Dem Wolffschen Bureau wird amtlich eine Uebersicht über die bis 11. d. M. in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen zur Veröffentlichung übergeben. Davon sind:
Franzosen 1680 Offiziere, 86,700 Mann,
Russen 1830 Offiziere, 91,400 Mann,
Belgier 440 Offiziere, 30,200 Mann,
Engländer 160 Offiziere, 7,350 Mann.
Unter den Offizieren sind zwei französische Generäle, unter den Russen zwei kommandierende und 13 andere Generäle, unter den Belgiern der Kommandant von Lüttich. Eine große Anzahl weiterer Kriegsgefangener befindet sich auf dem Transport zu den Ge- fangenenlagern.
Rechnet man dazu noch die inzwischen bei Maubeuge gefangenen 40,000 Franzosen und die in Ostpreußen gefangenen Russen, so wird die Zahl 300,000 nicht zu hoch gegriffen sein.
Der Feind im Westen.
Ueber das Schlachtfeld bei Paris und die Vorgänge auf demselben, die sich bis zum 11. d. M. abgespielt haben, schreibt die Norddeutsche Allgemeine Zeitung:
Die neue große Schlacht spielt sich auf einer Front von etwa 125 Kilometer ab. Als westlicher Punkt wird Nanteuil angegeben, ein Ort nördlich von Meaux bei dem schon früher genannten Senlis, wo der rechte deutsche Flügel angesetzt hat und wo hauptsächlich die Engländer stehen dürften, eine Vermutung, die schon psycholo- gisch ausreichend begründet sein dürfte und die sich noch auf die bisherigen Erfahrungen stützt, denen zufolge die Truppen Frenchs sich immer auf dem linken Flügel, England zunächst, hielten.
Die französische Annahme, daß die deutschen Truppen Paris ganz rechts liegen ließen, ist schon früher haltlos geworden als die Pariser die deutschen Kanonen in der Nähe donnern hörten. Jetzt weiß man, daß dabei nicht nur ein örtlicher Zusammenstoß nahe der französischen Hauptstadt, sondern eine Schlacht von großer Aus- dehnung in Betracht kommt, auf einer Linie, die nordöstlich von Paris beginnt, dann zur Marne geht und weiter dem unterhalb Meaur mündenden Flüßchen Grand Morin folgt, an welchem Coulommiers und Sezanne liegen.
Oestlich von diesen liegt Vitry le Francais, das als östlicher Punkt der Schlachtfront bezeichnet wird, südöstlich von Chalons an der Marne, die hier südnördlich verläuft, während die im allge- meinen nördlicher verlaufende Marnelinie von unseren Heeren überschritten ist.
Inzwischen haben sich dort neue Kämpfe abgespielt, über die die Einzelheiten noch nicht veröffentlicht werden dürfen. Nur sind die von unseren Feinden mit allen Mitteln verbreiteten ungünsti- gen Nachrichten offiziell dementiert worden.
Die auf dem rechten Flügel des Westheeres seit zwei Tagen stattfindenden Kämpfe haben sich am 15. d. M. auf die nach Osten anschließenden Armeen bis nach Verdun heran ausgedehnt. An einigen Stellen des ausgedehnten Kampffeldes waren bisher Teil- erfolge der deutschen Waffen zu verzeichnen. Im übrigen steht die Schlacht noch.
Im Westen, wie im Osten stehen wir vor der Entscheidung. Das letzt eingetroffene amtliche Telegramm aus dem Großen Haupt- quartier im Westen meldet:
In der Schlacht zwischen Oise und Maas ist die endgültige Entscheidung immer noch nicht gefallen; aber gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß die Widerstandskraft des Gegners zu er- lahmen beginnt. Ein mit großer Bravour unternommener franzö- sischer Durchbruchsversuch auf dem äußersten rechten deutschen Flügel brach ohne besondere Anstrengungen unserer Truppen schließ- lich in sich selbst zusammen. Die Mitte der deutschen Armee gewinnt langsam, aber sicher Boden. Auf dem rechten Maasufer versuchte Ausfälle aus Verdun wurden mit Leichtigkeit zurückgewiesen.
