Die Erzeugung, Erhitzung und Fortleitung des Gebläsewindes.
ratur, da durch starke Schwankungen der letzteren erhebliche Aende- rungen im Verlaufe des Hochofenprocesses herbeigeführt werden können.
Leider giebt es kaum ein Messinstrument, welches in den höheren Temperaturen des erhitzten Gebläsewindes -- fast ausnahmslos über 300° und häufig über 600°C. -- vollständig zuverlässig und zugleich bequem zu handhaben ist.
Sogenannte Metallpyrometer, deren Wirkung auf der Aus- dehnung eines Metallstabes oder auf der verschiedenen Ausdehnung zweier Stäbe aus verschiedenen Metallen beruht, verlieren schon nach kurzem Gebrauche vollständig ihre Zuverlässigkeit.
Geeigneter für diesen Zweck dürfte das von Klinghammer er- fundene, von Schäffer und Budenberg in Buckau-Magdeburg ge- fertigte Thalpotasimeter (Wärmespannungsmesser) sein. Ein eisernes, äusserlich durch ein weiteres Schutzrohr mit Bleifüllung umkleidetes und vor Oxydation geschütztes Rohr ist bis zu einer gewissen Höhe mit einer Flüssigkeit gefüllt, welche beim Erhitzen theilweise Dampf- form annimmt. Durch ein gewöhnliches Federmanometer ist das obere Ende des Rohres geschlossen. Die entwickelten Dämpfe üben eine von der Höhe der herrschenden Temperatur abhängige Spannung aus, welche den Zeigerapparat des Manometers in Bewegung setzt; das Zifferblatt desselben ist mit einer Scala versehen, welche, auf den von Regnault ermittelten Beziehungen zwischen Temperatur und Spannung der Dämpfe fussend, die unmittelbare Ablesung der Temperatur ermöglicht.1)
Als Füllung der Röhre dient bei Thalpotasimetern für Tempera- turen über 350 Grad Quecksilber. Bis zu einer Temperatur von 600 Grad soll das Thalpotasimeter zufrieden stellende Ergebnisse liefern; bei höheren Temperaturen wird die Benutzung infolge der beginnenden Erweichung des Schmiedeeisens, aus dem das Rohr besteht, misslicher, doch hat man Temperaturen bis zu 750°C. damit gemessen.
Weniger bequem zur Messung der Windtemperatur ist die An- wendung von Metallen oder Legirungen mit bestimmten Schmelz- punkten, von welchen verschiedene gleichzeitig der Einwirkung des Windes ausgesetzt werden.
Es dürften folgende Metalle und Legirungen, deren Schmelztempe- raturen durch Versuche ermittelt worden sind2), sich für diesen Zweck eignen.
[Tabelle]
Temperaturen bis zu 300° oder wenig darüber lassen sich übrigens weit bequemer mit Hilfe des Quecksilberthermometers messen; anderer- seits nimmt bei Temperaturen über 400 Grad hinaus die Zuverlässig- keit der Anwendung von Metallen oder Legirungen schon sehr ab, da bis jetzt so gut wie gar keine zuverlässigen Bestimmungen der Schmelz-
1) Dingler's Polyt. Journ., Bd. 236, S. 306.
2) Da der Schmelzpunkt der Legirungen keineswegs dem arithmetischen Mittel zwischen den Schmelzpunkten der legirten Einzelmetalle entspricht, so sind Ziffern, die nur auf Berechnung der Schmelztemperaturen beruhen, oft nicht einmal an- nähernd richtig.
Die Erzeugung, Erhitzung und Fortleitung des Gebläsewindes.
ratur, da durch starke Schwankungen der letzteren erhebliche Aende- rungen im Verlaufe des Hochofenprocesses herbeigeführt werden können.
Leider giebt es kaum ein Messinstrument, welches in den höheren Temperaturen des erhitzten Gebläsewindes — fast ausnahmslos über 300° und häufig über 600°C. — vollständig zuverlässig und zugleich bequem zu handhaben ist.
Sogenannte Metallpyrometer, deren Wirkung auf der Aus- dehnung eines Metallstabes oder auf der verschiedenen Ausdehnung zweier Stäbe aus verschiedenen Metallen beruht, verlieren schon nach kurzem Gebrauche vollständig ihre Zuverlässigkeit.
Geeigneter für diesen Zweck dürfte das von Klinghammer er- fundene, von Schäffer und Budenberg in Buckau-Magdeburg ge- fertigte Thalpotasimeter (Wärmespannungsmesser) sein. Ein eisernes, äusserlich durch ein weiteres Schutzrohr mit Bleifüllung umkleidetes und vor Oxydation geschütztes Rohr ist bis zu einer gewissen Höhe mit einer Flüssigkeit gefüllt, welche beim Erhitzen theilweise Dampf- form annimmt. Durch ein gewöhnliches Federmanometer ist das obere Ende des Rohres geschlossen. Die entwickelten Dämpfe üben eine von der Höhe der herrschenden Temperatur abhängige Spannung aus, welche den Zeigerapparat des Manometers in Bewegung setzt; das Zifferblatt desselben ist mit einer Scala versehen, welche, auf den von Regnault ermittelten Beziehungen zwischen Temperatur und Spannung der Dämpfe fussend, die unmittelbare Ablesung der Temperatur ermöglicht.1)
Als Füllung der Röhre dient bei Thalpotasimetern für Tempera- turen über 350 Grad Quecksilber. Bis zu einer Temperatur von 600 Grad soll das Thalpotasimeter zufrieden stellende Ergebnisse liefern; bei höheren Temperaturen wird die Benutzung infolge der beginnenden Erweichung des Schmiedeeisens, aus dem das Rohr besteht, misslicher, doch hat man Temperaturen bis zu 750°C. damit gemessen.
