[Spaltenumbruch]
nen, welche ihn durch Glauben, Liebe, Heili- gung und Zucht von den darinnen sonst herr- schenden Sünden reinigen und ihn sich also auf dem Wege zur Seligkeit mit zum besten dienen lassen.
6. Sonderlich haben schwangere und ge- bährende Eheweiber in diesem Spruche einen grossen Trost, daß, wenn sie auch über der Ge- burt das Leben lassen solten, sie gleichwol in ei- [Spaltenumbruch]
nem an sich GOtt gefälligen Stande sind, zu- mal wenn er im Glauben, in der Liebe, in der Heiligung und Zucht von ihnen geführet wor- den.
7. Wollen die Leiden bey einem gottseli- gen Eheweibe lange anhalten; so hat sie oft zur Beständigkeit im Glauben u. s. w. an Pauli Worte zugedencken, da er saget; so sie bleibet, oder verharret!
Das Dritte Capitel, Darinnen Der Apostel die Eigenschaften der Bischöfe und Kirchen- Diener vorstellet/ und einen herrlichen Ausspruch von dem Geheimnisse der Menschwerdung Christi/ als der Haupt-Lehre des Predigt- Amts/ hinzu thut.
V. 1.
[Spaltenumbruch]
DAs ist je gewißlich wahr (pisos o logos, es ist ein gewisses Wort, eine glaubwürdige Sache, nemlich die da folget von der Wichtigkeit des Lehr-Amts und von den Ei- genschaften eines tüchtigen und getreuen Lehrers.) So iemand ein Bischofs- Amt begehret, der begehret ein köstlich Werck (kalou~ ergou, ein Werck, eine Sache, o- der Amt, welches an sich selbst sehr gut, wichtig, nöthig und nützlich ist.)
Anmerckungen.
1. Der Verbindung wegen, welche diese Materie mit der vorhergehenden hat, ist zu mer- cken, daß, nachdem der Apostel in sofern von den öffentlichen Versamlungen gehandelt hat- te, daß er angezeiget, wie sich Männer und Weiber darinn zu verhalten hätten, er nun auf die Lehrer kömmt, welche solche Zusammenkünf- te dirigiren und darinnen nebst dem Gebete das Wort GOttes reichlich und erbaulich zu treiben haben.
2. Das teutsche Wort Bischof scheinet von dem Griechischen und Lateinischen Worte Episcopus herzukommen; und kan man darin- nen mit auf die Worte bey den Schafen se- hen, sintemal eines Bischofs-Amt ist, auf die Schafe zu sehen, und also fleißig bey den Scha- fen zu seyn; da er den Namen von der Aufsicht über die Heerde hat. Wie denn ein Bischof, ein Hirte, ein Lehrer, ein Aeltester u. s. w. zu seyn, in den apostolischen Briefen einerley ist, und in der apostolischen Kirche einerley war, also daß man zu der Zeit gar von keinem Vorzuge der Bischöfe vor den übrigen Lehrern wuste. Welches man gar deutlich daraus erkennen kan, daß Paulus alhier die Bischöfe nicht an- ders, als ordentliche Lehrer beschreibet, und von ihnen nicht andere Lehrer und Hirten, son- dern nur die Diaconos, die damaligen Kir- chen Diener, die es nicht eigentlich mit der Ge- [Spaltenumbruch]
meine zu thun hatten, sondern den ordentlichen Lehrern nur an die Hand gingen, unterscheidet. V. 8. Und in dem Briefe an den Titum sind es c. 1. v. 5. 7. gleichfals Synonyma, Wörter von gleicher Bedeutung, ein Aeltester und ein Bischof seyn. Und gleichwie der Apostel die Bischöf c. 5, 17. Aeltesten nennet: also wer- den diese Worte von ihme und Luca auch ver- wechselt Ap. Gesch. 20. Denn da stehet erstlich v. 17. wie Paulus von Mileto nach Ephesus gesandt, und die Aeltesten von der Gemeine fodern lassen. Diese aber redet er unter an- dern also an: So habet nun acht auf euch selbst und auf die gantze Heerde, über wel- che euch der Heilige Geist zu Bischöfen ge- setzet hat. u. s. w. Und da die Kirche zu Phi- lippen, wie alle andere, keine andere Vorste- her hatte, als die Aeltesten, oder eigentliche Lehrer und ihre Diaconos, oder Gehülfen und Diener: so heißt es in der Inscription des an sie geschriebenen Briefes: allen Heiligen in Christo JEsu zu Philippen, samt den Bi- schöfen und Dienern.
