In dem letzten Jahre war die Ernte Marokkos sehr reich, während Italien eine Missernte hatte.
Gummi wurde 1888 für 950.500 Frcs., 1889 für 638.875 Frcs. und 1890 für 740.000 Frcs. ausgeführt.
Mogador exportirte ferner:
[Tabelle]
Als höchst bedeutender Ausfuhrartikel sind Ziegenfelle zu nennen. Ihr Export belief sich 1890 auf 1,593.600 Frcs., 1889 auf 1,492.500 Frcs. und 1888 auf 752.000 Frcs. Schliesslich ist im Jahre 1890 auch die Ausfuhr von Strauss- federn hervorzuheben.
Der Schiffsverkehr von Mogador erreichte im Einlaufe 1890 109 Schiffe mit 93.069 Reg.-Tons, 1889 98 Schiffe mit 70.998 Reg.-Tons. Der Schiffsverkehr, welcher fast nur Dampfer umfasst, stieg 1890 gegen das Vorjahr, weil zwei deutsche Linien, die Woermann- und die Atlas-Linie, regelmässige Fahrten zwischen Hamburg und Mogador einrichteten.
Mogador ist ferner Station der Paquet-Compagnie (Marseille), einer spanischen Linie und einiger englischen Linien.
In Mogador unterhalten Consulate: Frankreich, Grossbritannien und Spanien.
So ziemlich in der Mitte zwischen Mogador und Tanger liegt die Seestadt Casablanca (Dar El Baida, früher Aufa genannt), der Hauptort der reichen Provinz Schawia. Die Stadt ist mit starken Mauern und Thürmen umgeben und bildet ein längliches Viereck. Die Strassen sind zwar ziemlich geräumig, doch ebenso schmutzig, wie die fast aller Städte Marokkos; die Häuser sind unansehnlich, eigentlich zumeist nur Hütten.
Einst ein Zankapfel zwischen den Portugiesen, welche die Stadt anfangs des XVI. Jahrhunderts an der Stelle des alten Aufa grün- deten, und den Mauren, beginnt Casablanca an Bedeutung zuzunehmen, obschon der Hafen eigentlich nur eine offene Rhede ist.
Casablanca zählt 9000 Einwohner, darunter 2000 Juden und etwa 100 Europäer. Unter den Letzteren befinden sich auch einige Deutsche.
Die Stadt ist Sitz des Gouverneurs der Provinz und der Ver- treter der fremden Mächte. Sie ist ein ziemlich bedeutender Handels- platz geworden, dessen Hauptausfuhrartikel Getreide, Felle und Wolle sind. Der Handelsumsatz beträgt über 3,000.000 Gulden im Jahre.
Etwa 60 Kilometer vor Tanger liegt Larache (arabisch El Araisch genannt), an der Mündung des Wad-al-Kus (Ued-Aulcus) in
Die atlantische Küste von Afrika.
In dem letzten Jahre war die Ernte Marokkos sehr reich, während Italien eine Missernte hatte.
Gummi wurde 1888 für 950.500 Frcs., 1889 für 638.875 Frcs. und 1890 für 740.000 Frcs. ausgeführt.
Mogador exportirte ferner:
[Tabelle]
Als höchst bedeutender Ausfuhrartikel sind Ziegenfelle zu nennen. Ihr Export belief sich 1890 auf 1,593.600 Frcs., 1889 auf 1,492.500 Frcs. und 1888 auf 752.000 Frcs. Schliesslich ist im Jahre 1890 auch die Ausfuhr von Strauss- federn hervorzuheben.
Der Schiffsverkehr von Mogador erreichte im Einlaufe 1890 109 Schiffe mit 93.069 Reg.-Tons, 1889 98 Schiffe mit 70.998 Reg.-Tons. Der Schiffsverkehr, welcher fast nur Dampfer umfasst, stieg 1890 gegen das Vorjahr, weil zwei deutsche Linien, die Woermann- und die Atlas-Linie, regelmässige Fahrten zwischen Hamburg und Mogador einrichteten.
Mogador ist ferner Station der Paquet-Compagnie (Marseille), einer spanischen Linie und einiger englischen Linien.
In Mogador unterhalten Consulate: Frankreich, Grossbritannien und Spanien.
