ihm eine ganze Bouteille, welche er gleichfalls hineingoß; darauf mußte man ihm Milch, Pfeffer, Salz und Toback in großer Menge bringen, welches er hineinthat und fraß. Nachdem er davon einige Löffel voll gegessen hatte, fieng er an um sich zu hauen, raufte dem Wirth den Bart, gab ihm Faustschläge ins Gesicht, so daß ihm das Blut aus dem Munde heraus kam, goß ihm von seinem herrlichen Breie in die Kehle, und wüthete so lange, bis er aus Betrunkenheit sich nicht mehr halten konnte und zu Boden fiel. Solche Scenen waren sehr gewöhnlich. Wenn eine Russische Armee einen Ort paßierte, so nahmen sie von da bis zu dem nächsten Orte einen Prowodnik (Wegweiser). Anstatt aber denselben vom Bürgermeister oder Dorfschulzen sich geben zu lassen, pflegten sie lieber den ersten den besten, den sie zufälliger Weise auf der Straße trafen, zu ergreifen, er mochte übrigens jung oder alt, männlich oder weiblich, gesund oder krank seyn, daran lag ihnen nichts, weil sie den Weg (nach speziellen Karten) wohl wußten, und nur eine Gelegenheit zu Grausamkeit suchten. Ereignete es sich, daß die aufgefangene Person den Weg nicht wußte, und ihnen nicht den rechten Weg zeigte, so pflegten sie sich doch dadurch nicht irre machen zu lassen, und den rechten Weg zu wählen, aber sie prügelten alsdann den armen Prowodnik halb todt, weil er den rechten Weg nicht gewußt hatte!
ihm eine ganze Bouteille, welche er gleichfalls hineingoß; darauf mußte man ihm Milch, Pfeffer, Salz und Toback in großer Menge bringen, welches er hineinthat und fraß. Nachdem er davon einige Loͤffel voll gegessen hatte, fieng er an um sich zu hauen, raufte dem Wirth den Bart, gab ihm Faustschlaͤge ins Gesicht, so daß ihm das Blut aus dem Munde heraus kam, goß ihm von seinem herrlichen Breie in die Kehle, und wuͤthete so lange, bis er aus Betrunkenheit sich nicht mehr halten konnte und zu Boden fiel. Solche Scenen waren sehr gewoͤhnlich. Wenn eine Russische Armee einen Ort paßierte, so nahmen sie von da bis zu dem naͤchsten Orte einen Prowodnik (Wegweiser). Anstatt aber denselben vom Buͤrgermeister oder Dorfschulzen sich geben zu lassen, pflegten sie lieber den ersten den besten, den sie zufaͤlliger Weise auf der Straße trafen, zu ergreifen, er mochte uͤbrigens jung oder alt, maͤnnlich oder weiblich, gesund oder krank seyn, daran lag ihnen nichts, weil sie den Weg (nach speziellen Karten) wohl wußten, und nur eine Gelegenheit zu Grausamkeit suchten. Ereignete es sich, daß die aufgefangene Person den Weg nicht wußte, und ihnen nicht den rechten Weg zeigte, so pflegten sie sich doch dadurch nicht irre machen zu lassen, und den rechten Weg zu waͤhlen, aber sie pruͤgelten alsdann den armen Prowodnik halb todt, weil er den rechten Weg nicht gewußt hatte!
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ihm eine ganze Bouteille, welche er gleichfalls hineingoß; darauf mußte man ihm Milch, Pfeffer, Salz und Toback in großer Menge bringen, welches er hineinthat und fraß. Nachdem er davon einige Loͤffel voll gegessen hatte, fieng er an um sich zu hauen, raufte dem Wirth den Bart, gab ihm Faustschlaͤge ins Gesicht, so daß ihm das Blut aus dem Munde heraus kam, goß ihm von seinem herrlichen Breie in die Kehle, und wuͤthete so lange, bis er aus Betrunkenheit sich nicht mehr halten konnte und zu Boden fiel. Solche Scenen waren sehr gewoͤhnlich. Wenn eine Russische Armee einen Ort paßierte, so nahmen sie von da bis zu dem naͤchsten Orte einen <hirendition="#b">Prowodnik</hi> (Wegweiser). Anstatt aber denselben vom Buͤrgermeister oder Dorfschulzen sich geben zu lassen, pflegten sie lieber den ersten den besten, den sie zufaͤlliger Weise auf der Straße trafen, zu ergreifen, er mochte uͤbrigens jung oder alt, maͤnnlich oder weiblich, gesund oder krank seyn, daran lag ihnen nichts, weil sie den Weg (nach speziellen Karten) wohl wußten, und nur eine Gelegenheit zu Grausamkeit suchten. Ereignete es sich, daß die aufgefangene Person den Weg nicht wußte, und ihnen nicht den rechten Weg zeigte, so pflegten sie sich doch dadurch nicht irre machen zu lassen, und den rechten Weg zu waͤhlen, aber sie pruͤgelten alsdann den armen <hirendition="#b">Prowodnik</hi> halb todt, <hirendition="#b">weil er den rechten Weg nicht gewußt hatte!</hi></p><lb/></div></div></div></body></text></TEI>
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ihm eine ganze Bouteille, welche er gleichfalls hineingoß; darauf mußte man ihm Milch, Pfeffer, Salz und Toback in großer Menge bringen, welches er hineinthat und fraß. Nachdem er davon einige Loͤffel voll gegessen hatte, fieng er an um sich zu hauen, raufte dem Wirth den Bart, gab ihm Faustschlaͤge ins Gesicht, so daß ihm das Blut aus dem Munde heraus kam, goß ihm von seinem herrlichen Breie in die Kehle, und wuͤthete so lange, bis er aus Betrunkenheit sich nicht mehr halten konnte und zu Boden fiel. Solche Scenen waren sehr gewoͤhnlich. Wenn eine Russische Armee einen Ort paßierte, so nahmen sie von da bis zu dem naͤchsten Orte einen Prowodnik (Wegweiser). Anstatt aber denselben vom Buͤrgermeister oder Dorfschulzen sich geben zu lassen, pflegten sie lieber den ersten den besten, den sie zufaͤlliger Weise auf der Straße trafen, zu ergreifen, er mochte uͤbrigens jung oder alt, maͤnnlich oder weiblich, gesund oder krank seyn, daran lag ihnen nichts, weil sie den Weg (nach speziellen Karten) wohl wußten, und nur eine Gelegenheit zu Grausamkeit suchten. Ereignete es sich, daß die aufgefangene Person den Weg nicht wußte, und ihnen nicht den rechten Weg zeigte, so pflegten sie sich doch dadurch nicht irre machen zu lassen, und den rechten Weg zu waͤhlen, aber sie pruͤgelten alsdann den armen Prowodnik halb todt, weil er den rechten Weg nicht gewußt hatte!
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(2015-06-09T11:00:00Z)
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
UB Uni-Bielefeld: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2015-06-09T11:00:00Z)
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Die Umlautschreibung mit ›e‹ über dem Vokal wurden übernommen.
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Zu Moritz’ Zeit war es üblich, bei mehrzeiligen Zitaten vor jeder Zeile Anführungsstriche zu setzen. Diese wiederholten Anführungsstriche des Originals werden stillschweigend getilgt.
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 9, St. 2. Berlin, 1792, S. 56. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0902_1792/56>, abgerufen am 17.02.2025.
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