Auch ein von drei belgischen Divisionen entnommener Ausfall in Antwerpen ist zurückgeworfen worden.
Für das von ihm zu verwaltende Belgien hat der General- gouverneur Freiherr von der Goltz überall nachstehenden An- schlag verbreiten lassen:
[Spaltenumbruch]
"S. M. dem Deutschen Kaiser hat es gefallen, mich nach der Einnahme des größten Teiles des belgischen Bodens zum General- gouverneur von Belgien zu ernennen. Ich habe den Sitz der allge- meinen Regierung nach Brüssel gelegt und zwar in das Ministe- rium für Kunst und Wissenschaft. Im Auftrage S. M. des Kaisers ist eine bürgerliche Behörde hinzugefügt worden, die ihren Sitz im Kriegsministerium hat und deren Vorsteher Exzellenz v. Sandt ist.
Die deutschen Truppen setzen ihren Siegeszug in Frankreich fort. Meine Aufgabe ist es, Ruhe und Ordnung in Belgien zu handhaben. Jede feindliche Handlung von seiten der Einwohner, jeder Plan, um Verbindungen mit Deutschland zu zerstören, Bahnen, Telegraph und Telephon zu beschädigen. werden auf das strengste bestraft. Jeder Versuch eines Aufstandes wird auf das Rücksichtsloseste unterdrückt werden.
Es ist die Härte des Krieges, daß bei Bestrafung von feind- lichen Handlungen außer den Schuldigen auch Unschuldige ge- troffen werden. Um so mehr ist es Pflicht aller verständigen Bürger, einen Druck auf alle übelwollenden Elemente der Be- völkerung auszuüben, um diese niederzuhalten und von jeder Handlung gegen die öffentliche Ordnung zurückzuhalten. Die belgischen Bürger, die friedlich ihrem Geschäfte nachgehen, werden von seiten der deutschen Truppen und der Regierungs nichts zu fürchten haben.
Soviel als möglich muß der Handel wieder hergestellt werden, müssen die Fabriken wieder arbeiten und muß die Ernte herein- geholt werden.
Bürger Belgiens! Ich verlange von niemanden, seine vater- ländischen Gefühle abzuschwören. Aber ich erwarte von allen eine verständige Unterwerfung und einen vollkommenen Gehorsam unter die Befehle des Generalgouverneurs. Ich rufe euch auf, Vertrauen zur Regierung zu haben. Diesen Aufruf richte ich be- sonders an die Staats- und Gemeindebehörden, die auf ihren Posten geblieben sind. Je mehr der Aufruf befolgt wird, desto mehr dient ihr eurem Vaterlande."
Die Wirkung der schweren Belagerungsgeschütze.
