b) Mit mineralischen Brennstoffen, insbesondere Koks, erzeugtes Roheisen.
Die höhere Temperatur im Schmelzraume des Hochofens bei An- wendung der in der Ueberschrift bezeichneten Brennstoffe, sowie die sich bildende reichlichere Aschen- und Schlackenmenge geben aus- gedehntere Gelegenheit als beim Betriebe mit Holzkohlen zur Auf- nahme von Mangan und Silicium. Dass dagegen der Schwefelgehalt des grauen mit Koks u. s. w. dargestellten Roheisens häufig geringer sei als der des Holzkohlenroheisens, während der Phosphorgehalt bei Anwen- dung gleicher Erze keine erheblichen Abweichungen in den beiden Roh- eisengattungen erkennen lässt (sofern nicht etwa durch den Aschen- gehalt der mineralischen Brennstoffe grössere Phosphormengen in die Beschickung geführt werden), wurde bereits erwähnt.
Das Gefüge des Koks- u. s. w. Roheisens pflegt, auch wenn die chemische Zusammensetzung annähernd mit der des Holzkohlenroh- eisens übereinstimmt, eine entschieden grobkörnigere Beschaffenheit als das Gefüge des letzteren zu besitzen. Holzkohlenroheisen mit so grobem Korne, als es die graphitreicheren Sorten des Koksroheisens regelmässig besitzen, kommt überhaupt kaum vor. Der Grund hierfür liegt zum Theil in der schon erwähnten höheren Temperatur, bei welcher das Koksroheisen u. s. w. dargestellt wird; das höher erhitzte Roheisen wird allmählicher erstarren und abkühlen und hierbei ein grobkörnigeres Gefüge erhalten. Durch die Form der Masseln, in welchen dieses Roh- eisen gewöhnlich in den Handel kommt, wird jene langsamere Abküh- lung und somit die Entstehung des grobkörnigeren Gefüges ebenfalls befördert. Diese Masseln pflegen aus Barren von etwa 100--125 mm Stärke bei 80--100 mm Breite zu bestehen, welche zur Erleichterung des Zerschlagens in Abständen von etwa 250--300 mm mit eingegosse- nen Kerben versehen sind.
Zur Herstellung von Gusswaaren unmittelbar aus dem Hochofen ist das graue Koksroheisen weniger geeignet als das Holzkohlenroheisen. Die Ursache hierfür ist theilweise in dem Umstande zu suchen, dass in der, in den Kokshochöfen herrschenden, stärkeren Gasspannung auch das Roheisen reichere Mengen von Gasen löst und beim Erstarren wieder entlässt als das Holzkohlenroheisen, schwieriger mithin als dieses dichte, blasenfreie Abgüsse liefert.
Dagegen befähigt der durchschnittlich höhere Siliciumgehalt des grauen Koksroheisens dasselbe, ein öfteres Umschmelzen als das Holz- kohlenroheisen zu ertragen, ohne dadurch hart, spröde zu werden. In allen den zahlreichen Eisengiessereien, welche nicht unmittelbar aus dem Hochofen ihr flüssiges Roheisen empfangen, sondern das Roheisen in eigenen Oefen umschmelzen, bildet deshalb das Koksroheisen ein bequemer verarbeitbares Material als das Holzkohlenroheisen und wird theils aus diesem Grunde theils freilich auch seines durchschnittlich ge- ringeren Preises halber in ungleich grösseren Mengen als letzteres ver- arbeitet.
Ein grösserer Mangangehalt des für die Giesserei bestimmten Roh- eisens ruft die nämlichen übelen Eigenschaften hervor, welche das
Die Arten des grauen Roheisens. Koksroheisen.
b) Mit mineralischen Brennstoffen, insbesondere Koks, erzeugtes Roheisen.