So ziemlich in der Mitte zwischen Mogador und Tanger liegt die Seestadt Casablanca (Dar El Baida, früher Aufa genannt), der Hauptort der reichen Provinz Schawia. Die Stadt ist mit starken Mauern und Thürmen umgeben und bildet ein längliches Viereck. Die Strassen sind zwar ziemlich geräumig, doch ebenso schmutzig, wie die fast aller Städte Marokkos; die Häuser sind unansehnlich, eigentlich zumeist nur Hütten.
Einst ein Zankapfel zwischen den Portugiesen, welche die Stadt anfangs des XVI. Jahrhunderts an der Stelle des alten Aufa grün- deten, und den Mauren, beginnt Casablanca an Bedeutung zuzunehmen, obschon der Hafen eigentlich nur eine offene Rhede ist.
Casablanca zählt 9000 Einwohner, darunter 2000 Juden und etwa 100 Europäer. Unter den Letzteren befinden sich auch einige Deutsche.
Die Stadt ist Sitz des Gouverneurs der Provinz und der Ver- treter der fremden Mächte. Sie ist ein ziemlich bedeutender Handels- platz geworden, dessen Hauptausfuhrartikel Getreide, Felle und Wolle sind. Der Handelsumsatz beträgt über 3,000.000 Gulden im Jahre.
Etwa 60 Kilometer vor Tanger liegt Larache (arabisch El Araïsch genannt), an der Mündung des Wad-al-Kus (Uëd-Aulcus) in
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Die atlantische Küste von Afrika.
In dem letzten Jahre war die Ernte Marokkos sehr reich, während Italien eine
Missernte hatte.
Gummi wurde 1888 für 950.500 Frcs., 1889 für 638.875 Frcs. und 1890
für 740.000 Frcs. ausgeführt.
Mogador exportirte ferner:
Als höchst bedeutender Ausfuhrartikel sind Ziegenfelle zu nennen. Ihr
Export belief sich 1890 auf 1,593.600 Frcs., 1889 auf 1,492.500 Frcs. und 1888
auf 752.000 Frcs. Schliesslich ist im Jahre 1890 auch die Ausfuhr von Strauss-
federn hervorzuheben.
Der Schiffsverkehr von Mogador erreichte im Einlaufe 1890 109 Schiffe
mit 93.069 Reg.-Tons, 1889 98 Schiffe mit 70.998 Reg.-Tons. Der Schiffsverkehr,
welcher fast nur Dampfer umfasst, stieg 1890 gegen das Vorjahr, weil zwei
deutsche Linien, die Woermann- und die Atlas-Linie, regelmässige Fahrten
zwischen Hamburg und Mogador einrichteten.
Mogador ist ferner Station der Paquet-Compagnie (Marseille), einer
spanischen Linie und einiger englischen Linien.
In Mogador unterhalten Consulate: Frankreich, Grossbritannien und
Spanien.
So ziemlich in der Mitte zwischen Mogador und Tanger liegt
die Seestadt Casablanca (Dar El Baida, früher Aufa genannt), der
Hauptort der reichen Provinz Schawia. Die Stadt ist mit starken
Mauern und Thürmen umgeben und bildet ein längliches Viereck.
Die Strassen sind zwar ziemlich geräumig, doch ebenso schmutzig,
wie die fast aller Städte Marokkos; die Häuser sind unansehnlich,
eigentlich zumeist nur Hütten.
Einst ein Zankapfel zwischen den Portugiesen, welche die Stadt
anfangs des XVI. Jahrhunderts an der Stelle des alten Aufa grün-
deten, und den Mauren, beginnt Casablanca an Bedeutung zuzunehmen,
obschon der Hafen eigentlich nur eine offene Rhede ist.
Casablanca zählt 9000 Einwohner, darunter 2000 Juden und
etwa 100 Europäer. Unter den Letzteren befinden sich auch einige
Deutsche.
Die Stadt ist Sitz des Gouverneurs der Provinz und der Ver-
treter der fremden Mächte. Sie ist ein ziemlich bedeutender Handels-
platz geworden, dessen Hauptausfuhrartikel Getreide, Felle und Wolle
sind. Der Handelsumsatz beträgt über 3,000.000 Gulden im Jahre.
Etwa 60 Kilometer vor Tanger liegt Larache (arabisch El
Araïsch genannt), an der Mündung des Wad-al-Kus (Uëd-Aulcus) in
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Lehnert, Josef von u. a.: Die Seehäfen des Weltverkehrs. Bd. 2. Wien, 1892, S. 736. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lehnert_seehaefen02_1892/752>, abgerufen am 22.11.2024.
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