Aus Beobachtungen eines bayerischen Offiziers teilt die M.-Augsb. Abendzeitung mit:
Vorgestern war ich mit den Offizieren des Stabes im Fort Manonviller. Du kannst dir gar keinen Begriff machen, wie das aussieht. Es war das stärkste Sperrfort der Franzosen. Zwei Tage ist es beschossen worden, ohne auch nur die Möglichkeit, es zu nehmen. Am dritten Tage hat man dann, 13,500 Meter ent- fernt, eines unserer 42-Zentimeter-Geschütze aufgestellt. Von der Existenz dieses Geschützes hatten die Franzosen, auch zum großen Teil die Deutschen, keine Ahnung. Wir haben keine ausgebildeten Mannschaften für dieses Geschütz, es wird daher von Ingenieuren von Krupp bedtent. Es kann nur elektrisch entladen werden, da der Luftdruck zu stark ist. Das Geschoß selbst wiegt 19 Zentner. Bei Abschuß steigt es erst Tausende von Metern in die Höhe und saust dann bis zirka 20 Kilometer weit. Natürlich alles vernichtend. Mit diesem Geschütz hat man nur wenige Schüsse abgegeben. Der erste Schuß kam um 40 Meter zu kurz, bewarf aber den Panzer- turm (den größten) derartig mit Steinen und Erde, daß der Turm nicht mehr drehbar war. Der zweite Schuß ging mitten auf den Turm und schlug die Decke von enormer Dicke mitten durch, wie eine Streichholzschachtel. Außerdem gingen hausdicke Zementwände vollkommen in Trümmer. Nach dem dritten Schuß konnten die Belagerten sich nicht mehr halten, da die Luft derartig war, daß man nicht mehr atmen konnte. Sie mußten alle hinunter in den Keller; das Fort ist fast durchweg unterirdisch. Es hatte rings- herum enorme eiferne Palisaden, außerdem den ganzen Hang ringsherum mit Stacheldraht bezogen, so in 30 bis 40 Zentimeter Höhe, der mit 1500 Volt elektrisch geladen war, so daß natürlich jede Berührung tödlich gewesen wäre. Die Kerle haben gedacht, wir würden das Fort stürmen! Es ist einfach unmöglich, einen Begriff von der Wirkung unserer Geschosse zu geben. Es war eigentlich ein ganz grauenhafter Anblick. Dabei ein furchtbarer Geruch von den unter den Trümmern begrabenen Franzosen! Im Fort selbst war Proviant für Monate! Der kam den deutschen Truppen gerade recht. In den Kammern waren noch für zirka tausend Mann neue Anzüge aufgestapelt. Für unsere Truppen haben die Anzüge natürlich keinen Zweck. Wohl aber war eine ganze Menge Drillichanzüge vorhanden, die die Leute sehr gut brauchen können, zumal bei der enormen Hitze. Wir haben ja,
Allgemeine Zeitung 19. September 1914.
[Spaltenumbruch]
Die Kriegsgefangenen.
Dem Wolffſchen Bureau wird amtlich eine Ueberſicht über die bis 11. d. M. in Deutſchland befindlichen Kriegsgefangenen zur Veröffentlichung übergeben. Davon ſind:
Franzoſen 1680 Offiziere, 86,700 Mann,
Ruſſen 1830 Offiziere, 91,400 Mann,
Belgier 440 Offiziere, 30,200 Mann,
Engländer 160 Offiziere, 7,350 Mann.
Unter den Offizieren ſind zwei franzöſiſche Generäle, unter den Ruſſen zwei kommandierende und 13 andere Generäle, unter den Belgiern der Kommandant von Lüttich. Eine große Anzahl weiterer Kriegsgefangener befindet ſich auf dem Transport zu den Ge- fangenenlagern.
Rechnet man dazu noch die inzwiſchen bei Maubeuge gefangenen 40,000 Franzoſen und die in Oſtpreußen gefangenen Ruſſen, ſo wird die Zahl 300,000 nicht zu hoch gegriffen ſein.
Der Feind im Weſten.
Ueber das Schlachtfeld bei Paris und die Vorgänge auf demſelben, die ſich bis zum 11. d. M. abgeſpielt haben, ſchreibt die Norddeutſche Allgemeine Zeitung:
Die neue große Schlacht ſpielt ſich auf einer Front von etwa 125 Kilometer ab. Als weſtlicher Punkt wird Nanteuil angegeben, ein Ort nördlich von Meaux bei dem ſchon früher genannten Senlis, wo der rechte deutſche Flügel angeſetzt hat und wo hauptſächlich die Engländer ſtehen dürften, eine Vermutung, die ſchon pſycholo- giſch ausreichend begründet ſein dürfte und die ſich noch auf die bisherigen Erfahrungen ſtützt, denen zufolge die Truppen Frenchs ſich immer auf dem linken Flügel, England zunächſt, hielten.