Die höhere Temperatur im Schmelzraume des Hochofens bei An- wendung der in der Ueberschrift bezeichneten Brennstoffe, sowie die sich bildende reichlichere Aschen- und Schlackenmenge geben aus- gedehntere Gelegenheit als beim Betriebe mit Holzkohlen zur Auf- nahme von Mangan und Silicium. Dass dagegen der Schwefelgehalt des grauen mit Koks u. s. w. dargestellten Roheisens häufig geringer sei als der des Holzkohlenroheisens, während der Phosphorgehalt bei Anwen- dung gleicher Erze keine erheblichen Abweichungen in den beiden Roh- eisengattungen erkennen lässt (sofern nicht etwa durch den Aschen- gehalt der mineralischen Brennstoffe grössere Phosphormengen in die Beschickung geführt werden), wurde bereits erwähnt.
Das Gefüge des Koks- u. s. w. Roheisens pflegt, auch wenn die chemische Zusammensetzung annähernd mit der des Holzkohlenroh- eisens übereinstimmt, eine entschieden grobkörnigere Beschaffenheit als das Gefüge des letzteren zu besitzen. Holzkohlenroheisen mit so grobem Korne, als es die graphitreicheren Sorten des Koksroheisens regelmässig besitzen, kommt überhaupt kaum vor. Der Grund hierfür liegt zum Theil in der schon erwähnten höheren Temperatur, bei welcher das Koksroheisen u. s. w. dargestellt wird; das höher erhitzte Roheisen wird allmählicher erstarren und abkühlen und hierbei ein grobkörnigeres Gefüge erhalten. Durch die Form der Masseln, in welchen dieses Roh- eisen gewöhnlich in den Handel kommt, wird jene langsamere Abküh- lung und somit die Entstehung des grobkörnigeren Gefüges ebenfalls befördert. Diese Masseln pflegen aus Barren von etwa 100—125 mm Stärke bei 80—100 mm Breite zu bestehen, welche zur Erleichterung des Zerschlagens in Abständen von etwa 250—300 mm mit eingegosse- nen Kerben versehen sind.
Zur Herstellung von Gusswaaren unmittelbar aus dem Hochofen ist das graue Koksroheisen weniger geeignet als das Holzkohlenroheisen. Die Ursache hierfür ist theilweise in dem Umstande zu suchen, dass in der, in den Kokshochöfen herrschenden, stärkeren Gasspannung auch das Roheisen reichere Mengen von Gasen löst und beim Erstarren wieder entlässt als das Holzkohlenroheisen, schwieriger mithin als dieses dichte, blasenfreie Abgüsse liefert.
Dagegen befähigt der durchschnittlich höhere Siliciumgehalt des grauen Koksroheisens dasselbe, ein öfteres Umschmelzen als das Holz- kohlenroheisen zu ertragen, ohne dadurch hart, spröde zu werden. In allen den zahlreichen Eisengiessereien, welche nicht unmittelbar aus dem Hochofen ihr flüssiges Roheisen empfangen, sondern das Roheisen in eigenen Oefen umschmelzen, bildet deshalb das Koksroheisen ein bequemer verarbeitbares Material als das Holzkohlenroheisen und wird theils aus diesem Grunde theils freilich auch seines durchschnittlich ge- ringeren Preises halber in ungleich grösseren Mengen als letzteres ver- arbeitet.
