Geistlichen recht. Denn
da Höchst-Dieselben den Canonicum, Hrn. Graf von Schaffgotsch,
zum Coadjutor des Breßlauischen Bischoffs, Cardinals von Sin-
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