Meyer, Conrad Ferdinand: Georg Jenatsch. Leipzig, 1876.himmlisches Wohlgefallen auf sich gezogen. Damals Seither hatte der heilige Dominicus der unwür¬ Die Schwester öffnete die Augen voller Freude himmliſches Wohlgefallen auf ſich gezogen. Damals Seither hatte der heilige Dominicus der unwür¬ Die Schweſter öffnete die Augen voller Freude <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0226" n="216"/> himmliſches Wohlgefallen auf ſich gezogen. Damals<lb/> hatten kaiſerliche Kriegsbanden die Kirche zu Cazis ge¬<lb/> plündert und darin ſo unchriſtlich gehauſt, daß, wie<lb/> Perpetua dem Fräulein ſchrieb, von der heiligen Mutter¬<lb/> gottes nichts als das nackte Holz zurückblieb. Das<lb/> junge Mädchen hatte dann in der Schule der geſchickten<lb/> italiäniſchen Nonnen ein koſtbares Kleid für die beraubte<lb/> heimiſche Gottesmutter geſtickt und bald Gelegenheit<lb/> gefunden, es durch den herzhaften und wanderluſtigen<lb/> Pater Pancraz an ſeine Beſtimmung gelangen zu laſſen.</p><lb/> <p>Seither hatte der heilige Dominicus der unwür¬<lb/> digen Schweſter Perpetua ſeinen Wunſch und Willen<lb/> in wiederholten Erſcheinungen kund gethan. Am deut¬<lb/> lichſten und wunderbarſten aber war dieſes in der ver¬<lb/> wichenen Nacht geſchehen. Die betrübte Ordensſchweſter<lb/> hatte in gottbegnadetem Traume die öde Zelle der Prio¬<lb/> rin betreten und dort plötzlich Lucretia erblickt, wie ſie<lb/> leibte und lebte, doch mit demüthigem Angeſichte und<lb/> geſenkten Augen. Neben ihr aber ſtand St. Domini¬<lb/> cus ſelbſt im Glanze des Himmels und ſeiner ſchnee¬<lb/> weißen Kutte, der ihr einen Lilienſtengel überreichte.<lb/> Der Träumenden war alsdann vorgekommen, als lege<lb/> ſich ein Abglanz ſeines Heiligenſcheins um Lucretias<lb/> erwähltes Haupt.</p><lb/> <p>Die Schweſter öffnete die Augen voller Freude<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [216/0226]
himmliſches Wohlgefallen auf ſich gezogen. Damals
hatten kaiſerliche Kriegsbanden die Kirche zu Cazis ge¬
plündert und darin ſo unchriſtlich gehauſt, daß, wie
Perpetua dem Fräulein ſchrieb, von der heiligen Mutter¬
gottes nichts als das nackte Holz zurückblieb. Das
junge Mädchen hatte dann in der Schule der geſchickten
italiäniſchen Nonnen ein koſtbares Kleid für die beraubte
heimiſche Gottesmutter geſtickt und bald Gelegenheit
gefunden, es durch den herzhaften und wanderluſtigen
Pater Pancraz an ſeine Beſtimmung gelangen zu laſſen.
Seither hatte der heilige Dominicus der unwür¬
digen Schweſter Perpetua ſeinen Wunſch und Willen
in wiederholten Erſcheinungen kund gethan. Am deut¬
lichſten und wunderbarſten aber war dieſes in der ver¬
wichenen Nacht geſchehen. Die betrübte Ordensſchweſter
hatte in gottbegnadetem Traume die öde Zelle der Prio¬
rin betreten und dort plötzlich Lucretia erblickt, wie ſie
leibte und lebte, doch mit demüthigem Angeſichte und
geſenkten Augen. Neben ihr aber ſtand St. Domini¬
cus ſelbſt im Glanze des Himmels und ſeiner ſchnee¬
weißen Kutte, der ihr einen Lilienſtengel überreichte.
Der Träumenden war alsdann vorgekommen, als lege
ſich ein Abglanz ſeines Heiligenſcheins um Lucretias
erwähltes Haupt.
Die Schweſter öffnete die Augen voller Freude
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Zitationshilfe: | Meyer, Conrad Ferdinand: Georg Jenatsch. Leipzig, 1876, S. 216. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/meyer_jenatsch_1876/226>, abgerufen am 17.02.2025. |