Ein grösserer Mangangehalt des für die Giesserei bestimmten Roh- eisens ruft die nämlichen übelen Eigenschaften hervor, welche das
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><divn="4"><pbfacs="#f0349"n="303"/><fwplace="top"type="header">Die Arten des grauen Roheisens. Koksroheisen.</fw><lb/><divn="5"><head><hirendition="#b">b) Mit mineralischen Brennstoffen, insbesondere Koks,<lb/>
erzeugtes Roheisen.</hi></head><lb/><p>Die höhere Temperatur im Schmelzraume des Hochofens bei An-<lb/>
wendung der in der Ueberschrift bezeichneten Brennstoffe, sowie die<lb/>
sich bildende reichlichere Aschen- und Schlackenmenge geben aus-<lb/>
gedehntere Gelegenheit als beim Betriebe mit Holzkohlen zur Auf-<lb/>
nahme von Mangan und Silicium. Dass dagegen der Schwefelgehalt des<lb/>
grauen mit Koks u. s. w. dargestellten Roheisens häufig geringer sei als<lb/>
der des Holzkohlenroheisens, während der Phosphorgehalt bei Anwen-<lb/>
dung gleicher Erze keine erheblichen Abweichungen in den beiden Roh-<lb/>
eisengattungen erkennen lässt (sofern nicht etwa durch den Aschen-<lb/>
gehalt der mineralischen Brennstoffe grössere Phosphormengen in die<lb/>
Beschickung geführt werden), wurde bereits erwähnt.</p><lb/><p>Das Gefüge des Koks- u. s. w. Roheisens pflegt, auch wenn die<lb/>
chemische Zusammensetzung annähernd mit der des Holzkohlenroh-<lb/>
eisens übereinstimmt, eine entschieden grobkörnigere Beschaffenheit als<lb/>
das Gefüge des letzteren zu besitzen. Holzkohlenroheisen mit so grobem<lb/>
Korne, als es die graphitreicheren Sorten des Koksroheisens regelmässig<lb/>
besitzen, kommt überhaupt kaum vor. Der Grund hierfür liegt zum<lb/>
Theil in der schon erwähnten höheren Temperatur, bei welcher das<lb/>
Koksroheisen u. s. w. dargestellt wird; das höher erhitzte Roheisen wird<lb/>
allmählicher erstarren und abkühlen und hierbei ein grobkörnigeres<lb/>
Gefüge erhalten. Durch die Form der Masseln, in welchen dieses Roh-<lb/>
eisen gewöhnlich in den Handel kommt, wird jene langsamere Abküh-<lb/>
lung und somit die Entstehung des grobkörnigeren Gefüges ebenfalls<lb/>
befördert. Diese Masseln pflegen aus Barren von etwa 100—125 mm<lb/>
Stärke bei 80—100 mm Breite zu bestehen, welche zur Erleichterung<lb/>
des Zerschlagens in Abständen von etwa 250—300 mm mit eingegosse-<lb/>
nen Kerben versehen sind.</p><lb/><p>Zur Herstellung von Gusswaaren unmittelbar aus dem Hochofen<lb/>
ist das graue Koksroheisen weniger geeignet als das Holzkohlenroheisen.<lb/>
Die Ursache hierfür ist theilweise in dem Umstande zu suchen, dass in<lb/>
der, in den Kokshochöfen herrschenden, stärkeren Gasspannung auch das<lb/>
Roheisen reichere Mengen von Gasen löst und beim Erstarren wieder<lb/>
entlässt als das Holzkohlenroheisen, schwieriger mithin als dieses dichte,<lb/>
blasenfreie Abgüsse liefert.</p><lb/><p>Dagegen befähigt der durchschnittlich höhere Siliciumgehalt des<lb/>
grauen Koksroheisens dasselbe, ein öfteres Umschmelzen als das Holz-<lb/>
kohlenroheisen zu ertragen, ohne dadurch hart, spröde zu werden. In<lb/>
allen den zahlreichen Eisengiessereien, welche nicht unmittelbar aus<lb/>
dem Hochofen ihr flüssiges Roheisen empfangen, sondern das Roheisen<lb/>
in eigenen Oefen umschmelzen, bildet deshalb das Koksroheisen ein<lb/>
bequemer verarbeitbares Material als das Holzkohlenroheisen und wird<lb/>
theils aus diesem Grunde theils freilich auch seines durchschnittlich ge-<lb/>
ringeren Preises halber in ungleich grösseren Mengen als letzteres ver-<lb/>
arbeitet.</p><lb/><p>Ein grösserer Mangangehalt des für die Giesserei bestimmten Roh-<lb/>
eisens ruft die nämlichen übelen Eigenschaften hervor, welche das<lb/></p></div></div></div></div></div></body></text></TEI>
[303/0349]
Die Arten des grauen Roheisens. Koksroheisen.
b) Mit mineralischen Brennstoffen, insbesondere Koks,
erzeugtes Roheisen.
