durchaus beständig und auch nicht der geringsten Veränderung unterworfen sind. Encke sucht die Ursache davon in dem Wider- stande, welchen der durch den ganzen Weltraum verbreitete Aether, seiner großen Feinheit ungeachtet, einem so lockern und wenig dichten Körper entgegen setzt, während derselbe auf die viel dichteren Planeten keinen für uns merkbaren Einfluß ausübt.
Auf den ersten Blick könnte es sonderbar scheinen, daß der Widerstand eines solchen Mittels, in welchem sich ein Körper bewegt, die Geschwindigkeit desselben beschleunigen soll, denn das thut sie, wenn dadurch der Halbmesser der Bahn kleiner, oder wenn der Komet der Sonne näher gerückt wird, allein man wird sich erinnern, daß auf einem um die Sonne gehenden Himmels- körper immer zwei Kräfte wirken: die anziehende Kraft dieser Sonne und die Tangentialkraft, die von einem ursprünglichen Stoße herrührt, welchen der Komet im Anfange seiner Bewegung erhalten hat. Nach der letzten Kraft bestrebt sich der Komet, in jedem Augenblicke nach der geradlinigen Tangente seiner Bahn fortzugehen, von welcher er, durch die erste Kraft, immer wieder gegen die Sonne abgelenkt oder der Sonne genähert wird. Die Gesammtwirkung beider Kräfte macht ihn dann in der krummen Bahn fortgehen, die er in der That um die Sonne beschreibt. Durch den Widerstand jenes Mittels wird nun ihre Tangential- kraft offenbar vermindert, und das ist, da es sich hier nur um die Verhältnisse beider Kräfte handelt, ganz eben so viel, als ob die Attractionskraft der Sonne vermehrt worden wäre, so daß also die Sonne, wegen jenes Mittels, ihn stärker anziehen, ihn näher zu sich ziehen und eben dadurch auch seine Geschwindigkeit vermehren oder seine Umlaufszeit vermindern muß. Wenn die Bahn des Kometen eine feste, Kanal-ähnliche Bahn wäre, wenn z. B. eine Kugel von Metall oder Elfenbein sich in irgend einer krummen Röhre bewegte, so ist kein Zweifel, daß sie sich in dem leeren Raume dieser Röhre schneller, als in einer mit Luft oder Wasser gefüllten Röhre bewegen würde, so daß also hier der Widerstand des Wassers in der That eine Verzögerung, und nicht, wie dort, eine Beschleunigung der Geschwindigkeit des Körpers hervorbringen würde. Allein die himmlischen Körper
Kometen.
durchaus beſtändig und auch nicht der geringſten Veränderung unterworfen ſind. Encke ſucht die Urſache davon in dem Wider- ſtande, welchen der durch den ganzen Weltraum verbreitete Aether, ſeiner großen Feinheit ungeachtet, einem ſo lockern und wenig dichten Körper entgegen ſetzt, während derſelbe auf die viel dichteren Planeten keinen für uns merkbaren Einfluß ausübt.