3. Da nun ein Bischof und ein eigentlicher Lehrer und Hirte der Kirche seyn, nach Apostoli- scher Ordnung einerley ist, so mögen sich diejeni- gen, welche das Bischöfliche Amt, als eine Fürstliche Würde führen, und weder auf sich, zum Heil ihrer Seelen, noch auf ihre Heerden se- hen, selbst prüfen, wie sie dermaleins vor dem Richterstuhl Christi, des Ertz-Hirten und Ertz- Bischofes unserer Seelen, 1 Petr. 2, 25. c. 4, 4. bestehen wollen. Was das Pabstthum disfals eingeführet, und was der bereits nach dem ersten Seculo nach und nach immer mehr eingerissene Verfall des Lehr-Standes dazu für einen Grund geleget habe, ist aus der Kirchen-Historie be- kannt.
4. Der Apostel nennet das Lehr-Amt ergon, ein Werck, von der Arbeit, die man darinnen an den Seelen der Menschen hat, und wo man sein
Gewis-
O 3
Cap. 3. v. 1. an den Timotheum.
[Spaltenumbruch]
nen, welche ihn durch Glauben, Liebe, Heili- gung und Zucht von den darinnen ſonſt herr- ſchenden Suͤnden reinigen und ihn ſich alſo auf dem Wege zur Seligkeit mit zum beſten dienen laſſen.
6. Sonderlich haben ſchwangere und ge- baͤhrende Eheweiber in dieſem Spruche einen groſſen Troſt, daß, wenn ſie auch uͤber der Ge- burt das Leben laſſen ſolten, ſie gleichwol in ei- [Spaltenumbruch]
nem an ſich GOtt gefaͤlligen Stande ſind, zu- mal wenn er im Glauben, in der Liebe, in der Heiligung und Zucht von ihnen gefuͤhret wor- den.
7. Wollen die Leiden bey einem gottſeli- gen Eheweibe lange anhalten; ſo hat ſie oft zur Beſtaͤndigkeit im Glauben u. ſ. w. an Pauli Worte zugedencken, da er ſaget; ſo ſie bleibet, oder verharret!
Das Dritte Capitel, Darinnen Der Apoſtel die Eigenſchaften der Biſchoͤfe und Kirchen- Diener vorſtellet/ und einen herrlichen Ausſpruch von dem Geheimniſſe der Menſchwerdung Chriſti/ als der Haupt-Lehre des Predigt- Amts/ hinzu thut.
V. 1.
[Spaltenumbruch]
DAs iſt je gewißlich wahr (πιςός ὁ λογος, es iſt ein gewiſſes Wort, eine glaubwuͤrdige Sache, nemlich die da folget von der Wichtigkeit des Lehr-Amts und von den Ei- genſchaften eines tuͤchtigen und getreuen Lehrers.) So iemand ein Biſchofs- Amt begehret, der begehret ein koͤſtlich Werck (καλου῀ ἔργου, ein Werck, eine Sache, o- der Amt, welches an ſich ſelbſt ſehr gut, wichtig, noͤthig und nuͤtzlich iſt.)
Anmerckungen.
1. Der Verbindung wegen, welche dieſe Materie mit der vorhergehenden hat, iſt zu mer- cken, daß, nachdem der Apoſtel in ſofern von den oͤffentlichen Verſamlungen gehandelt hat- te, daß er angezeiget, wie ſich Maͤnner und Weiber darinn zu verhalten haͤtten, er nun auf die Lehrer koͤmmt, welche ſolche Zuſammenkuͤnf- te dirigiren und darinnen nebſt dem Gebete das Wort GOttes reichlich und erbaulich zu treiben haben.