Die franzöſiſche Annahme, daß die deutſchen Truppen Paris ganz rechts liegen ließen, iſt ſchon früher haltlos geworden als die Pariſer die deutſchen Kanonen in der Nähe donnern hörten. Jetzt weiß man, daß dabei nicht nur ein örtlicher Zuſammenſtoß nahe der franzöſiſchen Hauptſtadt, ſondern eine Schlacht von großer Aus- dehnung in Betracht kommt, auf einer Linie, die nordöſtlich von Paris beginnt, dann zur Marne geht und weiter dem unterhalb Meaur mündenden Flüßchen Grand Morin folgt, an welchem Coulommiers und Sézanne liegen.
Oeſtlich von dieſen liegt Vitry le Français, das als öſtlicher Punkt der Schlachtfront bezeichnet wird, ſüdöſtlich von Chalons an der Marne, die hier ſüdnördlich verläuft, während die im allge- meinen nördlicher verlaufende Marnelinie von unſeren Heeren überſchritten iſt.
Inzwiſchen haben ſich dort neue Kämpfe abgeſpielt, über die die Einzelheiten noch nicht veröffentlicht werden dürfen. Nur ſind die von unſeren Feinden mit allen Mitteln verbreiteten ungünſti- gen Nachrichten offiziell dementiert worden.
Die auf dem rechten Flügel des Weſtheeres ſeit zwei Tagen ſtattfindenden Kämpfe haben ſich am 15. d. M. auf die nach Oſten anſchließenden Armeen bis nach Verdun heran ausgedehnt. An einigen Stellen des ausgedehnten Kampffeldes waren bisher Teil- erfolge der deutſchen Waffen zu verzeichnen. Im übrigen ſteht die Schlacht noch.
Im Weſten, wie im Oſten ſtehen wir vor der Entſcheidung. Das letzt eingetroffene amtliche Telegramm aus dem Großen Haupt- quartier im Weſten meldet:
In der Schlacht zwiſchen Oiſe und Maas iſt die endgültige Entſcheidung immer noch nicht gefallen; aber gewiſſe Anzeichen deuten darauf hin, daß die Widerſtandskraft des Gegners zu er- lahmen beginnt. Ein mit großer Bravour unternommener franzö- ſiſcher Durchbruchsverſuch auf dem äußerſten rechten deutſchen Flügel brach ohne beſondere Anſtrengungen unſerer Truppen ſchließ- lich in ſich ſelbſt zuſammen. Die Mitte der deutſchen Armee gewinnt langſam, aber ſicher Boden. Auf dem rechten Maasufer verſuchte Ausfälle aus Verdun wurden mit Leichtigkeit zurückgewieſen.
Auch ein von drei belgiſchen Diviſionen entnommener Ausfall in Antwerpen iſt zurückgeworfen worden.
Für das von ihm zu verwaltende Belgien hat der General- gouverneur Freiherr von der Goltz überall nachſtehenden An- ſchlag verbreiten laſſen:
[Spaltenumbruch]
„S. M. dem Deutſchen Kaiſer hat es gefallen, mich nach der Einnahme des größten Teiles des belgiſchen Bodens zum General- gouverneur von Belgien zu ernennen. Ich habe den Sitz der allge- meinen Regierung nach Brüſſel gelegt und zwar in das Miniſte- rium für Kunſt und Wiſſenſchaft. Im Auftrage S. M. des Kaiſers iſt eine bürgerliche Behörde hinzugefügt worden, die ihren Sitz im Kriegsminiſterium hat und deren Vorſteher Exzellenz v. Sandt iſt.
