auch ein Corps Truppen nach Frankreich geführt. Als Fürst opfern Sie ihre Unterthanen für eine Sache auf, die Sie nichts angeht, und als Krieger müssen Sie die Lage einsehen, worin Sie sich izt befinden. Sie ist gefährlich für sie: Sie sind umringt: ich rathe Ihnen, Morgen früh den Rückweg nach ihrem Lande anzutreten, und das französische Gebiet zu räumen. Ich will Ihnen die Mittel verschaffen, sicher an den französischen Armeen vorbeyzukommen, die sich verschiedner Posten, wo Sie durch müssen, bemächtiget hat. Dieser Antrag ist freymüthig: ich verlange eine kategorische und förmliche Ant- wort. Die französische Republik entschuldigt ei- nen Irrthum: Sie weis aber auch einen Einbruch in ihr Gebiet und die Plünderung desselben, ohne Erbarmen zu rächen.
Dillon
N. S. Ich sende Ihnen diesen Brief durch mei- nen Generaladjutanten Gobert, der auf Ihre Antwort warten wird. Ihre Beschleunigung ist dringend nothwendig: ich bin im Begriff, zu mar- schiren."
Dieses Schreiben beweiset hinlänglich, daß Dillon die üble Lage der deutschen Völker genau kannte. Das Schreiben war aber in einem Tone abgefaßt, welcher einem Fürsten, wie der Hr. Landgraf von Hessen ist, unmöglich gefallen
auch ein Corps Truppen nach Frankreich gefuͤhrt. Als Fuͤrſt opfern Sie ihre Unterthanen fuͤr eine Sache auf, die Sie nichts angeht, und als Krieger muͤſſen Sie die Lage einſehen, worin Sie ſich izt befinden. Sie iſt gefaͤhrlich fuͤr ſie: Sie ſind umringt: ich rathe Ihnen, Morgen fruͤh den Ruͤckweg nach ihrem Lande anzutreten, und das franzoͤſiſche Gebiet zu raͤumen. Ich will Ihnen die Mittel verſchaffen, ſicher an den franzoͤſiſchen Armeen vorbeyzukommen, die ſich verſchiedner Poſten, wo Sie durch muͤſſen, bemaͤchtiget hat. Dieſer Antrag iſt freymuͤthig: ich verlange eine kategoriſche und foͤrmliche Ant- wort. Die franzoͤſiſche Republik entſchuldigt ei- nen Irrthum: Sie weis aber auch einen Einbruch in ihr Gebiet und die Pluͤnderung deſſelben, ohne Erbarmen zu raͤchen.
Dillon
N. S. Ich ſende Ihnen dieſen Brief durch mei- nen Generaladjutanten Gobert, der auf Ihre Antwort warten wird. Ihre Beſchleunigung iſt dringend nothwendig: ich bin im Begriff, zu mar- ſchiren.“
Dieſes Schreiben beweiſet hinlaͤnglich, daß Dillon die uͤble Lage der deutſchen Voͤlker genau kannte. Das Schreiben war aber in einem Tone abgefaßt, welcher einem Fuͤrſten, wie der Hr. Landgraf von Heſſen iſt, unmoͤglich gefallen
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auch ein Corps Truppen nach Frankreich gefuͤhrt.
Als Fuͤrſt opfern Sie ihre Unterthanen fuͤr eine Sache
auf, die Sie nichts angeht, und als Krieger muͤſſen
Sie die Lage einſehen, worin Sie ſich izt befinden.
Sie iſt gefaͤhrlich fuͤr ſie: Sie ſind umringt: ich
rathe Ihnen, Morgen fruͤh den Ruͤckweg nach ihrem
Lande anzutreten, und das franzoͤſiſche Gebiet zu
raͤumen. Ich will Ihnen die Mittel verſchaffen,
ſicher an den franzoͤſiſchen Armeen vorbeyzukommen,
die ſich verſchiedner Poſten, wo Sie durch muͤſſen,
bemaͤchtiget hat. Dieſer Antrag iſt freymuͤthig:
ich verlange eine kategoriſche und foͤrmliche Ant-
wort. Die franzoͤſiſche Republik entſchuldigt ei-
nen Irrthum: Sie weis aber auch einen Einbruch
in ihr Gebiet und die Pluͤnderung deſſelben, ohne
Erbarmen zu raͤchen.
Dillon
N. S. Ich ſende Ihnen dieſen Brief durch mei-
nen Generaladjutanten Gobert, der auf Ihre
Antwort warten wird. Ihre Beſchleunigung iſt
dringend nothwendig: ich bin im Begriff, zu mar-
ſchiren.“
Dieſes Schreiben beweiſet hinlaͤnglich, daß
Dillon die uͤble Lage der deutſchen Voͤlker genau
kannte. Das Schreiben war aber in einem
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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 3. Leipzig, 1796, S. 210. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben03_1796/222>, abgerufen am 18.12.2024.
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