2. Das teutſche Wort Biſchof ſcheinet von dem Griechiſchen und Lateiniſchen Worte Epiſcopus herzukommen; und kan man darin- nen mit auf die Worte bey den Schafen ſe- hen, ſintemal eines Biſchofs-Amt iſt, auf die Schafe zu ſehen, und alſo fleißig bey den Scha- fen zu ſeyn; da er den Namen von der Aufſicht uͤber die Heerde hat. Wie denn ein Biſchof, ein Hirte, ein Lehrer, ein Aelteſter u. ſ. w. zu ſeyn, in den apoſtoliſchen Briefen einerley iſt, und in der apoſtoliſchen Kirche einerley war, alſo daß man zu der Zeit gar von keinem Vorzuge der Biſchoͤfe vor den uͤbrigen Lehrern wuſte. Welches man gar deutlich daraus erkennen kan, daß Paulus alhier die Biſchoͤfe nicht an- ders, als ordentliche Lehrer beſchreibet, und von ihnen nicht andere Lehrer und Hirten, ſon- dern nur die Diaconos, die damaligen Kir- chen Diener, die es nicht eigentlich mit der Ge- [Spaltenumbruch]
meine zu thun hatten, ſondern den ordentlichen Lehrern nur an die Hand gingen, unterſcheidet. V. 8. Und in dem Briefe an den Titum ſind es c. 1. v. 5. 7. gleichfals Synonyma, Woͤrter von gleicher Bedeutung, ein Aelteſter und ein Biſchof ſeyn. Und gleichwie der Apoſtel die Biſchoͤf c. 5, 17. Aelteſten nennet: alſo wer- den dieſe Worte von ihme und Luca auch ver- wechſelt Ap. Geſch. 20. Denn da ſtehet erſtlich v. 17. wie Paulus von Mileto nach Epheſus geſandt, und die Aelteſten von der Gemeine fodern laſſen. Dieſe aber redet er unter an- dern alſo an: So habet nun acht auf euch ſelbſt und auf die gantze Heerde, uͤber wel- che euch der Heilige Geiſt zu Biſchoͤfen ge- ſetzet hat. u. ſ. w. Und da die Kirche zu Phi- lippen, wie alle andere, keine andere Vorſte- her hatte, als die Aelteſten, oder eigentliche Lehrer und ihre Diaconos, oder Gehuͤlfen und Diener: ſo heißt es in der Inſcription des an ſie geſchriebenen Briefes: allen Heiligen in Chriſto JEſu zu Philippen, ſamt den Bi- ſchoͤfen und Dienern.
3. Da nun ein Biſchof und ein eigentlicher Lehrer und Hirte der Kirche ſeyn, nach Apoſtoli- ſcher Ordnung einerley iſt, ſo moͤgen ſich diejeni- gen, welche das Biſchoͤfliche Amt, als eine Fuͤrſtliche Wuͤrde fuͤhren, und weder auf ſich, zum Heil ihrer Seelen, noch auf ihre Heerden ſe- hen, ſelbſt pruͤfen, wie ſie dermaleins vor dem Richterſtuhl Chriſti, des Ertz-Hirten und Ertz- Biſchofes unſerer Seelen, 1 Petr. 2, 25. c. 4, 4. beſtehen wollen. Was das Pabſtthum disfals eingefuͤhret, und was der bereits nach dem erſten Seculo nach und nach immer mehr eingeriſſene Verfall des Lehr-Standes dazu fuͤr einen Grund geleget habe, iſt aus der Kirchen-Hiſtorie be- kannt.
4. Der Apoſtel nennet das Lehr-Amt ἔργον, ein Werck, von der Arbeit, die man darinnen an den Seelen der Menſchen hat, und wo man ſein
Gewiſ-
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[109/0111]
Cap. 3. v. 1. an den Timotheum.
nen, welche ihn durch Glauben, Liebe, Heili-
gung und Zucht von den darinnen ſonſt herr-
ſchenden Suͤnden reinigen und ihn ſich alſo auf
dem Wege zur Seligkeit mit zum beſten dienen
laſſen.
6. Sonderlich haben ſchwangere und ge-
baͤhrende Eheweiber in dieſem Spruche einen
groſſen Troſt, daß, wenn ſie auch uͤber der Ge-
burt das Leben laſſen ſolten, ſie gleichwol in ei-
nem an ſich GOtt gefaͤlligen Stande ſind, zu-
mal wenn er im Glauben, in der Liebe, in der
Heiligung und Zucht von ihnen gefuͤhret wor-
den.
7. Wollen die Leiden bey einem gottſeli-
gen Eheweibe lange anhalten; ſo hat ſie oft zur
Beſtaͤndigkeit im Glauben u. ſ. w. an Pauli
Worte zugedencken, da er ſaget; ſo ſie bleibet,
oder verharret!
Das Dritte Capitel,
Darinnen
Der Apoſtel die Eigenſchaften der Biſchoͤfe und Kirchen-
Diener vorſtellet/ und einen herrlichen Ausſpruch von dem Geheimniſſe
der Menſchwerdung Chriſti/ als der Haupt-Lehre des Predigt-
Amts/ hinzu thut.
V. 1.
DAs iſt je gewißlich wahr (πιςός
ὁ λογος, es iſt ein gewiſſes Wort,
eine glaubwuͤrdige Sache, nemlich
die da folget von der Wichtigkeit
des Lehr-Amts und von den Ei-
genſchaften eines tuͤchtigen und
getreuen Lehrers.) So iemand ein Biſchofs-
Amt begehret, der begehret ein koͤſtlich
Werck (καλου῀ ἔργου, ein Werck, eine Sache, o-
der Amt, welches an ſich ſelbſt ſehr gut, wichtig,
noͤthig und nuͤtzlich iſt.)