Auf den erſten Blick könnte es ſonderbar ſcheinen, daß der Widerſtand eines ſolchen Mittels, in welchem ſich ein Körper bewegt, die Geſchwindigkeit deſſelben beſchleunigen ſoll, denn das thut ſie, wenn dadurch der Halbmeſſer der Bahn kleiner, oder wenn der Komet der Sonne näher gerückt wird, allein man wird ſich erinnern, daß auf einem um die Sonne gehenden Himmels- körper immer zwei Kräfte wirken: die anziehende Kraft dieſer Sonne und die Tangentialkraft, die von einem urſprünglichen Stoße herrührt, welchen der Komet im Anfange ſeiner Bewegung erhalten hat. Nach der letzten Kraft beſtrebt ſich der Komet, in jedem Augenblicke nach der geradlinigen Tangente ſeiner Bahn fortzugehen, von welcher er, durch die erſte Kraft, immer wieder gegen die Sonne abgelenkt oder der Sonne genähert wird. Die Geſammtwirkung beider Kräfte macht ihn dann in der krummen Bahn fortgehen, die er in der That um die Sonne beſchreibt. Durch den Widerſtand jenes Mittels wird nun ihre Tangential- kraft offenbar vermindert, und das iſt, da es ſich hier nur um die Verhältniſſe beider Kräfte handelt, ganz eben ſo viel, als ob die Attractionskraft der Sonne vermehrt worden wäre, ſo daß alſo die Sonne, wegen jenes Mittels, ihn ſtärker anziehen, ihn näher zu ſich ziehen und eben dadurch auch ſeine Geſchwindigkeit vermehren oder ſeine Umlaufszeit vermindern muß. Wenn die Bahn des Kometen eine feſte, Kanal-ähnliche Bahn wäre, wenn z. B. eine Kugel von Metall oder Elfenbein ſich in irgend einer krummen Röhre bewegte, ſo iſt kein Zweifel, daß ſie ſich in dem leeren Raume dieſer Röhre ſchneller, als in einer mit Luft oder Waſſer gefüllten Röhre bewegen würde, ſo daß alſo hier der Widerſtand des Waſſers in der That eine Verzögerung, und nicht, wie dort, eine Beſchleunigung der Geſchwindigkeit des Körpers hervorbringen würde. Allein die himmliſchen Körper
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Kometen.
durchaus beſtändig und auch nicht der geringſten Veränderung
unterworfen ſind. Encke ſucht die Urſache davon in dem Wider-
ſtande, welchen der durch den ganzen Weltraum verbreitete Aether,
ſeiner großen Feinheit ungeachtet, einem ſo lockern und wenig
dichten Körper entgegen ſetzt, während derſelbe auf die viel dichteren
Planeten keinen für uns merkbaren Einfluß ausübt.
Auf den erſten Blick könnte es ſonderbar ſcheinen, daß der
Widerſtand eines ſolchen Mittels, in welchem ſich ein Körper
bewegt, die Geſchwindigkeit deſſelben beſchleunigen ſoll, denn
das thut ſie, wenn dadurch der Halbmeſſer der Bahn kleiner, oder
wenn der Komet der Sonne näher gerückt wird, allein man wird
ſich erinnern, daß auf einem um die Sonne gehenden Himmels-
körper immer zwei Kräfte wirken: die anziehende Kraft dieſer
Sonne und die Tangentialkraft, die von einem urſprünglichen
Stoße herrührt, welchen der Komet im Anfange ſeiner Bewegung
erhalten hat. Nach der letzten Kraft beſtrebt ſich der Komet, in
jedem Augenblicke nach der geradlinigen Tangente ſeiner Bahn
fortzugehen, von welcher er, durch die erſte Kraft, immer wieder
gegen die Sonne abgelenkt oder der Sonne genähert wird. Die
Geſammtwirkung beider Kräfte macht ihn dann in der krummen
Bahn fortgehen, die er in der That um die Sonne beſchreibt.
Durch den Widerſtand jenes Mittels wird nun ihre Tangential-
kraft offenbar vermindert, und das iſt, da es ſich hier nur um
die Verhältniſſe beider Kräfte handelt, ganz eben ſo viel, als ob
die Attractionskraft der Sonne vermehrt worden wäre, ſo daß
alſo die Sonne, wegen jenes Mittels, ihn ſtärker anziehen, ihn
näher zu ſich ziehen und eben dadurch auch ſeine Geſchwindigkeit
vermehren oder ſeine Umlaufszeit vermindern muß. Wenn die
Bahn des Kometen eine feſte, Kanal-ähnliche Bahn wäre, wenn
z. B. eine Kugel von Metall oder Elfenbein ſich in irgend einer
krummen Röhre bewegte, ſo iſt kein Zweifel, daß ſie ſich in dem
leeren Raume dieſer Röhre ſchneller, als in einer mit Luft oder
Waſſer gefüllten Röhre bewegen würde, ſo daß alſo hier der
Widerſtand des Waſſers in der That eine Verzögerung, und
nicht, wie dort, eine Beſchleunigung der Geſchwindigkeit des
Körpers hervorbringen würde. Allein die himmliſchen Körper
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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835, S. 269. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835/279>, abgerufen am 16.02.2025.
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