Die deutſchen Truppen ſetzen ihren Siegeszug in Frankreich fort. Meine Aufgabe iſt es, Ruhe und Ordnung in Belgien zu handhaben. Jede feindliche Handlung von ſeiten der Einwohner, jeder Plan, um Verbindungen mit Deutſchland zu zerſtören, Bahnen, Telegraph und Telephon zu beſchädigen. werden auf das ſtrengſte beſtraft. Jeder Verſuch eines Aufſtandes wird auf das Rückſichtsloſeſte unterdrückt werden.
Es iſt die Härte des Krieges, daß bei Beſtrafung von feind- lichen Handlungen außer den Schuldigen auch Unſchuldige ge- troffen werden. Um ſo mehr iſt es Pflicht aller verſtändigen Bürger, einen Druck auf alle übelwollenden Elemente der Be- völkerung auszuüben, um dieſe niederzuhalten und von jeder Handlung gegen die öffentliche Ordnung zurückzuhalten. Die belgiſchen Bürger, die friedlich ihrem Geſchäfte nachgehen, werden von ſeiten der deutſchen Truppen und der Regierungs nichts zu fürchten haben.
Soviel als möglich muß der Handel wieder hergeſtellt werden, müſſen die Fabriken wieder arbeiten und muß die Ernte herein- geholt werden.
Bürger Belgiens! Ich verlange von niemanden, ſeine vater- ländiſchen Gefühle abzuſchwören. Aber ich erwarte von allen eine verſtändige Unterwerfung und einen vollkommenen Gehorſam unter die Befehle des Generalgouverneurs. Ich rufe euch auf, Vertrauen zur Regierung zu haben. Dieſen Aufruf richte ich be- ſonders an die Staats- und Gemeindebehörden, die auf ihren Poſten geblieben ſind. Je mehr der Aufruf befolgt wird, deſto mehr dient ihr eurem Vaterlande.“
Die Wirkung der ſchweren Belagerungsgeſchütze.
Aus Beobachtungen eines bayeriſchen Offiziers teilt die M.-Augsb. Abendzeitung mit:
Vorgeſtern war ich mit den Offizieren des Stabes im Fort Manonviller. Du kannſt dir gar keinen Begriff machen, wie das ausſieht. Es war das ſtärkſte Sperrfort der Franzoſen. Zwei Tage iſt es beſchoſſen worden, ohne auch nur die Möglichkeit, es zu nehmen. Am dritten Tage hat man dann, 13,500 Meter ent- fernt, eines unſerer 42-Zentimeter-Geſchütze aufgeſtellt. Von der Exiſtenz dieſes Geſchützes hatten die Franzoſen, auch zum großen Teil die Deutſchen, keine Ahnung. Wir haben keine ausgebildeten Mannſchaften für dieſes Geſchütz, es wird daher von Ingenieuren von Krupp bedtent. Es kann nur elektriſch entladen werden, da der Luftdruck zu ſtark iſt. Das Geſchoß ſelbſt wiegt 19 Zentner. Bei Abſchuß ſteigt es erſt Tauſende von Metern in die Höhe und ſauſt dann bis zirka 20 Kilometer weit. Natürlich alles vernichtend. Mit dieſem Geſchütz hat man nur wenige Schüſſe abgegeben. Der erſte Schuß kam um 40 Meter zu kurz, bewarf aber den Panzer- turm (den größten) derartig mit Steinen und Erde, daß der Turm nicht mehr drehbar war. Der zweite Schuß ging mitten auf den Turm und ſchlug die Decke von enormer Dicke mitten durch, wie eine Streichholzſchachtel. Außerdem gingen hausdicke Zementwände vollkommen in Trümmer. Nach dem dritten Schuß konnten die Belagerten ſich nicht mehr halten, da die Luft derartig war, daß man nicht mehr atmen konnte. Sie mußten alle hinunter in den Keller; das Fort iſt faſt durchweg unterirdiſch. Es hatte rings- herum enorme eiferne Paliſaden, außerdem den ganzen Hang ringsherum mit Stacheldraht