Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Der Liebhaber an die heiße Quelle in B. Du heilest Den und tröstest Jenen, O Quell, so hör' auch meinen Schmerz! Ich klage dir mit bittern Thränen Ein hartes, kaltes Mädchenherz. Es zu erweichen, zu durchglühen, Dir ist es eine leichte Pflicht; Man kann ja Hühner in dir brühen, Warum ein junges Gänschen nicht? Der Liebhaber an die heiße Quelle in B. Du heileſt Den und troͤſteſt Jenen, O Quell, ſo hoͤr' auch meinen Schmerz! Ich klage dir mit bittern Thraͤnen Ein hartes, kaltes Maͤdchenherz. Es zu erweichen, zu durchgluͤhen, Dir iſt es eine leichte Pflicht; Man kann ja Huͤhner in dir bruͤhen, Warum ein junges Gaͤnschen nicht? <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0218" n="202"/> </div> <div n="1"> <head><hi rendition="#b">Der Liebhaber</hi><lb/> an die heiße Quelle in B.<lb/></head> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l>Du heileſt Den und troͤſteſt Jenen,</l><lb/> <l>O Quell, ſo hoͤr' auch meinen Schmerz!</l><lb/> <l>Ich klage dir mit bittern Thraͤnen</l><lb/> <l>Ein hartes, kaltes Maͤdchenherz.</l><lb/> </lg> <lg n="2"> <l>Es zu erweichen, zu durchgluͤhen,</l><lb/> <l>Dir iſt es eine leichte Pflicht;</l><lb/> <l>Man kann ja Huͤhner in dir bruͤhen,</l><lb/> <l>Warum ein junges Gaͤnschen nicht?</l><lb/> </lg> </lg> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> </body> </text> </TEI> [202/0218]
Der Liebhaber
an die heiße Quelle in B.
Du heileſt Den und troͤſteſt Jenen,
O Quell, ſo hoͤr' auch meinen Schmerz!
Ich klage dir mit bittern Thraͤnen
Ein hartes, kaltes Maͤdchenherz.
Es zu erweichen, zu durchgluͤhen,
Dir iſt es eine leichte Pflicht;
Man kann ja Huͤhner in dir bruͤhen,
Warum ein junges Gaͤnschen nicht?
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