Die höhere Temperatur im Schmelzraume des Hochofens bei An-
wendung der in der Ueberschrift bezeichneten Brennstoffe, sowie die
sich bildende reichlichere Aschen- und Schlackenmenge geben aus-
gedehntere Gelegenheit als beim Betriebe mit Holzkohlen zur Auf-
nahme von Mangan und Silicium. Dass dagegen der Schwefelgehalt des
grauen mit Koks u. s. w. dargestellten Roheisens häufig geringer sei als
der des Holzkohlenroheisens, während der Phosphorgehalt bei Anwen-
dung gleicher Erze keine erheblichen Abweichungen in den beiden Roh-
eisengattungen erkennen lässt (sofern nicht etwa durch den Aschen-
gehalt der mineralischen Brennstoffe grössere Phosphormengen in die
Beschickung geführt werden), wurde bereits erwähnt.
Das Gefüge des Koks- u. s. w. Roheisens pflegt, auch wenn die
chemische Zusammensetzung annähernd mit der des Holzkohlenroh-
eisens übereinstimmt, eine entschieden grobkörnigere Beschaffenheit als
das Gefüge des letzteren zu besitzen. Holzkohlenroheisen mit so grobem
Korne, als es die graphitreicheren Sorten des Koksroheisens regelmässig
besitzen, kommt überhaupt kaum vor. Der Grund hierfür liegt zum
Theil in der schon erwähnten höheren Temperatur, bei welcher das
Koksroheisen u. s. w. dargestellt wird; das höher erhitzte Roheisen wird
allmählicher erstarren und abkühlen und hierbei ein grobkörnigeres
Gefüge erhalten. Durch die Form der Masseln, in welchen dieses Roh-
eisen gewöhnlich in den Handel kommt, wird jene langsamere Abküh-
lung und somit die Entstehung des grobkörnigeren Gefüges ebenfalls
befördert. Diese Masseln pflegen aus Barren von etwa 100—125 mm
Stärke bei 80—100 mm Breite zu bestehen, welche zur Erleichterung
des Zerschlagens in Abständen von etwa 250—300 mm mit eingegosse-
nen Kerben versehen sind.
Zur Herstellung von Gusswaaren unmittelbar aus dem Hochofen
ist das graue Koksroheisen weniger geeignet als das Holzkohlenroheisen.
Die Ursache hierfür ist theilweise in dem Umstande zu suchen, dass in
der, in den Kokshochöfen herrschenden, stärkeren Gasspannung auch das
Roheisen reichere Mengen von Gasen löst und beim Erstarren wieder
entlässt als das Holzkohlenroheisen, schwieriger mithin als dieses dichte,
blasenfreie Abgüsse liefert.
Dagegen befähigt der durchschnittlich höhere Siliciumgehalt des
grauen Koksroheisens dasselbe, ein öfteres Umschmelzen als das Holz-
kohlenroheisen zu ertragen, ohne dadurch hart, spröde zu werden. In
allen den zahlreichen Eisengiessereien, welche nicht unmittelbar aus
dem Hochofen ihr flüssiges Roheisen empfangen, sondern das Roheisen
in eigenen Oefen umschmelzen, bildet deshalb das Koksroheisen ein
bequemer verarbeitbares Material als das Holzkohlenroheisen und wird
theils aus diesem Grunde theils freilich auch seines durchschnittlich ge-
ringeren Preises halber in ungleich grösseren Mengen als letzteres ver-
arbeitet.
Ein grösserer Mangangehalt des für die Giesserei bestimmten Roh-
eisens ruft die nämlichen übelen Eigenschaften hervor, welche das
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Ledebur, Adolf: Handbuch der Eisenhüttenkunde. Leipzig, 1884, S. 303. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ledebur_eisenhuettenkunde_1884/349>, abgerufen am 25.11.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.