bezogen, ſo in 30 bis 40 Zentimeter Höhe, der mit 1500 Volt elektriſch geladen war, ſo daß natürlich jede Berührung tödlich geweſen wäre. Die Kerle haben gedacht, wir würden das Fort ſtürmen! Es iſt einfach unmöglich, einen Begriff von der Wirkung unſerer Geſchoſſe zu geben. Es war eigentlich ein ganz grauenhafter Anblick. Dabei ein furchtbarer Geruch von den unter den Trümmern begrabenen Franzoſen! Im Fort ſelbſt war Proviant für Monate! Der kam den deutſchen Truppen gerade recht. In den Kammern waren noch für zirka tauſend Mann neue Anzüge aufgeſtapelt. Für unſere Truppen haben die Anzüge natürlich keinen Zweck. Wohl aber war eine ganze Menge Drillichanzüge vorhanden, die die Leute ſehr gut brauchen können, zumal bei der enormen Hitze. Wir haben ja,
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Veröffentlichung übergeben. Davon ſind:
Franzoſen 1680 Offiziere, 86,700 Mann,
Ruſſen 1830 Offiziere, 91,400 Mann,
Belgier 440 Offiziere, 30,200 Mann,
Engländer 160 Offiziere, 7,350 Mann.
Unter den Offizieren ſind zwei franzöſiſche Generäle, unter den
Ruſſen zwei kommandierende und 13 andere Generäle, unter den
Belgiern der Kommandant von Lüttich. Eine große Anzahl weiterer
Kriegsgefangener befindet ſich auf dem Transport zu den Ge-
fangenenlagern.
Rechnet man dazu noch die inzwiſchen bei Maubeuge gefangenen
40,000 Franzoſen und die in Oſtpreußen gefangenen Ruſſen, ſo
wird die Zahl 300,000 nicht zu hoch gegriffen ſein.
Der Feind im Weſten.
Ueber das Schlachtfeld bei Paris und die Vorgänge
auf demſelben, die ſich bis zum 11. d. M. abgeſpielt haben, ſchreibt
die Norddeutſche Allgemeine Zeitung:
Die neue große Schlacht ſpielt ſich auf einer Front von etwa
125 Kilometer ab. Als weſtlicher Punkt wird Nanteuil angegeben,
ein Ort nördlich von Meaux bei dem ſchon früher genannten Senlis,
wo der rechte deutſche Flügel angeſetzt hat und wo hauptſächlich
die Engländer ſtehen dürften, eine Vermutung, die ſchon pſycholo-
giſch ausreichend begründet ſein dürfte und die ſich noch auf die
bisherigen Erfahrungen ſtützt, denen zufolge die Truppen Frenchs
ſich immer auf dem linken Flügel, England zunächſt, hielten.
Die franzöſiſche Annahme, daß die deutſchen Truppen Paris
ganz rechts liegen ließen, iſt ſchon früher haltlos geworden als die
Pariſer die deutſchen Kanonen in der Nähe donnern hörten. Jetzt
weiß man, daß dabei nicht nur ein örtlicher Zuſammenſtoß nahe
der franzöſiſchen Hauptſtadt, ſondern eine Schlacht von großer Aus-
dehnung in Betracht kommt, auf einer Linie, die nordöſtlich von
Paris beginnt, dann zur Marne geht und weiter dem unterhalb
Meaur mündenden Flüßchen Grand Morin folgt, an welchem
Coulommiers und Sézanne liegen.
Oeſtlich von dieſen liegt Vitry le Français, das als öſtlicher
Punkt der Schlachtfront bezeichnet wird, ſüdöſtlich von Chalons an
der Marne, die hier ſüdnördlich verläuft, während die im allge-
meinen nördlicher verlaufende Marnelinie von unſeren Heeren
überſchritten iſt.
Inzwiſchen haben ſich dort neue Kämpfe abgeſpielt, über die
die Einzelheiten noch nicht veröffentlicht werden dürfen. Nur ſind
die von unſeren Feinden mit allen Mitteln verbreiteten ungünſti-
gen Nachrichten offiziell dementiert worden.
