Stand (Tiers-etat) genannt wird. IV) Der Pöbel, det hohe und niedere, eine Ausge- burt dei Nation, sich sträubend gegen recht- liche Ordnung, bildet keinen Stand; er fin- det sich in allen Ständen c).
a) Also gehören dahin, weder alle Bewohner des platten Landes, noch bloss die Besitzer eines Bauergutes oder der Bauerländerei. Vergl. übrigens W. F. Schrödter de notione rusticorum in Germania (Goett. 1743), §. 9. sqq. Runde's t. Privatr. §. 482. Westphals t. Privatr. I. 244. Moser v. d. t. Unterthanen Rechten, 475 -- Taglöhner und Handwerker, auf dem Lande, gehören, jene zu dem Bauer-, diese zu dem Bürger- stande. -- Reichsunmittelbare Bauern (Runde a. a. O. §. 73.) gab es nicht. Die einzelnen Bauern in den Reichsdörfern, waren Unterthanen der unmittelbaren Dorfgemeinde. Randel (Annalen der Staatskräfte von Europa, I. §. 120) nennt sie Einwohner der un- mittelbaren Reichsdörfer.
b) PatrimonialLeibeigene; nicht StaatsLeibeigene, die nur in Kerkerstaaten denkbar wären. A. L. Schlözers Staatsgelnhrtheit, I. 61. -- Aufgehoben ward die Leib- eigensebaft: 1) in dem Badischen am 23. Jul. 1783, Schlözers Staatsanzeigen, V. 39; 2) in dem Für- stenth. Hobenzellern Hechingen 1798; 3) in den Her- zogthümern Holstein u. Schleswig, 1804; 4) in dem Nassauischen, am 1. Jan. 1808, Rhein. Bund, XIV. 335; 5) in Baiern, 1808, Regier. Blatt von 1808, St. 49; 6) in dem ehemal. Grossherzogth. Berg, in dem Erfurtischen, Baireuthischen, Fulduischen u. Hanauischen, durch Decrete K. Napoleons, datirt Madrid 10. Dec. 1808; 7) in dem ehemal. Königr. Westphalen, durch die Constitution, Art. 13, u. königl. Decrete v. 23. Jan. 1808 u. 27. Jul. 1809, in d. Rhein. Bund, XVIII.
II. Th. II. Cap.
Stand (Tiers-état) genannt wird. IV) Der Pöbel, det hohe und niedere, eine Ausge- burt dei Nation, sich sträubend gegen recht- liche Ordnung, bildet keinen Stand; er fin- det sich in allen Ständen c).
a) Also gehören dahin, weder alle Bewohner des platten Landes, noch bloſs die Besitzer eines Bauergutes oder der Bauerländerei. Vergl. übrigens W. F. Schrödter de notione rusticorum in Germania (Goett. 1743), §. 9. sqq. Runde’s t. Privatr. §. 482. Westphals t. Privatr. I. 244. Moser v. d. t. Unterthanen Rechten, 475 — Taglöhner und Handwerker, auf dem Lande, gehören, jene zu dem Bauer-, diese zu dem Bürger- stande. — Reichsunmittelbare Bauern (Runde a. a. O. §. 73.) gab es nicht. Die einzelnen Bauern in den Reichsdörfern, waren Unterthanen der unmittelbaren Dorfgemeinde. Randel (Annalen der Staatskräfte von Europa, I. §. 120) nennt sie Einwohner der un- mittelbaren Reichsdörfer.
b) PatrimonialLeibeigene; nicht StaatsLeibeigene, die nur in Kerkerstaaten denkbar wären. A. L. Schlözers Staatsgelnhrtheit, I. 61. — Aufgehoben ward die Leib- eigensebaft: 1) in dem Badischen am 23. Jul. 1783, Schlözers Staatsanzeigen, V. 39; 2) in dem Für- stenth. Hobenzellern Hechingen 1798; 3) in den Her- zogthümern Holstein u. Schleswig, 1804; 4) in dem Nassauischen, am 1. Jan. 1808, Rhein. Bund, XIV. 335; 5) in Baiern, 1808, Regier. Blatt von 1808, St. 49; 6) in dem ehemal. Groſsherzogth. Berg, in dem Erfurtischen, Baireuthischen, Fulduischen u. Hanauischen, durch Decrete K. Napoleons, datirt Madrid 10. Dec. 1808; 7) in dem ehemal. Königr. Westphalen, durch die Constitution, Art. 13, u. königl. Decrete v. 23. Jan. 1808 u. 27. Jul. 1809, in d. Rhein. Bund, XVIII.
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II. Th. II. Cap.
Stand (Tiers-état) genannt wird. IV) Der
Pöbel, det hohe und niedere, eine Ausge-
burt dei Nation, sich sträubend gegen recht-
liche Ordnung, bildet keinen Stand; er fin-
det sich in allen Ständen c).
a⁾ Also gehören dahin, weder alle Bewohner des platten
Landes, noch bloſs die Besitzer eines Bauergutes oder
der Bauerländerei. Vergl. übrigens W. F. Schrödter
de notione rusticorum in Germania (Goett. 1743), §.
9. sqq. Runde’s t. Privatr. §. 482. Westphals t.
Privatr. I. 244. Moser v. d. t. Unterthanen Rechten,
475 — Taglöhner und Handwerker, auf dem Lande,
gehören, jene zu dem Bauer-, diese zu dem Bürger-
stande. — Reichsunmittelbare Bauern (Runde a. a. O.
§. 73.) gab es nicht. Die einzelnen Bauern in den
Reichsdörfern, waren Unterthanen der unmittelbaren
Dorfgemeinde. Randel (Annalen der Staatskräfte
von Europa, I. §. 120) nennt sie Einwohner der un-
mittelbaren Reichsdörfer.
b⁾ PatrimonialLeibeigene; nicht StaatsLeibeigene, die nur
in Kerkerstaaten denkbar wären. A. L. Schlözers
Staatsgelnhrtheit, I. 61. — Aufgehoben ward die Leib-
eigensebaft: 1) in dem Badischen am 23. Jul. 1783,
Schlözers Staatsanzeigen, V. 39; 2) in dem Für-
stenth. Hobenzellern Hechingen 1798; 3) in den Her-
zogthümern Holstein u. Schleswig, 1804; 4) in dem
Nassauischen, am 1. Jan. 1808, Rhein. Bund, XIV.
335; 5) in Baiern, 1808, Regier. Blatt von 1808, St.
49; 6) in dem ehemal. Groſsherzogth. Berg, in dem
Erfurtischen, Baireuthischen, Fulduischen u. Hanauischen,
durch Decrete K. Napoleons, datirt Madrid 10. Dec.
1808; 7) in dem ehemal. Königr. Westphalen, durch
die Constitution, Art. 13, u. königl. Decrete v. 23.
Jan. 1808 u. 27. Jul. 1809, in d. Rhein. Bund, XVIII.
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Klüber, Johann Ludwig: Öffentliches Recht des teutschen Bundes und der Bundesstaaten. Frankfurt (Main), 1817, S. 312. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klueber_recht_1817/336>, abgerufen am 16.02.2025.
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