Weniger bequem zur Messung der Windtemperatur ist die An- wendung von Metallen oder Legirungen mit bestimmten Schmelz- punkten, von welchen verschiedene gleichzeitig der Einwirkung des Windes ausgesetzt werden.
Es dürften folgende Metalle und Legirungen, deren Schmelztempe- raturen durch Versuche ermittelt worden sind2), sich für diesen Zweck eignen.
[Tabelle]
Temperaturen bis zu 300° oder wenig darüber lassen sich übrigens weit bequemer mit Hilfe des Quecksilberthermometers messen; anderer- seits nimmt bei Temperaturen über 400 Grad hinaus die Zuverlässig- keit der Anwendung von Metallen oder Legirungen schon sehr ab, da bis jetzt so gut wie gar keine zuverlässigen Bestimmungen der Schmelz-
1) Dingler’s Polyt. Journ., Bd. 236, S. 306.
2) Da der Schmelzpunkt der Legirungen keineswegs dem arithmetischen Mittel zwischen den Schmelzpunkten der legirten Einzelmetalle entspricht, so sind Ziffern, die nur auf Berechnung der Schmelztemperaturen beruhen, oft nicht einmal an- nähernd richtig.
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Die Erzeugung, Erhitzung und Fortleitung des Gebläsewindes.
ratur, da durch starke Schwankungen der letzteren erhebliche Aende-
rungen im Verlaufe des Hochofenprocesses herbeigeführt werden können.
Leider giebt es kaum ein Messinstrument, welches in den höheren
Temperaturen des erhitzten Gebläsewindes — fast ausnahmslos über
300° und häufig über 600°C. — vollständig zuverlässig und zugleich
bequem zu handhaben ist.
Sogenannte Metallpyrometer, deren Wirkung auf der Aus-
dehnung eines Metallstabes oder auf der verschiedenen Ausdehnung
zweier Stäbe aus verschiedenen Metallen beruht, verlieren schon nach
kurzem Gebrauche vollständig ihre Zuverlässigkeit.
Geeigneter für diesen Zweck dürfte das von Klinghammer er-
fundene, von Schäffer und Budenberg in Buckau-Magdeburg ge-
fertigte Thalpotasimeter (Wärmespannungsmesser) sein. Ein eisernes,
äusserlich durch ein weiteres Schutzrohr mit Bleifüllung umkleidetes
und vor Oxydation geschütztes Rohr ist bis zu einer gewissen Höhe
mit einer Flüssigkeit gefüllt, welche beim Erhitzen theilweise Dampf-
form annimmt. Durch ein gewöhnliches Federmanometer ist das obere
Ende des Rohres geschlossen. Die entwickelten Dämpfe üben eine von
der Höhe der herrschenden Temperatur abhängige Spannung aus, welche
den Zeigerapparat des Manometers in Bewegung setzt; das Zifferblatt
desselben ist mit einer Scala versehen, welche, auf den von Regnault
ermittelten Beziehungen zwischen Temperatur und Spannung der Dämpfe
fussend, die unmittelbare Ablesung der Temperatur ermöglicht. 1)
Als Füllung der Röhre dient bei Thalpotasimetern für Tempera-
turen über 350 Grad Quecksilber. Bis zu einer Temperatur von
600 Grad soll das Thalpotasimeter zufrieden stellende Ergebnisse liefern;
bei höheren Temperaturen wird die Benutzung infolge der beginnenden
Erweichung des Schmiedeeisens, aus dem das Rohr besteht, misslicher,
doch hat man Temperaturen bis zu 750°C. damit gemessen.
Weniger bequem zur Messung der Windtemperatur ist die An-
wendung von Metallen oder Legirungen mit bestimmten Schmelz-
punkten, von welchen verschiedene gleichzeitig der Einwirkung des
Windes ausgesetzt werden.
Es dürften folgende Metalle und Legirungen, deren Schmelztempe-
raturen durch Versuche ermittelt worden sind 2), sich für diesen Zweck
eignen.
Temperaturen bis zu 300° oder wenig darüber lassen sich übrigens
weit bequemer mit Hilfe des Quecksilberthermometers messen; anderer-
seits nimmt bei Temperaturen über 400 Grad hinaus die Zuverlässig-
keit der Anwendung von Metallen oder Legirungen schon sehr ab, da
bis jetzt so gut wie gar keine zuverlässigen Bestimmungen der Schmelz-
1) Dingler’s Polyt. Journ., Bd. 236, S. 306.
2) Da der Schmelzpunkt der Legirungen keineswegs dem arithmetischen Mittel
zwischen den Schmelzpunkten der legirten Einzelmetalle entspricht, so sind Ziffern,
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Ledebur, Adolf: Handbuch der Eisenhüttenkunde. Leipzig, 1884, S. 442. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ledebur_eisenhuettenkunde_1884/502>, abgerufen am 02.02.2025.
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