Die auf dem rechten Flügel des Weſtheeres ſeit zwei Tagen
ſtattfindenden Kämpfe haben ſich am 15. d. M. auf die nach Oſten
anſchließenden Armeen bis nach Verdun heran ausgedehnt. An
einigen Stellen des ausgedehnten Kampffeldes waren bisher Teil-
erfolge der deutſchen Waffen zu verzeichnen. Im übrigen ſteht
die Schlacht noch.
Im Weſten, wie im Oſten ſtehen wir vor der Entſcheidung.
Das letzt eingetroffene amtliche Telegramm aus dem Großen Haupt-
quartier im Weſten meldet:
In der Schlacht zwiſchen Oiſe und Maas iſt die endgültige
Entſcheidung immer noch nicht gefallen; aber gewiſſe Anzeichen
deuten darauf hin, daß die Widerſtandskraft des Gegners zu er-
lahmen beginnt. Ein mit großer Bravour unternommener franzö-
ſiſcher Durchbruchsverſuch auf dem äußerſten rechten deutſchen
Flügel brach ohne beſondere Anſtrengungen unſerer Truppen ſchließ-
lich in ſich ſelbſt zuſammen. Die Mitte der deutſchen Armee gewinnt
langſam, aber ſicher Boden. Auf dem rechten Maasufer verſuchte
Ausfälle aus Verdun wurden mit Leichtigkeit zurückgewieſen.
Auch ein von drei belgiſchen Diviſionen entnommener Ausfall
in Antwerpen iſt zurückgeworfen worden.
Für das von ihm zu verwaltende Belgien hat der General-
gouverneur Freiherr von der Goltz überall nachſtehenden An-
ſchlag verbreiten laſſen:
„S. M. dem Deutſchen Kaiſer hat es gefallen, mich nach der
Einnahme des größten Teiles des belgiſchen Bodens zum General-
gouverneur von Belgien zu ernennen. Ich habe den Sitz der allge-
meinen Regierung nach Brüſſel gelegt und zwar in das Miniſte-
rium für Kunſt und Wiſſenſchaft. Im Auftrage S. M. des Kaiſers
iſt eine bürgerliche Behörde hinzugefügt worden, die ihren Sitz im
Kriegsminiſterium hat und deren Vorſteher Exzellenz v. Sandt iſt.
Die deutſchen Truppen ſetzen ihren Siegeszug in Frankreich
fort. Meine Aufgabe iſt es, Ruhe und Ordnung in Belgien zu
handhaben. Jede feindliche Handlung von ſeiten der Einwohner,
jeder Plan, um Verbindungen mit Deutſchland zu zerſtören,
Bahnen, Telegraph und Telephon zu beſchädigen. werden auf das
ſtrengſte beſtraft. Jeder Verſuch eines Aufſtandes wird auf das
Rückſichtsloſeſte unterdrückt werden.
Es iſt die Härte des Krieges, daß bei Beſtrafung von feind-
lichen Handlungen außer den Schuldigen auch Unſchuldige ge-
troffen werden. Um ſo mehr iſt es Pflicht aller verſtändigen
Bürger, einen Druck auf alle übelwollenden Elemente der Be-
völkerung auszuüben, um dieſe niederzuhalten und von jeder
Handlung gegen die öffentliche Ordnung zurückzuhalten. Die
belgiſchen Bürger, die friedlich ihrem Geſchäfte nachgehen, werden
von ſeiten der deutſchen Truppen und der Regierungs nichts zu
fürchten haben.
Soviel als möglich muß der Handel wieder hergeſtellt werden,
müſſen die Fabriken wieder arbeiten und muß die Ernte herein-
geholt werden.
