lipp V gegründete Akademie übergingen. Ein solches Institut war bereits unter Philipp III angeregt worden, nach Jusepe Mar- tinez von Vicencio Carducho, auf dessen Antrieb im Jahre 1619 die Maler der Hauptstadt ein Memorial mit Statuten einreichten. Der Plan wurde bald nach dem Regierungsantritt seines Sohnes wieder zur Sprache gebracht und von Olivares begünstigt; man hatte ein Programm entworfen, mit Lehrvorträgen, Preisen, Graden, in öffentlichen Akten zu ertheilen; die Ausführung, der auch die Cortes von Castilien sich günstig zeigten, scheiterte an den "Sondermeinungen" der Maler.
Unser Maler verliess Madrid im November 1648. Da in Catalonien noch der Krieg tobte, Barcelona in den Händen der Franzosen war, in Alicante, Valencia und Sevilla aber die Pest wüthete, so geschah die Einschiffung in Malaga, am 2. Januar 1649. Auch der venezianische Gesandte Basadonna musste ein Jahr vorher diesen Weg nehmen, um von Venedig nach Madrid zu kommen, er brauchte 68 Tage. Die Seefahrt war nicht ohne Gefahr. Im Frühjahr 1650 erbeuteten französische Piraten ein spanisches Schiff mit dem Secretär Don Juans und Depeschen des Nuntius, auf der Fahrt von Alicante nach Genua. Der Bastard Philipp IV rüstete in Neapel eine Flotte mit der Absicht, die Franzosen aus Elba zu vertreiben, Longone und Piombino zu nehmen.
Velazquez schloss sich dem spanischen Botschafter an, wel- cher nach Trient wollte, um dort die neue Königin Marianne von Oesterreich zu empfangen. Es war Don Jayme Manuel de Cardenas, Herzog von Naxera y Maqueda. In Folge widriger Winde konnte man erst am 11. Februar in Genua landen.
Auch diessmal verweilte Velazquez nur als Durchreisender in Genua. Ueber Mailand und Padua eilte er nach der Lagunen- stadt. Nicht einmal der bevorstehende festliche Empfang seiner jungen Königin in Mailand, in dessen Zurüstungen er hineinkam, konnte ihn bewegen, in der Hauptstadt der Lombardei länger zu bleiben als hinreichte, dem Abendmahl Leonardo's und den Kirchen einen Blick zu schenken. So überliess er die Gunst, ihr erstes Bildniss als Spaniens Königin zu malen, einem Fremden, Justus Sustermans, dem florentinischen Hofmaler, der mit dem Cardinal Joh. Carl von Medici nach dem Grenzort Finale ge- kommen war. Diess Bildniss nahm sie mit nach Madrid.
Veranlassung der Reise.
lipp V gegründete Akademie übergingen. Ein solches Institut war bereits unter Philipp III angeregt worden, nach Jusepe Mar- tinez von Vicencio Carducho, auf dessen Antrieb im Jahre 1619 die Maler der Hauptstadt ein Memorial mit Statuten einreichten. Der Plan wurde bald nach dem Regierungsantritt seines Sohnes wieder zur Sprache gebracht und von Olivares begünstigt; man hatte ein Programm entworfen, mit Lehrvorträgen, Preisen, Graden, in öffentlichen Akten zu ertheilen; die Ausführung, der auch die Cortes von Castilien sich günstig zeigten, scheiterte an den „Sondermeinungen“ der Maler.
Unser Maler verliess Madrid im November 1648. Da in Catalonien noch der Krieg tobte, Barcelona in den Händen der Franzosen war, in Alicante, Valencia und Sevilla aber die Pest wüthete, so geschah die Einschiffung in Malaga, am 2. Januar 1649. Auch der venezianische Gesandte Basadonna musste ein Jahr vorher diesen Weg nehmen, um von Venedig nach Madrid zu kommen, er brauchte 68 Tage. Die Seefahrt war nicht ohne Gefahr. Im Frühjahr 1650 erbeuteten französische Piraten ein spanisches Schiff mit dem Secretär Don Juans und Depeschen des Nuntius, auf der Fahrt von Alicante nach Genua. Der Bastard Philipp IV rüstete in Neapel eine Flotte mit der Absicht, die Franzosen aus Elba zu vertreiben, Longone und Piombino zu nehmen.