Anmerckungen.
1. Der Verbindung wegen, welche dieſe
Materie mit der vorhergehenden hat, iſt zu mer-
cken, daß, nachdem der Apoſtel in ſofern von
den oͤffentlichen Verſamlungen gehandelt hat-
te, daß er angezeiget, wie ſich Maͤnner und
Weiber darinn zu verhalten haͤtten, er nun auf
die Lehrer koͤmmt, welche ſolche Zuſammenkuͤnf-
te dirigiren und darinnen nebſt dem Gebete
das Wort GOttes reichlich und erbaulich zu
treiben haben.
2. Das teutſche Wort Biſchof ſcheinet
von dem Griechiſchen und Lateiniſchen Worte
Epiſcopus herzukommen; und kan man darin-
nen mit auf die Worte bey den Schafen ſe-
hen, ſintemal eines Biſchofs-Amt iſt, auf die
Schafe zu ſehen, und alſo fleißig bey den Scha-
fen zu ſeyn; da er den Namen von der Aufſicht
uͤber die Heerde hat. Wie denn ein Biſchof,
ein Hirte, ein Lehrer, ein Aelteſter u. ſ. w. zu
ſeyn, in den apoſtoliſchen Briefen einerley iſt,
und in der apoſtoliſchen Kirche einerley war, alſo
daß man zu der Zeit gar von keinem Vorzuge
der Biſchoͤfe vor den uͤbrigen Lehrern wuſte.
Welches man gar deutlich daraus erkennen
kan, daß Paulus alhier die Biſchoͤfe nicht an-
ders, als ordentliche Lehrer beſchreibet, und
von ihnen nicht andere Lehrer und Hirten, ſon-
dern nur die Diaconos, die damaligen Kir-
chen Diener, die es nicht eigentlich mit der Ge-
meine zu thun hatten, ſondern den ordentlichen
Lehrern nur an die Hand gingen, unterſcheidet.
V. 8. Und in dem Briefe an den Titum ſind
es c. 1. v. 5. 7. gleichfals Synonyma, Woͤrter
von gleicher Bedeutung, ein Aelteſter und ein
Biſchof ſeyn. Und gleichwie der Apoſtel die
Biſchoͤf c. 5, 17. Aelteſten nennet: alſo wer-
den dieſe Worte von ihme und Luca auch ver-
wechſelt Ap. Geſch. 20. Denn da ſtehet erſtlich
v. 17. wie Paulus von Mileto nach Epheſus
geſandt, und die Aelteſten von der Gemeine
fodern laſſen. Dieſe aber redet er unter an-
dern alſo an: So habet nun acht auf euch
ſelbſt und auf die gantze Heerde, uͤber wel-
che euch der Heilige Geiſt zu Biſchoͤfen ge-
ſetzet hat. u. ſ. w. Und da die Kirche zu Phi-
lippen, wie alle andere, keine andere Vorſte-
her hatte, als die Aelteſten, oder eigentliche
Lehrer und ihre Diaconos, oder Gehuͤlfen und
Diener: ſo heißt es in der Inſcription des an
ſie geſchriebenen Briefes: allen Heiligen in
Chriſto JEſu zu Philippen, ſamt den Bi-
ſchoͤfen und Dienern.
3. Da nun ein Biſchof und ein eigentlicher
Lehrer und Hirte der Kirche ſeyn, nach Apoſtoli-
ſcher Ordnung einerley iſt, ſo moͤgen ſich diejeni-
gen, welche das Biſchoͤfliche Amt, als eine
Fuͤrſtliche Wuͤrde fuͤhren, und weder auf ſich,
zum Heil ihrer Seelen, noch auf ihre Heerden ſe-
hen, ſelbſt pruͤfen, wie ſie dermaleins vor dem
Richterſtuhl Chriſti, des Ertz-Hirten und Ertz-
Biſchofes unſerer Seelen, 1 Petr. 2, 25. c. 4, 4.
beſtehen wollen. Was das Pabſtthum disfals
eingefuͤhret, und was der bereits nach dem erſten
Seculo nach und nach immer mehr eingeriſſene
Verfall des Lehr-Standes dazu fuͤr einen Grund
geleget habe, iſt aus der Kirchen-Hiſtorie be-
kannt.
4. Der Apoſtel nennet das Lehr-Amt ἔργον,
ein Werck, von der Arbeit, die man darinnen an
den Seelen der Menſchen hat, und wo man ſein
Gewiſ-
O 3
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Lange, Joachim: Des Apostolischen Lichts und Rechts. Bd. 2. Halle, 1729, S. 109. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lange_licht02_1729/111>, abgerufen am 23.11.2024.
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