Bürger Belgiens! Ich verlange von niemanden, ſeine vater-
ländiſchen Gefühle abzuſchwören. Aber ich erwarte von allen eine
verſtändige Unterwerfung und einen vollkommenen Gehorſam
unter die Befehle des Generalgouverneurs. Ich rufe euch auf,
Vertrauen zur Regierung zu haben. Dieſen Aufruf richte ich be-
ſonders an die Staats- und Gemeindebehörden, die auf ihren
Poſten geblieben ſind. Je mehr der Aufruf befolgt wird, deſto
mehr dient ihr eurem Vaterlande.“
Die Wirkung der ſchweren Belagerungsgeſchütze.
Aus Beobachtungen eines bayeriſchen Offiziers teilt die
M.-Augsb. Abendzeitung mit:
Vorgeſtern war ich mit den Offizieren des Stabes im Fort
Manonviller. Du kannſt dir gar keinen Begriff machen, wie
das ausſieht. Es war das ſtärkſte Sperrfort der Franzoſen. Zwei
Tage iſt es beſchoſſen worden, ohne auch nur die Möglichkeit, es
zu nehmen. Am dritten Tage hat man dann, 13,500 Meter ent-
fernt, eines unſerer 42-Zentimeter-Geſchütze aufgeſtellt. Von der
Exiſtenz dieſes Geſchützes hatten die Franzoſen, auch zum großen
Teil die Deutſchen, keine Ahnung. Wir haben keine ausgebildeten
Mannſchaften für dieſes Geſchütz, es wird daher von Ingenieuren
von Krupp bedtent. Es kann nur elektriſch entladen werden, da
der Luftdruck zu ſtark iſt. Das Geſchoß ſelbſt wiegt 19 Zentner.
Bei Abſchuß ſteigt es erſt Tauſende von Metern in die Höhe und
ſauſt dann bis zirka 20 Kilometer weit. Natürlich alles vernichtend.
Mit dieſem Geſchütz hat man nur wenige Schüſſe abgegeben. Der
erſte Schuß kam um 40 Meter zu kurz, bewarf aber den Panzer-
turm (den größten) derartig mit Steinen und Erde, daß der Turm
nicht mehr drehbar war. Der zweite Schuß ging mitten auf den
Turm und ſchlug die Decke von enormer Dicke mitten durch, wie eine
Streichholzſchachtel. Außerdem gingen hausdicke Zementwände
vollkommen in Trümmer. Nach dem dritten Schuß konnten die
Belagerten ſich nicht mehr halten, da die Luft derartig war, daß
man nicht mehr atmen konnte. Sie mußten alle hinunter in den
Keller; das Fort iſt faſt durchweg unterirdiſch. Es hatte rings-
herum enorme eiferne Paliſaden, außerdem den ganzen Hang
ringsherum mit Stacheldraht bezogen, ſo in 30 bis 40 Zentimeter
Höhe, der mit 1500 Volt elektriſch geladen war, ſo daß natürlich
jede Berührung tödlich geweſen wäre. Die Kerle haben gedacht,
wir würden das Fort ſtürmen! Es iſt einfach unmöglich, einen
Begriff von der Wirkung unſerer Geſchoſſe zu geben. Es war
eigentlich ein ganz grauenhafter Anblick. Dabei ein furchtbarer
Geruch von den unter den Trümmern begrabenen Franzoſen! Im
Fort ſelbſt war Proviant für Monate! Der kam den deutſchen
Truppen gerade recht. In den Kammern waren noch für zirka
tauſend Mann neue Anzüge aufgeſtapelt. Für unſere Truppen
haben die Anzüge natürlich keinen Zweck. Wohl aber war eine
ganze Menge Drillichanzüge vorhanden, die die Leute ſehr gut
brauchen können, zumal bei der enormen Hitze. Wir haben ja,
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Allgemeine Zeitung, Nr. 38, 19. September 1914, S. 564. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_allgemeine38_1914/2>, abgerufen am 25.02.2025.
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