Velazquez schloss sich dem spanischen Botschafter an, wel- cher nach Trient wollte, um dort die neue Königin Marianne von Oesterreich zu empfangen. Es war Don Jayme Manuel de Cardenas, Herzog von Náxera y Maqueda. In Folge widriger Winde konnte man erst am 11. Februar in Genua landen.
Auch diessmal verweilte Velazquez nur als Durchreisender in Genua. Ueber Mailand und Padua eilte er nach der Lagunen- stadt. Nicht einmal der bevorstehende festliche Empfang seiner jungen Königin in Mailand, in dessen Zurüstungen er hineinkam, konnte ihn bewegen, in der Hauptstadt der Lombardei länger zu bleiben als hinreichte, dem Abendmahl Leonardo’s und den Kirchen einen Blick zu schenken. So überliess er die Gunst, ihr erstes Bildniss als Spaniens Königin zu malen, einem Fremden, Justus Sustermans, dem florentinischen Hofmaler, der mit dem Cardinal Joh. Carl von Medici nach dem Grenzort Finale ge- kommen war. Diess Bildniss nahm sie mit nach Madrid.
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Veranlassung der Reise.
lipp V gegründete Akademie übergingen. Ein solches Institut
war bereits unter Philipp III angeregt worden, nach Jusepe Mar-
tinez von Vicencio Carducho, auf dessen Antrieb im Jahre 1619
die Maler der Hauptstadt ein Memorial mit Statuten einreichten.
Der Plan wurde bald nach dem Regierungsantritt seines Sohnes
wieder zur Sprache gebracht und von Olivares begünstigt; man
hatte ein Programm entworfen, mit Lehrvorträgen, Preisen,
Graden, in öffentlichen Akten zu ertheilen; die Ausführung, der
auch die Cortes von Castilien sich günstig zeigten, scheiterte an
den „Sondermeinungen“ der Maler.
Unser Maler verliess Madrid im November 1648. Da in
Catalonien noch der Krieg tobte, Barcelona in den Händen der
Franzosen war, in Alicante, Valencia und Sevilla aber die Pest
wüthete, so geschah die Einschiffung in Malaga, am 2. Januar 1649.
Auch der venezianische Gesandte Basadonna musste ein Jahr
vorher diesen Weg nehmen, um von Venedig nach Madrid zu
kommen, er brauchte 68 Tage. Die Seefahrt war nicht ohne
Gefahr. Im Frühjahr 1650 erbeuteten französische Piraten ein
spanisches Schiff mit dem Secretär Don Juans und Depeschen
des Nuntius, auf der Fahrt von Alicante nach Genua. Der Bastard
Philipp IV rüstete in Neapel eine Flotte mit der Absicht, die
Franzosen aus Elba zu vertreiben, Longone und Piombino zu
nehmen.
Velazquez schloss sich dem spanischen Botschafter an, wel-
cher nach Trient wollte, um dort die neue Königin Marianne
von Oesterreich zu empfangen. Es war Don Jayme Manuel
de Cardenas, Herzog von Náxera y Maqueda. In Folge widriger
Winde konnte man erst am 11. Februar in Genua landen.
Auch diessmal verweilte Velazquez nur als Durchreisender
in Genua. Ueber Mailand und Padua eilte er nach der Lagunen-
stadt. Nicht einmal der bevorstehende festliche Empfang seiner
jungen Königin in Mailand, in dessen Zurüstungen er hineinkam,
konnte ihn bewegen, in der Hauptstadt der Lombardei länger zu
bleiben als hinreichte, dem Abendmahl Leonardo’s und den
Kirchen einen Blick zu schenken. So überliess er die Gunst, ihr
erstes Bildniss als Spaniens Königin zu malen, einem Fremden,
Justus Sustermans, dem florentinischen Hofmaler, der mit dem
Cardinal Joh. Carl von Medici nach dem Grenzort Finale ge-
kommen war. Diess Bildniss nahm sie mit nach Madrid.
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Justi, Carl: Diego Velazquez und sein Jahrhundert. Bd. 2. Bonn, 1888, S. 157. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/justi_velazquez02_1888/177>, abgerufen am 17.02.2025.
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